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Karlsruhe Die Bedeutung des Denkmals ist umstritten: Landet der Greif wieder auf dem Europaplatz?

Das Denkmal des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 wurde 1925 von dem Karlsruher Regiment zur Erinnerung an ihre gefallenen und verwundeten Kameraden gestiftet und am Europaplatz errichtet. Wegen der Bauarbeiten für den Stadtbahntunnel wurde 2010 die Granitsäule temporär eingelagert, während der Greif im Garten des Prinz-Max-Palais aufgestellt wurde. Vertreter zweier unterschiedlicher Standpunkte präsentieren ihre Argumente für und gegen die Wiedererrichtung des Denkmals.

Ulrich Beer-Bercher ist Gründungsmitglied der Initiative für ein Friedensdenkmal, die für die gewaltfreie Lösung von Konflikten steht. "Das Leibgrenadierdenkmal ist ein affirmatives Denkmal", sagt Beer-Bercher im Gespräch mit ka-news. Mit anderen Worten, es bestätige und verherrliche die kriegerische Lösung, und rühmt die Schlachten, in denen die Leibgrenadiere gekämpft haben. In der Tat erinnert das Denkmal an die napoleonischen Kriege, die Revolution von 1848, den Deutsch-Französischen Krieg als auch den Ersten Weltkrieg und an die Soldaten, die zur Verteidigung ihrer Heimat ins Feld gezogen sind.

Beer-Berchers Meinung nach ist das Greifdenkmal verzichtbar, weil es die Schlachten der Grenadiere auflistet und nicht den Gefallenen und Opfern gewidmet ist. Somit stehe das Denkmal nicht für Trauer oder Bedauern.

Historische Aufnahme der Greif-Stele
Der Greif steht bereits seit 1925 vor dem Gebäude, das heute als "Postgalerie" bekannt ist. | Bild: Privatbesitz Karl Leis, Karlsruhe

Distanzierung vom 1. Weltkrieg ist notwendig

"Natürlich gibt es bei uns in der Initiative auch unterschiedliche Meinungen", sagt Beer-Bercher. "Manche Mitglieder möchten das Denkmal komplett entfernen und ins Museum schicken lassen, andere würden einen Kompromiss mit zwei Denkmälern - den Greif und ein Friedensdenkmal - begrüssen." Persönlich würde er das Leibgrenadierdenkmal nicht wieder aufbauen. "Es gehört ein Friedensdenkmal auf den Europaplatz", meint er.

Laut Beer-Bercher brauche die Gesellschaft eine Distanzierung vom 1. Weltkrieg, um Wiederholungen solcher Konflikte zu vermeiden. Revisionisten, die imperialistische Ideen vertraten, so Beer-Bercher, haben das Denkmal gebaut. Er befürwortet das Antikriegsdenkmal am Ettlinger Rathausturm, von Oskar Kiefer 1927 errichtet, das deutlich vor dem Krieg mahnt.

Spatenstich für den Bau der Greif-Stele
Mit vielen Zuschauern wurde das Fundament für das Denkmal angefertigt. | Bild: Privatbesitz Karl Leis, Karlsruhe

"Wenn Kriegerdenkmäler mahnen, haben sie eine sinnvolle Funktion." Ulrich Beer-Bercher möchte, dass das Stadtbild die gegenwärtige Zeit und die damit verbundenen Werte repräsentiert. "Ein Friedensdenkmal sollte auf einem prominenten Platz stehen", sagt er. Es sollte nach vorne gerichtet werden und den Menschen ehren, die zu den Zeiten des Wiederaufbaus von Deutschland und dem Versöhnungsprozess nach dem 2. Weltkrieg beigetragen haben.

Gefallenendenkmal Daxlanden
Das Gefallenendenkmal in Daxlanden erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es wurde 1932 eingeweiht und ist den Kriegsopfern gewidmet. | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Denkmäler sind Kunstwerke

"Ein Ort, an dem Kulturdenkmäler verfallen, ist wie ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert", sagt Karl Leis, Karlsruher Antiquitätenhändler und Mitglied der Historischen Bürgerwehr im Gespräch mit ka-news. Das Zitat von Ann-Sophie Mutter ist relevant - Denkmäler gehören zum Stadtbild und zur Geschichte der Stadt. Man sollte das, was früher errichtet wurde, nicht einfach beseitigen. Die meisten Gefallenendenkmäler seien Kunstwerke von bekannten Künstlern, Mahnmale und Gedenkstätten, und stellen keine Verherrlichung des Krieges dar. Sie dienen, so Leis, zur Erinnerung an die Leute, die damals gekämpft haben und als Mahnmale gegen zukünftige Kriege.

Man sollte auch den Zeitgeist und die Leute weiterhin respektieren, sagt Leis, der 2010 bei den Abbauarbeiten an der Entdeckung der sogenannten Kassette, einer Metallschachtel unter dem Grundstein, die Originaldokumente und bedeutende Erinnerungsstücke über die Leibgrenadiere enthielt, beteiligt war. Leis sorgte dafür, dass die Kassette so gut wie möglich gerettet werden konnte.

Kiste im Fundament unter dem Greif
Im Fundament der Greif-Säule auf dem Europaplatz wurde eine Art "Zeitkapsel" vergraben, welche im Laufe der Zeit aber Schaden genommen hat. | Bild: Privatbesitz Karl Leis, Karlsruhe

Für Hinterbliebene sind Denkmäler auch Trauerstellen

Der Antiquitätenhändler sieht die Gefallenendenkmäler auch als Ersatz für eine Grabstätte. Der 1. Weltkrieg beispielsweise fand nicht auf deutschem Boden statt und Soldaten sind unter anderem in Frankreich, Belgien oder Russland gefallen. So hatten die Angehörigen keine menschlichen Überreste ihrer geliebten Väter, Ehemänner und Söhne und daher auch kein Grab.

Eine Trauerfeier für den Verstorbenen war damit nicht möglich, und es hat ein Ort gefehlt, an dem sie ihn besuchen oder Blumen bringen konnten. Das Denkmal hat in diesem Fall als eine Art Ersatzgrab fungiert, vor allem in den Dörfern und kleinen Ortschaften, wo die Namen der Gefallenen an Gedenktafeln aufgelistet wurden.

Das Denkmal für die Badischen Leibgrenadiere. | Bild: DaLa

In gewissem Maße war das Denkmal auf dem Karlsruher Europaplatz auch eine Trauerstelle, an der die Angehörigen sich treffen und trösten konnten. Das Gefallenendenkmal der zwei weinenden Frauen in Ettlingen-Bruchhausen, errichtet 1927, drückt dies deutlich aus.

"In allen anderen Ländern", betont Leis, "werden die Denkmäler als Mahnmale behandelt, nur in Deutschland wollen manche versuchen, durch Ändern oder Entfernen dieser Ehrenmale die Geschichte zu entstellen."

Denkmal regt zur Auseinandersetzung mit der Geschichte an

"Es gibt eine klare Zusage der Stadt, dass das Denkmal wieder aufgestellt wird", sagt der Karlsruher Kulturbürgermeister Albert Käuflein im Gespräch mit ka-news, "und daran halten wir uns". Das Greifdenkmal nehme Bezug auf geschichtliche Ereignisse, erklärt er, und sei selbst Teil der Geschichte, das man nicht entfernen sollte. Vielmehr bietet das Denkmal die Möglichkeit, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

Käuflein könnte sich vorstellen, dass eine kommentierende Tafel am Denkmal dabei helfen könnte. Außerdem wäre es vorstellbar, Veranstaltungen am Denkmal abzuhalten - etwa gemeinsame Gedenkfeiern zusammen mit den Feind von einst. "Die Bedeutung eines solchen Denkmals wandelt sich damit", ist Bürgermeister Käuflein überzeugt.

Greif im Prinz-Max-Palais
Aktuell steht der Greif im Garten des Prinz-Max-Palais. | Bild: Privatbesitz Karl Leis, Karlsruhe

Wiederaufbau kommt erst Ende 2019

Doch bis es soweit ist, zieht es sich noch etwas hin: Auf Anfrage von ka-news teilt die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) mit, dass an den Aufbau des Denkmals frühestens Ende 2019 gedacht werden könne. Wie auch so manch anders Denkmal, muss aber auch Leibgrenadierdenkmal dann noch eine weitere Baustellenzeit überstehen: Der Europaplatz bekommt, wie auch die gesamte Innenstadt, einen neuen Pflasterbelag.

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  •   Rundbau-Gespenst
    (10710 Beiträge)

    15.10.2018 21:48 Uhr
    welche Panzerdivision?
    Stadtwiki: "Das Grenadier-Regiment Nr. 109 der Wehrmacht wurde 1935 neu aufgestellt und hatte keine Verbindung zum 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109."

    Ich sehe hier keine Verbindung zu dem preußischen Haufen, der das Regiment Nr. 109 zu Willems Zeiten war.

    Andererseits hauste das Regiment zunächst dort, wo heute die Postgalerie logiert.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1002 Beiträge)

    15.10.2018 20:51 Uhr
    Der Greif auf dem Obelisk
    samt seiner Inschriften gehören nun mal zu Karlsruhe und vor die Hauptpost. Ich habe das seit jeher als Mahnmal zur Erinnerung an den Horror des Krieges gesehen. Und nicht als etwas Verherrlichendes, wie hier wieder unterstellt wird.

    Kann mir mal irgend jemand plausibel erklären, warum immer wieder versucht wird, Grabsteine umzuwerfen?
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  •   mikado46
    (129 Beiträge)

    15.10.2018 12:20 Uhr
    Wir brauchen....
    ....Denkmäler gegen die Ideologien. Die meisten Ideologien bewirken eine Gegenideolodie.
    Ideologie und Gegenideologie sind Vater und Mutter von vielen kriegerischen Konflikte.
    Nicht die Soldaten , gleich welchen Ranges, sind schlecht. Sie sind gesteuerte Marionetten von
    kompromisslosen Ideologen.
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  •   tkfischer
    (498 Beiträge)

    15.10.2018 12:06 Uhr
    Denkmalschützer
    Wo bleiben denn hier die Denkmalschützer, welche denen, die Wohnhäuser bauen oder zeitgemäß umbauen wollen, bei jeder Gelegenheit Knüppel zwischen die Beine werfen? Hier gilt es nun wirklich ein Denkmal vor geschichtsvergessener Bilderstürmerei zu schützen. Kein Mensch verherrlicht hier Schlachten. Das Denkmal zählt auf, in welchen Schlachten unsere Vorfahren gekämpft und gelitten haben. Zu Gedenken an diese Menschen und keinem anderen Zweck wurde das Denkmal errichtet. Diese Denkmal ist Teil der Geschichte unserer Stadt und unserer Region, wie kein anderes. Es gehört zur Identität Karlsruhes. Wer Geschichte leugnet, zeigt, dass er aus der Geschichte nichts wirklich lernen will. Kriege verhindert man nicht durch Pazifismus und dessen ständige Zurschaustellung.
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  •   karlsruher1955
    (1106 Beiträge)

    15.10.2018 13:10 Uhr
    Sehr guter Beitrag
    Den Toten zum Gedenken - den Lebenden zur Mahnung und Erinnerung.
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  •   ProKA
    (705 Beiträge)

    14.10.2018 20:35 Uhr
    Natürlich muss
    dieses Denkmal wieder an gleicher Stelle aufgestellt werden. Es gehört zu Karlsruhe wie die Pyramide und sieht es einfach toll aus. Das sich jetzt einige „Hippies“ darüber aufregen nimmt man dann auch gerne in Kauf.
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  •   Malerdoerfler
    (4652 Beiträge)

    14.10.2018 23:41 Uhr
    Und warum denken diese Personen
    eigentlich immer, dass die Soldaten die "für das Vaterland" gekämpft haben alle jubelnd und begeistert in den Krieg gezogen sind?
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  •   NeoTiger
    (624 Beiträge)

    15.10.2018 12:33 Uhr
    Weil sie so gefilmt wurden
    Wir kennen aus dieser Zeit hauptsächlich die historischen Kameraaufnahmen von Soldaten die freudig jubelnd für den Kaiser in den Krieg zogen. Aber die Anwesenheit eines Kamerateams ist schon eine Verfälschung an sich, denn diese Aufnahmen dienten ja hauptsächlich der Propaganda und die gefilmten Soldaten hatten sehr klare Regieanweisungen.

    Natürlich waren da sicher auch verblendete Idealisten darunter, aber es ist anzunehmen, dass kein Mann wirklich gerne von seiner Familie und seinem Beruf entrissen wird. Die meisten werden darauf gehofft haben, dass das nur ein kurzer und eher symbolischer Feldzug wird und der Streit recht schnell auf politischem Weg beendet wird. Bis dato konnte sich noch niemand wirklich die grausame Tödlichkeit der modernen Waffentechnik dieser Zeit ausmalen.
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    (3670 Beiträge)

    15.10.2018 15:19 Uhr
    Beim
    zweiten Weltkrieg ist das Phänomen umso erstaunlicher. Das Ende des ersten mit dem zermürbenden Stellungskampf lag nicht so lange zurück und trotzdem...die Panzer, die Panzer, die Wurzel allen Unheils.
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    (3670 Beiträge)

    15.10.2018 09:35 Uhr
    Die meisten schon,
    aber nur bis die ersten zurückgekommen sind. Oder zurückkommen sollten und es eben nicht sind. Trotz der Schrecken des WK 1 liessen sie sich ein zweites Mal drauf ein, im Gedanken unbesiegbar zu sein. Und beseelt von Rachegelüsten für die erlittene Schmach.
    Das war eben eine über Jahrhunderte völlig normale Prägung. Krieg war etwas Normales. Zumindest hat sich das in Europa geändert, wenigstens ein bisschen. Aber das ist noch nicht lange genug her, als dass man es als stabil bezeichnen könnte.
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