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Karlsruhe Gemeinderäte der Kult fordern Wohnraum statt neue Hotelbaustellen - dabei sind viele Grundstücke nicht für Wohnbebauung geeignet

Karlsruhe ist beliebt - nicht nur bei neuen Einwohnern und Studenten, sondern auch bei Touristen. Über 1 Million Übernachtungen wurden in der Fächerstadt 2017 verzeichnet, nicht eingerechnet Übernachtungen in Privatzimmern, die etwa über Airbnb gebucht wurden. Der Bedarf an Zimmern ist da - doch bezahlbarer Wohnraum ist ebenfalls rar, findet die Kult-Fraktion im Gemeinderat.

Bis zum Jahr 2030 fehlen in der Fächerstadt etwa 20.000 Wohneinheiten, das ist schon fast ein alter Hut. Doch die Fächerstadt braucht auch Touristen, denn die bringen Geld ins Stadtsäckel. Daher ist es nicht verwerflich, dass etwa direkt an der Kriegsstraße ein neues Hotel entstehen wird.

Altes Gebäude - Standort Motel One Kriegsstraße
Hier entsteht das neue Motel One. | Bild: Bohner

Doch die Stadträte der Kult-Fraktion sehen das anders: "Zuerst müssen die Menschen in der Stadt, die Wohnraum brauchen, versorgt sein, bevor die Stadt den Immobilieninvestoren mit neuen Hotels im Hochpreissegment den wenigen Bauplatz überlassen kann", schreiben die Gemeinderäte in einer Anfrage an die Stadt. 

Sind Hotelzimmer oder Wohnungen dringlicher? 

"Die Stadt muss sich ein Vorkaufsrecht auf Grundstücke für sozialen Wohnungsbau sichern um den Bedarf der Bürger mittelfristig decken zu können", fordern sie daher von der Stadtverwaltung. Sie wollen zudem wissen, welche Areale, die derzeit für Hotels geplant sind, auch für Wohnraum in Frage kommen könnten und was in den Augen der Stadt wichtiger ist: "Wohnungen oder Hotelzimmer"?

Pension Zimmer frei
Bild: IG Bau

Dem hält die Stadt Karlsruhe allerdings entgegen. "Ein Hotelgutachten hat ergeben, dass es einen zusätzlichen Bedarf gibt - bis 2030 fehlen etwa 900 Hotelzimmer", schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme an die Kult-Fraktion. Das würde vier bis fünf neuen Hotels in den Kategorien 2 bis 4 Sterne entsprechen. 

Motel One Entwurf
So soll das Hotel in der Kriegsstraße 2020 aussehen. | Bild: Unmüssig Bauträgergesellschaft Baden mbH

Viele Grundstücke für Hotels sind für Wohnbauten ungeeignet

Konkret sind dafür schon zwei Projekte in Planung: Zum einen entlang der Kriegsstraße, dort entsteht ein "Motel One", ein Low-Budget-Hotel mit 2 Sternen und an der Victor-Gollancz-Straße in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Hier möchte ein Investor ein 3-Sterne-Hotel bauen. Anders als beim "Motel One", bei dem zudem auch Büro- und Wohnflächen geplant sind, kommt das Areal entlang der Gleise nur eingeschränkt als Wohnbebauung in Frage. 

ka3 Victor-Gollancz-Straße
Die Victor-Gollancz-Straße entlang der Gleise am Karlsruher Hauptbahnhof ist für Wohnbebauung eher ungeeignet. | Bild: Screenshot Google Maps/ka-news

"Für neue Hotels geplante Grundstücke sind in den meisten Fällen nicht für Wohnungsbau geeignet", erklärt die Stadt weiter. "Aber jeder Eigentümer ist frei in seiner Entscheidung, was für eine Nutzung er im Rahmen der planungsrechtlichen Zulässigkeit für sein Grundstück vorsieht. Daher berät die Verwaltung den Investor bei allen Projekten, bei denen grundsätzlich auch Wohnbebauung möglich und sinnvoll ist!" 

Wohnungen in der Oststadt
(Symbolbild) | Bild: Felix Haberkorn

Stadt hat keinen Einfluss, kann nur beraten

Damit hat die Stadt Karlsruhe keinen Einfluss darauf, was der Bauherr auf dem Areal, das er bebauen möchte, auch tatsächlich baut. "Bei der Vergabe von städtischen Grundstücken kann jedoch sehr wohl auf die spätere Nutzung eingewirkt werden. Hier werden auch dringliche Vorkaufsrechte sowie Nutzungsverpflichtungen vertraglich gesichert", erklärt die Stadtverwaltung auf die Anfrage der Kult-Fraktion. 

ka3 Bürogebäude Hauptbahnhof
So könnte das neue ka3-Gebäude am Hauptbahnhof aussehen. | Bild: FAY Projects

Durch die Ansiedlung von "Motel One" im Jahr 2020 sei der Bedarf von Hotelzimmern im 2-Sterne-Bereich gedeckt, weiß die Stadt. "Die Verwaltung führt darüber hinaus Gespräche mit verschiedenen Investoren und Hotelbetreibern an Standorten, die für den noch zu deckenden Bedarf geeignet sind. Diese Standorte sind allerdings für den Wohnungsbau weitestgehend nicht geeignet!"

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  •   malerdoerfler
    (5123 Beiträge)

    08.01.2019 18:24 Uhr
    Hotes sind aber auch nicht schlecht.
    grinsen
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  •   pippo
    (70 Beiträge)

    07.01.2019 18:58 Uhr
    Planungen schneller vorantreiben
    Wenn ich lese, wie zäh die Entwicklung im Nordstadtareal C voranschreitet, wenn man sieht wie viele leere Grundstücke es in besten Innenstadtbereichen noch gibt (z.B. Telekomparkplatz, Süd-Ost, Stuttgarter Straße), oder wie uns das fast schon provokante "Jahrhundertloch" (Gegenüber KIT) in der Kaiserstraße-Ost anglotzt, dann kann ich nur nur sagen: so viele Krokodilstränen zum Wohnungsmangel wie hier in Karlsruhe werden selten vergossen. Ja, es braucht einen großen Schlag wie seiner Zeit in Wien. Dort wurden nach dem 1. Weltkrieg noch heute mustergültige und günstige Wohnanlagen für viele Menschen geschaffen. Dies stadtnah und urban. Sogar noch architektonisch wertvoll. Beispielhaft! (z.B. Metzleinstaler Hof)
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  •   maehdrescher
    (1076 Beiträge)

    05.01.2019 16:15 Uhr
    Kultiger Populismus
    Heutzutage muss man nur irgendwas von Wohnraum reden, schon hat man automatisch größte Aufmerksamkeit in den Medien.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    06.01.2019 15:26 Uhr
    Ja,
    allerdings nur Aufmerksamkeit, denn wenn wie meistens den grossen Worten keine Taten folgen kriegt man das in Form von sehr negativer Aufmerksamkeit doppelt zurück.
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  •   IchKA
    (718 Beiträge)

    06.01.2019 14:30 Uhr
    Stadt macht Investorengeschenke
    Abgesehen von dem Karlsruher architektonischen Einheitslook von der Stange werden Investoren gestalterische
    ökologische und soziale Freiräume gewährt, die mehr als fragwürdig sind. Wie kann es sein, dass der Freiburger Investor Unmüßig, der auch das ehemalige Postscheckgebäude gegenüber dem Staatstheater gekauft hat, einen Bauantrag durchkriegt, der für den großen Hotelneubau gegenüber dem Nymphengarten lediglich 80 Tiefgaragenplätze vorsieht. Natürlich geht einen 2. Tiefgaragenebene durch den hohen Grundwasserspiegel in Geld, aber was ist mit der weiteren Verknappung des Parkraums in der ohnehin hochfrequentierten Gegend?
    Die Entwurfzeichnungen sehen alle gleich aus. Man sieht keinen Unterschiede mehr zwischen dem Bürogebäude hinterm Bahnhof, dem Hotelneubau neben dem Bahnhof, dem Neubau der KVV und Gebäuden an der Erhardallee. Das ist phantasielose 0815 Architektur, welche das Stadtbild austauschbar, gesichts- und konturlos macht und den Horizont der Entscheider reflektieren.
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  •   likeka
    (436 Beiträge)

    06.01.2019 16:25 Uhr
    Die Berechnung der Stellplätze
    Die Berechnung der Stellplätze richtet sich nach der Landesbauordnung Baden-Würrtemberg. Meines wissens wird bei Hotels mit 1 PKW-Stellplatz pro 2 Hotelzimmern gerechnet (da lasse ich mich aber gerne korrigieren).
    Dann gibt es Minderungsfaktoren je nach ÖPNV-Anschluss.
    Ich habe jetzt keine Planunterlagen gefunden, allerdings klingen 80 Stellplätze nicht so falsch.
    Für das Hotel am "Alten Wasserturm" habe ich folgende Berechnung gefunden [S.36 unten].
    Übrigens ist der Bauantrag für das Hotel noch nicht durch, denn der Bebauungsplan ist noch in Überarbeitung.
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  •   malerdoerfler
    (5123 Beiträge)

    05.01.2019 15:57 Uhr
    Wenn ich mir die Bilder so anschaue, dann
    werden da sicherlich ganz viel Architektenpreise zu vergeben sein.
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  •   chris
    (648 Beiträge)

    05.01.2019 13:17 Uhr
    Wohnraum am Messplatz
    Wenn die Schenker AG den Rangierbahnhof aufgibt, wird der komplette Tivoli frei. Dann kann dort ein neuer Messplatz entstehen. Der alte Messplatz kann dann mit Wohnbebauung beglückt werden. Gerne hoch als Entree für die Stadt. Hochbauten bieten mehr QM-Wohnflächen. In Frankfurt entsteht gerade das höchste Wohnhaus in Deutschland. Diese Gebäude haben nichts mehr mit den häßlichen Gebäuden der 70er zu tun. Also ruhig 150 m und entsprechen gestalterisch schön und modern.
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  •   teflon
    (2618 Beiträge)

    05.01.2019 14:38 Uhr
    Dein Vorschlag
    ist viel zu progressiv für den schlafmützigen Verein im Rathaus..obwohl ich denke, da der neue BM Fluhrer fachlich auf Zack ist ( ganz im Gegensatz zu der Vollkatastrophe von Vorgänger). Zu befürchten ist aber, dass Flächen wieder mit kleinen , potthässlichen & maßlos überteuerten Wohnhäusern wie in Knieligen auf dem ehemaligen Amigelände verbaut werden. Wen man wirklich schnell Wohnraum schaffen will, dann muss man zwangsläufig in die Höhe bauen - es gibt ja genug geniale Konzepte wie den "Bosco vertikale" , die durchaus eine neue "Waldstadt 2 " in urbaner Umgebung schaffen könnten. Und zur angeblich ungeeigneten Wohnlage: es gibt genug Wohngebäude, die an befahrenen Trassen liegen und top schallisoliert sind...wenn man will, geht viel. Zudem hat das Hotel auch keine andere Möglichkeit als den Schallschutz zu forcieren..sonst kommt der Gast 1 Mal und nie wieder
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  •   likeka
    (436 Beiträge)

    05.01.2019 15:25 Uhr
    Da ist was dran
    Die andere Seite ist halt wieder, dass man erst mal jemanden finden muss, der das Risiko eines Wohnhochhauses (zumal eines gestalterisch anspruchsvollen und damit teuren) eingeht. Karlsruhe ist eine kleine Stadt und im Gegensatz zu Frankfurt weder ein internationaler Finanzplatz noch gut mit dem Flugzeug zu erreichen.
    Das ist als Wertanlage deutlich riskanter, es dürfte weniger zahlungskräftige Käufer/Mieter geben.
    Klar ist, dass innovative Wohnhochhäuser nicht dem sozialen Wohnungsbau dienen (selbst wenn da Sozialwohnungen realisiert werden, müssen diese durch genug teuere Luxuswohnungen refinanziert werden).

    Von daher kann man an dieser Stelle wohl nicht zu viel erwarten... leider!
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