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Karlsruhe 5 Orte, an denen sich Karlsruhe bis 2026 verändern soll

An allen Enden und Ecken der Stadt wird derzeit gebaut, neu gestrichen und diskutiert. Über 100 Maßnahmen sollen die Karlsruher Innenstadt verändern und für die Zukunft rüsten. Während an einer Stelle grauer Asphalt lebendigem Grün weicht, wird anderenorts der Verkehrsraum neu sortiert. ka-news.de hat in der sechsteiligen Serie "Karlsruhe im Wandel" jeden Dienstag einen anderen Teil der Stadt unter die Lupe genommen. Was sind die wichtigsten Veränderungen, die auf die Karlsruher zukommen werden?

Die Welt ist im Wandel - und Karlsruhe mittendrin. Waren Innenstädte bis vor wenigen Jahren Dreh- und Angelpunkt für jegliche Waren und Dienstleistungen, treten Online-Shops immer mehr in die Fußstapfen des lokalen Einzelhandels. Städte müssen sich dem anpassen, mit der Zeit gehen und auf die neuen Bedürfnisse der Einwohner reagieren. 

Die Kaiserstraße nach der Untertunnelung.
So soll die Kaiserstraße nach der Untertunnelung aussehen. | Bild: Mettler Landschaftsarchitektur

Karlsruhe wird in den kommenden Jahren wachsen - so stark, wie fast keine andere Stadt in Baden-Württemberg. Rund 27.000 neue Einwohner könnten bis zum Jahr 2030 hinzukommen, so die Prognose.  Dieser Zustrom bietet viel Potential. Ein "hochattraktiver öffentlicher Raum" und starke Quartiere sollen die Menschen anziehen, binden und die lokale Kaufkraft auch in Zeiten des digitalen Wandels ankurbeln. 

Damit diese Vision nicht bloße Zukunftsmusik bleibt, hat die Stadt im Jahr 2018 eine groß angelegte Studie in Auftrag gegeben. Heruntergekommene Plätze? Zu wenig Vielfalt? Verkehrschaos? Das "Gutachten für die Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City" (CIMA) analysiert, an welchen Punkten die Stadt nacharbeiten sollte, um für die kommenden Jahrzehnte gerüstet zu sein.  

Innenstadt Karlsruhe am 22. März 2020. | Bild: ka-news.de

Gesagt - getan. Aus den Erkenntnissen der Studie wurde ein Aktionsplan für die Jahre 2020 bis 2026 erstellt. Ob mehr Grün in den Straßen oder weniger Billigläden auf der "Shoppingmeile": Insgesamt 112 konkrete Maßnahmen kommen in den nächsten Jahren auf die Karlsruher Innenstadt zu. 

Eine erste, große Veränderung steht bereits im kommenden Jahr bevor: Ab Dezember 2021 werden die gelben Stadt- und Straßenbahnen in der Innenstadt von der Bildfläche verschwinden und unterirdisch durch den neuen, rund 2,4 Kilometer langen Tunnel der Kombilösung rollen. Wie werden sich oberirdisch die zentralen Straßen und Plätze der Stadt verändern?

1. Kaiserstraße - eine Einkaufsstraße erfindet sich neu

Die zentrale Achse der Stadt - die Kaiserstraße - soll eine attraktive Einkaufsmeile sein. Doch in den Randbereichen, im Osten wie im Westen, tummeln sich Billigläden und Leerstände häufen sich. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, macht die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und führt Gespräche mit den Immobilieneigentümern.

Die Karlsruher Kaiserstraße. | Bild: Needham|Mohawkvisuals

Qualität und Vielfalt sollen die neuen Geschäfte der Erdgeschosszonen mitbringen. Für eine erste Immobilie wurde bereits ein "passender" Mieter gefunden: In das Gebäude in der Kaiserstraße mit Nummer 195-197 ist im vergangenen Jahr der Outdoorladen Globetrotter eingezogen. Derzeit laufen die weiteren Planungen für die Belebung der "Shoppingmeile". Das teilt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de mit. 

2. Der Karlsruher Marktplatz - die Wahrzeichen sind zurück

Ein wichtiger Ankerpunkt ist dabei der zentral gelegene Karlsruher Marktplatz. Hier ist der Umbau bereits nahezu abgeschlossen: Die Pyramide kam bereits im Oktober 2018 nach 1.778 Tagen wieder unter ihrem Baustellen-Schutz aus Holzlatten hervor. Seit Juli 2020 ist auch der Ludwigbrunnen vor dem Rathaus zurück

So soll der Marktplatz nach seiner Umgestaltung aussehen.
So soll der Marktplatz nach seiner Umgestaltung aussehen. | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe/Mettler Landschaftsarchitekten

Die neueste Veränderung auf dem Marktplatz: Metallstühle mit einer "Wächterfunktion". Die Sitzgelegenheiten sind rings um Brandschutzklappen installiert, über die bei einem Feuer die unterirdische Haltestelle entraucht wird. Die Stühle sind so positioniert, dass die rund  4,5 Quadratmeter großen Klappen im Notfall nicht zugestellt sind. 

3. Waldstraße - die Einkaufsstraße wird von parkenden Autos befreit

Die Südliche Waldstraße ist ein kleines Einkaufssträßchen abseits der großen Shoppingzentren. Doch: Lediglich sieben Prozent der Passanten wählen die Südliche Waldstraße als ihren liebsten Karlsruher Einkaufsort. 

Die Südliche Waldstraße. | Bild: Lena Kube

Ein großes Manko stellt die Verkehrssituation dar, denn regelmäßig kommen sich Radfahrer, Fußgänger und Autos in die Quere. Aus diesem Grund hat der Karlsruher Gemeinderat im Juli 2020 entschieden, dass die Stellplätze in der Südlichen Waldstraße entfernt werden. Der Folge: Mehr Raum für alle Verkehrsteilnehmer und ein freier Blick auf die Schaufenster der ansässigen Geschäfte. 

4. Der Kronenplatz - von leblosem Grau zu lebendigem Grün

Besonders ist bei der Neugestaltung der Kronenplatz im Visier. Während der Platz heute trist wirkt und kaum zum Aufenthalt einlädt, soll hier Zukunft Leben einkehren: Eine Stadtbibliothek könnte entstehen, Cafés und Restaurants könnten sich ansiedeln und ein neuer Brunnen gebaut werden. Hell, offen und grün soll der Kronenplatz sein. 

(Symbolbild)
Der Karlsruher Kronenplatz (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Auch Menschen, die rund um den Platz Zuhause sind, werden in die Neugestaltung mit eingebunden. "Erste Treffen mit der Anwohnerschaft fanden bereits statt", so die Stadt auf Nachfrage von ka-news.de. Eine Beteiligung im Rahmen des Sanierungsgebietes im Karlsruher Osten wurde aufgrund der Corona-Pandemie allerdings verschoben.

5. Europaplatz - der "Gruselort" wird gut beleuchtet

Eine weitere "Baustelle" auf dem Weg zur attraktiven Karlsruher City ist der Europaplatz. Vor allem  in der Nacht fühlen sich die Menschen hier unsicher und meiden den Ort in der Dunkelheit. Aus diesem Grund möchte die Stadt die Beleuchtung unter den Arkaden am Europaplatz verbessern. Noch in diesem Jahr soll dort für mehr Helligkeit gesorgt werden. 

Geht es nach den Plänen der Architekten Mettler und AV1, sieht so der neue Europaplatz aus.
Geht es nach den Plänen der Architekten Mettler und AV1, sieht so der neue Europaplatz aus. | Bild: Mettler Landschaftsarchitektur

Darüber hinaus sollen hochwertige Fahrradständer am Europaplatz installiert werden und die Imbisscontainer bis in einigen Jahren verschwunden sein. Damit der Platz nach außen hin ein einheitliches Bild zeichnet und zu einer eigenen Marke wird, sollen die Gastronomen ihre Außenmöblierung aufeinander abstimmen. Auch ein Lichtspiel - eine "inszenierte Beleuchtung" - ist in der Überlegung. 

Diese Punkte stecken allerdings noch in den Kinderschuhen: "Es haben bereits einige Treffen mit den Eigentümern stattgefunden", so die Stadtverwaltung. Wie genau der Europaplatz in Zukunft gestaltet werden soll, steht jedoch noch nicht final fest. Gemeinsame Ziele werden nun in der kommenden Zeit erarbeitet. 

Blick vom Mühlburger Tor entlang der Kaiserstraße Richtung Osten. Auf dem Kaiserplatz, befindet sich das Kaiser-Wilhelm-I. Denkmal (Reiter Denkmal)
Blick vom Mühlburger Tor entlang der Kaiserstraße Richtung Osten. Auf dem Kaiserplatz, befindet sich das Kaiser-Wilhelm-I. Denkmal (Reiter Denkmal) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie
ka-news.de-Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt in der Serie "Karlsruhe im Wandel" die einzelnen Bereiche unter die Lupe.

Teil 1: Karlsruhe soll sich verändern: Europaplatz wird heller - Fahrradständer geplant

Teil 2: Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen

Teil 3: Von der "Schmuddelecke" zum Wohlfühlort: Wie der Karlsruher Osten sich verändern soll

Teil 4: Problemzone Karlstraße: Weniger Verkehr, mehr Platz für Shopping?

Teil 5: Das sind die (un-)beliebtesten Plätze in Karlsruhe

Teil 6: Schluss mit verschlossenen Türen: Diese Karlsruher Plätze sollen lebendiger werden
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  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    05.08.2020 15:44 Uhr
    Abwarten, was wirklich davon
    umgesetzt werden kann. Das Stadtsäckel pfeift auf dem letzten Loch und wie es nach Corona wirklich in Industrie & Handel & dem Kundenkaufverhalten & auf der Einnahmeseite der Stadt aussieht bzw was der Ludwig-Fenrich-Gedächtnistunnel am Schluss wirklich kostet , weiss noch keiner.
    Für mich sind die 5 Punkte reine Absichtserklärungen, die aktuell bar jeder Finanzierbarkeit sind -also nur das typischesPlaner- und Politikergeseiere, was am Schluss frei nach Adenauer endet: was interessiert mich mein Geschwätz von gestern
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  •   dipfele
    (5826 Beiträge)

    07.08.2020 16:58 Uhr
    Schon jetzt ist bekannt.....
    ..... dass der Eigenanteil der Stadt an den Kombikosten 400-500 Mio kosten wird. Da ist es glatter Unfug, weitere 40 Mio für das Abholzen der gesunden Platanen und das Ausbauen der Gleise auszugeben. Die hässlichen Fassaden der Nachkriegsbauten bleiben. Sicherlich werden nicht mehr Shopper und Flaneure auftauchen. Dass das alles über Gelder finanziert werden wird, die eigentlich für Stadtsanierungen gedacht sind, ist besonders fatal. Was steckt dahinter, die vollkommen in Schuss befindlichen Gebäude am Kronenplatz abzureisen? Der Platz könnte mit wenig Geld aufgehübscht werden.
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  •   fischkopffamilie4
    (33 Beiträge)

    05.08.2020 14:23 Uhr
    Europaplatz
    gruselig, ähm, ja, also, während meiner Teenager- und jungen Erwachsenenzeit, war da Leben, also so richtig mit Schlangen an den Kinokassen, Diskotheken rund herum, einfach durch die Stadt laufen usw., also gruselig war da nix, eher gesellig, lustig, auch später als wir in nicht mehr so ganz jungen Jahren, nochmals mit Freunden Tanzschule, spezielle Kurse machten, konnte man da spät Abends noch in Ruhe Eis essen, da war nix gruselig. Und es gab, ich betone gab, viele grüne Plätze in Karlsruhe, manche ja etwas ungepflegt, aber gut fürs Kleingetier. Der ganze Bereich großflächig um den City Park ist zubetoniert und das wirklich nicht schön, das ist auch gruselig, genauso gruselig wie der Europaplatz 2020. Ja Leute, da scheint einiges schief zu laufen.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (102 Beiträge)

    05.08.2020 13:05 Uhr
    Kaiserstraße - eine Einkaufsstraße erfindet sich neu
    Jetzt habe ich es auch kapiert. Ist auf den Photos eindeutig zu sehen: Glueckliche Menschen steigen nicht aus Strassenbahnen aus, sondern kommen vom Shoppen. Am besten mit Papiertueten. (Bin heute etwas gallig)
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  •   UngueltigDannZuLang
    (102 Beiträge)

    05.08.2020 12:49 Uhr
    Der Kronenplatz - von leblosem Grau zu lebendigem Grün
    Der war gut. Als ich vor mehr als dreissig Jahren in KA studiert habe, standen da noch (kleine) Baeume. Die waren gruen. Dass die dort weg mussten, fanden nicht alle toll.
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  •   silberahorn
    (10438 Beiträge)

    05.08.2020 16:21 Uhr
    Oh ja,
    OB Gerhard Seiler (Karlsruher Oberbürgermeister von 1986 bis 1998) hat die Situation damals als Hundeklo bezeichnet, weil dort kleine Bäume standen.
    Und außerdem wollte man ein Verwaltungsgebäude für eine Kosmetikfirma auf deren Wunsch in der Innenstadt haben. Wie war das? Paris, London, Karlsruhe oder Paris, New York, Karlsruhe - oder stand Karlsruhe gar an erster Stelle?
    Grün kann man auch mit einem Eimer Farbe erreichen.
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