32  

Karlsruhe Fehlender Wohnraum in Karlsruhe: Könnte mit wenig genutzter Fläche der Kirche Platz geschaffen werden?

Die Kirche hat in den letzten Jahren mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Gleichzeitig hat die evangelische Kirche Karlsruhe rund 20.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Die müssen nach Vorgaben der Landeskirche deutlich vermindert werden. Ideen für eine alternative Nutzung haben KIT-Studenten im Rahmen ihres Masterstudiums vorgestellt.

Etwa die Hälfte der Gesamtfläche der evangelischen Kirche muss reduziert werden. "Das ist eine Riesenaufgabe für die nächsten Jahre", erklärt Jürgen Keller, zuständig für die Projektsteuerung der evangelischen Kirche Karlsruhe. Insgesamt befinden sich 125 Gebäude im Besitz der evangelischen Kirche in der Fächerstadt. 

In Kooperation mit der Kirche haben sich nun 13 Masterstudenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Gedanken über eine alternative Nutzung der Liegenschaften gemacht. Insgesamt wurden sechs der 26 evangelischen Gemeinden in der Fächerstadt für das Projekt ausgewählt: "Matthäus", "Markus", "Paul-Gerhardt", "Knielingen", die Friedensgemeinde Weiherfeld-Dammerstock und die Kirchengemeinde "Rüppurr".   

Großes Interesse zu Ausstellungsbeginn 

"Die Projekte sind teilweise provokant. Darum haben wir die Studenten aber auch gebeten", sagt Thomas Schalla, Dekan der evangelischen Kirche, am Rande der Präsentation im Architekturschaufenster. Dieses platzte bei der Vernissage aus allen Nähten. Das Interesse der Bürger war groß, viele Gemeindemitglieder sind gekommen. Vor allem diese wurden immer mal wieder zum Kopfschütteln gebracht.  

Vernissage Architekturschaufenster
Einige der Besucher mussten stehen, da die Sitzplätze schon alle belegt waren. | Bild: Thomas Riedel

Das lag daran, dass viele Studenten teilweise Abrisse der Gemeindehäuser und Verkleinerungen der Sakralräume in ihren Entwürfen vorgesehen haben. Ein Vorschlag eines Studenten war aber auch die Integration einer Brauerei. "Brauereien in Kirchen führen zu einer Irritation der gesellschaftlichen Wahrnehmung", betont Schalla im Anschluss. Diese Idee schließt er daher eher aus. Mehr Potential habe dafür die Idee der Integration von Kindertagesstätten in den kirchlichen Liegenschaften.   

Sozialer Wohnraum in Kirchen war schon häufiger geplant

Anna Grimm, eine der Studenten, die am Projekt beteiligt war, sieht in der Zukunft hingegen eine Integration eines Frauenhauses in der Gemeinde der Markuskirche. "Das ist eine Funktion, die die Kirche haben kann. Denjenigen Schutz bieten, die schutzbedürftig sind", befürwortet Schalla die Idee. "Die Entwürfe, die das Wohnen kombinieren, haben mir auch sehr gut gefallen. Manche Projekte würde ich direkt eins zu eins umsetzen", erklärt Thomas Schalla. "Wenn das nötige Geld vorhanden wäre", fügt er schmunzelnd hinzu.   

"Die Tatsache, dass die Kirche sozialen Wohnraum schafft, finde ich wichtig. Aber Wohnraum in Kirchen waren bisher immer Projekte, die gescheitert sind", gibt Jürgen Keller, für die Projektsteuerung der evangelischen Kirche zuständig, zu bedenken.  

Vernissage Architekturschaufenster
Der Dekan der evangelischen Kirche Karlruhe: Thomas Schalla. | Bild: Thomas Riedel

Wohnen zu integrieren war dennoch ein Teil der Arbeit von Lilly Arnold. Sie möchte in ihrem Entwurf Einzimmerwohnungen in den Gebäuden der Matthäuskirche integrieren. Die Arbeit habe sich teilweise schwierig gestaltet: "Die aktuellen Unterlagen der Gebäude sind nicht gut aufbereitet", nennt sie die Herausforderung ihrer Arbeit.

Immobilien sind momentan die Währung schlechthin

"Die Gemeinden waren ständig mit im Dialog. Die Studierenden waren vor Ort und haben sich die Gegebenheiten betrachtet", sagt Schalla. "Ziel war es eine Nutzung zu finden, die der Kirche entspricht", erklärt die Studentin Anna Grimm die Herangehensweise an ihre Arbeit. 

Die Gebäude sollen, wenn möglich, im Besitz der Kirche bleiben. "Verkaufen wäre das Einfachste. Ist aber das Letzte, was wir wollen", stellt der Dekan Thomas Schalla klar. "Immobilien sind momentan die Währung schlechthin. Die Interessenten kreisen um potenzielle Gebäude", ergänzt Ludwig Wappner, Leiter des Fachgebiets Baukonstruktion am KIT, im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die im Anschluss an die Vernissage durchgeführt wurde. 

Vernissage Architekturschaufenster
Großes Interesse bei Eröffnung der Ausstellung. | Bild: Thomas Riedel

Tanzen in der Kirche

"Kirchen sind keine Wohnzimmer, sondern Orte der Begegnung. Die sakrale Bedeutung darf bei einer Zweit- und Drittnutzung nicht verloren gehen", stellt Schalla klar. Wie es gehen könnte, zeigt ein Beispiel aus Mannheim: Die Anwohner rund um die Trinitatiskirche in der Mannheimer Innenstadt sind heute eher nichtchristlicher Herkunft. Der demografische Wandel machte dort das Gotteshaus überflüssig. Nun wird dort das Tanzbein geschwungen. 2015 gab es einen Wettbewerb zur Umnutzung der Kirche. Diesen gewann das Mannheimer Tanzhaus, das seitdem dort ihre Aufführungen präsentiert.

Bei der Vernissage war auch Anke Karmann-Wössner, Leiterin des Stadtplanungsamts Karlsruhe. "Die Kirche muss sich von Liegenschaften trennen. Diese Flächen könnten dann insgesamt für den Wohnungsbau genutzt werden. Gespräche zwischen Stadt und Kirche finden zweimal jährlich statt", sagt sie nach der Veranstaltung gegenüber ka-news. "Wir könnten relativ schnell neue Wohnbauprojekte entwickeln", blickt Karmann-Wössner in die Zukunft. 

Vernissage Architekturschaufenster
Anke Karmann-Wössner, Leiterin des Stadtplanungsamts Karlsruhe, bei der Vernissage im Architekturschaufenster. | Bild: Ingo Rothermund

Wie die Nutzung kaum genutzter kirchlicher Liegenschaften zukünftig dann wirklich aussieht, wird sich zeigen. Bislang handelt es sich bei den Entwürfen der Studenten nur um Idee. Ideen, die bis Mittwoch, 30. Januar, gezeigt werden. Bis dahin läuft die Ausstellung im Architekturschaufenster. 

Mehr zum Thema: 

Von Kirchen zu Kitas oder Vereinsräumen: Stadt prüft sinnvolle Änderung nicht genutzter kirchlicher Liegenschaften und Räumlichkeiten

Mehr zum Thema
Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (32)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    22.01.2019 09:47 Uhr
    Wie sieht
    es in den Kirchen eigentlich mit dem Brandschutz und der Energieeffizienz aus? Äusserst bescheiden, würde ich denken.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   linkesocke
    (98 Beiträge)

    22.01.2019 09:32 Uhr
    Insgesamt
    könnten sämtliche Flächen und Gebäude aller Kirchen sinnvoll genutzt werden, statt im 21. JH noch diesem bestenfalls mittelalterlichem Schwachsinn anzuhängen. Religionen und Kirchen dienen nur einem einzigen Zweck: Den Herrschenden eine Legitimation zu bieten und das Volk von eigenem Denken und Handeln abzuhalten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    27.01.2019 11:01 Uhr
    Nein
    denn das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit, zu der auch das Recht der Ausübung der Religion gehört. Und dazu braucht es Kirchen. Weniger, wie man sieht, aber trotzden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    22.01.2019 22:21 Uhr
    insgesamt
    Sorry es ist falsch, was hier geschrieben wird, es ist vielmehr richtig, dass immer noch sehr viele Menschen ein Bedürfnis haben nach Religion und Kirche.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    22.01.2019 23:43 Uhr
    Ja,
    das müsste aus den Köpfen raus, dieser Unsinn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Robert1959
    (1931 Beiträge)

    22.01.2019 09:05 Uhr
    Der größte Feind der Kirche ist der Neoliberalismus!
    Die Werte für Kirche und Familie sind nun der Wirtschaft unterworfen! Gerade die evangelische Kirche verzichtet auf ihre Feiertage wie der Buß- und Bettag oder den Reformationstag. Der eigentliche Grund dürfte der Personalmangel sein. Die evangelische Kirche ist eine freie Kirche und nicht dem Diktat von Rom unterworfen, deshalb trifft es die evangelische Kirche zuerst. Das Sterben begann schon in den 70er Jahren, wurde aber noch einmal durch die Einwanderer aus Südosteuropa zum Leben erweckt, aber nun kommen gegenwärtig Mohammedaner und die Missionierung versagt total! Die Kirche verliert an Glaubwürdigkeit, wenn man sieht, wie sie ihre Mitarbeiter durch das Kirchenrecht knebeln. Für die Ländereien hat die Kirche eine besondere Verantwortung. Sie darf nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen handeln, sondern muss sich an das Wohl der Gemeinde orientieren und das bedeutet auch die Umwelt mit einzubeziehen! Allerdings bezweifle ich, dass die Gemeinde befragt wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   aha
    (71 Beiträge)

    23.01.2019 18:00 Uhr
    Der größte Feind der Kirche ist die Kirche selbst
    Deshalb gehen auch die Mitgliedszahlen zurück.

    Peinliche Szenen, wie die, das Brustkreuz in der Öffentlichkeit abzulegen, zeugen von innerem Verfall.

    Jetzt auch noch den Gemeindemitgliedern die Kirchen wegzunehmen, dürfte die nächste Austrittswelle auslösen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   sabba
    (410 Beiträge)

    21.01.2019 18:53 Uhr
    Auflösen
    Kirche auflösen, dass die Lösung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Lipa
    (813 Beiträge)

    22.01.2019 22:23 Uhr
    auflösen
    Jesses Maria.. Blasphemie
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   nurdiewahrheit
    (222 Beiträge)

    21.01.2019 21:25 Uhr
    Kann man
    irgendwo dafür unterschreiben???? Und darüber hinaus auflösen der Konten mit Millionenvermögen. Tebartz van Elst lässt grüßen... Scheinheiliger Verein!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.