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Karlsruhe Weniger Parken, mehr Shoppen: Fallen bald Parkplätze in der Südlichen Waldstraße weg?

Auf der einen Seite parkende Autos, auf der anderen Seite ein Lieferwagen, in der Straßenmitte Radfahrer, die ab und an auf die Gehwege ausweichen - die Südliche Waldstraße soll eigentlich eine attraktive Einkaufsmeile sein, stattdessen herrscht dort oft Verkehrschaos. Eine Lösung wäre, die Parkplätze zu entfernen, um so mehr Raum für alle Verkehrsteilnehmer zu schaffen. Die Interessen der Anwohner und der Händler stehen sich dabei zum Teil gegenüber.

Die Südliche Waldstraße ist keine gewöhnliche Einkaufsstraße. Denn von internationalen Ketten wie H&M und McDonalds fehlt jede Spur, dafür findet sich dort Kunsthandwerk und Designermode. Doch zahlreiche parkende Autos lassen die Straße zu manchen Tageszeiten - anstatt wie eine Flaniermeile - eher wie einen Parkplatz wirken.

Bild: Lena Kube

Damit die Straße attraktiver wird, soll der Verkehrsraum neu gestaltet werden. Schon jetzt ist dort ein verkehrsberuhigter Bereich, dennoch geht es oftmals turbulent zu - zu viele Verkehrsteilnehmer erheben Anspruch auf den wenigen Straßenraum.

"Der Verkehrsraum ist einfach zu eng!"

"Wir haben hier täglich gefährliche Verkehrssituationen", sagt Raimund Löhr, Vorsitzender der "Interessengemeinschaft Südliche Waldstraße" gegenüber ka-news.de. "Auf beiden Straßenseiten stehen Autos, wenn dann noch der Lieferverkehr hinzukommt, weichen die Fahrradfahrer auf die Gehwege aus. Der Raum ist einfach zu eng!" Die Interessengemeinschaft ist ein Zusammenschluss der ansässigen Händler.

Vorsitzender IG Südliche Waldstraße
Raimund Löhr, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Südliche Waldstraße. | Bild: Löhr

Zwei Ideen gibt es, wie es in der Südliche Waldstraße künftig etwas ruhiger werden könnte: Zum einen könnte die Straße in eine reine Fußgängerzone verwandelt werden - sprich: Die Straße wird autofrei. Doch dann wäre auch die Anlieferung von Waren nur in bestimmten Zeiten möglich. Zum anderen könnten nur das Parken verboten werden und die Parkplätze, die derzeit auf einer Straßenseite eingezeichnet sind, entfernt werden. 

"Wir, die Einzelhändler der Südlichen Waldstraße, möchten keine reine Fußgängerzone", sagt Löhr im Gespräch mit ka-news.de. Ein Grund dafür seien die damit einhergehenden eingeschränkten Lieferzeiten. Die Geschäfte könnten dann nicht rund um die Uhr von den Speditionen angefahren werden, und das kann - gerade bei weiten Transporten - zum Problem werden.

Kein "Autoverbot" - denn Ware muss angeliefert werden

Die meisten Läden in der Südlichen Waldstraße sind kleine und inhabergeführte Geschäfte. Wenige Kunden, dafür eine starke Kundenbindung anstelle eines Massenansturms - das ist hier oft das Verkaufsmodell. "Dazu gehört auch ein starker Service - und somit die Möglichkeit, dass die Kunden direkt vor den Geschäften ein- und ausladen können", sagt Raimund Löhr.

Die Interessengemeinschaft Südliche Waldstraße macht sich deshalb dafür stark, die Parkplätze zu entfernen - ohne die Straße komplett für Autos zu sperren. Ein Parkverbot, aber kein Halteverbot soll die Verkehrssituation entspannen und einen Teil des Straßenraumes wieder freigeben.

Bild: TMC|Carmele Fotografie

Doch der Parkraum in der Stadt ist begrenzt. Im Moment parken dort, vor den Läden der Südlichen Waldstraße, nicht nur Kunden und Stadtbesucher - sondern in erster Linie auch die Anwohner.  "Für die Anwohner wäre das Entfernen der Parkplätze ein Einschnitt", sagt Löhr, der nicht nur dort arbeitet, sondern auch selbst in der Straße wohnt. Hier liege der größte Interessenkonflikt, da die Anwohner auf die Parkplätze direkt vor ihrer Türe verzichten müssten.

Eine Alternative zum Parken stellen die Parkhäuser unweit der Südlichen Waldstraße dar, beispielsweise ist nur wenige Meter entfernt das Parkhaus "Stephanplatz". Dort stehen 300 Dauerparkplätze zur Verfügung - die allerdings kostenpflichtig gemietet werden müssten.

Welches Schicksal die Südliche Waldstraße letztlich ereilt - ob sie wirklich von den parkenden Autos "befreit" oder gar ganz zur Fußgängerzone wird - darüber soll der Karlsruher Gemeinderat entscheiden. Vorschläge von den unterschiedlichen Fraktionen standen dort schon im September zur Debatte, eine Entscheidung steht bislang aber noch aus.

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  •   andip
    (10387 Beiträge)

    06.11.2019 08:38 Uhr
    Nun ja
    Dass die dortigen Läden ständig zu jeder Tageszeit mit neuer Ware beliefert werden müssen, halte ich für ein Gerücht, das wird wie bei jedem anderen höchsten einmal am Tag erfolgen müssen. Dafür kann man dann entsprechende Zeiten zulassen.
    Genauso bezweifle ich, dass deren Kunden nun unbedingt zum Einladen direkt vor der Ladentür stehen müssen.
    Dass Anwohner nicht direkt vor der Haustür parken können und sich stattdessen einen Stellplatz mieten müssen, das Problem haben viele andere auch.
    Und wie viele der dort parkenden Autos gehören eigentlich Anwohnern oder Kunden und sind nicht nur welche von Leuten, die gar nicht in die Waldstrasse wollen, sondern da nur umsonst parken wollen?
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  •   Avatar
    (820 Beiträge)

    06.11.2019 08:28 Uhr
    Selten
    so viele Rechtschreibfehler wie in diesem Artikel gelesen. Liest das eigentlich jemand Korrektur, bevor es online gestellt wird?
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  •   Leser53
    (8 Beiträge)

    06.11.2019 08:11 Uhr
    Parkende Autos gehören raus aus der Innenstadt
    Wer ein Auto besitzt muss auch für den Parkplatz bzw. Stellplatz bezahlen!
    Leider haben wir uns daran gewöhnt, dass an jedem Straßenrand Autos die Fahrspuren und Fußwege zuparken (auf Kosten der Allgemeinheit). Andere Verkehrsteilnehmer werden dadurch benachteiligt oder sogar hohen Gefahren ausgesetzt, dabei zahlen andere Verkehrsteilnehmer doch genauso Steuern und haben ein Recht auf den öffentlichen Raum.
    Es kann meiner Meinung nach nicht sein, dass Autobesitzer (egal wo) diesen öffentlichen Raum für sich beanspruchen. Wie oft stehen Autos tagelang ungenutzt auf den Straßen rum und beeinträchtigen dabei andere Verkehrsteilnehmer.
    Wenn es der neu gewählte Gemeinderat wirklich ernst meint mit der Verkehrswende in Karlsruhe, dann erwarte ich mir hier in kurzer Zeit eine massive Veränderung. Daran werde ich die "grünen Parolen" des neunen Gemeinderats messen.
    Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger in Karlsruhe hier nicht vor der Autolobby einknicken.
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  •   Mondgesicht
    (2335 Beiträge)

    06.11.2019 11:44 Uhr
    Das Problem daran ist:
    Sind die Autos weg, dann sind eben meist auch die weg, die drin sitzen. Die fehlen dann als Kunden in den Läden, weil die Autofahrer dann eben die Geschäfte auf der "grünen Wiese" ansteuern.

    Klar, das "Flanieren" in autofreien Bereichen ist schöner. Aber die andere Seite der Medaille darf man nicht vergessen. Fehlen die Kunden, schließen die Läden. Schließen die Läden, verödet die Innenstadt.
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  •   Avatar
    (820 Beiträge)

    06.11.2019 12:13 Uhr
    Die Kunden
    können auch im Parkhaus parken, so wie andere Kunden auch. Es sind sowieso meistens die fetten Teile die da parken, nichts kaufen, aber im Ludwigs sitzen. Nein, das ist kein Neid, sondern gute Beobachtungsgabe.

    Und: das Klientel, welches in die Läden in der Waldstraße geht, findet bestimmt nichts im Durlach-Center, fährt also nicht auf die grüne Wiese. Und umgekehrt.
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  •   Denkfehler
    (174 Beiträge)

    06.11.2019 07:07 Uhr
    Das Problem....
    ....in dieser Straße sind nicht "in der Straßenmitte Radfahrer, die ab und an auf die Gehwege ausweichen" - das Problem entsteht dadurch, dass die ansässige Außen-Gastronomie und die geparkten KFZ den eigentlichen Fußgänger-Flanierbereich vor den Schaufenstern derart eng werden lassen, dass Fußgänger, welche zügig vorankommen wollen, gleich die Fahrspur nehmen. Und dort kommen sich dann nebeneinander her kullernde Radfahrer mit nebeneinander her schlendernden Fußgängern ins Gehege. Kommen dann noch durchfahrende KFZ dazu, wird's "hektisch".
    Auflösen lässt sich das Ganze nur, wenn Außengastronomie und Parkraum deutlich zurückgenommen werden. Anders geht es nicht. Für Liefer- und Abholverkehr kann man reduziert Kurzpark-Bereiche einrichten.
    Eine Gesamtlösung wird m. E. aber nur möglich sein, wenn sie in ein Verkehrs(reduzierungs)konzept für den gesamten Bereich zw. Stephanien-, Karl-, Krieg- und R.-F.-Straße integriert wird - nur diese 200 m betrachten, hilft nichts.
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  •   NeoTiger
    (716 Beiträge)

    06.11.2019 09:47 Uhr
    Du solltest dich mal vor Ort genauer umschauen
    Die südliche Waldstraße ist als "verkehrsberuhigter Bereich" ausgeschildert. Demnach haben die Fußgänger dort das gute Recht die komplette Straßenbreite zum Flanieren zu benutzen und Radfahrende sind genau wie auch Autofahrer zur strikten Einhaltung von "Schrittgeschwindigkeit" (max 7 kmh) und Rücksicht auf Fußgänger verpflichtet, was dort leider nach meinen Erfahrungen keiner von ihnen einhält, weil man es offenbar mit einer Fahrradstraße verwechselt. Aber das Fehlverhalten kommt eindeutig von den Radfahrern.
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  •   Svantovit
    (118 Beiträge)

    07.11.2019 10:25 Uhr
    Teilweise richtig
    Nur unterschlagen Sie folgenden weiteren Punkt: "Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern." Natürlich klingt das nach einem Gummmiparagraphen, jedoch könnte man das Flanieren mittig und über die gesamte Breite des verkehrsberuhigten Bereichs, als Behinderung werten.
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  •   Denkfehler
    (174 Beiträge)

    06.11.2019 19:18 Uhr
    Keine Angst....
    ....ich bin in dieser Straße regelmäßig mehrmals pro Woche zu unterschiedlichsten Tages-/Nachtzeiten und in beide Richtungen unterwegs.
    Ansonsten gilt: Auch Fußgänger haben Rücksicht zu nehmen - wenn Du dieses Faß schon aufmachen willst.

    Das Problem sind die Blechkarrossen, von denen jeder Nutzer erwartet, dass man damit überall parken dürfen muss. Wenn der Platz zu eng wird, müssen meiner Meinung nach als erstes diejenigen weichen, die den meisten Platz verbrauchen und dafür sorgen, dass es eng wird. Und das sind nun mal die KFZ - ob einem das passt oder nicht - und nicht Fußgänger oder Radfahrer.
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  •   mueck
    (11576 Beiträge)

    06.11.2019 11:58 Uhr
    !
    Die Rechtmäßigkeit des Laufens in der Mitte hat er aber auch gar nicht angezweifelt (gehöre übrigens dort auch zu den bevorzugt mittig Laufenden aus den von ihm genannten Gründen), sondern nur aufgefordert, die so entstehenden Probleme durch Aufhebung der Parkierung zu lösen ...

    Ergänzend dazu: Der Artikel schreibt:
    "in der Straßenmitte Radfahrer, die ab und an auf die Gehwege ausweichen"
    Es gibt in verkehrsberuhigten Bereichen aber gar keine Fahrbahnen, wie schon ein Urteil feststellte, und damit auch keine Gehwege, "sondern insgesamt eine Sonderfläche darstellt, auf der sowohl Gehen als auch Fahren erlaubt ist, letzteres aber nur mit erheblichen Einschränkungen." Gehen auf ganzer Breite, aber auch Fahren auf ganzer Breite, sofern physikalisch möglich. Sollte die "Fahrbahn" kopfsteingepflastert sein (in Bremerhaven gibt's so'n Fall), kann man das radelnd gepflegt ignorieren ... Hier mittige Fußg. über "Gehweg" umradeln ...
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