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Karlsruhe Kann ein künstlicher Baum aus Algen die Karlsruher Luft sauberer machen?

Klimaschutz ist ein Thema, das in der Gesellschaft immer stärker in den Fokus rückt. Nun haben sich mexikanische Forscher etwas einfallen lassen, um ihren Teil gegen die Verschmutzung der Luft durch Abgase beizutragen: Einen künstlichen Baum aus Mikroalgen. Er soll bis zu 368 Jungbäume ersetzen können - eine Idee, die auch der FDP-Fraktion Karlsruhe gefällt. Wie der "Algenbaum" funktioniert? ka-news.de hat mit Expertin Christine Rösch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gesprochen.

Saubere Luft in Karlsruhe - ein Anliegen und Wunsch vieler Bürger, denn Smog ist gesundheitsschädlich. Eine Lösung liegt in der intensiven Begrünung der Städte. Dieses Urban Gardening stand in Karlsruhe bereits zur Diskussion, die bisherige Umsetzung bietet allerdings viel Spielraum nach oben.

So stellte die FDP Karlsruhe Ende Januar 2019 eine Anfrage an die Stadt, in der sie sich nach deren Plänen zur Luftreinigung erkundigt. Der Fokus dabei liegt auf der Anschaffung eines künstlichen Mikroalgenbaums.

Luftfilter durch Mikroalgen

Ein Baum aus Algen? Richtig gelesen! An einen echten Baum erinnert die Konstruktion wohl eher nicht, nur die sich nach oben öffnende Form lässt die Parallele zu seinen natürlichen Verwandten erahnen. Doch der mit seinen vier Metern hohe Gigant "Biourban 2.0" hat einiges drauf: Er soll nämlich für reinere Luft in den Städten sorgen - und das sogar effizienter als ein richtiger Baum.

Der Algenbaum ist eine Technologie der mexikanischen Startup-Firma Firma BimiTech. Laut eigenen Angaben ist es durch diesen Baum möglich, Schadstoffverbindungen wie CO2 in Sauerstoff und Biomasse umzuwandeln.  Er wirkt also wie ein Filter für die Luft. Der Grund sind kleine Mikroalgen, welche im Baum eingearbeitet sind. 

Der Vorteil von Algenbäumen: Ihre hohe Aufnahmeleistung. Je nach Größe hat ein Baum eine Kapazität von bis zu 43,8 Millionen Kubikmetern Luft pro Jahr. Zum Vergleich: Dies entspricht dem CO2-Anteil, den 2.850 Menschen im Laufe eines Tages ausstoßen.

Ein Algenbaum soll 368 junge Bäume ersetzen können

Die Bäume sollen laut den Forschern in der Lage sein, bis zu 99,7 Prozent der Partikel in der Luft einzufangen. Der Ausstoß an Sauerstoff eines Algenbaums "Biourban 2.0" wiederum entspricht dem von bis zu 368 junger Bäume. Die Leistung des jeweiligen Baumes wird in Echtzeit über Sensoren angezeigt.

Ein weiterer Vorteil der künstlichen Pflanze: Versiegelte Innenstädte bieten wenig Platz für Begrünung. Während das für ihre natürlichen Artgenossen zum Problem wird, können die Algenbäume auch auf unfruchtbarer Fläche einen Platz finden.

Doch könnten Algen tatsächlich die Lösung des Dilemmas der Luftverschmutzung werden? Christine Rösch leitet die Forschungsgruppe "Nachhaltige Bioökonomie" am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). "Mikroalgen sind echte Allrounder", meint sie. Algen dienen nämlich nicht nur zur Luftsäuberung, sondern sind darüber hinaus auch essbar und dienen als Energielieferant.

45.000 Euro Kosten für einen Algenbaum

Nichtsdestotrotz ist die KIT-Professorin der Ansicht, dass sich das "Projekt Algenbaum" für die Stadt Karlsruhe eher weniger lohnen würde. "Algen benötigen Stickstoff und Phosphat. Um höhere Erträge zu erzielen als es unsere 'normalen' Bäume hier schon tun, bräuchten sie mehr CO2 - und das in der Luft hier vorhandene reicht dafür nicht."

Christine Rösch ist Professorin am Karlsruher Institut für Technologie.
Christine Rösch ist Professorin am Karlsruher Institut für Technologie. | Bild: Karlsruher Institut für Technologie

Algenbaum bräuchte viel Regulierung

Abgesehen vom finanziellen Aspekt sei auch die Pflege solch eines Algenbaums mit hohem Aufwand verbunden. "Mikroalgen sind viel empfindlicher als Bäume - sie haben je nach Art ein sehr enges Temperaturspektrum, in dem sie die Fotosynthese durchführen können." Es müsste daher darauf geachtet werden, dass die Temperaturen nachts nicht zu sehr abkühlen.

 "Im Winter müsste der Algenbaum gar gewärmt werden", meint Rösch. Die Anschaffung eines Algenbaums in der Fächerstadt liege laut Informationen der FDP Karlsruhe bei 45.000 Euro. "Für diese Summe an Geld kann man viel mehr machen!", so die Professorin gegenüber ka-news.de - zum Beispiel mehr Bäume pflanzen, denn für Karlsruher Klimaverhältnisse würden diese vollkommen genügen.

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  •   107
    (551 Beiträge)

    24.08.2020 20:56 Uhr
    Wozu denn in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah ?
    Frau Christine Rösch, Professorin am KIT, darf sich bei mir am Hauptbahnhof melden.
    Ich werde Ihr den Unterschied zwischen grauer Theorie und gelebter Praxis vor Ort erklären.
    Die Zeit nehm´ich mir.

    Vermutlich wird Sie das nicht wagen.
    Genauso wie die vielen Gemeinderäte und Verwaltungsspitzen.
    Ich sagte Verwaltungsspitzen und nicht etwa : "Regierende".
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  •   Karlsruhesohn
    (88 Beiträge)

    24.08.2020 19:17 Uhr
    Alge Alge Alge
    Ganz klar ein Fall für Knossi
    1 in den Chat
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  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    24.08.2020 19:03 Uhr
    Ich hätte da eine Idee
    In Südamerika, insbesondere in Brasilien hat der Regierungschef (eher Despot) Bolsonaro befohlen, große Flächen des Regenwaldes abzuholzen, um Palmen anpflanzen zu lassen, auch für Öl für unsere Vegetarier, damit schützt man die Tiere bei uns, während dort der Regenwald und Tiere, um es so zu sagen vor die Hunde gehen. Von der Veränderung des Klimas ganz abgesehen. Da könnten ja unsere überzeugten Vegies, Grünen, FDP und alle Anhänger derselben dort diese Algenbäume spenden, damit wenigstens noch etwas außer den Palmen auf den abgeholzten Flächen rumsteht. So ein Bäumchen kostet ja nur 45000 Euro, müsste doch zu finanzieren sein.
    Jetzt mach ich Schluss, Ironie aus. 😉
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    25.08.2020 08:12 Uhr
    Der großteil der agrarflächen
    weltweit wird zur Viehzucht verwendet (um dein 200g schnitzel zu essen muss dein Schwein auch erstmal kg soja futtern für die der Urwald in Brasilien großteils draufgeht), während der fleischkonsum überproportional in dem Industrienationen stattfindet.
    Palmöl ist einerseits effektiv, da es schnell wachsende Rohstoff ist und deutlich weniger Urwald vernichtet als bsp Butter von dem Bauern um die Ecke (dessen Futter kommt sehr wahrscheinlich aus bra), auch andere Pflanzenöle sind was fläche zu Ertrag angeht schlechter daher kann ich die Kritik daran nur teilweise nachvollziehen (ein deutscher Wald statt einen Rapsfeld wäre ja auch eine alternative). Als reines Speiseöl ist es aber in dem Industrienationen wenig verbreitet, da es durch die effiziente Anbauweise aber auch günstig ist wird es massiv in der Lebensmittelindustrie verwendet, so ist es in der Tk Pizza als auch in der Nutella. Die veggies die viele Produkte davon nicht essen können, haben wohl einen geringen Palmöl verbrauch;)
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  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    25.08.2020 09:40 Uhr
    @Chris23
    Ich habe nicht von den schon vorhandenen Agrarflächen gesprochen, sondern von der rücksichtslosen Abholzung des Regenwaldes.
    Zur Info zum Verbrauch von Palmöl in Deutschland
    https://www.focus.de/wissen/natur/tid-8590/oelpalm-plantagen_aid_233772.html

    Derzeit liegt der jährliche Palmöl-Verbrauch in Deutschland bei rund 1,8 Millionen Tonnen. Davon gehen 41 Prozent in Biodiesel und 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel.

    Biodiesel, dafür haben die Grünen ja immer gekämpft. Es hat auch bei den Grünen alles seine zwei Seiten. Bei uns setzt man Öko und Bio mit Macht durch, auf Kosten der anderen Seite der Welt. Aber das ist ja auch weit weg.

    Palmöl in Nahrungsmitteln, ein hoher Anteil wird immer noch für die Margarine verbraucht. Auch da freut es ja die Grünen, den Butter geht gar nicht. Also sind wir wieder bei der Abholzung von Regenwäldern, nicht nur in Brasilien.
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    25.08.2020 09:58 Uhr
    Es gibt auch renaturierung auch wenn sie hier kaum stattfindet
    Darüber regen sich aber durchaus die Länder auf, die belehrt werden das sie ihre noch nicht genutzten Flächen in Ruhe lassen von ländern die dies schon fast vollständig gemacht haben.
    Biodiesel ist auch günstiger als das Öl umwelttechnisch, aber die Urwälder in brasilien werden fast auschließlich für Soja rerodet und das wenigste davon wir direkt von Menschen gegessen das meiste ist Kraftfutter. Palmöl flaschen bekomme ich afaik nicht in Rewe, dafür muss ich in Asia/worldmarket gehen - hier kann man aber gerne diskutieren ob das wirklich so viel schlimemr als Raps ist. Für dein Stück Butter als Ersatz fett, ist aber deutlich mehr Urwald gefällt gerodet wurden.
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  •   udoh
    (1886 Beiträge)

    24.08.2020 11:57 Uhr
    Lügt man sich mal wieder in die Tasche?
    Das "bis zu" und "junge Bäume" (also Miniteile?) lässt erahnen, dass ein "erwachsener", großer Baum nicht nur ein viel schönerer, preiswerter, (fast) Selbstversorger ist, der sich selbst vermehren kann, sondern auch in der "Bilanz" gar nicht so schlecht da steht. Nebenbei schalldämmend und Schatten spendend. Selbst nach seinem Ende dient er als Möbel, Rohstoff oder nachwachsender Energielieferant.
    Nichts gegen Versuche da was nachzubauen, aber das Original ist mir einfach lieber! Dass das Original auch kein S-Strab Betongrab unter sich mag, lässt Edelstahl, Glasbäume auch nicht besser aussehen
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  •   kunvivanto
    (274 Beiträge)

    24.08.2020 12:14 Uhr
    Daten
    Zitat von udoh Das "bis zu" und "junge Bäume" (also Miniteile?) lässt erahnen, dass ein "erwachsener", großer Baum

    1 erwachsener Baum entspricht 2000 jungen Bäumen, also 5-6 Algenbäumen.
    http://rosenstein-park.de/index.php?page=Baum

    https://www.baumpflegeportal.de/aktuell/10_gruende_warum_menschen_baeume_brauchen/
    https://www.arboristik.de/baumpflege_25_23.html
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    24.08.2020 15:55 Uhr
    Sicher
    2 deiner 3 Quellen schreiben ein großer Baum 20m verarbeitet 10.000l oder 10 Kubikmeter C02 in Sauerstoff. Das wären im Jahr 3650.

    ka-news schreibt "Der Vorteil von Algenbäumen: Ihre hohe Aufnahmeleistung. Je nach Größe hat ein Baum eine Kapazität von bis zu 43,8 Millionen Kubikmetern Luft pro Jahr. Zum Vergleich: Dies entspricht dem CO2-Anteil, den 2.850 Menschen im Laufe eines Tages ausstoßen."

    Das klingt zuviel, aber noch sehr klar pro Algenbaum. Eine Quelle schreibt 5-10 menschen können mit Sauerstoff versorgt werden (20m hoher Baum), dann wären wir im identischen Bereich 1825-3650 Menschen für einen Tag werden im einen Baum Jahr versorgt (die Einheit ist ebenso idiotisch wie junger und erwachsener Baum - die 20m als orientierung sind da sicher besser auch wenn es da auch auf die Art ankommt).
    Luftfiltereigenschaften will ich anhand der quellen nicht vergleichen.
    Das Bild des Algenbaums, wäre ein relativ kleiner Baum es geht ja auch um dem vorhandenen Platz ...
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    24.08.2020 16:06 Uhr
    Anmerkung
    Der Baum von der Firma ist 4m hoch, und das passt dann zum Bild nachdem man schließen kann das er nicht so breit ist. Dadurch kann er sicher am Stellen platziert werden, an dem ein 20 meter hoher Baum nicht passt ... Der dafür in Sommer schön schatten spendet, wofür man sonnensegel oder sonnenschutzwände bauen müsste (die für mich nicht mehr schön wären und noch teurer in unterhalt sind)
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