5  

Karlsruhe Chroniken von Karlsruhe: Schätze, Scheine, Schnappschüsse

Seien es Millionen an Deutsche Markt, die Glückwünsche des ehemaligen Oberbürgermeisters Gerhard Seiler zur Meisterschaft der KSC-Amateure in der Fußball-Oberliga im Jahr 1996, die ersten Steuereinnahmen der Stadt im Jahre 1718 oder Millionen Deutsche Mark - Ernst Otto Bräunche weiß, wo es zu finden ist. Er ist Leiter des Karlsruher Stadtarchivs und Hüter der Karlsruher Stadtgeschichte.

Es ist das ältestes, amtliche Schriftstück der Stadt: Ein Einnahmebuch aus dem Jahr 1718 - zu Lesen sind darin beispielsweise Beträge über 50 Kreuzer. Bei 10 bis 15 Prozent Luftfeuchtigkeit ruht das Buch neben Geburts-, Heirats- und Todesregister, Postkarten, Ratsprotokollen und weiteren historischen Unterlagen in einem der vier Magazinräume.

Im Archiv lagern Millionen Mark

"Hundert laufende Meter an Akten bekommen wir pro Jahr", erzählt Ernst Otto Bräunche, "davon behalten wir aber meist nur rund fünf Prozent." Die Akten stammen aus der Stadtverwaltung und sind Gemeinderats- oder andere Sitzungsprotokolle. Es können aber auch Entwässerungsakten sein - wie im Falle von Archivarin Angelika Herkert. Sie sichtet derzeit rund 600 Akten über Kanalarbeiten aus dem Jahre 1880. Die Unterlagen wurden zur Vernichtung freigegeben. Das Stadtarchiv bewertet nun, welche Akten Teil der Stadtgeschichte werden sollen.

Inflation Karlsruhe Zehtnausend Mark
Im Stadtarchiv lagern Millionen: Deutsche Mark aus den Inflationsjahren. | Bild: cob

Schätze gibt es in der ehemaligen Pfandleihe in der Markgrafenstraße einige - im Archiv lagern gar Millionen Deutsche Mark. Bündelweise liegen die Geldscheine aus den 20er Jahren im Stadtarchiv - die geringste Summe beginnt bei 10.000 Mark. Doch sie waren kaum etwas Wert zu Zeiten der Inflation, diesen Umstand brachte der Zeichner der Geld-Gutscheine humoristisch in seine Entwürfe ein. Hält man den 10.000-Mark-Gutschein aus dem Jahr 1923 gegen das Licht, so scheint der abgebildete Arbeiter am Galgen - eigentlich ein Kran im Rheinhafen auf der Rückseite - zu hängen.

Geziert ist die Illustration der Goldwäscher am Rhein auf der Vorderseite mit dem Spruch "Gold des Rheines münzten eins die Väter hier - Enkel drucken heute Nullen auf Papier." Der blanke Hintern, den ein Goldwäschers dem Betrachter entgegenstreckt, hinterlässt keinen Zweifel mehr an der Meinung des Illustratoren zur Inflation.

Familienaufnahmen sind heiß begehrt

Derzeit arbeitet das Stadtarchiv neben dem Restaurieren auch am Digitalisieren seiner Bestände. Im Haus können jedoch nur Kleinformate bearbeitet werden, alles ab DinA3 muss außer Haus gegeben werden - das sind über 50 Prozent des Gesamtbestands. Bis alles seinen Weg ins Netz gefunden hat, wird es noch eine ganze Weile dauern. Wie viel Dokumente pro Jahr restauriert werden können, hängt ganz vom zur Verfügung gestellten Geld, der Arbeitskapazität und dem Material ab. Dokumente auf Pergamin oder gar handgeschöpftem Papier sind aufwändiger in der Wiederherstellung als "neueres" Papier nach 1900.

Stadtarchiv Karlsruhe
Karlsruher Geschichte im Stadtarchiv. Pro Jahr kommen zirka 100 laufende Meter an Akten hinzu. | Bild: cob

Neben dem Tagesgeschäft Archivierung und Restauration arbeitet man beim Stadtarchiv zur Zeit auch auf den 300. Stadtgeburtstag hin. "Wir sind weiterhin an historischen Dokumenten interessiert", so Leiter Bräunche, "dazu gehören auch schon private Fotoaufnahmen mit der Familie im Zoo." Historische Gebäude oder die Kleidung machen Aufnahmen, die für den Besitzer banal erscheinen möchten, wertvoll für die Archivare.

Mehr zum Thema
Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

Haben Sie eine Anregung, Fragen zu einem alten Gebäude oder können uns etwas über das frühere Karlsruhe erzählen? Dann schreiben Sie uns per Mail oder per ka-Reporter-Formular. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (5)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (209 Beiträge)

    19.10.2014 22:53 Uhr
    im 6. Wort schon ein Fehler: Deutsche Markt...
    und: die Deutsche Mark gab es erst ab 1948.
    Davor hieß die Währung Reichsmark und vor der Inflation in den Zwanzigern einfach nur Mark, und nicht Deutsche Mark.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (495 Beiträge)

    19.10.2014 10:01 Uhr
    Bodenschätze
    Wenn ich daran denk wieviel wertvolle Knochen und ggf. Münzen, Waffen und sonstige Relikte unserer Vorfahren der Tunnelbohrer in KA einfach zermahlen tut. Da könnten einem als Archäologie fast Tränen in die Augen kommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (322 Beiträge)

    20.10.2014 07:56 Uhr
    Gut
    dass du keine Archäologie bist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    19.10.2014 12:58 Uhr
    @ nethudle, "Tränen"
    Angesichts Ihrer Geschichts- und Geologiekenntnisse auch...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (3799 Beiträge)

    19.10.2014 10:09 Uhr
    Also Karlsruhe ist ja noch nicht so alt...
    ...dass solche Sachen 10 Meter tief im Boden liegen. Bei den Arbeiten an den Haltestellen wure ja auch nicht viel gefunden. Mauerreste der Konkordienkirche und alte Brunnen unter dem Marktplatzbrunnen. Sonst hat man bisher nichts gehört.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben