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Karlsruhe Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen

Heruntergelassene Jalousien, verblasste Schilder und alter Beton: Die Kaiserpassage soll eine attraktive Shoppingmeile sein, doch die Realität ist eine andere. Damit Karlsruhe wieder an Attraktivität gewinnt, sind an allen Ecken und Enden der Stadt Maßnahmen geplant. In der neuen ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel" nehmen wir jeden Dienstag einen anderen Stadtteil unter die Lupe. Heute: Wie wird sich die Karlsruher "Shoppingmeile" in Zukunft verändern?

Wer einkaufen oder bummeln möchte, ist auf der Karlsruher Kaiserstraße richtig - es ist die Flaniermeile der Stadt. Doch ihre Randbereiche können nicht als Aushängeschild Karlsruhes dienen. Hier tummeln sich Billigläden und die Leerstände häufen sich.

Um dieser Entwicklung gegenzuwirken, hat sich die Stadt nun das Vorkaufsrecht rund um den Europaplatz gesichert. So kann die Verwaltung künftig mitbestimmen, welche neuen Geschäfte sich in der Kaiserstraße ansiedeln. 

Um bei neuen Mietern ein Mitspracherecht zu haben, sichert sich die Stadt das Vorkaufsrecht. | Bild: Lena Kube

Damit die Straße im Herzen der Stadt in neuem Glanz erstrahlt, soll vom Marktplatz bis zum Kaiserplatz ein sogenanntes Sanierungsgebiet festgelegt werden. Dafür hat der Karlsruher Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag, 26. Mai, den Weg geebnet. Damit sichert sich die Stadt mehr Möglichkeiten für der Gestaltung der Straßenzüge. 

Fußgängerzone im Wandel: Höhere Qualität der Geschäfte

Die Karlsruher Innenstadt wird sich in den kommenden Jahren stark wandeln. Die gelben Straßen- und Stadtbahnen werden unter der Erde verschwinden und eine einheitliche Fußgängerzone wird entstehen - inklusive Baumreihen, Bänken und einem nagelneuen Bodenbelag.

So stellt sich das Berliner Architektenbüro die Kaiserstraße ohne Baustellen vor
So stellt sich das Berliner Architektenbüro "Mettler" die Kaiserstraße ohne Baustellen vor. | Bild: Mettler Landschaftsarchitektur

Ob Kleiderläden, Cafés oder Imbissbuden - welche Geschäfte wünscht sich die Stadt an ihrer neuen, schicken Flaniermeile? In ihren Plänen spricht sich die Stadt für einen Mix an verschiedenen Läden aus. Im Erdgeschoss sollen neben Handel- und Dienstleitungen auch Fitnessstudios, Banken und Gastronomie das Angebot auf der Kaiserstraße und in der Kaiserpassage ergänzen.

Wohnungen und Büros über der Karlsruher Shoppingmeile

Ein Stockwerk darüber, in den ersten Obergeschossen, sollen Büros und Gesundheitsdienste einen Platz finden. In den obersten Etagen werden Wohneinheiten und eine Hotelnutzung favorisiert. Zu groß soll der Anteil an Wohnungen jedoch nicht sein, um den geschäftig-innerstädtischen Charakter des Gebietes aufrecht zu erhalten.

Entlang der westlichen Kaiserstraße sollen in den oberen Stockwerken weiterhin Wohnungen bestehen bleiben. | Bild: Lena Kube

Doch auf dem Weg zu einer Stadt mit höherer Aufenthaltsqualität ist die Kaiserpassage ein Dorn im Auge. Mitten in der Karlsruher Innenstadt gelegen könnte sie ein Aushängeschild der Stadt sein. Doch trotz der vielversprechenden Lage verbuchen die großen und modernen Einkaufszentren weit mehr Publikum. Der Grund: In der Kaiserpassage finden sich einige Geschäfte, die für Stadtbesucher wenig attraktiv wirken - unter anderem ein Erotikshop, Waxing- und Nagelstudios

Erotikläden und Nagelstudios finden sich in der Kaiserpassage in Karlsruhe. | Bild: Lena Kube

Um die Kaiserpassage stärker zu beleben, sollen die Geschäfte mehr Qualität erlangen und nach außen hin als starke Marke auftreten. Damit dieses Ziel ein Stückchen näher rückt, schließen sich die Eigentümer der Immobilien zusammen und arbeiten ein sogenanntes Profilierungskonzept aus.

Neuer Eingangsbereich soll Besucher anlocken

Um Besucher anzulocken, könnte die Passage auch optisch ein neues Gesicht erhalten. Eine Modernisierung des Eingangsbereiches zur Kaiserstraße hin ist angedacht. 

Der Eingang zur Kaiserpassage soll in den kommenden Jahren ein neues Aussehen erhalten. | Bild: Lena Kube
Schluss mit Billigläden und Leerständen: Die Stadt Karlsruhe möchte die Innenstadt aufwerten. | Bild: Lena Kube

Damit darüber hinaus im gesamten Bereich der westlichen Kaiserstraße die Aufenthaltsqualität steigt, werden Wände und Höfe von störendem Graffiti befreit. Hierfür kommt das neue Anti-Graffiti-Mobil "Soko Schmierfink" zum Einsatz. 

Diese Maßnahmen sollen jedoch nur der Anfang sein. Wenn in den kommenden Jahren der westliche Bereich der Karlsruher Innenstadt offiziell ein Sanierungsgebiet ist, werden zahlreiche weitere Projekte folgen. Bereits im Jahr 2022 könnten die ersten Punkte mit finanzieller Unterstützung von Bund und Ländern umgesetzt werden.

Teil 1 der Serie:

ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt einzelne Bereiche unter die Lupe.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   IchKA
    (919 Beiträge)

    04.06.2020 17:14 Uhr
    Na dann glauben wir mal was uns versprochen wurde
    Wenn erst mal die kleinste U-Bahn der Welt fertig ist dann, ja dann wird KA wieder zum grandiosen prosperierendem Einkaufserlebnis. Und dann braucht man nicht mehr nach Mannheim oder nach Stuttgart. Nur das braucht sowieso nicht mehr, weil die Leute immer weniger Geld zur Verfügung haben und im Internet kaufen. Spart Zeit und Nerven wegen der Kompliziertheit eines Einkaufs mit Auto oder Bahn.

    Es ist wie mit Karlsruher Klepperlesverein. Ist erst mal das neue Stadion fertig kommen auch die sportlichen Erfolge. Ist das Theater fertig sinken die Subventionen dramatisch. Ist die Stadthalle fertig sinken die Messeverluste. Und wenn sie nicht gestorben sind dann glauben sie noch heute. Glaube versetzt Berge aber so viele Berge kann man gar nicht versetzen. Viele Entwicklungen wurden falsch eingeschätzt unter Vorherrschaft eines örtlichen Provinzdenkens von Großherzogs Gnaden im meist ratlosen Haus am Marktplatz...
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  •   FinnMcCool
    (354 Beiträge)

    03.06.2020 20:26 Uhr
    Vorkaufsrecht gesichert?
    Warum wird hier im Artikel nicht darüber berichtet, was dies konkret bedeutet? Für mich heisst dies, wenn das Grundstücl oder die darauf stehende Immobilie verkauft wird, dass zunächst die Stadt ein Angebot unterbreitet und das Objekt kaufen kann. Was passiert aber, wenn die Stadt ein Angebot von 3 Millionen unterbreitet und der Verkäufer aber 10 Millionen dafür haben möchte. Muss er dann an die Stadt für 3 Millionen verkaufen? Und falls er nicht an die Stadt verkaufen will, kann er dann später an einen anderen Investor das Objekt für 1,5 Millionen verkaufen (weil er z.B. gar nicht an die Stadt verkaufen wollte udn er deswegen eine übertrieben hohe Forderung angesetzt hatte)
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  •   FinnMcCool
    (354 Beiträge)

    05.06.2020 09:43 Uhr
    danke ...
    ... für die guten Antworten. Wusste ich ehrlich nicht.
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  •   andip
    (10644 Beiträge)

    04.06.2020 08:34 Uhr
    Das geht in etwa so
    Jemand will sein Gebäude/Grundstück verkaufen, sucht und findet einen Käufer und handelt mit dem den Preis und sonstige Bedingungen aus.
    Dann kann, aber muss nicht, die Stadt die Hand heben und sagen:"Vorkaufsrecht".
    Dann tritt die Stadt in den Kaufvertrag ein und zwar zu dem Preis und Konditionen, die mit dem ursprünglichen Käufer vereinbart wurden. Nachträglich daran was ändern kann man nicht.
    Solche Vorverkaufsrechte werden auch ins Grundbuch eingetragen, damit andere wissen, worauf sie sich einstellen müssen.
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  •   silberahorn
    (10540 Beiträge)

    04.06.2020 05:40 Uhr
    Ein Vorkaufsrecht
    wird ins Grundbuch eingetragen. Ich weiß z.B. nicht, ob auch Gemeinden aus Datenschutzgründen nicht erfahren, wer im Besitz von Immobilien ist. Dann wäre der Eintrag ins Grundbuch zumindest eine Möglichkeit zu erfahren wem die Immobilie gehört.Datenschutz im umgekehrten Sinne funktioniert nämlich hierzulande gut.
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  •   Beiertheimer
    (1168 Beiträge)

    04.06.2020 08:02 Uhr
    Da brauch man nichts ins Grundbuch eintragen
    Die Gemeinden haben beim Vorliegen eines Kaufvertrages mit einem Dritten bei berechtigten Ansprüchen generell ein allgemeines Vorkaufsrecht. Der Notar ist verpflichtet bei Kaufverträgen die Gemeinde zu Informieren und die hat dann zwei Monate um zu reagieren.
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  •   andip
    (10644 Beiträge)

    04.06.2020 12:28 Uhr
    Das ist nicht ganz richtig
    Es gibt kein generelles Vorkaufsrecht durch Gemeinden, sondern nur in Ausnahmefällen zwecks Sicherung eines Bauleitplanes .
    Nur dann kann eine Gemeinde das Vorkaufsrecht ausüben, ohne es ins Grundbuch eintragen zu müssen.
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  •   silberahorn
    (10540 Beiträge)

    04.06.2020 09:52 Uhr
    Danke
    das war mir nicht bekannt. Verstanden habe ich es zwar nicht, weil man bei einem generellen Vorkaufsrecht von Gemeinden gar nicht eigens von dort ein Vorkaufsrecht anstreben müsste.

    Mein Vorkaufsrecht am Besitz meines Großvaters war im Grundbuch eingetragen.
    Es wird sowieso kompliziert, wenn bereits irgendwo ein Vorkaufsrecht eingetragen wurde und die Gemeinde dann auch noch eines hat. Dann verkauft man das Anwesen einfach lieber gar nicht und vererbt es nur. Man kann ja den potentiellen Käufer adoptieren und etwas überschreiben. grinsen
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  •   timo
    (3214 Beiträge)

    03.06.2020 19:51 Uhr
    Karlsruher Innenstadt kann mit den Fußgängerzonen anderer Städte mithalten?
    Mich würde mal interessieren, welche Städte die große Mehrheit hier für besser hält.
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    04.06.2020 09:29 Uhr
    Keine großen unterschiede
    Die Geschäfte sind leider aktuell überall fast gleich, die Läden die als alleinstellungsmerkmal dienen gibt es meines Erachtens nicht.
    Von äußerlichen haben wir doch einige nicht so schöne Zweckbauten in der Innenstadt, richtung Kronenplatz sind sie auch teils Renovierungsbedürftig.
    Dafür ist für die Pause zwischendurch, das Schloß inklusive Park immer schnell zu erreichen. In manchen Städten ist es aber leichter, mal die Kinder etwas Toben zu lassen wobei immerhin ein Spielplatz zentral und gut erreichbar hier existiert. (das geht auch deutlich schlimmer)
    Was mich aber am Ka am meisten stört sind die Bahnen, wenn man die Strassenseite wechseln will muss man teilweise wirklich warten - ich gehöre nicht zur Fraktion die lange Shoped weshalb die vorherigen Punkte für mich nicht so wichtig sind (und ich auch die zentralen Cafes kaum bewerten kann) aber das hat mich teilweise davon abgehalten auf der anderen Seite eine Brezel oder eine andere nicht so wichtige Kleinigkeit zu holen.
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