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Karlsruhe Zukunft der Innenstadt: Weniger Autos, Fahrrad-Parkhäuser und mehr Platz für Fußgänger

Oft kommen die Fußgänger im Alltag zu kurz, wird ihnen zu wenig Platz im Straßenverkehr eingeräumt. Das hat ein lokales Projekt in Karlsruhe - das Reallabor Go - in den vergangenen drei Jahren verändern wollen. Mit Erfolg? Ja, sagen die Verantwortlichen - es gibt jetzt neue Ideen zur Innenstadtgestaltung.

Drei Jahre lang hat sich hat sich die Projektgruppe mit der schwächsten Gruppe aller Verkehrsteilnehmer auf der Straße beschäftigt: Den Fußgängern. Mitte 2019 lief das Projekt aus:  Die ausgewerteten Ergebnisse wurden am Dienstag in der Erbprinzenstraße  vor den Augen der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer vorgestellt. 

Reallabor Go
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer ist stolz auf das Reallabor Go Karlsruhe. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Warum ausgerechnet in der Erbprinzenstraße? Hier ist ein Hotspot, an dem sich Radfahrer und Fußgänger immer wieder in die Quere kommen. In der Fahrradstraße mischen aber auch Autos mit - ein voller Straßenraum.

Hier hat das Reallabor ein Experiment durchgeführt, dass die Radelnden umleiten soll, wenn die Fußgängerzone vor ihnen zu voll ist und andererseits zu mehr Rücksicht auffordert, denn nicht allzu oft rasen sie an den Fußgängern vorbei, das lässt sich gut beobachten. 

Reallabor Go
Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

"Da ist das Reallabor sensationell, denn wir probieren verschiedene Dinge einfach aus und reden nicht nur darüber, wie man etwas verändern kann", so Christoph Hupfer, Projektleiter des Reallabors Go Karlsruhe. Wird sich mit den Forschungsergebnissen die Situation der Fußgänger in der Karlsruher Innenstadt verbessern? 

Reallabor Go
Christoph Hupfer, Projektleiter des Reallabor Go Karlsruhe. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Vom Experiment zur Umsetzung

Drei Jahre haben die Wissenschaftler an der Hochschule Karlsruhe, an der das Reallabor beheimatet war, die Mobilität von Fußgängern untersucht. Teilweise mit nachhaltigen Effekten: "Die Displays in der Erbprinzenstraße werden bleiben und auch die Ergebnisse aus dem Versuch am Mühlburger Tor werden in die kommenden Planungsprozesse der Stadt einfließen, sodass der Fußgänger eben eine größere Bedeutung bekommt", so der Projektleiter gegenüber ka-news.de. 

Reallabor Go
Mehr Rücksicht bitte? Das fordern die interaktiven Displays in der Erbprinzenstraße von den Radfahrern. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Gerade Fußgänger bräuchten mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr, findet Hupfer. "Zu Fuß gehen ist die Urform der Fortbewegung. Und eine Stadt lebt davon, dass Menschen unterwegs sind, dass sie ihre Umwelt wahrnehmen und sehen, was es für schöne Dinge gibt. Und wenn wir die Fußgänger nicht haben, dann haben wir auch kein städtisches Leben. Deswegen brauchen die Fußgänger mehr Gewicht in der Gesamtbetrachtung!"

Kombilösung ist Chance für Umbau

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup geht sogar einen Schritt weiter, möchte den Verkehrsraum in der gesamten Innenstadt umkrempeln. "Durch den Umbau der Kaiserstraße und der Kriegsstraße haben wir die historische Chance alles neu zu organisieren", so Mentrup am Rande der Bilanzvorstellung des Reallabors im Gespräch mit ka-news.de. 

Reallabor Go
Frank Mentrup im Interview. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

So schwebt ihm außerdem vor, die Innenstadt teilweise autofrei zu machen. "Ich denke, dass wir in den nächsten fünf Jahren noch viele Straßen aus dem Autoverkehr rausnehmen, auch wenn wir die City nicht ganz autofrei machen können", sagt der OB, "das ist glaube ich nicht machbar."

Fahrradparkhäuser und weniger Autos

Er kann sich außerdem vorstellen aus den Parkhäusern auch Garagen für Fahrräder zu machen - um die Innenstadt weiter zu entlasten. "Da haben wir einen riesengroßen Bedarf", so das Stadtoberhaupt. 

Dass sich aber mit den Ergebnissen und Experimenten des Reallabor Go Karlsruhe die Situation für Fußgänger verbessern wird, da ist sich OB Mentrup sicher. "Wir haben eine klare Haltung dazu, dass es sich verbessern muss, dass sich die Fußgänger sicherer fühlen müssen", so Mentrup gegenüber ka-news.de weiter.

Konkrete Maßnahmen werden erarbeitet

"Vom Reallabor kommen nun Strategien und Instrumente, mit denen wir dieses Ziel erreichen. Ende des Jahres werden wir zudem ein internationales Gutachterbüro beauftragen um uns Vorschläge zu machen, wie wir die Mobilität und zeitgleich die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessern können!"

Auch diese Ergebnisse werden dann, gemeinsam mit den Erkenntnissen aus dem Reallabor, in die künftigen Verkehrsplanungen der Stadt Karlsruhe einfließen und berücksichtigt werden. 

ka-news.de Hintergrund:

Das Reallabor Go Karlsruhe war eines von 14 Reallaboren in Baden-Württemberg. Es wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes gefördert. 

Drei Jahre lang haben die Forscher eng mit der Stadt Karlsruhe zusammengearbeitet, immer neue Experimente in der Innenstadt aber auch den Stadtteilen durchgeführt. Mehrere tausend Menschen haben den Wissenschaftlern der Hochschule Karlsruhe Feedback über die experimentellen Einrichtungen gegeben. 

Im September 2019 wurde das Reallabor mit dem Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr 2019 in der Kategorie "Verkehr im Dialog" ausgezeichnet. Außerdem ist es für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert, der im November in Düsseldorf vergeben wird.  
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  •   nico-ka
    (305 Beiträge)

    02.11.2019 14:41 Uhr
    Gerade gehen
    Wenn die Fußgänger dort gerade gehen würden und nicht ständig stehen bleiben, ohne Blick nach hinten abbieten oder sonstwie Rücksichtslos sein würden, würde ich mir die Geschichte von den bösen Radlern gefallen lassen. Aber dort wird einfach nur bräsig geschlendert.
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  •   Maverick
    (71 Beiträge)

    01.11.2019 12:06 Uhr
    Wir brauchen eine Ringbahn.
    Eine Verlängerung der Linie 1 vom Badeniaplatz zum Hauptbahnhof wäre ein Anfang.....
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  •   Acapulco
    (2 Beiträge)

    31.10.2019 12:08 Uhr
    Radfahrrer sollten streiken
    sollten die Radwege und Parkmoeglichkeiten fuer Fahrraeder nicht ausgebaut werden, sollten alle Rad fahrer die regelmaessig in die Stadt fahren einmal in der Woche streiken und mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Ich denke die Stadt wuerde dann mehr und schneller ueber ein geignetes Radwegnetz nachdenken und jeder Autofahrrer waere froh darueber. Das beste Beispiel ist schlechtes Wetter da sind die Strassen viel voller mit PKW. Ich fordere aber keine ueberdachten Radwege.
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  •   Kojak
    (269 Beiträge)

    01.11.2019 16:44 Uhr
    Radfahrerstreik?
    Ja, unbedingt. Und zwar so richtig mit Großdemo. Ich wäre für Montag, dann haben die Aktivisten eine Drei-Tage-Woche (Freitag ist ja schon "for future"). Für Dienstag bis Donnerstag wird uns dann auch noch etwas einfallen.
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  •   DangerMouse
    (228 Beiträge)

    31.10.2019 14:52 Uhr
    Re: Radfahrer sollten streiken
    Zumindest ist die Erkenntnis, daß die meisten sowohl Radfahrer, als auch Autofahrer sind, etwas worauf man aufbauen kann. Beide Verkehrsmittel sind wichtig und wir können das auch hinkriegen, mit Klimaschutz und gegenseitger Rücksichtnahme.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (670 Beiträge)

    02.11.2019 10:09 Uhr
    Ich verrate Ihnen mal was
    Wir kriegen das bereits hin. Auch ohne Propaganda und schnittigen Parolen.
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  •   malerdoerfler
    (5895 Beiträge)

    31.10.2019 19:06 Uhr
    gegenseitige Rücksichtsnahmen?
    ein Wunschtraum......vielleicht kommt sie ja irgendwann einmal wieder.

    Aber solange jeder nur denkt "ich habe Rechte, aber keine Pflichten" und "Yolo"................
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  •   DangerMouse
    (228 Beiträge)

    01.11.2019 00:11 Uhr
    Re: gegenseitige Rücksichtsnahmen?
    Man wird ja wohl noch träumen dürfen zwinkern

    Ich glaube aber eher noch an die Menschen, als an die Politik.
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  •   Malaika
    (202 Beiträge)

    31.10.2019 07:57 Uhr
    Es sollte
    eine City-Maut für alle eingeführt werden. Da wäre dann die Innenstadt nicht mehr überfüllt und die Einnahmen könnten zur Rettung unseres Karlsruher Millionengrabes oder zur Unterstützung des Karlsruher Einzelhandels eingesetzt werden. Weniger Fußgänger, weniger Kampfradler, weniger Autos, da waren wir geholfen grinsen
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  •   malerdoerfler
    (5895 Beiträge)

    31.10.2019 19:07 Uhr
    Und keiner würde mehr in die City gehen.......
    ......ganz schnell wäre Durlach und andere Randgebiete mega-attraktiv.

    Die Karlsruher City ist schon gebeutelt genug.
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