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Karlsruhe Von der "Schmuddelecke" zum Wohlfühlort: Wie der Karlsruher Osten sich verändern soll

Billige Kneipen, dunkle Ecken, Rotlichtviertel: Der Osten der Stadt Karlsruhe soll von seinem schlechten Ruf befreit werden und künftig ein attraktiver Stadtteil sein. Dafür sollen sich die Läden gemeinsam vermarkten, der Kronenplatz ein neues Gesicht und private Häuser einen neuen Anstrich erhalten. Wie wird der Osten Karlsruhes in einigen Jahren aussehen? In der neuen ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel" nehmen wir jeden Dienstag ein anderes Gebiet unter die Lupe.

Die "östliche City" ist  voller Widersprüche: Unweit beeindruckender Kulturdenkmäler wie dem Schloss Gottesaue liegt das bekannteste Rotlichtviertel der Stadt - die "Brunnenstraße". Kaum einen halben Kilometer weiter liegen Universität und zwielichtige Spielhallen vis-a-vis. Straftaten gehören hier fast zur Tagesordnung: Über 2.700 Delikte hat die Polizei dort im Jahr 2018 erfasst. Nur die Innenstadt-West kann den Osten mit über 3.000 Straftaten in Sachen Kriminalität übertrumpfen.

Die Brunnenstraße - ein Rotlichtmilieu der Stadt Karlsruhe. | Bild: Kube

Um den Osten der Fächerstadt von seinem schlechten Ruf zu befreien, sind in den kommenden Jahren zahlreiche Maßnahmen geplant. Über 90 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. 

Grün, grüner, Kronenplatz: Asphalt wandle dich

Besonders ist bei der Neugestaltung der Kronenplatz im Visier. Während der Platz heute trist wirkt und kaum zum Aufenthalt einlädt, soll in Zukunft Leben in die Fläche kommen: Eine Stadtbibliothek könnte entstehen, Cafés und Restaurants könnten sich ansiedeln und ein neuer Brunnen gebaut werden. Hell, offen und grün soll der Kronenplatz sein. Das geht aus einem Maßnahmenkatalog der Stadt Karlsruhe auf Grundlage der Cima-Studie hervor. 

(Symbolbild)
Der Kronenplatz soll künftig zum Treffpunkt werden. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Unmittelbar am Kronenplatz beginnt das riesige Gelände der Universität, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch das Flair der Wissenschaft trägt nicht über die Grenzen des Campus hinaus. Das soll sich in Zukunft ändern:  Die Uni soll städtebaulich mehr in die Stadt integriert werden und die Forschung sichtbar werden. Die nicht-denkmalgeschützten Zäune rund um das KIT könnten hierfür von der Bildfläche verschwinden. 

Gemeinsames Marketing der Händler

Mit einem attraktiveren Stadtbild sind auch die ansässigen Geschäfte von der Veränderung betroffen. Denn: Im Osten der Stadt ließ sich in den vergangenen Jahren der Teufelskreis des "Trading-Down"-Effekts beobachten.

Immer mehr Billigläden und Leerstände haben sich breitgemacht und ihresgleichen angezogen. Während die "Shoppingmeile" Kaiserstraße einen Kilometer weiter westlich von Schmuckhändlern, Eisdielen und Boutiquen besiedelt wird, finden sich hier zunehmend Imbissbuden, Spielhallen und günstige Kneipen.

Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten.
Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten. | Bild: Britta Pedersen/Archiv

Ein Weg, um diesem Problem entgegenzusteuern, ist, den Geschäften zu einem besseren Image zu verhelfen. Damit das gelingt, soll eine Quartiers-Website aufgebaut werden, auf der Kunden sich über die Angebote vor Ort informieren können. Die Händler sollen so Gelegenheit bekommen, für sich zu werben und eine stärkere Präsenz zu zeigen. 

Bernhardusplatz: Von Baggern zu Bäumen 

Werden anderenorts noch Pläne geschmiedet, ist der Bernhardusplatz am Durlacher Tor bereits mitten im Umbau. War der Platz mit seinen Haltestellen in den vergangenen Jahren einer der Baustellen-Hotspots der Stadt, haben sich Bagger & Co.  mittlerweile zurückgezogen.

Bild: Carmele/ TMC-Fotografie

Doch fertig ist die Umgestaltung noch lange nicht: Wo derzeit noch grauer Asphalt dominiert, sollen in Zukunft zwei große Grünflächen, Bäume mit Rundbänken und ein Wasserspiel entstehen.

Bernhardusplatz mit Blickrichtung St. Bernhard: Rasenschollen laden zum Verweilen ein.
Bernhardusplatz mit Blickrichtung St. Bernhard: Rasenschollen laden zum Verweilen ein. | Bild: Büro Mettler

Öffentliche Plätze sind die eine Seite der Medaille, private Häuser und Grundstücke die andere. Doch all die Sanierungsmaßnahmen, die den Stadtteil aufwerten sollen, treffen die Immobilieneigentümer in finanzieller Hinsicht unmittelbar.

Denn die Stadt geht davon aus, dass jedes Grundstück nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten mehr Wert sein wird als zuvor. Auch wenn die Häuser, die dort stehen, sich selbst sich nicht verändern, steigt der sogenannte Bodenwert. 

Eigentümer werden zur Kasse gebeten

Den Betrag, den die Grundstücke dank der schönen neuen Plätze mehr wert sind, müssen die Eigentümer in einigen Jahren an die Stadt zurückzahlen. Insgesamt rund 2.400 Eigentümer werden von diesen  Ausgleichszahlungen betroffen sein. Einen Kostendeckel gibt es hierbei nicht. 

Damit jedoch auch die privaten Häuser in neuem Glanz erstrahlen, ist für die Immobilieneigentümer eine Sanierungsberatung angedacht. So könnten unweit der neuen Fußgänger- und Aufenthaltsorte auch die Fassaden der Häuserblöcke einen neuen Anstrich erhalten. Denn: Die "östliche City" soll nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in ihrem Inneren aufgewertet werden. 

ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt in der Serie "Karlsruhe im Wandel" die einzelnen Bereiche unter die Lupe.

Teil 1: Karlsruhe soll sich verändern: Europaplatz wird heller - Fahrradständer geplant

Teil 2: Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen
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Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
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Kommentare (16)
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  •   Hauer
    (38 Beiträge)

    09.06.2020 19:01 Uhr
    Liebe KA-News-Red
    Warum genau trägt "Multikulti" zum "schlechten Ruf" des Stadtteils bei? Hat dann die Südstadt mit ihrem "Multikulti" auch einen schlechten Ruf? Ist Multikulti per se böse? Oder wird hier nur mit Alltagsrassismus argumentiert? Vielleicht doch ab und zu Artikel mal gegelesen lassen, ne?
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  •   Hauer
    (38 Beiträge)

    10.06.2020 08:19 Uhr
    Danke...
    ... für die Änderung 👍
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  •   redaktion
    (1286 Beiträge)

    10.06.2020 08:11 Uhr
    Lieber Leser,
    da haben Sie natürlich recht, der Satz war wirklich sehr unglücklich formuliert, dafür möchten wir uns gerne entschuldigen und haben einen anderen Einstieg gewählt. Vielen Dank für Ihren Hinweis.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr ka-news.de-Team
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  •   Schillerlocke
    (228 Beiträge)

    09.06.2020 19:16 Uhr
    Definitiv
    hat die Südstadt einen ganz schlechten Ruf. Vielleicht weniger wegen "Multikulti" sondern vielmehr wegen Drogenjunkies, komplett verwahrloste Ruinen ehemals schöner Häuser, den komplett zugeparkten Straßen und den unsäglichen Schmierereien an den Häuserwänden. Beurteilen, Inwiefern das eine mit dem anderen zu tun hat, überlasse ich Ihnen.
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  •   kunvivanto
    (157 Beiträge)

    09.06.2020 15:25 Uhr
    Wieso zurückzahlen?
    "Den Betrag, den die Grundstücke dank der schönen neuen Plätze mehr wert sind, müssen die Eigentümer in einigen Jahren an die Stadt zurückzahlen."
    Hat man sie den zuvor für den Wertverlust durch das "Trading-Down" entschädigt?
    Oder minderte man zuerst den Wert, um die Eigentümer für die Wiederherstellung des vorhergehenden Werts abzukassieren?
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  •   Freigeist1
    (1224 Beiträge)

    09.06.2020 20:11 Uhr
    Die gesamte Innenstadt wurde in den letzten 30 Jahren
    dank KVV-Ausbau immer besser erreichbar (auch wenn seit 10 Jahren "der Wurm drin" ist). Davon profitiert natürlich jeder Hausbesitzer enorm.
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  •   kunvivanto
    (157 Beiträge)

    09.06.2020 20:25 Uhr
    Aber nicht nur in dieser Ecke.
    Dann müssten alle KA-Hausbesitzer zur Kasse gebeten werden.
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  •   udoh
    (1837 Beiträge)

    09.06.2020 16:40 Uhr
    wenn der ursprüngliche Wert wenigstens hergestellt wäre
    Durch höhere Grundsteuer & Co samt Baustellen und Schienenverhau bleibt die Wertentwicklung relativ zur allgemeinen Entwicklung aus meiner Sicht sehr bescheiden.
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  •   andip
    (10396 Beiträge)

    09.06.2020 12:15 Uhr
    Na ja
    In wie weit die Stadt die privaten Eigentümer dazu "überreden" kann, die Fassaden oder gleich die ganzen Häuser zu renovieren, würde mich mal interessieren.
    Denn das müssten die auf eigene Kosten machen. Die Stadt will zwar einen Zuschuss geben, aber der dürfte nur ein Bruchteil der gesamten Kosten sein.
    Was für Läden sich da ansiedeln, darauf hat die Stadt auch keinen Einfluss und kann den Eigentümern da auch nicht reinreden.
    Und ob das mit den Zahlungen für einen angeblich höheren Bodenwert geht, nur weil die Stadt da Plätze und Strassen etwas aufhübscht?
    Selbst wenn, dann legen die Eigentümer das gleich wieder auf die Mieten um, genauso wie ihre Renovierungskosten und dann ist es wieder mit günstig Wohnen vorbei.
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  •   patrickkk
    (1527 Beiträge)

    09.06.2020 14:29 Uhr
    ...
    Die erhöhten Mieten sind dann das dankeschön dafür ein Jahrzent den Baulärm ertragen zu haben. Wobei es sowieso an dreistigkeit nicht zu überbieten ist dass was die Stadt da unternimmt als "verbesserung" zu verkaufen. Die U-Strab ist eine Verbesserung für die Außenbezirke und die KVV, nicht die Anwohner. Alles an der Oberfläche ist momentan ausnahmelos schlechter als es vor Beginn der Arbeiten war.
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