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Karlsruhe Aktuelle Entwürfe für Hochhaus-Areal: So könnte es bald am Ettlinger Tor aussehen

Das Landratsamt-Hochhaus als Wohnturm, zwei begrünte Torhäuser für kulturelle Veranstaltungen oder doch etwas ganz anderes - was wird auf dem Gelände zwischen Landratsamt, Staatstheater, Kriegsstraße und Baumeisterstraße/Hermann-Billing-Straße entstehen? Das ist die Frage, mit der sich vier internationale Planungsbüros derzeit beschäftigen.

Zusammen mit den Bürgern erarbeiten sie verschiedene Modelle, wie die Südseite des Ettlinger Tors künftig aussehen könnte. Am dritten von insgesamt vier Werkstatt-Terminen am 6. Mai haben die vier beteiligten Planungsbüros in Zusammenarbeit mit den Karlsruher Bürgern ihre Entwürfe für das Areal entlang des Landratsamtes weiter konkretisiert - aufgrund von Corona natürlich online. Am 18. Mai wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abriss oder Neubau? Entscheidung Ende Juli

"Wir sind damit ein ganzes Stück weitergekommen und biegen so langsam auf die Zielgerade ein", sagt Landrat Christoph Schnaudigel bei einer Online-Pressekonferenz am Montag, 18. Mai. Das sei besonders für das Landratsamt-Gebäude wichtig, denn dieses ist womöglich maroder als gedacht: "Nach neuesten Untersuchungen zu der Bausubstanz des Hauses können wir vieles brauchen, aber keinen Bauverzug", so Schnaudigel.

Die große Herausforderung für die Architekten: Noch steht nicht fest, ob das Gebäude abgerissen wird oder aufgrund von Denkmalschutz erhalten bleiben muss. Daher hat jedes Büro zwei Entwürfe erarbeitet. Einen mit Erhalt des jetzigen, denkmalgeschützten Landratsamts und einen, das das Gebäude als Neubau integriert, sollte das Amt für Denkmalschutz einem Abriss des maroden Baus zustimmen. Eine Entscheidung wird spätestens Ende Juli erwartet.

Das sind die Entwürfe

  • 1. berchtoldkrass space&options aus Karlsruhe
    Das Büro berchtoldkrass space&options möchte in seinen Entwürfen bewusst die Symmetrie der Fächerstadt nicht aufgreifen, sondern "die Freiräume in ihrer Struktur stärken", erklärt Philipp Krass.

    Daher beschränkt sich das Karlsruher Büro in seiner "Freiraumcollage" nicht nur auf den Bereich rund um Landratsamt und Staatstheater, sondern bezieht das Areal am Festplatz mit Zoologischem Stadtgarten, Schwarzwaldhalle, Konzerthaus und Kongresszentrum ebenfalls mit ein.

    Die Variante mit Erhalt des Landratsamtes (grau)... | Bild: berchtoldkrass space&options/Stadt Karlsruhe

    Für das Areal rund um das Landratsamt selbst hat berchtoldkrass space&options drei solitäre Baukörper geplant, die Büros, Wohnungen, das Landratsamt, Büros der Stadt sowie öffentliche Nutzungsmöglichkeiten vereinen sollen. Bei beiden Szenarien sollen jeweils zwei Hochhäuser entstehen, der Kreuzungsbereich Ettlinger Straße/Kriegsstraße soll frei bleiben.

    ... und mit einem Neubau. | Bild: berchtoldkrass space&options/Stadt Karlsruhe
  • 2. COBE aus Berlin
    Vanessa Carlow vom Büro COBE Berlin hat bisher drei Varianten ausgearbeitet: Boulevard und Stadtgarten": Sollte das Landratsamt abgerissen werden dürfen, soll an dessen Stelle ein zentraler, begrünter Platz entstehen, umrahmt vom Neubau des Landratsamtes, Gebäuden der Stadt Karlsruhe, Wohneinheiten sowie einer "Stadtwerkstatt".
    "Boulevard und Stadtgarten" | Bild: COBE Berlin/Stadt Karlsruhe

    "Gartenmosaik": Bleibt das Landratsamt erhalten, könnte es hier in die Nutzung der Stadt Karlsruhe übergehen, eingerahmt von Wohnungen und einem Neubau an der Kreuzung des Ettlinger Tors. Dazwischen soll ein Gartenmosaik mit Spielplätzen und Dachterrassen entstehen.

    "Gartenmosaik" | Bild: COBE Berlin/Stadt Karlsruhe

    Die Umarmung": Eine weitere Idee wäre es, das Landratsamt zu Wohnungen umzubauen, an der westlichen Seite ergänzt durch Gebäude der Stadt und einem Neubau an der Kriegsstraße. Die Erdgeschosse der Gebäude könnten zudem öffentlich genutzt werden.

    "Die Umarmung" des ehemaligen Landratsamt-Gebäudes | Bild: COBE Berlin/Stadt Karlsruhe

    "Wir sind gerade in der Überlegung, die Varianten zwei und drei zusammenzufassen, da wir gerne an der Idee der Umnutzung des Landratsamtes für Wohnungen festhalten würden", so Carlow. Baubürgermeister Daniel Fluhrer sieht das aber problematisch: "Hier müsste erst ein Investor für den Wohnungsbau gefunden werden."

    Bürgermeister Fluhrer | Bild: Hammer Photographie
  • 3. Max Dudler Architekten AG aus Berlin
    Wir möchten einen modernen Stadtweiterbau schaffen und das Ettlinger Tor neu definieren", erklärt Architekt Max Dudler. Die nordliche Altstadt und die südliche Neustadt sollen an dieser Stelle miteinander verwoben werden.
    So könnte das Landratsamt einmal aussehen. | Bild: Max Dudler Architekten AG/Stadt Karlsruhe

    Zentraler Punkt in der Planung des Berliner Büros bilden zwei begrünte Torhäuser links und rechts der Ettlinger Straße an der Kriegsstraßen-Kreuzung, die an das ehemalige Ettlinger Tor erinnern sollen.

    Der Blick entlang der Via triumphalis in Richtung Ettlinger Straße, links und rechts im Hintergrund die Torhäuser mit begrünter Fassade. | Bild: Max Dudler Architekten AG/Stadt Karlsruhe

    Das "Haus der Bildung" mit Akademie, Bibliothek und Volkshochschule und das "Haus der Kultur" mit Theater, Kino und Mehrzweckhalle sollen dabei auf die öffentliche Nutzung ausgerichtet werden. Die Fassaden sollen dabei mit "hängenden Gärten" begrünt werden.

    Das Büro bezieht in ihrer Planung zudem das Areal des ehemaligen Postgiroamtes gegenüber des Einkaufscenters mit ein. Für das Landratsamt selbst haben die Architekten entweder einen Neubau an der Kriegsstraße oder einen "überhöhten" Weiterbau des bestehenden Landratsamt-Ensembles vorgesehen.

  • 4. MVRDV aus Rotterdam
    Das ist wohl die radikalste und mutigste Idee, über den Tellerrand hinauszublicken", sagt Bürgermeister Fluhrer zu den drei Entwürfen des Büros MVRDV. Die Rotterdamer Architekten wollen: öffentliche Freiräume stärken, die Areale rund um die Kreuzung Ettlinger Tor miteinander verbinden, das architektonische Erbe bewahren unddas Ettlinger Tor als Stadteingang sichtbar machen.

    Für letzteres hat das Büro - ähnlich wie Max Dudler - ein Torhaus mit verbundenem Übergang über die Ettlinger Straße geplant. Auch grüne Dächer und die Bebauung des Postgiroamt-Areals sollen berücksichtigt werden. Gebaut werden könnte das Konzept in drei Varianten:

    1. Central Business District (CBD): Hierbei soll das Areal rund um das Ettlinger Tor verdichtet werden und "neues Leben in die Innenstadt bringen".

    Central Business District (CBD) | Bild: MVRDV/Stadt Karlsruhe

    2. Parkstadt: Das Gegenteil des CBD ist die Parkstadt: Hier werden nur die nötigsten Gebäude auf dem Gelände berücksichtigt, alles andere soll zur Grünfläche werden.

    Parkstadt | Bild: MVRDV/Stadt Karlsruhe

    3. Barockes Viertel: Beim Barocken Viertel greifen die Architekten die historische Stadtstruktur Karlsruhes in einer modernen Variante wieder auf.

    Barockes Viertel | Bild: MVRDV/Stadt Karlsruhe

Erste Bauarbeiten könnten in zwei Jahren starten

Noch bis Sonntag, 31. Mai, können die Bürger die Entwürfe auf dem städtischen Beteiligungsportal unter www.beteiligung.karlsruhe.de diskutieren. Beim vierten und letzten Werkstatt-Termin am Freitag, 3. Juli, werden die vier Planungsbüros dann ihre jeweils zwei fertigen Konzepte der Öffentlichkeit vorstellen, im Anschluss erfolgt eine Empfehlung der Jury an den Gemeinderat.

Dieser muss im letzten Schritt seine Zustimmung geben, um den Gewinner-Entwurf auf den Weg zu bringen. In etwa zwei Jahren könnten dann am Ettlinger Tor die ersten Bagger rollen.

Die Präsentationen als Download

  • berchtoldkrass space&options aus Karlsruhe
    Dateiname : Präsentation berchtoldkrass space&options Karlsruhe
    Dateigröße : 51.10 MBytes.
    Datum : 18.05.2020 17:46
    Download : Download Now!
  • COBE aus Berlin
    Dateiname : Präsentation COBE Berlin
    Dateigröße : 11.26 MBytes.
    Datum : 18.05.2020 17:43
    Download : Download Now!
  • Max Dudler Architekten AG aus Berlin
    Dateiname : Präsentation Max Dudler Berlin
    Dateigröße : 13.96 MBytes.
    Datum : 18.05.2020 17:41
    Download : Download Now!
  • MVRDV aus Rotterdam
    Dateiname : Präsentation MVRDV Rotterdam
    Dateigröße : 56.62 MBytes.
    Datum : 18.05.2020 17:40
    Download : Download Now!

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   Kleiner-Rainer
    (2 Beiträge)

    21.05.2020 11:23 Uhr
    Der Baum Rechts im Bild stört mich !
    Mir als Khe`ler stört der Baum Rechts im Bild Vordergrund.
    Ich habe mich an die Gradlinigkeit ( auch im Sinne von Temperatur ) von Bahnhofsvorplatz sowie dem freien Blick in die Ferne am Messplatz und auf dem Marktplatz schon so gewöhnt, das mir dieser grüne Wildwuchs Rechts im Bild sofort als "Fremdkörper" ins Auge sticht.
    Das passt so nicht zur gelebten Karlsruhe Betonwüsten Architektur die leicht entfernt an Oscar Niemeyers "Brasilia" angeleht ist, dort aber das Grün nich so sehr in den Hintergrund gedrückt wird wie in Khe.
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  •   Reger
    (275 Beiträge)

    20.05.2020 18:48 Uhr
    Evergreen
    Gab es nicht mal den schönen Evergreen "Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld" ?
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  •   Reger
    (275 Beiträge)

    20.05.2020 17:12 Uhr
    Geld scheint im
    Überfluss vorhanden zu sein. Kann die Stadt nicht mal zur Besinnung kommen und sich etwas Ruhe auferlegen. Mir wäre das sehr sympathisch.
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  •   likeka
    (520 Beiträge)

    22.05.2020 12:04 Uhr
    Das Landratsamt
    Das Landratsamt muss grundsaniert oder alternativ neu gebaut werden. Zahlt der Landkreis und nicht die kreisfreie Stadt Karlsruhe.
    Das Areal des Postgiroamts wird durch einen privaten Investor (Unmüssig, baut gerade das Motel One an der Kriegsstraße) neu bebaut.

    Zudem geht es um eine Städtebauliche Neuordnung, eben nicht primär um ein einzelnes Gebäude.
    Was wann und für wieviel Geld die Stadt baut, steht auf einem anderen Blatt.
    In dem Verfahren geht es nur darum, Perspektiven aufzuzeigen, was möglich ist.

    Wie man da jetzt schon wieder meckern kann, erschließt sich mir nicht.

    Man kann doch froh sein, dass (inter-) national rennomierte Büros sich mal mit dieser wichtigen Ecke beschäftigen.
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  •   dipfele
    (5832 Beiträge)

    21.05.2020 01:11 Uhr
    Oder wenigstens....
    ,,, bereits vorhandene Planungen für eine neue Gauhauptstadt mit Mittelpunkt Ettlinger Tor realiseren? Siehe KA News vom 16.02. 2020.
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  •   Schillerlocke
    (329 Beiträge)

    20.05.2020 18:16 Uhr
    sind das nicht
    Privatinvestoren?
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  •   Route66
    (2633 Beiträge)

    20.05.2020 16:21 Uhr
    Glas
    Es wird jährlich heisser und immer noch gibt es Planer und Architekten, die mit riesen Glasflächen arbeiten. Ich sitze selber in so einem Kasten und bei uns läuft die Klimaanlage auf Hochtouren im Sommer, trotz Aussenrollos. Schwachsinn.
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  •   Schillerlocke
    (329 Beiträge)

    20.05.2020 18:15 Uhr
    Glauben Sie bloß nicht,
    dass es in einem durchgeheizten Stahlbetonbau unter Neonlampen wesentlich angenehmer ist. Besser die Fassade entsprechen verschatten und eine leistungsstärkere Klimaanlage installieren.
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  •   Gevatter
    (346 Beiträge)

    20.05.2020 15:55 Uhr
    Warum immer die alte Leier
    mit Beton und Glas?

    Einfach mal nach Singapur schauen, dort werden sogar Sozialwohnungen in grüne, heißt zum Teil mit Bäumen bepflanzt Hochhäuser errichtet.

    Jetzt wird der Einwand mit den Kosten kommen. Nur eine grüne und lebenswerte Stadt geht nur so.

    Die Chinesen gehen auch diesen Weg. War selber auf einen Dachgarten mit Teich, Wasserlauf und Bäumen. Darunter Supermärkte, Tiefgaragen und z.T. Wohnungen mit hängenden Gärten.

    Einfach mal googeln "Grüne Hochhäuser ". Man wird staunen.
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  •   Route66
    (2633 Beiträge)

    20.05.2020 16:17 Uhr
    Die gibt es auch in Mailand
    Ein Genuss so was.
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