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Karlsruhe Ein Hauch von Olympia in der Fächerstadt: "Die World Games 1989 waren eine Sensation!"

Egal ob Korfball, Petanqué oder Rollhockey: Bei den sogenannten World Games bekommen all die Sportarten eine Bühne, die es (noch) nicht oder nicht mehr zu den Olympischen Spielen geschafft haben. Vor genau 30 Jahren, im Sommer 1989, machten die Spiele der nicht-olympischen Sportarten auch in der Fächerstadt Station. Ein Hauch Olympia - ausgerechnet in Karlsruhe. ka-news.de hat sich auf Spurensuche begeben.

Bei den World Games wird BMX gefahren, Trampolin gesprungen oder Karate gekämpft: Zahlreiche Sportarten, die (noch) nicht oder nicht mehr bei den Olympischen Spielen vertreten sind, finden hier alle vier Jahre - immer ein Jahr nach der Olympiade - ihre Bühne. 1981 fand der erste Wettkampf statt, seitdem wurden die Spiele bereits zehn Mal in den verschiedensten Städten rund um den Globus ausgetragen.

"Nach Karlsruhe werden die World Games ganz andere sein!"

Nach Santa Clara in Kalifornien und London führt die dritte Runde der internationalen Wettkämpfe, die vom Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) veranstaltet werden, im Jahr 1989 auch in die Fächerstadt. Vom 20. bis 30. Juli verwandelt sich unter anderem die Europahalle für etwa 4.000 Athleten aus etwa 60 Ländern in eine Wettkampfstätte. Rund 204.000 Zuschauer verfolgen damals gespannt das zehntägige Spektakel.

Die World Games 1989 in Karlsruhe.
Die World Games 1989 in Karlsruhe. | Bild: The World Games

Mit dieser Bilanz waren die World Games in Karlsruhe bis zu diesem Zeitpunkt auch die erfolgreichsten. Nachdem die zweite Auflage der Sportveranstaltung in London kaum Aufmerksamkeit erlangt, verkündet der damalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch entschlossen: "Nach Karlsruhe werden die World Games ganz andere sein!" Doch warum hat ausgerechnet Karlsruhe es geschafft, den Erfolg der nicht-olympischen Spiele wieder aufleben zu lassen?

Wie die World Games nach Karlsruhe kamen

Das lag zum einen an der bestehenden Infrastruktur, denn: Um die World Games austragen zu dürfen, muss eine Stadt bereits über geeignete Sportstätten verfügen. Diese Vorgaben konnte Karlsruhe mit der 1983 erbauten Europahalle, dem Sportpark in Beiertheim, der Schwarzwaldhalle, dem Kongresszentrum und - für den Wassersport - mit dem nahe gelegenen Hafen in Wörth am Rhein sowie dem Fächerbad erfüllen.

Einer der Austragungsorte war die Europahalle. | Bild: The World Games

Ein weiterer wichtiger Aspekt: die Größe der Stadt: "Hier liegt alles nah beieinander und ist gut erreichbar", erklärt Karl-Heinz-Stadler, ehemaliger Sportdezernent der Stadt Karlsruhe, der damals bei der Organisation der Spiele ganz vorne mit dabei ist. "In einer Millionenstadt wie London ging solch ein Event unter, in einer kleineren Stadt wie Karlsruhe wird es zur Sensation!", sagt der 87-Jährige gegenüber ka-news.de.

Die World Games in Karlsruhe sind bis dahin die erfolgreichsten. | Bild: The World Games

Der ausschlaggebende Grund ist für Stadler aber das angebotene Kulturprogramm, zu dem unter anderem zahlreiche Workshops, Wettbewerbe, Musik und Kleinkunst zählten. Mitmachaktionen wie fünf internationale Jugendlager verschiedener Sportverbände für über 600 Jugendliche runden das damalige Rahmenprogramm ab. "Alle hatten die Möglichkeit mitzumachen, das war wunderbar. In gewisser Weise gehört Sport und Kultur für mich auch zusammen", meint er im Gespräch mit ka-news.de

 

 

Mitmachangebote für Kinder vor der Europahalle.
Mitmachangebote für Kinder vor der Europahalle. | Bild: The World Games

"Oberbürgermeister Gerhard Seiler war zuerst skeptisch"

Nichtsdestotrotz stellt jedes Event einer solchen Größenordnung auch eine finanzielle Herausforderung dar: "Wir hatten eine Anfangsfinanzierung von 70.000 D-Mark. Da war der damalige Oberbürgermeister Gerhard Seiler schon skeptisch", so Karl-Heinz Stadler. Diese Skepsis sollte sich später allerdings als unbegründet herausstellen: Mit über 200.000 Besuchern erwirtschaften die Spiele einen Erlös aus den Eintrittsgeldern in Höhe von rund 600.000 D-Mark, hinzu kamen über 12.000 gebuchte Hotelzimmer.

Doch nicht nur finanziell, auch organisatorisch verlangt die Ausrichtung der Spiele den Machern so einiges ab. So werden zahlreiche Disziplinen bereits im Voraus bei Meisterschaften und Turnieren demonstriert, um den Athleten die Sportarten unter Wettbewerbsbedingungen vorzustellen.

 

Organisatorischer Kraftakt

In einem großen Wettbewerb wird im Sommer 1988 zudem das World Games-Maskottchen gesucht. Der Gewinner: "Karlchen", eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Huhn, Pfau und Drache, der auf Messen, Ausstellungen und Sportveranstaltungen im Dauereinsatz die Werbetrommel für die ungewöhnlichen World Games rührt.

Maskottchen "Karlchen".
Maskottchen "Karlchen". | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A55/193/5/13

"Große Aufgaben brauchen Visionen, Ideen und vor allem ein gutes Netzwerk. Ich habe schon einiges organisiert, doch so eine Dimension habe ich vorher noch nie erlebt. Das war ein organisatorischer Kraftakt!", sagt Stadler gegenüber ka-news.de. 

Schon Monate vor dem Sportereignis machten sich die Karlsruher bereit für die World Games. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A56/23/3/16

Doch die Anstrengung hatte sich gelohnt: Schon Monate vor dem Start der World Games kommt bei den Bürgern der Stadt zunehmend Olympia-Feeling auf: Auf den Bahnen klebt Werbung, Kunstwerke der Spiele zieren Hausfassaden und die Geschäfte auf der Kaiserstraße schmücken sich mit der dazu passenden Dekoration.

Die Häuserfassaden zieren Kunstwerke der Spiele. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A57/167/5/24

World Games werden zum elften Mal ausgetragen

Und auch nach der Austragung hinterlassen die World Games noch immer ihre Spuren in Karlsruhe: Auf einem Flohmarkt werden übrig gebliebene Souvenirs der Spiele verkauft. Ein Foto-Wettbewerb kürt zudem die besten Amateur-Fotos, die auf der Veranstaltung aufgenommen wurden und zeigt sie in einer Ausstellung.

Auch nach der Veranstaltung ist der Hype um die World Games ungebrochen. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A57/184/7/06

Auch heute noch sind die World Games beliebt wie eh und je: Im Jahr 2021 werden die Spiele bereits zum elften Mal ausgetragen, dann in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama. Dabei ist das Großereignis beträchtlich gewachsen, aus den anfänglichen 16 Sportarten wurden mittlerweile 27. Diese anhaltende Beliebtheit haben die Spiele wohl nicht zuletzt dem Erfolg der Karlsruher World Games von 1989 zu verdanken.

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Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

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  •   santana
    (1197 Beiträge)

    29.07.2019 09:01 Uhr
    @motzmann
    Dem kann ich nur zustimmen. Ich erinnere mich noch gerne daran.
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  •   Nico1966
    (355 Beiträge)

    29.07.2019 08:33 Uhr
    World Games
    Ja,und das in der Europahalle !!! Daß wir das überlebt haben ! Keine Brandschutz-Hysterie !
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  •   runner
    (479 Beiträge)

    29.07.2019 09:14 Uhr
    Die "Brandschutzhysterie" ...
    ... kommt ja nicht von ungefähr.
    Brandschutzbestimmungen werden angepasst, weil Lehren aus vergangenen Ereignissen gezogen werden. Das Geschrei möchte ich nicht hören, wenn Brandopfer zu beklagen sind, weil man eben nicht aus der Vergangenheit gelern hat.
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  •   runner
    (479 Beiträge)

    29.07.2019 09:15 Uhr
    reiche ein t nach
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  •   Nico1966
    (355 Beiträge)

    29.07.2019 09:30 Uhr
    Brandschutz-Hysterie
    Nun, die Brände bei Veranstaltungen in Deutschland hielten sich doch sehr in Grenzen . Wenn gab es verheerende Brände doch eher im Ausland , wo der Brandschutz gar nicht vorhanden war,Fluchtwege blockiert waren oder sich zu viele Menschen auf zu kleinem Raum aufhielten . Vielleicht Mal mehr das Augenmerk auf Entflamm-Schutz in PKW und LKW richten,da brennen in letzter Zeit zu viele aus .
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  •   andip
    (10386 Beiträge)

    29.07.2019 12:17 Uhr
    Die Brandschutzvorschriften
    werden für alle Gebäude immer wieder mal verschärft, auch wenn es nicht gebrannt hat.
    Grund, man weiss auch so, wie man es nicht machen sollte.
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