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Karlsruhe Problemzone Karlstraße: Weniger Verkehr, mehr Platz für Shopping?

Fahrräder, Autos, Bahnen, Fußgänger: Auf den Straßen rund um den Stephanplatz treffen viele Verkehrsteilnehmer aufeinander - das macht das Areal unruhig und unattraktiv. Die Stadt möchte das in den kommenden Jahren ändern und hat einige Ideen für Karlstraße, Waldstraße, Erbprinzenstraße und Herrenstraße.

Ludwigsplatz, Südliche Waldstraße, Erbprinzenstraße - wer in Karlsruhe abseits der großen Einkaufsmeile Kaiserstraße shoppen oder gemütlich im Café sitzen will, findet in den seitlichen Straßenzügen im Süden der Karlsruher Innenstadt West meist, was er sucht: Hier reiht sich Laden an Laden, zahlreiche Lokale und Restaurants möchten zum Verweilen einladen. 

Doch ganz so beschaulich geht es auf den Wegen rund um die Karlstraße in Wirklichkeit selten zu. Der Grund: Hier herrscht stets reger Verkehr - auf den Seitenstraßen durch Rad- und Fußgänger, auf der Karlstraße selbst durch Autos und Bahnen.

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Radfahrer, Autos, Fußgänger und Bahnen: An der Karlstraße treffen alle Arten von Verkehrsteilnehmern aufeinander. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Hinzu kommt die Baustelle der Kombilösung am Karlstor, die es Auto- und Bahnfahrern derzeit noch schwieriger macht, in die Innenstadt zu kommen. Die Folgen laut Anwohnern und Geschäftsinhaber: Die Aufenthaltsqualität nimmt ab, Leerstände von Geschäftsräumen zu und Kunden bleiben aus. Bei der Stadtplanung spricht man vom "Trading-Down-Effekt".

Denn während 70,2 Prozent der Bürger am liebsten in der zentralen Kaiserstraße shoppen, tun das in der Erbprinzenstraße und am Ludwigsplatz nur 14,1 Prozent, in der Südlichen Waldstraße sogar nur sieben Prozent. Das geht aus einem "Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030" hervor.

Die Studie wurde von der Stadt Karlsruhe in Auftrag gegeben und 2017 bis 2018 von der "CIMA Beratung + Management GmbH" durchgeführt, um Perspektiven der City während und vor allem auch nach Abschluss der Bauarbeiten der Kombilösung aufzuzeigen. So soll im besten Fall die Erhaltung und Weiterentwicklung der Attraktivität der Innenstadt vorangebracht werden.

In der Vergangenheit haben Karlsruher Parteien, Ladenbesitzer und Stadt immer wieder Versuche gestartet, die Straßen bezüglich Verkehr und damit auch für den Einkauf attraktiver zu gestalten - etwa durch autofreie Zonen in Südlicher Waldstraße und Karlstraße oder durch Experimente des Reallabors Go - doch mit teils nur mäßigem Erfolg. Jetzt startet die Stadt einen neuen Versuch, das Areal aufzuwerten.

 

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Auf Grundlage der Cima-Studie hat man 2019 neue Maßnahmen entwickelt, die auf der vorliegenden Datenbasis zum Erfolg führen sollen. Eingeteilt sind diese in vier Prioritätsstufen: Sofort, kurzfristig (Umsetzung innerhalb eines Jahres), mittelfristig (innerhalb von drei Jahren) und langfristig (bis 2030). Die Ideen im Folgenden:

1. Neuordnung von Fußgänger- und Radverkehr

Radfahrer und Fußgänger sollen durch eine bis spätestens 2030 entwickelte Kampagne "Mehr Miteinander in der Erbprinzen- und Waldstraße" zu mehr Rücksichtnahme aufeinander aufgefordert werden, eine "Neuordnung der Verkehre" in der südlichen Waldstraße soll bis 2021 zudem eine "echte Flanierqualität für Fußgänger" schaffen.

2. Bessere Querung der Karlstraße - ohne Autos?

Die Karlstraße soll zwischen Amalienstraße und Europaplatz bis 2021 eine bessere - und barrierefreie -  Überquerungsmöglichkeit bekommen. Ob die Straße - wie vor rund zwei Jahren von den Grünen angedacht - verkehrsberuhigt wird, will man bis dahin ebenfalls prüfen. 

3. Weniger Autos und Räder in der südlichen Waldstraße

Um auch den Autoverkehr in der südlichen Waldstraße zu reduzieren, könnte zudem das Parkhaus und dessen Zugang am Stephanplatz - ebenfalls innerhalb von drei Jahren - heller und attraktiver gestaltet werden, für Letzteres sollen Händler für die Benutzung der Tiefgarage werben.

Damit Fahrradfahrer möglichst den Fußgängerzonen Erbprinzenstraße und Waldstraße fernbleiben und stattdessen die Cityroute-Süd nutzen, sollen deren Fahrbahnmarkierung in diesem Bereich noch im Jahr 2020 zudem deutlich sichtbarer gestaltet werden.

4. Neue Quartiersgemeinschaft: Händler und Immobilieneigentümer stärken

Mit der Verkehrssituation sollen gleichzeitig aber auch die Einzelhändler rund um die Karlstraße gestärkt werden. So könnten sich ansässige Händler und Immobilieneigentümer bis 2021 in einer Quartiersgemeinschaft organisieren und in den darauffolgenden Jahren mit einer Quartierswebsite für sich und das Angebot in den angrenzenden Straßenzügen werben.

5. Umgestaltung Stephanplatz

Als "zentraler Platz" der Einkaufsmeile soll auch der Stephanplatz eine neue Funktion bekommen. Er soll künftig "Scharnier zwischen Einkaufslagen im Citybereich" sein und zum ganztägigen Verweilen einladen.

Hierfür soll eine Projektgruppe bis 2030 ein Nutzungskonzept erarbeiten, wobei weitere Begrünungsmöglichkeiten, Sport- und Spielmöglichkeiten wie eine Kletterwand und ein Sandkasten und die Integration des Brunnens in der Mitte des Platzes durch Spielanlagen oder Bänke geprüft werden sollen.

Stephanplatz, hinter der Postgalerie
Mehr grün, mehr Möglichkeiten: Der Stephanplatz hinter der Postgalerie soll zum zentralen Aufenthaltsort werden. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auch ein Trinkwasserbrunnen soll laut des Cima-Gutachtens auf dem Stephanplatz entstehen. Die regelmäßig stattfindenden Wochenmärkte sollen beibehalten, das Konzept aber noch im laufenden Jahr konkretisiert werden. Das Ziel: Der Marktbesuch soll zum Erlebnis werden und soll eine Treffpunktfunktion erfüllen. Die Stadt kann sich einen "hochwertigen Spezialitätenmarkt" vorstellen - der Einbau fest installierter, dauerhafter Marktstände wird geprüft.

6. Neue Dekoration für Karl-, Wald-, Erbprinzen- und Herrenstraße

Doch nicht nur der Stephanplatz soll aufgewertet werden. Mit einem Gestaltungskonzept sollen bis 2030 sowohl die Karl-, die Wald-, die Erbprinzen- als auch die Herrenstraße gleichsam an Aufenthaltsqualität gewinnen und so mehr Besucher anziehen.

(Symbolbild)
Kreuzung Erbprinzenstraße und Herrenstraße. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

So könnten in den Straßenzügen laut Gutachten unter anderem eine einheitliche Weihnachtsbeleuchtung, über den Straßen aufgespannte Dekoelemente wie Regenschirme oder Kunstobjekte, Lichtelemente wie Weihnachtssterne und - für Möblierung und Begrünung - Topfpflanzen sowie einheitliche Fahrradständer angeschafft werden. 

ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt in der Serie "Karlsruhe im Wandel" die einzelnen Bereiche unter die Lupe.

Teil 1: Karlsruhe soll sich verändern: Europaplatz wird heller - Fahrradständer geplant

Teil 2: Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen

Teil 3: Von der "Schmuddelecke" zum Wohlfühlort: Wie der Karlsruher Osten sich verändern soll
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Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
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  •   Resignant
    (4 Beiträge)

    18.06.2020 06:00 Uhr
    Meine Meinung Teil 2
    Und der ÖNPV? Schlechter Service, schlechte Qualität, unfreundliches Personal und somit keine Alternative!

    Ich tue mir das nicht mehr an. Und wenn die Stadtoberen in Krisenzeiten noch so sehr jammern und winseln und „support your local“ zum neuen Credo erheben, für mich ist der Zug abgefahren. Wer mich nicht will, wie ich bin, der bekommt mich auch nicht wenn er merkt, dass er mich braucht.

    Klar weiß ich, dass das nichts ändern wird, nicht, wenn ich es alleine bin. Doch wer weiß, vielleicht denken bald andere genauso.
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  •   Resignant
    (4 Beiträge)

    18.06.2020 05:59 Uhr
    Meine Meinung Teil 1
    Es ist interessant zu sehen, wie die Standpunkte auseinander driften. Pro und Contra treffen aufeinander und schenken sich nichts.

    Doch wer hat Recht? Ich will nicht entscheiden, was das Richtige ist, aber ich habe für mich eine Entscheidung getroffen. Wo immer es geht, meide ich die Stadt und damit meine ich das Gemeinwesen genauso, wie ich die Politik meine.

    Denn eines ist mir klar, der Gleichbehandlungsgrundsatz, dem die Stadt eigentlich verpflichtet sein sollte, ist schon lange ausgehebelt, Mal in die eine, mal in die andere Richtung. Derzeit fühlt man sich gerade in Karlsruhe an die McCarthy-Ära erinnert, nur dass es nicht wie damals in den USA gegen Kommunisten, sondern gegen den motorisierten Individualverkehr geht.

    Dem Zeitgeist geschuldet wird er verfolgt, drangsaliert, schikaniert und alle die nicht unmittelbar betroffen sind, jubeln „Hosianna“. Und sie fordern „kreuzigt ihn!“
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  •   Triggy
    (7 Beiträge)

    17.06.2020 09:46 Uhr
    Nur 7% kaufen in der südlichen Waldstraße
    Diese Statistik amüsiert mich, leider wird sie falsch bewertet. Dass nur 7% die südliche Waldstraße als Einkaufsort schätzen liegt sicher nicht an dieser "Location". Ich persönlich findet die südl. Waldstraße ist eines der schönsten Areale in der Innenstadt. Es liegt wohl eher an den dort ansässigen Geschäften, deren Preise nur für 7% attraktiv sind. Die dort ansässigen Designerläden kann sich eben nicht jeder leisten.
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  •   Schillerlocke
    (346 Beiträge)

    17.06.2020 19:52 Uhr
    Man hätte eher fragen sollen,
    wo der meiste Umsatz gemacht wird. 35 Ein-Euro-Tshirts Käufer zahlen immer noch nicht so viel wie einer mit einem 45 Euro Rumpsteak.
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  •   Freigeist1
    (1477 Beiträge)

    17.06.2020 13:13 Uhr
    Vermutlich wurden die Befragten
    danach gefragt, wo sie in KA-City einkaufen gehen. Da fällt den meisten naturgemäß die Kaiserstraße als erstes ein. Was aber nicht heißt, dass sie nicht vielleicht in der südl. Waldstraße lieber einkaufen. Selbst Ortsfremden oder Studenten, die diese Straße schätzen, wird nicht einmal deren Name geläufig sein.
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  •   Resignant
    (4 Beiträge)

    17.06.2020 06:48 Uhr
    Meine Meinung Teil 2
    Und der ÖNPV? Schlechter Service, schlechte Qualität, unfreundliches Personal und somit keine Alternative!

    Ich tue mir das nicht mehr an. Und wenn die Stadtoberen in Krisenzeiten noch so sehr jammern und winseln und „support your local“ zum neuen Credo erheben, für mich ist der Zug abgefahren. Wer mich nicht will, wie ich bin, der bekommt mich auch nicht wenn er merkt, dass er mich braucht.

    Klar weiß ich, dass das nichts ändern wird, nicht, wenn ich es alleine bin. Doch wer weiß, vielleicht denken bald andere genauso.
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  •   Resignant
    (4 Beiträge)

    17.06.2020 06:47 Uhr
    Meine Meinung Teil 1
    Es ist interessant zu sehen, wie die Standpunkte auseinander driften. Pro und Contra treffen aufeinander und schenken sich nichts.

    Doch wer hat Recht? Ich will nicht entscheiden, was das Richtige ist, aber ich habe für mich eine Entscheidung getroffen. Wo immer es geht, meide ich die Stadt und damit meine ich das Gemeinwesen genauso, wie ich die Politik meine.

    Denn eines ist mir klar, der Gleichbehandlungsgrundsatz, dem die Stadt eigentlich verpflichtet sein sollte, ist schon lange ausgehebelt, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Derzeit fühlt man sich gerade in Karlsruhe an die McCarthy-Ära erinnert, nur dass es nicht wie damals in den USA gegen Kommunisten, sondern gegen den motorisierten Individualverkehr geht.

    Dem Zeitgeist geschuldet wird er verfolgt, drangsaliert, schikaniert und alle die nicht unmittelbar betroffen sind, jubeln „Hosianna“. Und sie fordern „kreuzigt ihn!“
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  •   Kommentar
    (97 Beiträge)

    16.06.2020 23:25 Uhr
    Unsinn
    Von Osten kommend will man auf der Cityroute-Süd entweder in die Hirschstraße in Richtung Südweststadt oder in Richtung Weststadt via Sophienstraße - was soll man also am teilweise neugestalteten Zentralverkehrschaospunkt Mühlburger Tor? Da kann man sich, egal mit welchem Verkehrsmittel, nicht angenehm bewegen.

    Und in der südlichen Waldstraße ist eine verkehrsberuhigte Zone. Da fahren, also in den Gedanken der Planer, Fahrräder und motorisierte Fahrzeuge Schritttempo; da werden nie Fußgänger weggeklingelt oder zügig fahrende Radfahrer ohne jeden Abstand noch von PKW überholt. Und selbstverständlich wird da auch nie, also in der Realität jetzt, kontrolliert. Warum auch.
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  •   Freigeist1
    (1477 Beiträge)

    17.06.2020 13:10 Uhr
    Vor allem gibt es viele
    Falschparker, nämlich auf der Straßenseite, auf der Parken weder vorgesehen noch erlaubt ist. Das mindert die Aufenthaltsqualität. Kontrollen oder Knöllchen haben ich auch noch NIE gesehen.
    Das einfahrendes Auto ca. 10 x mehr Platz beansprucht als ein Radfahrer ist ja wohl klar, wo der Hebel anzusetzen ist.
    Radfahrer beleben meiner Erfahrung nach die Einkaufsstraßen. Ein Unfallschwerpunkt ist die südl. Waldstraße nicht.
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  •   Apu
    (113 Beiträge)

    16.06.2020 23:13 Uhr
    Nur mal 1 Beispiel
    Fährt niemand mehr mit dem PKW in stadt sind 1000e Parkplätze leer, somit entgeht der stadt, sehr sehr viel Geld. Wie bekommt die Stadt das Geld wieder, durch Erhöhung der bahnticketpreise. Und da die Angestellten automatisch alle 2 Jahre mehr Geld bekommen kommt diese Erhöhung noch on top.
    Zum Thema Onlinehandel...selbes Beispiel.
    Ich bestelle mir, nachdem ich im Shop die Beratung hinter mir habe, den tv im Internet. Teste in 10 tage und kann ihn dann ohne Probleme zurück geben. Riesen Vorteil: Onlinehandel.
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