23  

Karlsruhe 1715 gründet Markgraf Karl Wilhelm die Fächerstadt, die später als Vorbild für die US-Hauptstadt Washington dient

Nach jahrzehntelangen Kriegen kehrt 1715 endlich Ruhe am Oberrhein ein. Die Markgrafschaft Baden-Durlach hat besonders unten den Kriegen gelitten, unter anderem ist auch die Residenzstadt Durlach völlig zerstört. Es liegt jetzt in den Händen des 35-jährigen Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach, Perspektiven auf eine ruhigere Zukunft zu gestalten. Die von Karl Wilhelm gegründete Stadt mit ihren 32 Fächerstrahlen dient auch Ende des 18. Jahrhunderts als Vorlage für die US-Hauptstadt Washington D.C.

Karlsruhe Geschichte beginnt 1715 mit der Grundsteinlegung zur neuen Residenz von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach, die mitten im Hardtwald entsteht. Laut einer Legende ist der Markgraf nach einer anstrengenden Jagd im Wald an einem Baum eingeschlafen und hat im Traum die Idee, ein Schloss mit einer Stadt mitten im Wald zu gründen.

"Karls Ruhe", Darstellung von Karl Wilhelms Traum von der Fächerstadt Karlsruhe
"Karls Ruhe", Darstellung von Karl Wilhelms Traum von der Fächerstadt Karlsruhe | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 555

Der Vater des Markgrafen, Friedrich Magnus, hat die durch französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 zerstörte Residenz in Durlach wieder aufbauen wollen. Doch in Zeiten der wirtschaftlichen Not erwies sich dieser Plan als schwierig und trotz der Wiederaufbaumaßnahmen sieht man auch Jahre später die Zerstörungen deutlich an. 1711 plant sein Sohn, mit der Anlage einer Vorstadt das Bild seiner Residenz zu verändern.

Aus dem kleinen Jagdhaus wurde schnell ein Schloss

Ursprünglich ist Karl Wilhelms Idee, ein Jagdhaus mit Wildpark zu errichten. Dafür wählt er den Hardtwald aus. Zu dieser Zeit ist der Wald bereits durch mehrere Wege erschlossen, die zu den umliegenden Dörfern, unter anderem Mühlburg, Neureut und Linkenheim führen. Die Straße zwischen Durlach und Mühlburg (genannt Lange Straße) ist ausgebaut. Im Laufe des Jahres jedoch entscheidet sich der Markgraf, statt einem kleinen Jagdschloss im Hardtwald eine größere Schlossanlage zu bauen.

Ein kreisrundes Areal soll um den Schlossturm entstehen, von welchem aus 32 Radialen (wie Fächerstrahlen) nach allen Richtungen führen. Neun dieser Strahlen führen nach Süden, während die anderen sich in den umstehenden Dörfern erstrecken und erschließen damit das Jagdgebiet. Der mittlere Südstrahl (Allee) trifft dabei auf die Straße zwischen Durlach und Mühlburg. Der Markgraf persönlich entwirft das Konzept der Schlossanlage, nachdem er sich bei den zuständigen Baumeistern Rat holt und legt am 17. Juni 1715 den Grundstein des Turms.

Bauarbeiter waren die ersten Karlsruher Siedler

Obwohl Karl Wilhelm zuerst nur ein Ruhesitz plant, entsteht daraus dann eine ganze Stadt. Es beginnt mit den Bauhütten, die in Eigenarbeit von den am Schlossbau beschäftigten Handwerker errichtet werden. Die Stadt fängt an, sich auszubreiten und die neun nach Süden ausgerichteten Alleen bilden das Stadtgebiet. Karl Wilhelm ist ein gewissenhafter Regent, will vermögende Bürger in die neue Stadt anlocken und plant, die Wirtschaft durch Investitionen und Wiederaufbau anzukurbeln. Im September 1715 schreibt er einen Freiheitsbrief, um reiche Bürger zur Ansiedlung zu ermuntern und den Aufbau der Stadt zu unterstützen.

Stadtplan mit Benennung der Straßen, Kopie von W. Bender, Druck einer kolorierten Zeichnung von 1716
Stadtplan mit Benennung der Straßen, Kopie von W. Bender, Druck einer kolorierten Zeichnung von 1716 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 12

Für neue Wohn- und Geschäftshäuser gibt es ein Muster für sogenannte "Modellhäuser". Adel und Beamte, ordnet Karl Wilhelm an, werden in Gebäuden am Zirkel wohnen. Langsam wachsen die Stadt und die Fächerstruktur – 1719 gibt es bereits 125 Häuser mit zirka 500 Bewohnern.

Nicht mehr alle Fächerstrahlen sind noch existent

Die verschiedenen Straßen des Fächers werden nach den Gasthäusern und Wirtschaften, die an den Ecken und entlang den Straßen stehen, benannt. Am Anfang sind es die Einwohner, die die Namen dieser dort stehenden Wirtshäuser benutzen: Waldhorn, Adler, Krone, Kreuz, Bären, Lamm, Ritter – doch in den 1720er Jahren setzen sich diese Straßennamen auch im behördlichen Schriftverkehr durch. Die nördlichen Alleen werden nach den Nachbarorten benannt, zu denen die einzelnen Alleen führen.

Stadtplan mit Plänen der Menagerie, kolorierter Druck von 1737
Stadtplan mit Plänen der Menagerie, kolorierter Druck von 1737 | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 40

Von den insgesamt 32 Fächerstrahlen existieren heute nur noch 30 in voller Länge und viele enden weit weg vom Schlossturm entfernt. Die Rintheimer Feld Allee und die ehemalige Durlacher Allee sind nicht mehr vorhanden. Die Binsenschlauchallee beispielsweise läuft von der Willy-Brandt-Allee bis zum Adenauerring, 1,2 km vom Schlossturm entfernt. Die Welschneureuter Allee und die Teutschneureuter Allee enden heute ebenfalls weiter weg vom Schlossturm.

Die Fächerstadt: Ein Exportschlager

Im April 1788 besucht der spätere US-Präsident Thomas Jefferson die Stadt Karlsruhe. Dabei ist er vom Grundriss so begeistert, dass er ihn skizziert und in die USA mitnimmt. 1791 schickt er den Plan an den Stadtbaumeister Pierre L'Enfant, der vom Präsident George Washington mit dem Bau der zukünftigen US-Hauptstadt beauftragt ist. Obwohl L'Enfant Stadtpläne von 12 europäischen Großstädten hatte, zeigt der Stadtgrundriss von Washington DC deutliche Ähnlichkeiten mit dem von Karlsruhe. Es ist also ziemlich sicher, dass die Planung der US-Hauptstadt von Karlsruhe inspiriert wurde.

Mehr zum Thema
Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

Haben Sie eine Anregung, Fragen zu einem alten Gebäude oder können uns etwas über das frühere Karlsruhe erzählen? Dann schreiben Sie uns per Mail oder per ka-Reporter-Formular. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (23)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    16.12.2018 21:53 Uhr
    Abspaltung
    immer gerne. lieber dann noch mit den Hessen, Frankfurt und Wiesbaden als Filiale. hat doch was oder?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (1452 Beiträge)

    16.12.2018 14:55 Uhr
    Badener
    Motzer und Grantler als Vorbild? Nein danke.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    16.12.2018 13:07 Uhr
    Da hat
    wohl noch einer das Problem das der junge Graf hatte, siehe oben Beitrag von rambazamba. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (694 Beiträge)

    16.12.2018 12:41 Uhr
    Da habt ihr ja noch Glueck gehabt,
    dass der Karl die Stelle nicht Wilhelma nannte grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rambazamba
    (350 Beiträge)

    16.12.2018 10:41 Uhr
    Der junge Graf
    wurde bei einer Jagdgesellschaft müde und musste sich hinlegen. Soso.... Nun, lustig, dass ein junger Mann ein Schläfchen braucht so mitten am Tag. Doddelvoll vom Badischen Wein war er. Karl's Ruh' war also ein Rauschausschlafen, denn anscheinend hatte man ewig gebraucht, um ihn unter Bäumen pennend zu finden. Musste die Geschichte mal recherchieren und mir erscheint diese Theorie auch sinniger als ein plötzliches Bedürfnis nach einem Mittagsschlaf zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7216 Beiträge)

    16.12.2018 14:48 Uhr
    Der Herr Graf
    soll ja damals deshalb in Richtung Hardtwald geritten sein, weil er seiner zänkischen Frau entkommen wollte. Da wird sein oberster Hofschranze mit der entsprechenden Verpflegung hinterher geritten sein. Seine offiziell Angetraute blieb dann auch in Durlach. Für nicht offiziell Angetraute war im Karlsruher Schloss ja genug Platz und Bäum drum rum, zum Räuschle ausschlafen in frischer Waldluft hatte es ja genug. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (11874 Beiträge)

    16.12.2018 21:40 Uhr
    wenn man bedenkt, dass ds zänkische Weib
    aus'm Schwäbischen stammte ist das nur zu gut verstehen, dass er die Kurve gekratzt hat und die olle im Prinzessenplast in Lätschebach hat sitzen lassen.

    Die Blumenmädchen (wohl eine Art leichtlebiger Hippies) waren für ihn verständlicherweise eher reizvoll...

    grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    16.12.2018 11:07 Uhr
    So wirds gwese sei,
    vollgsoffe vom Gaul nunnergfalle. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7216 Beiträge)

    16.12.2018 10:12 Uhr
    Sehr guter Beitrag
    Aber sagt das nicht Mister Trump, dass Karlsruhe Vorbild für die US-Hauptstadt Washington war, das glaubt der nie und nimmer. Das kann nur umgekehrt sein, Trumps Great Amerika hat den Grundriss des Straßennetzes von Karlsruhe erfunden. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   M.S.
    (338 Beiträge)

    16.12.2018 09:55 Uhr
    da hat
    sich jemand richtig Mühe gegeben.
    Danke für den schönen Beitrag!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.