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Karlsruhe Überraschung im Gemeinderat: Grünen schmettern Planung für "Untere Hub" ab - Wahl-Kalkül oder fraktionsinterne Uneinigkeit?

Der neue Durlacher Sportpark "Untere Hub" soll nicht gebaut werden - das fordert nun die Karlsruher Gemeinderatsfraktion der Grünen. Eine Überraschung, ist es doch der erste Gegenwind gegen das Projekt aus dieser Richtung. Doch wieso dieser Sinneswandel? Und könnte das das Großprojekt nun doch noch gefährden?

Während der Debatte um das Sportprojekt "Untere Hub" im Karlsruher Gemeinderat am Dienstagnachmittag sorgt die Grünen-Fraktion für eine Überraschung: Die größte Fraktion des Gremiums spricht sich nahezu geschlossen gegen die vorgelegte Planung der Stadt aus, die einen neuen Sportpark in Durlach plant.

"17 Prozent Verkleinerung sind zu wenig"

"Der Flächenverbrauch ist enorm, es werden praktisch keine Synergien genutzt und die geplante Verkleinerung von knapp 17 Prozent im Vergleich zu 2018 ist für uns zu wenig", erklärt Grünen-Stadtrat Johannes Honné in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag. 

Johannes Honné | Bild: Grüne Karlsruhe

Bei den übrigen Fraktionen sorgt dieser Sinneswandel für Erstaunen, denn: In der Vergangenheit hatten sich die Grünen für das Projekt ausgesprochen und auch im Durlacher Ortschaftsrat Anfang Februar fand die neue Planung des Projekts bei den Grünen-Vertretern Zuspruch.

Warum also dieser Sinneswandel? "Die genannten Probleme hatten wir schon in der Vergangenheit bemängelt, hatten aber immer nur gesagt 'Ja, aber'. Damit wollen wir heute aufhören und zeigen deswegen dem Projekt die rote Karte", so Honné.

Politisches Kalkül oder Risse in der Fraktion?

Diese konträre Entscheidung brachte die übrigen Karlsruher Fraktionen noch während der Sitzung ins Grübeln: "Offenbar ein Dissens innerhalb der Partei. Verlässliche Politik ist das nicht", meint CDU-Stadtrat Dirk Müller.

Auch SPD-Stadtrat Michael Zeh zeigt sich überrascht: "Es sollte neben dem Sport auch der neue Wohnraum gesehen werden. Es ist schwer, hierfür Platz zu finden, deswegen ist das Nein der Grünen auch ein Nein für neue Wohnungen", so Zeh und ergänzt: "Das Projekt ist das richtige, um Karlsruhe weiter voranzubringen."

Michael Zeh
Michael Zeh | Bild: SPD Karlsruhe

AfD-Fraktionsvorsitzender und Landtagskandidat Paul Schmidt vermutet hinter den Äußerungen der Grünen gar politisches Kalkül. "Ich kann mir diesen Sinneswandel nur mit den anstehenden Wahlen im März und im September erklären. Wer weiß, wie es mit der Meinung nach der Bundestagswahl aussieht."

"Mit Wahlkampf hat das nichts zu tun"

ka-news.de hat Johannes Honné zu den Vorwürfen seiner Stadtratskollegen befragt. Er erklärt: "Mit Wahlkampf hat das überhaupt nichts zu tun. Wir haben schon immer gesagt, dass dieses Projekt zu groß ist - und auch nach der Flächenreduzierung ist es das weiterhin."

Der Grünen-Stadtrat wünsche sich eine weitere Reduzierung der bebauten Fläche. "Die Hälfte wäre schön oder zumindest zu einem Drittel", meint er gegenüber der Redaktion. An den Standpunkten seiner Fraktion habe sich indes nach eigenen Angaben nichts geändert, lediglich das Abstimmungsverhalten sei in der Sitzung am Dienstag ein anderes gewesen.

Der Gemeinderat in der Gartenhalle.
Der Gemeinderat in der Gartenhalle. | Bild: Carsten Kitter

Deswegen könne er auch den Vorwurf einer innerparteilichen Dissens nicht nachvollziehen. "Ja, die Kollegen in Durlach haben zugestimmt, aber nur unter der Prämisse, dass das Projekt deutlich kleiner wird. Einen Dissens gibt es nicht", so der Stadtrat.

Was bedeutet die "rote Karte" für die Sportpark-Planung?

Neben dem enormen Flächenverbrauch stört die Grünen auch die Planung einer Kita auf dem Gelände des Sportparks. "Durlach braucht eine Kita", so Honné, "allerdings nicht im Outback". Der zusätzliche Autoverkehr würde die Straßen an der geplanten Stelle überlasten. Und, so die Befürchtung der Grünen: Der Sportpark würde das Aus für das ansässige Hofgut bedeuten.

Doch was bedeutet das "Nein", die "Rote Karte", der Grünen nun für das geplante und dennoch am Dienstag im Gemeinderat durchgewunkene 30 Millionen Euro-Projekt? Erst einmal nicht so viel. Schließlich darf die Stadtverwaltung nun in die Feinplanung für den Sportpark gehen. Bis es wirklich konkret für den Neubau wird, werde laut Honné aber noch viel Zeit verstreichen, vielleicht sogar die nächste Kommunalwahl anstehen.

"Wir werden weiterhin viel Einfluss nehmen"

Deshalb bleibt der Stadtrat nach eigener Aussage optimistisch, das Projekt doch noch in andere Bahnen leiten zu können: "Wir stehen ja erst am Anfang und es wird noch viele Abstimmungen über das Projekt geben. Wir können weiterhin viel Einfluss nehmen und sind optimistisch, dass wir auch die nötigen Stimmen im Gemeinderat auf unsere Seite ziehen können."

Neu: So sieht der überarbeitete Entwurf für den Sportpark aus.
Neu: So sieht der überarbeitete Entwurf für den Sportpark aus. | Bild: Dutt & Kist

Und in der Tat, Zustimmung für die Vorstellungen der Grünen wären nach den Aussagen der Stadträte am Dienstag durchaus vorhanden: So spricht FDP-Fraktionsvorsitzender Tom Hoyem in der Gartenhalle von einem "kontroversen Thema", für das es "Argumente für beide Seiten" gebe - viele Wünsche seien berücksichtigt worden, der Klimaschutz allerdings würde negativ beeinflusst.

Auch Linke-Stadtrat Lukas Bimmerle sieht die aktuelle Planung kritisch: "Aus Sicht des Sports ist der Park sinnvoll und wichtig, umweltpolitisch bereitet uns das Projekt aber große Bauchschmerzen."

Bild: PS

Auch er sehe den geplanten Flächenverbrauch kritisch und führt als Beispiel die eingeplante Parkfläche an. "Brauchen wir hier wirklich so viel, oder genügt eine kleinere Lösung?" Und für die, so hatte am Dienstag Grünen-Stadtrat Johannes Honné erklärt, "sind wir generell weiter offen".

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  •   Messer
    (449 Beiträge)

    26.02.2021 13:08 Uhr
    die SPD ist unwählbar
    das hat sie mit ihrem Entschluss klar bewiesen
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  •   IchKA
    (1176 Beiträge)

    26.02.2021 09:27 Uhr
    Die Karlsruher Grünen
    fallen immer öfter negativ durch fragwürdiges Agieren und Widersprüchlichkeit auf und erregen wachsenden Unmut durch Greenpressure. Die unselige Haltung zur innerstädtischen Nachverdichtung und Zerstörung von gewachsenen Grünstrukturen in Kenntnis der klimatischen Verschlechterungen. Ziemlich wenig grün? Ein Stadionneubau mit riesigen Dachflächen, der ohne Solartechnik gebaut wird. Die Grünen machten auf bockig und schauten da untätig zu. Teilweise fragwürdige innerstädtische Verkehrskonzepte bis hin, die Notwendigkeit einer 2. Rheinbrücke zu ignorieren und juristische Palisaden zu errichten, die bis zum Bau nur ökologischen und ökonomischen Schäden anrichten und vor allem angerichtet haben. Nicht alles ist schlecht bei den Grünen, aber immer öfters reibt man sich verwundert die Augen, wie bei aktuell Kretschmann der plötzlich kurz vor der Wahl zum Wendehals von Öffnungen mutiert. Das Foto der Gemeinderatssitzung ist übrigens nicht aktuell liebe Redaktion.
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  •   Messer
    (449 Beiträge)

    26.02.2021 13:10 Uhr
    du bringst viel durcheinander
    was haben den die Grünen mit dem neuen Stadion zu tun? Nichts.
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  •   IchKA
    (1176 Beiträge)

    26.02.2021 14:46 Uhr
    Oh doch die Grünen haben sehr viel mit dem Stadion zu tun
    sie haben gegen den Neubau votiert aber FÜR eine Sanierung. Die Grünen sitzen mit in Planungsgremien und Ausschüssen und haben keinerlei Anstalten oder Vorschläge gemacht trotz der Abstimmungsschlappe, die sie erlitten haben sich demotkratisch einzubringen und grüne Ziele trotzdem zu verfolgen. Dass die anderen Parteien auch geschlafen haben, oder bei der großräumigen Ablehung zum Neubau dachten, dass eine erst mal verteuernde ökologische Energiegewinnung das Fass der Ablehnung zum Überlaufen bringen könnte, liegt auf der Hand. Die Stadtwerke verkaufen auch gern ihren teuren Strom, was sicherlich Teil der Verträge sein dürfte. Von den Grünen hätte man diese Schlafmützigkeit am wenigsten erwartet Ich bin zwar auch gegen den Neubau mit seiner fragwürdigen Finanzierung auf dem Rücken der Bürger, aber wenn schon dann zumindest nachhaltig bauen.
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  •   quicksilver
    (109 Beiträge)

    26.02.2021 13:27 Uhr
    doch...
    oder findest du eine einzige Solarzelle auf dem Dach des Stadions????
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  •   LaWi
    (5 Beiträge)

    26.02.2021 09:24 Uhr
    Endlich
    wird angefangen sich kritisch mit der Bebauung der Hub auseinander zu setzen. Mit den 30 Mio. sind die Basiskosten abgedeckt - noch nichts gebaut. Gibt es ein gemeinsames Betreiber- und Finanzierungskonzept der Vereine? Die Hub ist eine der letzten großen Grünflächen die mit der Bebauung zerschnitten wird . Im Flächennutzungsplan wird die Fläche als kritisch angesehen. Von den vielen Feldhasen, Fledermäusen, Milan, Insekten und dem Bodenleben dort gar nicht zu sprechen. Die Hub ist eine wichtige Frischluftschneise für Karlsruhe. Die Ausgleichsflächen können überall in Ba-Wü angesiedelt werden. Für die betroffenen Landwirte und den Gutshof gibt es noch keine Lösungsvorschläge aber wer braucht schon regionale Landwirtschaft - man kann ja in den Supermarkt einkaufen gehen. Dass deshalb bezahlbarer Wohnraum entsteht halte ich eher für unwahrscheinlich. Es ist gut, dass zumindest einige Gemeinderäte, das Klima, die Umwelt, die reg. Landwirtschaft neu bewerten und überdenken.
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  •   bingobongo
    (588 Beiträge)

    26.02.2021 07:58 Uhr
    Parkplätze
    Werden hier ebenerdige Parkplätze geplant?

    Warum stellt man nicht Parkhäuser hin? Zu teuer und zu wenig Flächenverbrauch?
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  •   likeka
    (621 Beiträge)

    26.02.2021 11:18 Uhr
    Haushaltslage
    Ein Parkhaus muss man finanzieren. Erstens die hohen Investitionskosten und zweitens die jährlichen Unterhaltungskosten.
    Der städtische Haushalt ist extrem angespannt, da ist kein Spielraum. Die einzige Möglichkeit wäre das Verlangen von Parkgebühren von den Vereinsmitgliedern und Freizeitsportlern. Wie gut das ankommt, mag jeder selbst entscheiden.
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  •   IchKA
    (1176 Beiträge)

    26.02.2021 14:55 Uhr
    Die Gründe für die Haushaltelage sind bekannt
    viel Corona Corona Corona aber auch eine kleine Großstadt, die zu geren bedeutungsvoller wäre mit der kleinsten U-bahn der Welt und weiteren unglaubliche Ausgaben allerorten nach dem Motto:

    Wie leben zwar über unsere Verhältnisse, aber noch lange nicht standesgemäß.

    Wenn dann noch narzistische Allüren von Politikern und Parteien dazu kommen, scheint es kein Halten mehr zu geben.

    In der freien Wirtschaft würde man dazu Finanzhasadeure sagen.
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  •   silberahorn
    (10956 Beiträge)

    26.02.2021 13:08 Uhr
    Meine Frage wäre,
    warum man nicht gelungene Kombinationen ohne teure Tiefgaragen andenken kann?
    Ein Tennisplatz hat geschätzt 40m x 20 m und wenn ich mir solche Parkflächen anschaue:
    https://www.stadtwerke-dingolfing.de/parkdeck_bahnhof.aspx
    dann überspannt diese Dachkonstruktion locker ohne Stützen auch einen Tennisplatz.
    Es gibt auch sicher andere Verwendungsmöglichkeiten in zweiter Geschossebene, wie z.B. Gastronomie oder Umkleideräume. Es muss doch nicht immer entweder ein ganzes Parkhaus oder eine Tiefgarage sein.
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