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Karlsruhe 1715 gründet Markgraf Karl Wilhelm die Fächerstadt, die später als Vorbild für die US-Hauptstadt Washington dient

Nach jahrzehntelangen Kriegen kehrt 1715 endlich Ruhe am Oberrhein ein. Die Markgrafschaft Baden-Durlach hat besonders unten den Kriegen gelitten, unter anderem ist auch die Residenzstadt Durlach völlig zerstört. Es liegt jetzt in den Händen des 35-jährigen Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach, Perspektiven auf eine ruhigere Zukunft zu gestalten. Die von Karl Wilhelm gegründete Stadt mit ihren 32 Fächerstrahlen dient auch Ende des 18. Jahrhunderts als Vorlage für die US-Hauptstadt Washington D.C.

Karlsruhe Geschichte beginnt 1715 mit der Grundsteinlegung zur neuen Residenz von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach, die mitten im Hardtwald entsteht. Laut einer Legende ist der Markgraf nach einer anstrengenden Jagd im Wald an einem Baum eingeschlafen und hat im Traum die Idee, ein Schloss mit einer Stadt mitten im Wald zu gründen.

"Karls Ruhe", Darstellung von Karl Wilhelms Traum von der Fächerstadt Karlsruhe | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 555

Der Vater des Markgrafen, Friedrich Magnus, hat die durch französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 zerstörte Residenz in Durlach wieder aufbauen wollen. Doch in Zeiten der wirtschaftlichen Not erwies sich dieser Plan als schwierig und trotz der Wiederaufbaumaßnahmen sieht man auch Jahre später die Zerstörungen deutlich an. 1711 plant sein Sohn, mit der Anlage einer Vorstadt das Bild seiner Residenz zu verändern.

Aus dem kleinen Jagdhaus wurde schnell ein Schloss

Ursprünglich ist Karl Wilhelms Idee, ein Jagdhaus mit Wildpark zu errichten. Dafür wählt er den Hardtwald aus. Zu dieser Zeit ist der Wald bereits durch mehrere Wege erschlossen, die zu den umliegenden Dörfern, unter anderem Mühlburg, Neureut und Linkenheim führen. Die Straße zwischen Durlach und Mühlburg (genannt Lange Straße) ist ausgebaut. Im Laufe des Jahres jedoch entscheidet sich der Markgraf, statt einem kleinen Jagdschloss im Hardtwald eine größere Schlossanlage zu bauen.

Ein kreisrundes Areal soll um den Schlossturm entstehen, von welchem aus 32 Radialen (wie Fächerstrahlen) nach allen Richtungen führen. Neun dieser Strahlen führen nach Süden, während die anderen sich in den umstehenden Dörfern erstrecken und erschließen damit das Jagdgebiet. Der mittlere Südstrahl (Allee) trifft dabei auf die Straße zwischen Durlach und Mühlburg. Der Markgraf persönlich entwirft das Konzept der Schlossanlage, nachdem er sich bei den zuständigen Baumeistern Rat holt und legt am 17. Juni 1715 den Grundstein des Turms.

Bauarbeiter waren die ersten Karlsruher Siedler

Obwohl Karl Wilhelm zuerst nur ein Ruhesitz plant, entsteht daraus dann eine ganze Stadt. Es beginnt mit den Bauhütten, die in Eigenarbeit von den am Schlossbau beschäftigten Handwerker errichtet werden. Die Stadt fängt an, sich auszubreiten und die neun nach Süden ausgerichteten Alleen bilden das Stadtgebiet. Karl Wilhelm ist ein gewissenhafter Regent, will vermögende Bürger in die neue Stadt anlocken und plant, die Wirtschaft durch Investitionen und Wiederaufbau anzukurbeln. Im September 1715 schreibt er einen Freiheitsbrief, um reiche Bürger zur Ansiedlung zu ermuntern und den Aufbau der Stadt zu unterstützen.

Stadtplan mit Benennung der Straßen, Kopie von W. Bender, Druck einer kolorierten Zeichnung von 1716 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 12

Für neue Wohn- und Geschäftshäuser gibt es ein Muster für sogenannte "Modellhäuser". Adel und Beamte, ordnet Karl Wilhelm an, werden in Gebäuden am Zirkel wohnen. Langsam wachsen die Stadt und die Fächerstruktur – 1719 gibt es bereits 125 Häuser mit zirka 500 Bewohnern.

Nicht mehr alle Fächerstrahlen sind noch existent

Die verschiedenen Straßen des Fächers werden nach den Gasthäusern und Wirtschaften, die an den Ecken und entlang den Straßen stehen, benannt. Am Anfang sind es die Einwohner, die die Namen dieser dort stehenden Wirtshäuser benutzen: Waldhorn, Adler, Krone, Kreuz, Bären, Lamm, Ritter – doch in den 1720er Jahren setzen sich diese Straßennamen auch im behördlichen Schriftverkehr durch. Die nördlichen Alleen werden nach den Nachbarorten benannt, zu denen die einzelnen Alleen führen.

Stadtplan mit Plänen der Menagerie, kolorierter Druck von 1737 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 40

Von den insgesamt 32 Fächerstrahlen existieren heute nur noch 30 in voller Länge und viele enden weit weg vom Schlossturm entfernt. Die Rintheimer Feld Allee und die ehemalige Durlacher Allee sind nicht mehr vorhanden. Die Binsenschlauchallee beispielsweise läuft von der Willy-Brandt-Allee bis zum Adenauerring, 1,2 km vom Schlossturm entfernt. Die Welschneureuter Allee und die Teutschneureuter Allee enden heute ebenfalls weiter weg vom Schlossturm.

Die Fächerstadt: Ein Exportschlager

Im April 1788 besucht der spätere US-Präsident Thomas Jefferson die Stadt Karlsruhe. Dabei ist er vom Grundriss so begeistert, dass er ihn skizziert und in die USA mitnimmt. 1791 schickt er den Plan an den Stadtbaumeister Pierre L'Enfant, der vom Präsident George Washington mit dem Bau der zukünftigen US-Hauptstadt beauftragt ist. Obwohl L'Enfant Stadtpläne von 12 europäischen Großstädten hatte, zeigt der Stadtgrundriss von Washington DC deutliche Ähnlichkeiten mit dem von Karlsruhe. Es ist also ziemlich sicher, dass die Planung der US-Hauptstadt von Karlsruhe inspiriert wurde.

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Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

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  •   malerdoerfler
    (5951 Beiträge)

    16.12.2018 09:06 Uhr
    Unser Karlsruhe
    Damals schon ein Exportschlager.
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  •   Kojak
    (269 Beiträge)

    16.12.2018 11:13 Uhr
    Damals "noch",
    heute nicht mehr. Trump würde wohl kaum eine Kopie der U-Strab in seiner Hauptstadt wollen. Und von der neuen Buntheit wäre er wohl auch nicht sonderlich begeistert.
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  •   Fischkopp
    (7 Beiträge)

    16.12.2018 17:14 Uhr
    Washington
    Washington hat bereits eine gut ausgebaute U-Strab, heisst dort "Metro".
    Und was die "Buntheit" angeht hätte Karlsruhe noch einiges nachzuholen.
    Die Hälfte der Einwohner dort sind Afroamerikaner.
    Mir persönlich gefällt die amerikanische Auagabe von Karlsruhe ausgesprochen gut.
    Eine sehr schöne Stadt.
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