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Karlsruhe Hochwasserschutz in Karlsruhe: Mammut-Polder-Projekt in Rappenwört soll starten, aber wann?

An ihm scheiden sich die Geister: Der Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört. Gelegen zwischen Rheinstetten-Neuburgweier und dem Rheinhafen Dampfkraftwerk der EnBW, soll er zukünftig zur Regulierung des Rheinpegels beitragen. Nach vielen Jahren der Debatte können wohl bald Nägel mit Köpfen gemacht werden. Denn: Dem Regierungspräsidium Karlsruhe wurde im Dezember der lang ersehnte Planfeststellungsbeschluss vom Landratsamt Karlsruhe zugestellt. Doch ab wann wird denn nun gebaut? ka-news.de hat die Antwort.

Um die Hochwassergefahr am Rhein zu reduzieren, wurde vor über 30 Jahren das integrierte Rheinprogramm (IRP) vom Land Baden-Württemberg verabschiedet. Das Projekt sieht vor, 13 Hochwasserrückräume zu erschaffen, die die Auen am Oberrhein weitestgehend erhalten oder wiederherstellen sollen.

Der geplante Polder am Bellenkopf /Rappenwörth ist einer von ihnen. Auf einer Fläche von 510 Hektar soll das Becken als "gesteuerter Hochwasserrückhalteraum" angelegt werden und künftig bis zu 14 Millionen Kubikmeter Rheinwasser aufnehmen können. 

Hier soll der geplante Polder Bellenkopf entstehen.
Hier soll der geplante Polder Bellenkopf entstehen. | Bild: Regierungspräsidium Karlsruhe

Damit würde der Polder zum Beispiel die Rückhaltebecken an der Rheinschanzinsel zwischen Philippsburg und Oberhausen-Rheinhausen und das Elisabethenwört bei Dettenheim ergänzen. Doch seit Anbeginn gibt es bei diesem sehr komplexen Projekt Unstimmigkeiten.

"Hochwasserschutz ist eine gemeinsame Verantwortung"

Die mehrheitliche Zustimmung erhielt der Polder bereits im Jahr 2012 im Gemeinderat. Ein Jahr nachdem das Regierungspräsidium seinen Antrag zur "Durchführung des Planungsfeststellungsverfahrens" beim Landratsamt in Karlsruhe eingereicht hatte.

Darin wird unter anderem über die "Sanierung, Neubau und Ertüchtigung" vorhandener Hochwasserschutzdämme und über die "Errichtung der Ein- und Auslassbauwerke und die Durchführung ökologischer Fluten" verhandelt. Erst am 23. Dezember 2020 wurde der Beschluss an das Regierungspräsidium zurückgeschickt.

Bild: Maria Huck

Doch genau hier legt das Problem: Um ökologischen Flutungen zu gewährleisten, müssten massive Einschnitte in die Umwelt hingenommen werden.

Darunter: Die Versetzung der Straße L566, die Höherlegung der Hermann-Schneider-Allee, der Wegfall des Wildgeheges und der Bau einer vier Meter hohen Spundwand. Vielen, auch einigen Gemeinderatsmitgliedern, sind diese Umwelteinschnitte zu extrem - und zu teuer. Rund 186 Millionen Euro soll das Becken letztendlich kosten

Einen weiteren Schritt in Richtung Abschluss wurde während der Gemeinderatssitzung am 22. Dezember unternommen. Denn da stimmten alle Fraktionen einstimmig für den Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe zu, der unter anderem den Grundstücksbesitz der beiden Parteien regelt.

Mit mehreren Booten wurde auf dem Rhein nach Personen gesucht.
(Symbolbild) | Bild: Edgar Geißler

Doch wieso dieses einstimmige Ergebnis, wenn so Viele dagegen sind?

"Letztendlich ist Hochwasserschutz eine gemeinsame Verantwortung - nicht nur gegenüber Karlsruhe, sondern auch gegenüber anderen Gemeinden. Da hat man letztendlich keine Wahl", so das Fazit.

Ist der Polder wirklich nötig?

Laut Experten wie Manfred Bremicker, Leiter des Referats Hydrologie und Hochwasservorhersage der Landesanstalt für Umwelt Baden Württemberg (LUBW), zufolge, ja.

Denn: Der Polder Bellenkopf/Rappenwört ist als Bestandteil eines großen Hochwasserschutzkonzeptes dem IRP, zu verstehen - mit dem Zweck, der Hochwasserverschärfung entgegenzuwirken, die infolge des Oberrheinausbaus zustande kam. 

"Durch den Polder Bellenkopf/Rappenwört kann im Verbund mit den übrigen vorhandenen und geplanten Hochwasserrückhalteräumen am Oberrhein eine Hochwasserschutzwirkung vor einem etwa 200-jährlichen Ereignis erreicht werden", erklärt der Experte auf Anfrage von ka-news.de.

"Ohne diesen Schutz wäre die Hochwassergefahr ganz erheblich."

Selbst die massiven baulichen Eingriffe sind für die Reduzierung der Hochwassergefahr als notwendig zu betrachten, so Bremicker. 

Der Beschluss ist da - Wann geht es los?

Bleibt die Frage, ab wann geht der Baubetrieb denn los? Schließlich steht dem Bau des Polders im Grunde nichts mehr im Wege - so zumindest die Aussage des Landratsamtes Karlsruhe. Doch wie sieht es das Regierungspräsidium?

Dieses hat nach eigenen Angaben großes Interesse daran, möglichst bald mit einer "rechtlich zulässigen Umsetzung" des Projektes zu beginnen. Die Leitung wird Planungsingenieur Thorsten Daum übernehmen.

(Symbolbild) | Bild: Maria Huck

Wann das jedoch sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. 

"Es muss erst abgewartet werden, ob Rechtsmittel eingelegt werden. Danach erst folgen die planerischen und sonstigen Vorarbeiten. Darunter fallen Vermessungsarbeiten und Baugrunderkundungen sowie insbesondere Beauftragungen der Planer und Erstellung der Ausführungsplanungen", so das Regierungspräsidium auf Anfrage von ka-news.de.

 

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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    13.01.2021 21:32 Uhr
    Ich liebte ein Mädchen auf Rappenwört,
    die Äpfel zu leckeren Happen dörrt.
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  •   IchKA
    (1172 Beiträge)

    11.01.2021 13:07 Uhr
    Bereits 1989
    wurde das internationale Integrierte Rheinprogramm IRP verabschiedet. Frankreich hat seit Jahren alle Vereinbarungen umgesetzt. Ob Rappenwört etc., ebenso wie die ökologischen Flutungen an dieser Stelle Sinn machen ist eine andere Frage. Was aber 200 jähriger Schutz bedeutet scheint für viele unvorstellbar, aber es könnte sich lohnen darüber nachzudenken. Es wird immer wahrcheinlicher, dass durch Klimaveränderungen bedingte Hochwasserereignisse sich massiv ausweiten werden. Davon ist nicht nur Köln betroffen. Wenn die Brühe über Mühlburg, Daxlanden etc. die Kaiserallee entlang läuft und nördlich und südlich ganze Landstriche überflutet sind, ist das Wehklagen groß. Wir spielen Roulette und haben nur Glück gehabt, dass seit 1989 keine Jahrhundertflut in diesen Ausmaßen passiert ist. Das gab es nämlich schon in der Geschichte. Über Sinn und Unsinn von ökologische Flutungen kann man geteilter Meinung sein. Über Hochwasserschutz leider nicht.
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  •   mueck
    (12254 Beiträge)

    12.01.2021 08:14 Uhr
    !
    Durch die Kaiserstraße kann keine Rheinbrühe schwappen, da KA größtenteils im Hochgestade liegt, dass rund 10 m über dem Tiefgestade liegt, in dem der Rhein unterwegs ist. Sollten jemals die Rheindämme brechen oder sich als zu niedrig erweisen, trifft es nur einige relativ wenige Tiefgestadebewohner wie in der Fritschlach und in Knielingen die Gegend um Untere Str., Rheinbergstr. ff und Bruchweg etc.
    Da die Rheindämme längst nicht die Höhe des Hochgestades erreichen, müsste der Rhein erst mal das komplette Tiefgestade füllen, bis er die Kaiserstr. fluten könnte und das ist auch mit wochenlangem Starkregen parallel zu einer kompletten Schneeschmelze nicht zu erreichen ...

    Im Hochgestade gibt's nur in einigen Ecken Gefahren durch die kleinen Flüsse wie Pfinz und Alb bspw. rund um Rüppurr, das ist eine andere Baustelle ...
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  •   Queri
    (191 Beiträge)

    11.01.2021 13:35 Uhr
    '
    Sehr schwarzmalerisch. Der Schutz ist ja durch die bestehenden Polder in F und D schon viel besser geworden. Mit der Fertigstellung weiterer Polder, die bereits im Bau sind, wird er noch besser.
    Vollständige Sicherheiten und Garantie, der Wunsch danach ist ein alter Menschheitstraum, funktionieren selten. Planung mit Augenmaß und Weitsicht ist gefragt, ohne Panik verbreiten zu wollen. Das gibt die SAchlage nicht her
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  •   IchKA
    (1172 Beiträge)

    11.01.2021 14:15 Uhr
    Besser geworden ja - mehr Polder
    aber die Bedrohungslage ist mittlerweile auch größer geworden. Starkregen, verharrende Tiefdruckgebiete etc. Die benötigten Hochwasserrückhalteräume sind berechnet und orientieren sich an einem 200 jährigen Hochwassergeschehen. Das was wir haben reicht eben nicht und so lange bleibt es eben Roulette. Das hat mit Schwarzmalerei ziemlich wenig zu tun ...
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  •   Queri
    (191 Beiträge)

    11.01.2021 15:35 Uhr
    '
    Nö, das hat mit "Roulette" wenig zu tun.
    Denn: Dein Szenario trifft auf kleine und vielleicht mittlere Flüsse zu, die von lokalen Starkregengebieten selbstverständlich ungleich schwerer betroffen sind. Ein "lokales" Starkregengebiet vom Alpenhauptkamm in Graubünden (der Bodensee ist dabei auch noch flugs "aufzufüllen") bis nach Karlsruhe oder Köln gab es noch nie zwinkern
    Der Rhein mit seinem Einzugsgebiet von der Schw. Alb zur Burgunder Pforte bis hat völlig andere geografische Dimensionen und Zeitabläufe, die seinen Pegel bestimmen.
    Deswegen und wegen der Polder und Dammrückverlegungen gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger Hochwasser am Rhein. Kann man nachlesen.
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  •   hajmo
    (4249 Beiträge)

    11.01.2021 11:59 Uhr
    Bau einer vier Meter hohen Spundwand
    Wenn ich das richtig verstanden habe, wird die fest installiert. Das mag ich mir gar nicht vorstellen - das macht doch das ganze Gelände optisch kaputt.
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  •   Queri
    (191 Beiträge)

    11.01.2021 11:58 Uhr
    '
    Es braucht einen besseren Polder. Ohne die schräge Idee wegen theoretischen Badebetriebs in Rappenwörth während eines Hochwassers, für viele Mio Euro eine ökologisch fragwürde Hochstrasse durch die Auen auszubauen. Auc der Sinn "ökologischer Flutungen" ist bei Experten umstritten.
    Die Stadt Rheinstetten klagt ja gegen das Konzept des Landratsamts, mit Unstützung namhafter Experten.
    Da sollte sich Karlsruhe anschließen, um schleunigst einvernehmlich (inkl. Rheinstetten) eine abgespeckte Variante zu vereinbaren.
    Denn die Anlieger rheinabwärts brauchen eine Konsenslösung, die möglichts bald kommt.
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  •   Robert1959
    (2156 Beiträge)

    11.01.2021 09:24 Uhr
    Besser ein Polder als Hochwasser!
    Die Kölner sind für jeden cm froh! Hochwasserschäden sind viel teurer als ein Polder. Allein beim Milchhäusle sind es 6,5 Millionen!
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  •   hajmo
    (4249 Beiträge)

    11.01.2021 11:55 Uhr
    Die Kölner sind für jeden cm froh!
    Dann sollen die doch den Polder bezahlen.
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