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Karlsruhe Keine Krawallnächte in Karlsruhe: Die Innenstadt wird nach den Ereignissen in Stuttgart sicherer gemacht

Die Krawallnächte in Stuttgart haben aufgerüttelt und erschreckt. Könnten sich solche Szenen auch in Karlsruhe abspielen? Die Stadt erarbeitet derzeit ein Sicherheitskonzept, in das nun auch die aufgearbeiteten Erkenntnisse der Stuttgarter Ausschreitungen einfließen. Denkbar wäre, dass die Polizei auf der Partymeile der Fächerstadt einen festen Kontrollposten installiert.

32 verletzte Polizisten, zwölf beschädigte Streifenwagen, 40 zerstörte Geschäfte: Das ist die erschreckende Bilanz der Krawalle in Stuttgart. In der Nacht auf den 21. Juni hatten 400 bis 500 Personen in der Innenstadt randaliert. Die Polizei war auf derartige Ausschreitungen nicht vorbereitet.

Menschen stehen in der Krawallnacht vor einem geplünderten Geschäft in der Stuttgarter Innenstadt.
Menschen stehen in der Krawallnacht vor einem geplünderten Geschäft in der Stuttgarter Innenstadt. | Bild: Julian Rettig/dpa

Die Krawalle kamen unerwartet, Ausgangspunkt war lediglich die Drogenkontrolle eines Jugendlichen. Unmittelbar solidarisierten sich mehrere hundert Personen aus der Partyszene und die Randale nahm ihren Lauf. Trotz eines "erheblichen Kräfteaufgebotes" gelang es der Polizei erst in den frühen Morgenstunden, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Sicherheitskonzept für Karlsruhe wird erstellt

Die Ausschreitungen in Stuttgart haben die Öffentlichkeit schockiert. Um derartige Krawalle in Karlsruhe zu verhindern, wird derzeit ein Sicherheitskonzept erarbeitet, in das nun auch die Erkenntnisse aus Stuttgart einfließen. Mit dieser Aufgabe wurde Professor Hermann von der Universität Heidelberg beauftragt.

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Könnte auch Karlsruhe Krawallnächte wie in Stuttgart erleben?(Symbolbild) |

Mehr Polizei? Mehr Kontrollen? Alkoholverbote? Eigentlich sollte das Konzept im Sommer 2020 bereits komplett ausgearbeitet sein. Doch die Corona-Pandemie und die Berücksichtigung der unerwarteten Eskalationen in der Landeshauptstadt verzögern die Fertigstellung. Nun soll der "Masterplan" für mehr Sicherheit in Karlsruhe erst im Oktober vorgestellt werden.

Vor allem am Europaplatz fühlen sich Karlsruher unsicher

Sollte es zu Krawallen in Karlsruhe kommen, sind vor allem der Europaplatz, Kronenplatz und Stephanplatz potentielle Entstehungsorte. "Seit einigen Jahren kommt es schwerpunktartig auf diesen Plätzen zu teils massiven Übergriffen von jungen Männern gegenüber der Polizei", schreibt die Karlsruher CDU-Fraktion in einem Antrag an die Stadt.

Es sind die Plätze, an denen sich die Bürger in der Nacht am unsichersten fühlen. Spitzenreiter ist der Europaplatz: Bei einer Befragung gaben 58,9 Prozent der Menschen an, den Bereich in der Dunkelheit zu meiden. Zu groß ist das mulmige Gefühl, sich dort in eine gefährliche Lage zu begeben.

 

 

Vor allem zwei Dinge machen den Passanten Angst: Zu viele betrunkene, enthemmte Menschen und jugendliche männliche Migrantengruppen. An dritter Stelle folgen allgemeine Gruppen junger Männer, wobei die Herkunft nicht erwähnt wurde.

 

Aufgrund der Geschehnisse in Stuttgart ist die Karlsruher Polizei nun sensibilisiert. An den besonders prekären Orten in der Innenstadt zeigen die Beamten Präsenz und es erfolgen regelmäßig Aufklärungs-, und Kontrollmaßnahmen. Das teilt die Stadt Karlsruhe mit, die mit dem Polizeipräsidium laut eigenen Angaben in engem Austausch steht.

Ein fester Polizeiposten in der Innenstadt?

"Eine Einschätzung, ob einzelne Personen ein vergleichbares Verhalten wie in Stuttgart zugetraut werden kann, ist mangels objektiver Erkenntnisse nicht möglich", erklärt die Stadt in einer Stellungnahme. Entsprechende Tendenzen seien bislang nicht erkennbar gewesen.

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Ein fixer Polizei-Kontrollposten soll Straftaten verhindern. | Bild: Thomas Riedel

Könnte ein fester Polizei-Kontrollposten in der Innenstadt an den Wochenenden für mehr Sicherheit sorgen? Dieser Ansicht ist die Fraktion der Freien Wähler/Für Karlsruhe. Erfahrungen aus anderen Städten würden zeigen, dass die damit einhergehende Polizeipräsenz der Straßenkriminalität Einhalt gebietet.

Ob am Europaplatz, auf der Kaiserstraße oder den "Party-Hot-Spots" der Stadt die Beamten in Zukunft eine feste Nachtwache aufschlagen, darüber wird der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag, 21. Juli entscheiden. Sollten sich die Stadträte für diese Idee stark machen, würde der Vorschlag in das Sicherheitskonzept aufgenommen werden.

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  •   kritiker_2014
    (486 Beiträge)

    20.07.2020 14:49 Uhr
    Erst Stuttgart
    und jetzt Frankfurt.Welche Stadt kommt als nächste?
    Auch die Medien und Politik tragen ihren Anteil daran wenn Polizisten pauschal verurteilt werden.
    Die NZZ hat es sehr gut beschrieben.
    Erst Stuttgart, jetzt Frankfurt
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  •   IchKA
    (829 Beiträge)

    19.07.2020 11:31 Uhr
    Nun doch so früh
    "Aufgrund der Geschehnisse in Stuttgart ist die Karlsruher Polizei nun sensibilisiert." Aha.
    Es wird Zeit die Zustände werden immer gravierender.
    Vielleicht würde es aber auch Sinn machen über Law and Order mal hinaus zu schauen und den Blick hin zu wenden auf die Perspektivlosigkeit vieler junger Leute ohne Arbeit, wenig Bildung , mangelnde Integration.
    Es ist unsere Gesellschaft, die die jungen Leuten geprägt hat. Aggressives zerstörerisches Verhalten ist nicht akzeptabel, aber es hat Ursachen und ist erklärbar, wenn auch nicht tolerabel.
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  •   Winston_Smith
    (688 Beiträge)

    19.07.2020 15:33 Uhr
    Hier schon länger Lebende haben erst seit kurzem im Land Befindliche geprägt?
    Erstaunlich.
    😲
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  •   IchKA
    (829 Beiträge)

    19.07.2020 15:53 Uhr
    Auf dieses
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere Netiquette und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Winston_Smith
    (688 Beiträge)

    19.07.2020 23:28 Uhr
    Ein derartiges Hassposting sollte eigentlich die Mods auf den Plan rufen
    ...wenn AGB's und Netiquette ernstgenommen werden.

    Eine hochaggressive Ansammlung von 5 ! nicht begründbaren Anfeindungen - purer Hass.
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  •   Chartist
    (327 Beiträge)

    19.07.2020 17:29 Uhr
    Offensichtlich bildungsfernen ist dein erster Kommentar
    Unsere Gesellschaft hat diese jungen Leute nicht geprägt. Sie kamen so.
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  •   tomumanu
    (197 Beiträge)

    19.07.2020 01:08 Uhr
    Hallo
    man braucht sich nicht zu wundern was nachts in Karlsruhe für Gesindel unterwegs ist.
    Ich kenne Zeiten da konnte man noch Nachts um 3 Uhr aus der Stadt in alle Richtungen allein nach Hause laufen. Seit einigen Jahren ist das nicht mehr möglich.
    Es müssen endlich wie in anderen Ländern s.h Kannada schärfere Gesetzte eingeführt werden.
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  •   Robert1959
    (2029 Beiträge)

    18.07.2020 16:21 Uhr
    Woher soll denn die Sicherheit kommen?
    Wir haben immer weniger Polizisten mit immer weniger Rechte und Kriminelle mit immer mehr Rechte und ein Gesetzgeber, der auf beiden Augen blind ist.
    Kaum verhaftet, nach 5 Minuten wieder auf freiem Fuß. Dafür müssen die Opfer arbeiten, weil sie ihren Schaden nicht ersetzt bekommen!
    Die Polizei sollte das Recht haben, im Extremfall, wie in Stuttgart auch Schußwaffen als hoheitliche Aufgabe einzusetzen!
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  •   zahlenbeutler
    (1577 Beiträge)

    18.07.2020 17:13 Uhr
    jawoll
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   Counmec
    (2 Beiträge)

    18.07.2020 10:54 Uhr
    Begriffsdefinition
    Liebe Frau Kube,

    Sie haben in Ihrem Artikel Begriffe wie „Partymeile“ und „Partyszene“ übernommen, welche auch in diversen Artikeln zur Krawallnacht in Stuttgart neuerdings aufgetaucht sind. Für mich haben beide oben genannten Begriffe aus meinem bisherigen Verständnis und meiner Vergangenheit nichts mit Gewalttaten und Verbrechen zu tun. Für mich stand der Begriff Partymeile bisher für Etablissement wie ein Club oder eine Disco. Eine Partyszene war für mich bisher der Sammelbegriff für Menschen, die im weitesten Sinne Musik, Tanzen und gepflegten Spaß haben wollen. Diese Szene hatte nichts mit Gewalt, Plünderungen, Krawallen, Verbrechen aller Art zu tun. Eher im Gegenteil. Man feierte gepflegt zusammen, man fühlte sich sicher. Selbst als Frau.

    Meine Frage: Haben sich diese Begriffsdefinitionen heutzutage derart geändert, dass ich diese nun mit Verbrechenshotspots und Verbrechen bzw. in Persona mit Verbrecher*innen Definieren muss?
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