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Karlsruhe Die östliche Kaiserstraße im Wandel: Ziehen hier bald Start-ups, Büros und Supermärkte ein?

Ob Dönerimbiss, Asiafood oder preiswerte Bäcker: Take-Away-Geschäfte haben die östliche Kaiserstraße erobert. Rings umher ziehen immer günstigere Einzelhandelsgeschäfte ein. Doch damit soll künftig Schluss sein. Wie der Osten der Kaiserstraße wieder aufgewertet werden soll und was für Läden die Besucher hier künftig erwarten - in der neuen ka-news.de-Serie "Karlsruhe im Wandel" nehmen wir jeden Dienstag einen anderen Bereich unter die Lupe.

Die Kaiserstraße, Shoppingmeile in Karlsruhe, könnte unterschiedlicher kaum sein: Während im Westen Modehausketten, Juweliere und mitunter hochpreisige Cafés die Passanten anlocken, tummeln sich im Osten der Straße Billigläden und urige Bars.

In schon wenigen Jahren soll die Karlsruher Innenstadt zu einer echten Flaniermeile werden. Dann werden die Schienen der Straßen- und Stadtbahnen unter die Erde in den neuen Karlsruher Bahntunnel verlegt und die Passanten können nach Herzenslust bummeln. Mit der Umgestaltung der Fußgängerzone soll sich auch das Niveau des Einzelhandels anheben.

Die Kaiserstraße nach der Untertunnelung.
Baumreihe und Bahntunnel: So soll die Kaiserstraße in Zukunft aussehen. | Bild: Mettler Landschaftsarchitektur

Sorgenkind ist dabei die östliche Kaiserstraße. Vergnügungsstätten und Discounter sind der Stadt Karlsruhe mit Blick auf die Zukunft ein Dorn im Auge. Während das komplette Gebiet für über 90 Millionen Euro saniert werden soll, sind für den Bereich der Kaiserstraße einige separate Maßnahmen geplant.

Günstig und International - ist das die Zukunft?

"Günstig und international" - so stellt sich der Straßenabschnitt heute dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie, das sogenannte CIMA-Gutachten, dass die Stärken und Schwächen der Karlsruher Stadtteile untersucht.

 

Die Tabelle zeigt: Deutlich mehr negative Aspekte hat die östliche Kaiserstraße derzeit zu verbuchen. Doch die Stärken des Areals zeigen, dass Potential für eine Entwicklung vorhanden ist. Um dies auszuschöpfen, stehen dem Bereich in den nächsten Jahren folgende Maßnahmen bevor:

1. Wie die Erdgeschosszonen aufgewertet werden

Um dem fortschreitenden Verfall des Gebietes entgegenzusteuern, hat sich die Stadt das Vorkaufsrecht gesichert. Das bedeutet: Sollte eine der Flächen den Besitzer wechseln, hat die Stadt ein Wörtchen mitzureden und darf entscheiden, wer die Immobilie erwerben darf. Voraussetzung für dieses Vorkaufsrecht ist, dass die geplante Sanierung des Gebietes der Allgemeinheit zu Gute kommt.

Shopping in Karlsruhe
Shopping in Karlsruhe. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Welche Geschäfte möchte die Stadt Karlsruhe in der östlichen Kaiserstraße "einziehen" lassen? Als Anker und Anziehungspunkt für Besucher sollen City-Supermärkte und ein Drogeriemarkt ihre Türen öffnen. Die gastronomischen Angebote sollen mehr Qualität erhalten. Ergänzt werden könnte dies durch Fitness- und Wellnessangebote und Kulturtreffs.

2. Obere Stockwerke: Wer "über" der Kaiserstraße einzieht

Auch für die Obergeschosse der Häuser hat die Stadt bereits grobe Vorstellungen. Währende im ersten Stock vorwiegend Büros oder Gesundheitsdienstleister einen Platz finden sollen, ist der zweite Stock für die Wohnnutzung vorgesehen. Ein genaues Konzept für die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten steht noch aus.

3. Ein Ort der Gründer: Start-ups in der Kaiserstraße?

Direkt an die Kaiserstraße schließt der große Campus der Universität, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), an. Doch davon ist derzeit wenig zu spüren, denn der Bereich ist städtebaulich von der Innenstadt "abgekapselt". Im Zuge der Neugestaltung des Kronenplatzes, an dem eine neue Stadtbibliothek entstehen könnte, soll auch die Wissenschaft in der Kaiserstraße mehr Präsenz erhalten.

Der Karlsruher Kronenplatz soll umgestaltet werden.
Der Karlsruher Kronenplatz soll umgestaltet werden. | Bild: Wessinger

Daneben soll auch Raum für die Zielgruppe der Gründer geschaffen werden. Denkbar wäre beispielsweise, einige der Start-ups, die derzeit auf dem Areal des Alten Schlachthofes untergebracht sind, in die östliche Kaiserstraße umzusiedeln.

All diese Maßnahmen zielen darauf ab, Karlsruhe für die Zukunft zu rüsten. Die Stadt soll zum Besuchermagneten werden, Menschen aus der gesamten Region anziehen und vor allem mit einem starken Einzelhandel punkten. Um diesem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen, werden an allen Ecken und Enden der Fächerstadt in den kommenden Jahren über 100 Maßnahmen umgesetzt.

ka-news.de-Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt in der Serie "Karlsruhe im Wandel" die einzelnen Bereiche unter die Lupe.

Teil 1: Karlsruhe soll sich verändern: Europaplatz wird heller - Fahrradständer geplant

Teil 2: Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen

Teil 3: Von der "Schmuddelecke" zum Wohlfühlort: Wie der Karlsruher Osten sich verändern soll

Teil 4: Problemzone Karlstraße: Weniger Verkehr, mehr Platz für Shopping?

Teil 5: Das sind die (un-)beliebtesten Plätze in Karlsruhe

Teil 6: Schluss mit verschlossenen Türen: Diese Karlsruher Plätze sollen lebendiger werden
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Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
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  •   Freigeist1
    (1308 Beiträge)

    15.07.2020 12:53 Uhr
    In der künftigen "Flaniermeile"
    sollen bitte die jenigen Einkaufen, die bei der Abstimmung dafür gesorgt haben (Bergdörfler...).

    Die von der Straba in die City künftig abgehängten (Südweststadt, Südoststadt, Waldstadt...) eher nicht. Danke dafür.

    Die Stadt sollte die Abhängeentscheidung rückgängig machen und den ÖV und Radverkehr wirklich fördern (statt nur so, dass Fördermittel generiert werden).

    Das wäre eine Voraussetzung für eine Aufwertung der Kaiserstr. Ost. Sonst wird das nix.
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  •   IchKA
    (835 Beiträge)

    15.07.2020 10:39 Uhr
    Aktionismus hin oder her
    es wird nichts daran ändern, dass sich Einkaufsverhalten und Einzelhandel weiter massiv verändern werden und damit das urbane Leben in der Innenstadt. Daran wird auch nicht die kleinste U-Bahn der Welt etwas ändern, wenn sie denn mal fertig werden sollte. Ob das Flanieren in einer Filialistenstraße dann so attraktiv ist, wie erhofft von denen, die das abgenickt haben, wird sich zeigen. Situation heute: ÖPNV teuer und nicht wirklich gut. Autofahrt in die Innenstadt und parken schreckt ab. Lastenfahrräder haben nur wenige. Insgesamt sieht es schlecht aus mit einer lebendigen Innenstadt. Abends ist das heute schon wie tot, was noch schlimmer wird mit der Mini-U-Bahn. Der Handel, Filialisten oder Billigläden werden das nicht mehr ändern können. Das ginge nur, wenn wieder mehr Menschen in die Innenstadt ziehen können und dann Ämter und Verwaltungen mit ihrem immensem Raumbedarf endlich verlagert werden, um den Leuten ihre Stadt und damit wieder ein Stück Lebendigkeit zurückzugeben.
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  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    15.07.2020 11:37 Uhr
    Da kann ich dir
    nur zu 100% zustimmen - exakt das Gleiche hätte ich ebenfalls fast geschrieben
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  •   Schillerlocke
    (276 Beiträge)

    15.07.2020 10:23 Uhr
    Schlecht wäre es nicht.
    Eine gesunde Mischung machts. Dürfte schwer werden, den Bestand rauszuwerfen. Hätte die Stadt da eine Handhabe?
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  •   Senfdazu
    (351 Beiträge)

    14.07.2020 16:05 Uhr
    😎
    Ich bin bundesweit viel rumgekommen, aber als eine der häßlichsten Städte gilt für mich KA. Hier ist städtebaulich so ziemlich alles schief gelaufen. Bis auf die Umgebung am Schloss ist alles eine Dreckstadt. Und fraglich ist, dass KA eine Flaniermeile wie in anderen Städten hinbekommt. Aber Selbstdarstellung stärkt das Ego (Bruchsal ist auch häßlich, aber fühlt sich wegen des Schlosses attraktiv). Ich glaube, wenn ich in KA die Fläche zwischen Marktplatz und Kronenplatz sehe, dass das nicht mehr was gescheites bringt, hier würde zuviel versaubeutelt. Kommentare willkommen.
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  •   schlaule2
    (213 Beiträge)

    16.07.2020 07:30 Uhr
    naja, Bochum, Hagen, Wuppertal
    Duisburg.... Bremerhaven .. FFM Bahnhofsviertel, also ich bin immer wieder froh im recht sauberen KA zu sein
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  •   Freigeist1
    (1308 Beiträge)

    15.07.2020 12:51 Uhr
    Na ja, wenn ich
    Gäste KA zeige, sind diese meist begeistert... (Schloss (platz), Schlossagrten/Botanischer Garten, Ludwigsplatz, Stadtgarten, viel Grün, Turmbergterrasse...)
    So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen zwinkern
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  •   dipfele
    (5806 Beiträge)

    14.07.2020 23:19 Uhr
    Das es angeblich so dreckig ist....
    …. in der östlichen Kaisrstr liegt wohl nicht an der STRASSE an sich, sondern an den Anwohnern und Passanten. Im Artikel wird bewusst Hofberichterstattung für das Abholzen der gesunden Platanen und das Raussreissen der Schienen gemacht. Man glaubt doch nicht im ernst, dass dadurch eine Flaniermeile entsteht. Vergessen wird, dass der ganze Spass den Steuerzahlern rund 40 Mio kosten soll. Auch der Kronenplatz ist doch in Ordnung. Der müsste nur besser gepflegt werden. Wenn die Studierenden die Haltestelle am Kronenplatz nicht bevölkern würden, wäre dort ein totes Eck. Das wird ohne Strassenbahnen nicht besser, im Gegenteil.
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  •   barheine
    (345 Beiträge)

    14.07.2020 16:42 Uhr
    Sie waren wohl noch nie in Hannover?
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  •   Senfdazu
    (351 Beiträge)

    15.07.2020 06:00 Uhr
    😎
    Habe dort über 20 Jahre gewohnt und als Landeshauptstadt als sauber gefühlt und möchte diese Zeit und Stadt nicht vermissen. Sicher, die Passarelle war mal ein Schmuddelkind, hat sich aber nach der Sanierung des Hbf-Geländes stark gemausert. Hannover kennt normalerweise keine Sau, ist aber weit schöner als KA. Und Hannover gibt es im Gegensatz zu Bielefeld 😉.
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