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Karlsruhe Draisinenrennen: Fahrspaß ohne Bremsen und Pedale

Fahrradfahren verlernt man nicht. Gleiches gilt für die Mutter aller Fahrräder: das Laufrad des Freiherrn von Drais, mit dem er 1817 die weltweit erste Fahrradtour unternommen hat. Auf Drais' Spuren können die Teilnehmer des traditionellen Draisinenrennens beim Karlsruher Stadtgeburtstag am 18. und 19. Juni rollen. Die einzige Voraussetzung ist der "Draisinen-Führerschein".

Wer Fahrradfahren kann, der kommt nicht unbedingt mit der Drais'schen Laufmaschine zurecht. Und wer auf der Maschine Höchstgeschwindigkeiten fahren möchte, benötigt unbedingt Training. "Ohne einen Führerschein darf keiner auf das Laufrad", stellt Rolf Huber von der Radsportgemeinschaft Karlsruhe fest. Seit mehr als 30 Jahren organisiert er im Verein Draisinenrennen und kennt sich aus mit den Tücken des Zweirads.

Mit breiten Schritten schlingert das Rad

Anders als bei modernen Fahrrädern liegt das Gewicht nicht auf der Lenkstange, sondern auf der Körperauflage vor dem Sattel. "Über die Brust übt man Druck auf die Maschine aus und stabilisiert und balanciert sie damit", erklärt Huber. Der Antritt erfolgt über ausladende Schritte in die Länge. Macht man zu kurze oder zu breite Schritte, beginnt die Maschine zu schlingern. Keine guten Voraussetzungen für ein rasantes Wettrennen. Deshalb auch der "Führerschein", um den Kniff mit Druckpunkt, Schrittlänge und Lenkung herauszufinden und ein Gefühl für das Rad zu bekommen. "Man muss es erfahren - im wahrsten Sinn des Wortes", lacht Huber.

Seit 2002 ist das Rennen mit den Laufrädern fester Bestandteil des Karlsruher Stadtgeburtstags. Bis 2009 traten die Draisinenpiloten auf Nachbauten der historischen Maschinen gegeneinander an. Vor zwei Jahren blieben die Laufmaschinen aus Holz in der Garage. Die Fahrer gingen erstmals mit "Hightech-Draisinen" an den Start. Diese bestehen aus einem Polystyrolschaumstoff-Kern, der mit Kohle- und Glasfaser laminiert ist. So wiegt das Laufrad weit weniger als ein herkömmliches Fahrrad.

60 Mal im Kreis für die Badische Meile

Die erste Carbonlaufmaschine hatte ein Team um Jürgen Walter an der Fakultät für Maschinenbau und Mechatronik der Fachhochschule Karlsruhe gebaut. 2008 setzten sich Mitglieder der Radsportgemeinschaft mit den Maschinenbauer der Hochschule zusammen und sponnen Pläne, um die hölzernen Nachbauten für die Rennen durch Carbonzweiräder zu ersetzen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Karlsruher Haupt-, Real-, Werkreal- und Sonderschulen bauten die Zweiradexperten 2009 zwölf Laufmaschinen, die anlässlich des Stadtgeburtstags beim Rennen auf dem Friedrichsplatz zum ersten Mal auf die Strecke gingen.

Für das diesjährige Stadtjubiläum wandert die Rennstrecke zum ersten Mal auf den Platz unmittelbar vor dem Schloss. Über 420 Meter auf drei Runden treten jeweils zwei Draisinenfahrer beim Jedermann- und dem Stadtteil-Rennen gegeneinander an. 8,88889 Kilometer warten auf die Teilnehmer der "Badischen Meile" am Samstag, 18. Juni. Bei dieser wetteifern die Fahrer auf mehr als 60 Runden um den längsten Atem.

Bremsen mit den Schuhsohlen

Um aus dem hölzernen Laufrad mit eisenbeschlagenen Rädern eine Hightech-Maschine zu machen, war viel Tüftelei notwendig, die jedoch noch nicht ihre Grenzen erreicht habe, versichert Rolf Huber. Zusammen mit der Hochschule tüfteln die Draisinenexperten an neuen Modellen, mit denen auch großgewachsene Menschen auf dem pedallosen Zweirrad fahren können.

"Im Moment können nur Leute auf den Laufmaschinen fahren, die höchstens 1,80 Meter groß sind", erläutert Huber. Allerdings bestünde die Möglichkeit, die Räder rund fünf Zentimeter tiefer am Rahmen zu montieren. Dies habe zur Folge, dass die Konstrukteure auf die Bremse verzichten müssten. Das würde zumindest Rolf Huber nichts ausmachen: "Die Laufmaschine vom Drais hatte keine Bremse. Der musste mit den Schuhsohlen bremsen."

Draisinen-Fans und solche, die es werden wollen, haben am Mittwoch, 8. Juni, und am Dienstag, 14. Juni jeweils von 16 bis 19 Uhr die Gelegenheit, sich für das Draisinenrennen fit zu machen. Trainiert wird auf den Straßen der Jugendverkehrsschule am Engländerplatz.

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2476 Beiträge)

    06.06.2011 15:40 Uhr
    Draisinenfahrer
    sollten sich beim Supertalent bewerben!

    Karlsruhe MUSS Superstar-Hauptstadt werden!!!!
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