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Karlsruhe Erster Schlag gegen die östliche "Schmuddelecke": Passte die "Chérie-Bar" nicht mehr in Karlsruhes Stadtbild?

Sie prägte über viele Jahre das Bild im östlichen Teil der Kaiserstraße: Die Chérie-Bar. Jetzt steht das Gebäude aber seit einiger Zeit leer. Dass Karlsruhe schon seit Jahren das "Schmuddel-Image" der Oststadt und der Innenstadt Ost abschütteln möchte, ist kein Geheimnis . Aber ist das auch der Grund, weshalb die Chérie-Bar schließen musste? Oder anders gefragt: Wurde das Strip-Lokal zugunsten des Karlsruher Sanierungsplans "Innenstadt-Ost" vor die Tür gesetzt?

Ein kokettes Pin-Up Mädchen in einem Cocktailglas, ein neonfarbener Schriftzug und abgedunkelte Gläser. Die Chérie-Bar verlieh dem Städtchen jahrzehntelang eine verruchte Note. Jetzt ist das Etablissement allerdings geschlossen. Das Pin-Up, der Schriftzug und die dunklen Fenster in der Kaiserstraße 36A  sind verschwunden.

Stattdessen sind die Fenster mit Folie abgedeckt. Im Inneren laufen Sanierungsarbeiten ab. Wird hier etwa bereits dem sogenannten "Trading-Down-Effekt" entgegengewirkt, den die Stadt und die Bürger stets wegen derartiger Lokale befürchtet hatten?

Keine "kritischen" Läden im Sanierungsgebiet "Innenstadt-Ost"

Auf Nachfrage bei der Stadt Karlsruhe entsteht tatsächlich der Eindruck, dass hier eine konkrete "Aufwertung" vorgenommen werden soll, indem mit dem neuen Eigentümer eine sogenannte "Abwendungsvereinbarung" getroffen wurde. 

Bild: Thomas Riedel

"Aufgrund der Lage im Sanierungsgebiet wurde mit dem neuen Eigentümer im März 2020 eine sogenannte Abwendungsvereinbarung unterzeichnet, die lediglich Nutzungen zulässt, die nach der Sanierungssatzung als unkritisch gelten", heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten.
Keine Spielhallen, keine Kneipen, keine Clubs. Die Liste mit "unerwünschten Nutzungen" von Gebäuden ist lang. | Bild: Britta Pedersen/Archiv

Das heißt: "kritische" Etablissements wie Bordelle, Spielhallen, Wettbüros oder Bars  sind bei den Sanierungszielsetzungen der Stadt Karlsruhe nicht erwünscht. Daraus macht die Stadt kein Geheimnis und präsentiert diese Ziele auch gezielt auf ihrer Website. Denn: Diese würden die (Wohn)Qualität der Umgebung senken. 

"Einflussnahme wäre eine rechtswidrige Handlung"

Allerdings wird seitens der Stadt betont, dass diese Sanierungsziele erst greifen, sobald die Besitzer die Geschäfte selbst aufgeben. Mit "vor die Türe setzen" habe das nichts zu tun. So heißt es in einem Statement, das die Redaktion über E-Mail erreichte:

"Auch in Sanierungsgebieten gilt der Grundsatz der Gewerbefreiheit, so dass jegliche Art von Einflussnahme eine rechtswidrige Handlung wäre. Erst wenn ein Betrieb von sich aus schließt und eine neue Nutzung angestrebt wird, greifen die Sanierungsziele. Im Falle der ehemaligen Chérie-Bar hat der neue Eigentümer des Hauses sein Nutzungskonzept mit der Stadt abgesprochen, die Übereinstimmung mit den Sanierungsgrundsätzen ist festgestellt."

(Symbolbild)
Die Karlsruher Innenstadt-Ost. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Kurzum: Bereits bestehende "kritische" Lokalitäten können weiterhin an Ort und Stelle verbleiben. Aber was sieht denn dieses Nutzungskonzept jetzt eigentlich vor? Was kommt anstelle der Chérie-Bar in die Kaiserstraße 36A?

Büros und Wohnungen ziehen ein

Nach Angaben der Stadt wurde ein Antrag auf Nutzungsänderung gestellt, wodurch das Erdgeschoss künftig für Büroräume genutzt werden soll und das erste Obergeschoss für Wohneinheiten. Das Gebäude selbst befindet sich im Privateigentum. Wer allerdings der Besitzer ist und ab wann die Räumlichkeiten fertiggestellt sein werden bleibt unklar.

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Kommentare (22)
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  •   motzki
    (773 Beiträge)

    31.10.2021 23:00 Uhr
    fast die komplette...
    ...kaiserstraße ist inzwischen zur schmuddelecke verkommen. und nicht nur städtebaulich...
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  •   Ringo.Ginsterburg
    (167 Beiträge)

    28.10.2021 09:49 Uhr
    Ich liebte ein Mädchen im Osten
    und hatte doch keinerlei Kosten. zwinkern
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  •   oststaedtler
    (300 Beiträge)

    26.10.2021 13:22 Uhr
    Wie bitte???
    "Dass Karlsruhe schon seit Jahren das "Schmuddel-Image" der Oststadt und der Innenstadt Ost abschütteln möchte..." Jetzt fühle ich mich aber in meiner Ehre gekränkt. Wo hat denn die Oststadt bitte ein Schmuddel-Image??? Wenn, dann trifft das eher auf das Gebiet östlich des Marktplatzes bis Durlacher Tor / Kapellenstraße zu, und das ist dann ja nur Innenstadt-Ost, oder?
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  •   silberahorn
    (11059 Beiträge)

    26.10.2021 07:47 Uhr
    Eher GÄHN als Schmuddel
    Eine Stadt muss sich nicht aufgeschlossen und modern zeigen wollen, indem sie die "Puppen tanzen" lässt.
    Ein Zug der Zeit, dass auch dieses Segment der Bespassung abstirbt, zumal es genug Vergnügungsmöglichkeiten statt dessen gibt.
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  •   Berty87
    (1127 Beiträge)

    26.10.2021 06:22 Uhr
    Was
    Kommt rein. Eine Dönerbude, Handyshop und Co. Wie jeder 3 Laden in der Kaiserstr
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  •   andip
    (11294 Beiträge)

    26.10.2021 08:04 Uhr
    Steht doch da
    Büros und Wohnungen.
    Und wenn es so viele Dönerläden und Handyshops gibt, dann wohl, weil es genügend Bedarf dafür gibt.
    Denn sonst wären die alle schon längst wieder zu.
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  •   oststaedtler
    (300 Beiträge)

    26.10.2021 13:19 Uhr
    Naja...
    ...bei vielen dieser Läden sehe ich eher selten Kunden drin. Da fragt man sich dann eher, ob die Shops nicht eher zur Geldwäsche gedacht sind.
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  •   Gevatter
    (708 Beiträge)

    25.10.2021 21:28 Uhr
    Ich putze mich
    Wir hatten mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen Mal nach einem Abeilungs Weihnachtsessen in einem Lokal da Mal unsere Weihnachtsfeier ausklingen lassen. Wäre heute wahrscheinlich undenkbar. War lustig. Nun geht's dahin.
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  •   80er
    (6169 Beiträge)

    25.10.2021 19:32 Uhr
    Himnel...
    ...eine Weltstadt wie Karlsruhe ohne Striplokal. Wo sollen denn die ganzen Investoren nach erfolgreichem Geschäftsabschluss die Puppen tanzen lassen? Etwa zu Hause wo die Ehefrau an der Stange tanzt? Pah...Provinz dieses KA.
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  •   silberahorn
    (11059 Beiträge)

    26.10.2021 01:02 Uhr
    Kommt sowieso nur davon,
    dass immer mehr Frauen gegenüber an der Hochschule studieren und es sogar Professorinnen gibt. Denen passt das gar nicht ... ähm, dass sie keine nackten Männer tanzen sehen können, wenn sie Mittagspause haben ??
    Ich kann mich noch an allerplumpeste Anmachen erinnern, als ich dort studiert habe. Den Vogel abgeschossen hat vor ein paar Jahren aber der "seriöse Akademiker", der nach einer Abfuhr meinerseits und meiner Rüge über den sexistisch plumpen Stil noch meinte: "Du bist aber merkwürdig. Die anderen Frauen finden das gut." Klar doch, bei MIR stimmt was nicht. hö???
    Danach kommt womöglich: frigide, müsste mal kräftig durchge... werden, damit sie auch auf den Geschmack kommt.
    Aber:
    Vielleicht gibt es einfach keinen Markt mehr für tanzende Puppen und gar keinen weiteren Grund, weshalb die ganzen Etablissements für spärlich gekleidete Appetitmacher neben einer Hochschule nicht mehr laufen. Mist gell, wenn Frauen heutzutage lieber auf andere Weise Geld verdienen.
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