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Karlsruhe Dreieinhalb Jahre Karlsruher Citypark: Von (ungelösten) Problemen und neuen Bauprojekten - eine Bilanz

Wo früher noch Gleise verliefen und Züge rangierten, lädt heute eine grüne Oase zum Verweilen ein: Der Citypark Südost bildet das Herzstück des modernen Karlsruher Stadtviertels Südstadt-Ost. Knapp dreieinhalb Jahre sind nun seit der Eröffnung von Karlsruhes "drittem grünen Finger" vergangen - dreieinhalb Jahre, in denen der Park nicht nur positive Schlagzeilen machte. Wie nehmen die Bürger den Citypark an? Und wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? ka-news.de hat sich mit Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamtes Karlsruhe, vor Ort umgeschaut.

Das ursprüngliche Vorhaben, in Karlsruhe 2001 erneut eine Bundesgartenschau stattfinden zu lassen, gilt als Ausgangspunkt für die Geschichte der großen Parkanlage. Der Grund: Die Veranstaltung fand zwar letztendlich doch nicht in Karlsruhe statt - eine Idee daraus wurde allerdings dennoch umgesetzt. "Eine große zusammenhängende Grünfläche" oder wie diese Fläche heute bei den Karlsruhern bekannt ist: der Citypark. 

2017 wurde das Bauprojekt vollendet. Knapp neun Hektar umfasst das Areal an der Ludwig-Erhard-Allee seither und erstreckt sich als langer "Schlauch" fast von der Rüppurrer Straße bis zur Stuttgarter Straße und schließt über den bekannten "Oststadtkreisel" an den Otto-Dullenkopf-Park an. 

Großstadt-Feeling in Karlsruhe

"Der Park als zentrale Achse hat sich auf jeden Fall bewährt", sagt Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Karlsruher Stadtplanungsamtes, während eines Spaziergangs mit ka-news.de durch das Areal. Neben der Günther-Klotz-Anlage und dem Zoologischen Stadtgarten ist die Anlage gemeinsam mit dem Otto-Dullenkopf-Park der dritte "grüne Finger" für den Südosten der Stadt Karlsruhe. Hier gibt es begehbare Wiesenflächen, einen kleinen See, einen Kindergarten und einen Spielplatz.

Ein Kontrast bildet dazu die benachbarte Ludwig-Erhard-Allee mit großen Bürokomplexen und moderner Architektur. "Wir wollen im Park und im Viertel ein wenig Großstadt-Feeling erreichen - und ich denke, das ist gelungen", so Karmann-Woessner. "Die Fläche wird von vielen Bevölkerungsgruppen genutzt und kommt sehr gut bei den Bürgern an."

Karmann-Woessner zeigt die Statistiken über die Zufriedenheit in der Südoststadt.
Karmann-Woessner zeigt die Statistiken über die Zufriedenheit in der Südoststadt. | Bild: Thomas Riedel

Diese Zufriedenheit der Karlsruher lässt sich sogar mit Zahlen belegen. So ergab eine Bürgerumfrage aus diesem Jahr, dass knapp 96 Prozent der Bürger in der Südoststadt mit ihrem Wohnumfeld "sehr" oder "eher zufrieden sind." Auf "nicht zufrieden" entfiel in der Umfrage für die Südstadt-Ost keine Stimme.

Mit ihrem Leben in der Südoststadt ist der Großteil der Karlsruher zufrieden. | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Die Sicherheitsumfrage aus dem Jahr 2018 zur Lebensqualität ergab ähnliche Zahlen. So bewerteten 88 Prozent der Teilnehmer ihre Lebensqualität als "sehr gut" oder "gut."

Problemzone Citypark-See

Doch der Park sorgte in seiner noch jungen Geschichte nicht nur für positive Schlagzeilen. So war knapp ein Jahr nach der Eröffnung von massiven Müllproblemen die Rede. Wilder Müll sammelte sich vor allem über das Wochenende verstärkt auf den Parkflächen an.

Auch der Citypark-See brachte - teils kuriose - Probleme mit sich: So wurde dort trotz offiziellen Verbots gebadet, Zierfische ausgesetzt und Müllreste entsorgt. Zeitweise bildeten sich daher Algen im See, die Stadt errichtete sogar einen Zaun, um den Problemen Herr zu werden. Mit Erfolg?

Bei dieser Frage verweist Anke Karmann-Woessner jedoch an das Gartenbauamt. Eine ka-news.de-Anfrage bleibt dort bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Hinweise auf den Zustand des Problem-Sees kann man allerdings einer Pressemitteilung der Stadt Anfang Oktober entnehmen: Darin wurde verkündet, dass erneut ein Abfischen des Sees durchgeführt werden soll.

"Ziel ist hier die Entnahme der eingesetzten Goldfische, um den See als Laichgewässer für die hier ansässige Population der seltenen Wechselkröten zu erhalten", heißt es darin. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings wohl auch: Der Citypark-See bleibt vorerst weiterhin das Sorgenkind des Areals. 

"Mein Fazit? Durchweg positiv"

Und auch die Gestaltung der Grünflächen des Parks sorgten unter den Bürgern schon zu so mancher Diskussion. Der Grund: Zwar wurden 2017 im Park insgesamt 270 Bäume gepflanzt, doch diese sind noch jung - große Schattenplätze sucht man auf dem weiten Grün an heißen Tagen vergeblich. Vor allem rund um den Spielplatz und den provisorischen Kindergarten ein Problem.

Bild: Thomas Riedel

Während der ehemalige Karlsruher Baubürgermeister Michael Obert, unter dessen Amtszeit der Bau des Cityparks erfolgte, die dortigen Probleme ebenfalls kritisch betrachtete, sieht die Leiterin des Stadtplanungsamtes das allerdings anders: "Ich wohne in der Oststadt und kann vor allem im Sommer immer wieder beobachten, wie viele Menschen im Park unterwegs sind und die Angebote nutzen."

Im Winter würden die Grünflächen zudem bei Joggern und Hundebesitzern beliebt sein - und daher ganzjährig genutzt werden. Ihr Fazit nach rund dreieinhalb Jahren Citypark daher? "Durchweg positiv", meint sie im Gespräch mit ka-news.de.

So soll sich der Citypark in Zukunft verändern

Das hat zur Folge, dass die Planungen für Karlsruhes "dritten grünen Finger" noch nicht abgeschlossen sind, wie Karmann-Woessner erklärt. "Die Verlagerung der Sportflächen am östlichen Ende des Parks an die Stuttgarter Straße stehen noch an." Wo sich einst noch Kleingärten befanden, soll in Zukunft eine öffentliche Sportanlage entstehen.

 

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Die ESG Frankonia wird dort ebenfalls unterkommen. Einen konkreten Zeitplan gibt es dafür laut der Wissenschaftlerin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) aber noch nicht. Als zweites Projekt werde über einen Fußweg in den Otto-Dullenkopf-Park nachgedacht und auch die provisorische Container-Kita soll nicht für immer dort stehen bleiben, so Karmann-Woessner.

Anke Karmann-Woessner ist seit 2013 Leiterin des Stadtplanungsamtes.
Anke Karmann-Woessner ist seit 2013 Leiterin des Stadtplanungsamtes. | Bild: Thomas Riedel

Auch das Viertel an sich wird weiterwachsen: Stadteinwärts entsteht gerade die neue Unternehmenszentrale der Weisenburger-Gruppe, geplant vom japanischen Star-Architekten Tadao Ando. Wie genau sich das Areal des Cityparks in Zukunft präsentieren wird, das bleibt allerdings erst einmal noch abzuwarten.

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Kommentare (21)
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  •   Weichei
    (883 Beiträge)

    02.11.2020 15:09 Uhr
    Wenn ich Dieses hier lese.
    +++Diese Zufriedenheit der Karlsruher lässt sich sogar mit Zahlen belegen. So ergab eine Bürgerumfrage aus diesem Jahr, dass knapp 96 Prozent der Bürger in der Südoststadt mit ihrem Wohnumfeld "sehr" oder "eher zufrieden sind." Auf "nicht zufrieden" entfiel in der Umfrage für die Südstadt-Ost keine Stimme.+++

    Muss ich feststellen, dass Suedoststadtbuerger hier keine Beitraege schreiben grinsen
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  •   Gevatter
    (590 Beiträge)

    02.11.2020 13:30 Uhr
    Wegen mickrig Bäume,
    Man kann schon größere, ältere Bäume an bzw. umpflanzen wenn man denn will. Nur ist es eben billiger, einen älteren Baum zu fällen und einen schwindsüchtigen jungen Baum anzupflanzen.
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  •   IchKA
    (1172 Beiträge)

    02.11.2020 13:23 Uhr
    Frau Karmann-Woessner
    trägt weder eine Maske noch hält sie den Abstand ein. Gehts noch als Angestellte der Stadtverwaltung ?
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  •   mein-senf
    (1033 Beiträge)

    02.11.2020 13:59 Uhr
    diese Frau ist sicher wichtig
    wenn man bei der Stadt wichtig ist, oder das meint wichtig zu sein muss man keine Masken tragen, warum auch , man ist ja wichtig und Corona meidet ja Wichtige , bzw die nicht so Wichtigen sollen Abstand halten + Maske tragen, weil die ja nicht so wichtig sind. Logisch odder ?!
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  •   oststaedtler
    (288 Beiträge)

    02.11.2020 12:37 Uhr
    Großstadtfeeling?
    Wofür brauchen wir in KA Großstadtfeeling??? Das ist doch völliger Unsinn! Dieser Park ist meiner Meinung nach so steril wie ein Krankenhaus und im Sommer ist man der prallen Sonne ausgesetzt. Und dann noch diese schief verlaufenden Wege, die mittlerweile durch die Trampelpfade der Leute ersetzt werden, um benutzerfreundliche Wegführung zu erhalten. Oh ja, ein echtes Meisterstück der Stadtplanung...
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  •   mein-senf
    (1033 Beiträge)

    02.11.2020 14:02 Uhr
    some say
    " Lieschen Müller goes New York " die hewwä au ään Park un den mittle drin ....
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  •   kommentar4711
    (3166 Beiträge)

    02.11.2020 13:06 Uhr
    ANTWORT AUF "GROSSSTADTFEELING?
    Wird bestimmt bald Barrieren geben um Trampelpfade zu unterbinden. Der Bürger hat da zu laufen, wo der Stadtplaner es will. So hat man zu meiner Zeit an der Uni auch immer wieder versucht Barrieren zu errichten um die Studenten daran zu hintern, zwischen Mensa und Kinderklinik über den Adenauerring zu laufen anstatt am Fasanengarten über die Brücke. Nur: Egal welche Barriere man gebaut oder welchen Strauch man gepflanzt hat, abgestimmt wurde am Ende trotzdem mit den Füßen. Müsste man wieder vorbei fahren ob das immer noch so ist.
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  •   IchKA
    (1172 Beiträge)

    02.11.2020 12:34 Uhr
    Diese Wiese Park zu nennen
    ist schon ein starkes Stück. Selbstverständlich wäre es möglich gewesen erheblich größere Bäume zu pflanzen als diese mickrigen Bäumchen, die erst in 20 Jahren wirklich Schatten spenden, wenn sie überhaupt richtig gewählt wurden und die Hitze aushalten. In diesem überteuerten Wohngettho wurde ja von allen Beteiligten genug Geld verdient. Das Weisenburgergebäude will so gar nicht nach Stararchitektur aussehen, sondern enstpricht dem langweiligen Karlsruher Einerlei ebenso wie hinter dem Bahnhof oder am Schlachthof. Quadratisch, praktisch, beliebig und langweilig. Mit der ganzen Areal inkl Ludwig Erhardallee wurde eine große Chance vertan die Stadt wieder als Architekturstadt wieder zu positionieren. Der dritte "Grüne Finger" wird weniger Grün enthalten als die Kleingärten. Da gibt es nicht mehr viel abzuwarten. "Durchweg positiv" meint Karmann-Woessner wie alles andere, was sie sich und den Bürgern versucht schön zu reden.
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  •   patrickkk
    (2125 Beiträge)

    02.11.2020 12:07 Uhr
    ...
    Da muss Frau schon mutig sein, dass als vollen Erfolg zu verkaufen :D. Ernsthaft?
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  •   Reger
    (618 Beiträge)

    02.11.2020 10:15 Uhr
    Wen fragt man?
    Die Leiterin des PlanungsamtePlanungsamtes wird wohl kaum negatives sagen.
    Wie fühlt sich die Mehrheit der Bürger?
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