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Karlsruhe Badisches Staatstheater Karlsruhe: "Der Start in ein finanzielles Abenteuer" - Die Gegner-Stimmen aus dem Gemeinderat

Es ist beschlossen: Die 580 Millionen teure Sanierung des Badischen Staatstheaters hat nach langen Debatten grünes Licht vom Gemeinderat bekommen. Doch vier Stadträten aus zwei Fraktionen sind mit dem Endergebnis alles andere als zufrieden und haben mit "Nein" gegen den Plan gestimmt. Aber weshalb? ka-news.de hat ihre Stimmen aus dem Gemeinderat gesammelt.

Nach einer langen Debatte am vergangenen Dienstagabend soll die Sanierung des Badischen Staatstheaters schlussendlich so stattfinden, wie es in der Beschlussverwaltung der Stadtverwaltung angekündigt wurde. Dabei stimmten 43 Gemeinderatsmitglieder mit "Ja", nur 4 Stimmen lehnten das Vorhaben ab: Friedeman Kalmbach und Jürgen Wenzel (FW/FÜR), Thorsten Elgötz und Rahsan Dogan (beide CDU). 580 Millionen Euro soll das Projekt nun kosten. Zu teuer, finden die Stadträte.

FÜR Karlsruhe und Freie Wähler-Fraktion

"Die grundsätzliche Vision eines Theaters, das Platz für Kultur und ein offenes Haus bereithält, gefällt uns“, so Friedemann Kalmbach während der Debatten am Dienstag im Rathaus. "Aber das finanzielle Risiko, das Bauprojekt jetzt so fortzusetzen, ist auf der Seite von Karlsruhe und damit auf der Seite der Bürger.“ 

Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion
Friedemann Kalmbach, Stadtrat der Freie Wähler/FÜR Gemeinderatsfraktion | Bild: Roland Fränkle

Sein Fraktionskollege Jürgen Wenzel pflichtet ihm bei: "So können wir nicht mit den Finanzen umgehen. Das Geld der Stadt und des Landes ist nicht das Geld der Stadt und des Landes, sondern Steuergeld, welches Bürger bezahlt haben. Indem jetzt an dem Projekt festgehalten wurde, wurde ein erneutes Risiko beschlossen. Ein Badisches Staatstheater ist eine wünschenswerte Vision, die bleibt – genauso wie die Risiken.“ Das ganze Projekt sei, so die Fraktion in einer Pressemitteilung, ein "Start in ein finanzielles Abenteuer."

Ein Änderungsantrag der Fraktion, der unter anderem vorsah, durch finanzielle Schenkungen und Werbung einen Teil der Kosten zu decken, wurde mehrheitlich abgelehnt. Auch die übrigen Änderungsanträge fanden wenig Zuspruch.

In der CDU herrscht Uneinigkeit

Auch in der CDU stimmten zwei Mitglieder gegen die Beschlussvorlage, nachdem Stadtrat Detlef Hofmann bereits in der Debatte darauf verwiesen hatte, dass in der Fraktion Uneinigkeit herrsche. Insgesamt hat die CDU neun Stimmen zu vergeben. 

Thorsten Ehlgötz (CDU, Listenplatz 2).
Thorsten Ehlgötz (CDU, Listenplatz 2). | Bild: CDU Karlsruhe

Einer dieser Gegenstimmen stammt vom Stadtrat Thorsten Ehlgötz: "Wir sind bei über einer halben Milliarde und mir ist es wichtig, dass wir den Haushalt irgendwie durchbekommen", erläutert Ehlgötz seine Entscheidung auf Anfrage von ka-news.de. "Momentan haben wir zu viele Bauprojekte, die sollten erst mal zu Ende geführt werden."

Zu dem Argument, dass die Kosten immer weiter steigen, je länger sich das Projekt nach hinten zieht, sagt er: "Es gibt immer Phasen, in denen die Baupreise nach oben gegangen sind, aber auch, in denen sie wieder billiger wurden. Darum möchte ich das so nicht gelten lassen." "Böses Blut" wegen der Abstimmung soll es aber weder innerhalb der Fraktion noch mit den anderen Gemeinderatsmitgliedern gegeben haben.

 

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  •   80er
    (6068 Beiträge)

    26.06.2021 15:39 Uhr
    Was allerdings....
    ....verwundert: die CDU Karlsruhe forderte vor ein paar Wochen noch, dass die Bürgerschaft mitduskutieren sollte das neue Theater und den Standort. Also der Kreusvorsitzende der Partei forderte dies. Das scheint aber die CDU-Fraktion überhaupt nicht zu interessieren. Kann es sein, dass mittlerweile der Partei es so ziemlich egal ist, was ihr Vorsitzender so fordert? Gibt es einen Spalt zwischen Fraktion, Partei und Vorsitzenden?
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  •   Apu
    (225 Beiträge)

    24.06.2021 12:23 Uhr
    Diese damen und herren,
    Sind dermaßen positiv davon überzeugt das man Ihnen dich ein Angebot machen kann. Sollten die Kosten explodieren, werden genau diese JA sager finanziell zur rechenschafft gezogen. Mal sehen ob sie dann bei Ihrer Meinung bleiben. Diese herrschaften bekommen das desaster doch gar nicht mehr mit. Ich bin gespannt wieviel steuern und sonsitige abgaben wir noch bezahlen müssen un das ganze aufzufangen. Wir sind ja jetzt schon die ärmsten säue was abgaben betrifft.
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  •   Robert1959
    (2161 Beiträge)

    24.06.2021 12:20 Uhr
    Auch wenn es teuer ist, man sollte nicht an der falschen Stelle sparen!
    Man denke da, an den Brandschutz! Man sollte sich auch nicht an den reinen Kosten festlegen, denn der imaginäre Wert wird überhaupt nicht erfasst! Trotzdem sehe ich ein Manko bei den Ausschreibungen! Anstatt auf die heimische Wirtschaft zu setzen, wird der billigste Anbieter genommen, der seine Mitarbeiter schlecht bezahlt, oder schlechte Qualität abliefert. Im schlimmsten Fall sogar noch pleite geht!
    Jetzt sind wir in der Phase, wo die Zahlen verschönert werden, von fallenden Preise erzählt wird! Nach Korona wird es teurer, die weltweite Nachfrage nach Rohstoffe ist groß und das fängt schon beim Zement an!
    Was mich nur etwas wundert ist das, wie ruhig die Diskussionen im Gegensatz zum Wildparkstadion sind!
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  •   FG1961
    (514 Beiträge)

    24.06.2021 09:57 Uhr
    Finanzierung?
    Aktuell beläuft sich der jährliche Zuschuss etwa 50 Millionen Euro. Zirka 20 Millionen durch den Kartenverkauf. Somit eventuell 80 Millionen Ausgaben pro Jahr. Jetzt kommen 40 Millionen pro Jahr durch die Finanzierung hinzu. Macht in Summe 120 Millionen pro Jahr. Geteilt durch 300.000 Besucher macht im Schnitt 400 Euro pro Karte. Bei einer Inflation von 2,5% kostet die Karte in 50 Jahren 1.500 Euro. Mal sehen, ob das klappt.
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  •   andip
    (11136 Beiträge)

    24.06.2021 08:16 Uhr
    ??
    "Es gibt immer Phasen, in denen die Baupreise nach oben gegangen sind, aber auch, in denen sie wieder billiger wurden. "
    Wann soll das mal gewesen sein, dass Preise wieder gefallen sind?
    Ob nun auf dem Bau oder anderswo, die gingen immer nach oben, daher sind entsprechende Kalkulationen immer schwierig.
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  •   SunCityKA
    (136 Beiträge)

    24.06.2021 08:14 Uhr
    KA hat bekommen...
    ... was es mehrheitlich gewählt hat. Vielleicht hatten einige das Thema "Theater" bei der OB Wahl noch nicht so auf dem Schirm? Die meisten Menschen lassen sich wahrscheinlich lieber von positiv besetzten Schlagwörtern wie "Nachhaltigkeit", "umweltbewusst" und "soziales" einlullen - da haben die Gewinner halt gepunktet. 1 Milliarde wird in den Sand gesetzt, das ist das Gegenteil von Nachhaltig, ok Fahrradstellplätze in der Tiefgarage - 100 Punkte für's Klima zwinkern da fallen ein paar gefällte Bäume nicht ins Gewicht ... Geld für Soziales wird allerdings ebenfalls künftig fehlen. Wundert sich noch jemand über Politikverdrossenheit? Genau SO wird sie produziert, darin sind alle richtig, richtig gut!
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  •   Icaro2000
    (38 Beiträge)

    24.06.2021 07:59 Uhr
    Das sind dann ca. 2000.- Euro pro Karlsruher
    ...also pro Kopf, pro Haushalt mal Personenzahl.
    Wie geht das?
    Ach ja, Grundsteuererhöhung ist ja schon angesagt. Wer wohnt muß zahlen!
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  •   FG1961
    (514 Beiträge)

    24.06.2021 06:22 Uhr
    Die von den stimmberechtigten Karlsruher Bürger
    gewählten Vertreter haben entschieden. Und ein klares Zeichen gesetzt. Ich bin beeindruckt.
    Auch diese Milliarde, nebst den jährlichen Belastungen, werden wir Steuerzahler stemmen.
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  •   patrickkk
    (2145 Beiträge)

    24.06.2021 01:08 Uhr
    ...
    Ich glaube die 4 stehen für ganz schön viele Karlsruherinnen und Karlsruher.

    Wir stecken mal eben mehr in unser "Staats" Theater als der Windhorst in seinen Big-City-Club. Aber der Fussball ist abgehoben zwinkern.
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  •   80er
    (6068 Beiträge)

    24.06.2021 07:07 Uhr
    Mag sein....
    ....dass sie für viele stehen. Aber uch glaube, dass die "vielen" eben nicht die Mehrheit sind. Und die Entscheidungsgründe der zwei CDU- Abweichler sind doch recht schwach, wenn überhaupt vorhanden.
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