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Karlsruhe Er ist der "Nackte Mann": Vor über 60 Jahren stand Georg Kenntner Modell

Die Steinfigur "Nackter Mann" ist das Wahrzeichen der Karlsruher Fußballfans. Vorlage für die Statue war einst unter anderem der Körper des damals 23-jährigen Sportstudenten Georg Kenntner. Heute ist der Pensionär über 80 Jahre alt, doch sein "früheres Ich" ist - nicht nur sprichwörtlich - in Stein gemeißelt. ka-news.de hat mit ihm gesprochen.

"Wir treffen uns am 'Nackten Mann'": Während dieser Satz anderenorts Verwirrung stiften könnte, ist er unter den Karlsruher Fußballfans gang und gäbe. Die Betonfigur vor dem Stadion ist nicht nur Treffpunkt, sondern auch Tradition - seit 1958 steht er auf seinem Stammplatz und begrüßt die Fans zu den Spielen.

Abbau der Statue "nackter Mann" vor dem Wildparkstadion
Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Eine schlanke Figur, die Bauchmuskeln zeichnen sich ab, der "Nackte Mann" hat - ohne Frage - einen athletischen Körper. Der Mann, der damals Modell stand - und dessen Ebenbild die Statue ist - ist heute über 80 Jahre alt: Georg Kenntner. 

Für fünf Mark: Sportstudenten stehen Modell

Wie wird man Modell für eine so berühmte Figur? "Ich war damals Sportstudent hier in Karlsruhe und es wurden zwei Studenten gesucht", erinnert sich Kenntner. Für fünf Mark die Stunde sind er und sein Kommilitone Hans Weber dafür bereit. Damals war Kenntner 23 Jahre jung, studierte im vierten Semester. 

Georg Kenntner Leiter des Instituts für Sportwissenschaften im Jahr 1980
Leiter des Instituts für Sportwissenschaften im Jahr 1980 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe /8/BA Schlesiger A39/157/7/34

Ihr Weg führt die beiden Studenten ins Atelier des Bildhauers Emil Sutor.  So lange Modell zu stehen, bis Sutor die Statue gemeißelt hatte, war allerdings nicht möglich. Zu lange dauerten die Arbeiten. Aus diesem Grund wurde die Steinfigur zuerst mit Modelliermasse - mit der Vorlange der beiden Studenten - vorgeformt.  

Die fertige Steinfigur ist eine Mischung des Aussehens beider Männer. Dennoch sage man ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit der Statue nach, erzählt Georg Kenntner im Gespräch mit ka-news.de. Beispielsweise seien einige seiner Gesichtszüge in denen des "Nackten Mannes" zu erkennen. 

Die Statue ist kein Fußballer - sondern Leichtathlet

Auch wenn der "Nackte Mann" heute ein Wahrzeichen der KSC-Fans ist, einen Fußballspieler stellt die Figur nicht dar. Stattdessen soll es der Körper eines Leichtathleten sein. "Früher war hier, wo heute das Wildparkstadion steht, ein Sportplatz, ein Leichtathletikstadion mit acht Laufbahnen", so Kenntner. Diesem Platz war die Statue ursprünglich gewidmet.

Der "Nackte Mann" und sein lebendes Modell waren seitdem nicht weit voneinander getrennt. Die Statue trat im Jahr 1958 ihre Amtszeit vor dem Stadion an, Georg Kenntner wurde rund 20 Jahre später Leiter des sportwissenschaftlichen Institutes am heutigen KIT. Sein Arbeitsplatz war somit nur einen Kilometer von der Figur entfernt. 

Der "Nackte Mann" ist in die Jahre gekommen

Im Jahr 1997 geht Kenntner in den Ruhestand während der "Nackte Mann" noch immer tapfer vor dem Wildparkstadion steht. Doch auch er ist gealtert: Wind und Wetter haben der Figur in den vergangenen Jahrzehnten zugesetzt. Ende November wurde sie abgebaut, ein wohl trauriger Tag für viele KSC-Fans. In Gaggenau, bei Steinmetz Bernhard Binder, bekommt der "Nackte Mann" nun eine Verjüngungskur.

Abbau der Statue "nackter Mann" vor dem Wildparkstadion
Der "nackte Mann" wurde abgebaut und wird nun restauriert. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Die KSC-Fans müssen ihren steinernen Freund nun eine Weile missen. An seinen alten Platz wird der "Nackte Mann" zwar nie zurückkehren, doch er soll - wenn das neue Stadion fertiggestellt ist - einen neuen Standort erhalten. Vor dem neuen Wildparkstadion wird er die Heimfans vor den Spielen begrüßen.

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Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

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  •   Weichei
    (501 Beiträge)

    11.01.2020 15:48 Uhr
    Vor vielen Jahren
    ging ich dort mit meiner Freundin vorbei. "Schau und nimm dir ein Beispiel". Sagte sie.
    Ach was solls, das war kein Problem in den 60igern, Zwei Tage spaeter hatte ich eine neue Freundin.
    Vermeidete jedoch am nackten Mann mit ihr vorbei zu gehen.
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  •   ALFPFIN
    (6959 Beiträge)

    11.01.2020 19:17 Uhr
    Aber es war doch eine Option,
    falls dann wieder eine neue Freundin "ins Auge" gefasst wurde, wäre der nackte Mann wieder hilfreich gewesen, schnell und unkompliziert. 😊
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  •   VielVorNixDahinter
    (262 Beiträge)

    11.01.2020 07:18 Uhr
    Würde man heute neu modellieren
    fiel das Ergebnis offenbar etwas fülliger aus.
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