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Karlsruhe Modernisierung und Abriss bald unmöglich? Durlacher Ortschaftsrat stimmt für Erhaltungssatzung zum Schutz historischer Gebäude

Der Schutz der Durlacher Altstadt liegt dem Durlacher Ortschaftsrat sehr am Herzen: Immer wieder drohen erhaltenswerten Gebäuden in Privatbesitz Abriss oder Modernisierung. Mit einem Antrag der SPD, der letztlich in einen interfraktionellen Antrag umgewandelt wurde, wandte sich der Durlacher Ortschaftsrat unlängst an den Gemeinderat, mit der Bitte, noch vor der Sommerpause einen beschlussfähigen Entwurf für eine "Erhaltungssatzung Altstadt Durlach" vorzulegen.

Durlach, die Mutter Karlsruhes, ist im Wandel. Doch: Während die Genehmigungspflicht nach der denkmalrechtlichen Gesamtanlagensatzung "Altstadt Durlach" aus dem Jahr 1998 erst bei "Veränderungen an dem geschützten Bild der Gesamtanlage" und zum Schutz des "vorhandenen Erscheinungsbildes der Durlacher Altstadt" eingreift, würde eine Erhaltungssatzung den Schutz einzelner baulicher Anlagen aus städtebaulichen Gründen ermöglichen. Heißt konkret: Sie schützt den Bestand baulicher Anlagen unter anderem aufgrund ihrer städtebaulichen, insbesondere geschichtlichen oder künstlerischen Bedeutung.

Durlacher Altstadt
Eine Gestaltungssatzung soll dafür sorgen, dass der historische Charakter der Durlacher Altstadt erhalten bleibt | Bild: Schwitalla

Somit könnten an den Gebäuden, die in der Erhaltungssatzung aufgeführt sind, zukünftig Veränderungen nur noch in geringem Umfang, Abbrüche grundsätzlich nicht mehr und Neubauten nur mit Auflagen durchgeführt werden. 

Stillstand? Bauvorhaben könnten zurückgestellt werden

Der Idee, zum Schutz der Durlacher Altstadt neben der Gesamtanlagensatzung mit der Erhaltungssatzung ein weiteres Instrument zu bekommen, stimmten alle Ortschaftsratsfraktionen zu, sodass der Antrag der SPD in einen interfraktionellen umgewandelt wurde. Mit diesem symbolträchtigen Schritt wolle man betonen, dass Durlach und sein Ortschaftsrat komplett und unisono hinter dem Anliegen steht.

Nach diesem deutlichen Zeichen aus Durlach hat sich in seiner März-Sitzung auch der Karlsruher Gemeinderat mit der Altstadt des Stadtteils beschäftigt. Die Kult-Fraktion stellte den Antrag an die Stadtverwaltung, eine Erhaltungssatzung für die Altstadt Durlach zu erarbeiten - mit der Ergänzung, dass bis zum Inkrafttreten der Satzung keine Abrissgenehmigungen für erhaltenswerte und denkmalgeschützte Gebäude in Durlach mehr erteilt werden sollen. 

Durlach Altstadt
Bild: Peter Eich

In einem ergänzenden Antrag forderte die AfD, die Stadt möge innerhalb dieses Prozesses auch die genaue räumliche Abgrenzung für den Geltungsbereich der Satzung festlegen und die Durlacher Bürgerinitiativen und Verbände an den Entscheidungen beteiligen.

Durlacher Altstadt soll besser geschützt werden

Die Stadtverwaltung gab grünes Licht und erklärte, dass bis zur Sommerpause 2019 ein Beschluss zur Aufstellung einer Erhaltungssatzung gefasst werden könne. Die Verwaltung wird dafür bis zur Gemeinderatssitzung am 14. Mai eine entsprechende Vorlage für den Aufstellungsbeschluss
zu einer Erhaltungssatzung Altstadt Durlach erstellen.

Auf Grundlage dieses Aufstellungsbeschlusses könnten dann auch Bauvorhaben, die den Erhaltungszielen widersprechen, sofort zurückgestellt werden. Eine umfängliche Beteiligung der Öffentlichkeit werde ebenfalls durchgeführt, sicherte die Verwaltung auf Antrag der AfD zu.

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Kommentare (18)
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  •   malerdoerfler
    (5224 Beiträge)

    23.04.2019 18:53 Uhr
    Das wurde aber auch Zeit.
    Und das Malerdorf sollte da gleich nachziehen.
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  •   labbapaloema
    (62 Beiträge)

    23.04.2019 09:37 Uhr
    Wohnraum?
    Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Maßnahme, die Wohnraum schafft, statt ihn zu verhindern? Davon hört man aus der Politik so gut wie nie etwas.
    @ka-news: kommt tatsächlich auch eine Gestaltungssatzung, wie unter dem einem Foto beschrieben?
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  •   Nico1966
    (218 Beiträge)

    23.04.2019 14:11 Uhr
    Wohnraum
    Wohnraum?Ja, aber bezahlbar!Sie glauben doch nicht,daß ein Investor seine Häuser und Wohnungen, die er gerade als Neubau hochgezogen hat an Durchschnittsverdiener vermietet.Eigentumswohnungen ab 300.000 Euro aufwärts,von Einfamilienhäusern ganz zu schweigen.Mietwohnungen , 3 Zimmer,ab 800 Euro kalt.Und da ist die (Stadttochter) Volkswohnung keine Ausnahme .Auch der Nachverdichtungs-Schwachsinn läuft darauf heraus.Letztendlich hat die Satzung nun wirklich keine große Auswirkungen auf die Schaffung von Wohnraum,selbst wenn man Schlosspark und Gelände der ehem. Orgelfabrik mit 12 stöckigen Hochhäusern bestücken würde, stünde man vor dem gleichen Problem.Und es wird ja in Durlach (Aue) gebaut (Oberer Säuterich),voraussichtlich mit gleichem Ausgang wie oben beschrieben.
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  •   Mondgesicht
    (2021 Beiträge)

    23.04.2019 10:30 Uhr
    Aus der Politik
    hört man doch ständig das schöne Wort "Nachverdichtung", sprich: dort, wo es noch Grünflächen gibt, werden diese zubetoniert. Unser Gemeinderat ist schließlich ganz scharf darauf, dass die Stadt wächst und wächst. Das Problem ist doch mittlerweile eher, dass man vor lauter "Wohnraum schaffen" die Lebensqualität vergisst - zu der gehören nämlich auch ausreichende Grünflächen.

    Hier geht es aber um etwas ganz anderes, nämlich um den Erhalt des historischen Stadtbilds von Durlach.
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  •   Skudder
    (366 Beiträge)

    23.04.2019 11:23 Uhr
    Nicht ganz
    Nachverdichtung heißt eher, dass zwischen der momentanen Bebauung weitere Häuser errichtet werden sollen. Das heißt, dass in die Höhe gebaut werden soll. In der Waldstadt, wo ich wohne, sollen da zum Teil 8-stöckige Hochhäuser vor Einfamilienhäuser gestellt werden. Ich muss das nicht gut finden, denke ich.

    Anderes Beispiel ist das "Sofien-Carree".

    Warum kann man nicht eher in die Breite bauen. Platz gibts doch massig. Knielingen 2.0 ging doch auch.
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  •   mueck
    (10437 Beiträge)

    23.04.2019 20:43 Uhr
    !
    Knielingen 2.0 war vorher eine Kaserne
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  •   Skudder
    (366 Beiträge)

    24.04.2019 11:40 Uhr
    Stimmt
    Man hätte diese Kaserne aber auch in Grünflächen umwandeln können, statt den Stadtteil zu bauen. Es gibt noch genug andere Flächen, auf denen man Häuser bauen könnte, statt gewachsene Wohnsiedlungen "nachzuverdichten". Und wenn man das doch tut, dann bitte mit Sinn und Verstand, nicht wie in der Waldstadt geplant. Oder wie im Sophien- Carree.
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  •   mueck
    (10437 Beiträge)

    24.04.2019 11:54 Uhr
    !
    Warum hätte man die Kaserne zu Grünflächen machen sollen? Die Ecke hat schon genug Grün.

    Sophien-Carrée hat Sinn und Verstand, heute größtenteils versiegelt (Autohändler) künftig aufgelockert nd Grün gleichmäßig verteilt. Man muss den Nimbys nicht alles glauben. In Facebook kommt bei Diskussionen von einer Anwohnerin gerne ein Bild mit schönen Bäumen, von denen aber ein wesentlicher Teil gar nicht auf den Projektgrundstücken steht ...

    Zur Waldstadt sind mir noch keine Pläne begegnet, nach denen ich mir ein Urteil bilden könnte ...
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  •   silberahorn
    (9752 Beiträge)

    23.04.2019 09:55 Uhr
    So ein kleines Gebiet
    wird bei dem, was an "Wohnraummangel" derzeit diskutiert wird, ohnehin nicht erhebliche Ausschläge verursachen können. Insofernhalte ich das für ein zwar aktuell vll übliches, aber nicht wichtiges Argument.

    Die Wohnraumfrage muss anders behoben werden, nicht unbedingt mit Neubauten, aber auch nicht mit kleinen "Baufürzchen" wenn das Erhalten eines Gesamtbildes , aus welchen Gründen auch immer, wichtiger ist.
    Ich weiß z.B. nicht, wem die Häuser und Grundstücke dort gehören, wer von diesen Eignern trotzdem gerne erweitern würde und warum er dies machen will.
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  •   dipfele
    (5272 Beiträge)

    23.04.2019 15:44 Uhr
    Es dürfte fast die gesamte Altstadt.....
    … sich in Privateigentum befinden, wobei diese Eigentümer i.d.R. viel Wert auf die Erhaltung ihrer Gebäude legen. Leider gibt es aber auch gelegentlich Profiteure, die ein historisches Gebäude erwerben, es ungenutzt stehen lassen um letztendlich dann festzustellen, dass es für ihre Zwecke nicht geeignet ist und einem Neubau weichen muss. Hier hat die Stadt in der Vergangenheit(seit den 1960er Jahren !) auf Seiten der Investoren gestanden. Und hat selbst, wie beim Abriss des Dienerbaues für die Schlossschulen -Betonklötze an der Zerstörung der Altstadt mit gewirkt. Jetzt sollen die Betonklötze für 24 Mio erneuert werden. Bei rigider Anwendung des Denkmalrechtes dürfte es nicht zu solchen Ergebnissen führen, wie beim Torwärterhäusle. Erst die Unterschriftensammlung des überparteilichen AK Stadtbild Durlach hat zu einem (momentanen?) Umdenken in der Verwaltung geführt.
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