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Karlsruhe Angst vor der Bananenstadt: Karlsruhe sucht räumliches Leitbild

Ein Finale mitten im Prozess, ein Wettbewerb ohne Sieger - so endete die Planungswerkstatt "Räumliches Leitbild 2015" am Mittwochabend im Club "Substage". Bei der Veranstaltung präsentierten drei Stadtplanungsteams ihre jeweilige Vision davon, wie Karlsruhe in Zukunft aussehen könnte. Ein Beratergremium kommentierte die Ergebnisse vor Ort. Neben zahlreichen interessierten Bürger kamen unter anderem auch Oberbürgermeister Frank Mentrup als Schirmherr des Projekts und Reiner Nagel, Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur als Gastredner.

"Ich würde natürlich gerne Bürgermeister der alten Fächerstadt bleiben und nicht der einer Banane werden", sagte Mentrup bei seiner Rede in Anspielung auf die Form der Südtangente. Doch genau diese würden vielleicht besonders viele Menschen von außerhalb mittlerweile eher von der Stadt zu sehen bekommen. "Das zeigt, wie sich alte und neue Strukturen beißen können, und wie wichtig es deshalb ist, Leitplanken bei der Stadtplanung zu haben", so Mentrup.

Mit der S-Bahn in drei Minuten zum Ostbahnhof?

Ein Team, bestehend aus den beiden Karlsruher Büros "berchtoldkrass space&options" und "Studio . Urbane Strategien" sowie dem "Urban Catalyst Studio" aus Berlin, machte sich auf die Suche nach der Karlsruher DNA. "Wir haben dabei herausgefunden, dass die vermeintliche Fächerstadt eigentlich eine 'Sonnenstadt' ist - mit einem Zentrum, das in jede Richtung wirkt", so Martin Berchtold, der seine Gruppe bei der Veranstaltung im Substage vertrat.

Für die Zukunft schlägt das Team unter anderem einen durchgehenden grünen Ring rund um die innere Stadt vor, sowie eine "Mixed Zone" entlang der Südtangente: Hier soll sich weiterhin das Karlsruher Gewerbe konzentrieren, allerdings nicht mehr wie bisher allein in flachen Hallen und riesigen Parkplätzen. Stattdessen soll das Gebiet dichter und eben unterschiedlich bebaut werden - passend zur neuen Mischung von Hand- und Kopfarbeit.

Dazu gehört gerade hier auch ein Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, etwa mehr S-Bahn-Verbindungen und ein neuer Ostbahnhof auf Höhe der Durlacher Allee. So könne man dann vom Hauptbahnhof in nur drei Minuten zum Messplatz kommen. Unter dem Schlagwort "5-Minuten-Stadt" propagiert das Team insgesamt eine gute Erreichbarkeit aller wichtigen Orte in Karlsruhe.

"So etwas könnte zum Beispiel später durchaus eine Regel sein, wenn es darum geht, die abstrakten Ideen eines Leitbildes in konkrete Politik umzusetzen", so Stadträtin Bettina Lisbach von den Grünen und Mitglied der Beratergruppe für die Stadt. Das Gremium sieht in der Arbeit "wertvolle Vorschläge für den weiteren Prozess bei der Erarbeitung des Leitbildes" und lobte, dass ihre Pläne als einzige ohne den Verbrauch neuer Flächen auskommen würden.

Vom Albtraum zum Albraum?

Die beiden Berliner Büros sinai und Machleidt GmbH formten zusammen mit SHP Ingenieure aus Hannover ein weiteres Team. Im Mittelpunkt ihres Konzept steht der Dualismus Karlsruhes als eine einerseits "schöne Stadt", die eng mit der Landschaft verbunden sei und Wert auf ihre ästhetischen Qualitäten lege, gleichzeitig aber auch "prosperierende Stadt", deren Entwicklung auch mehr Flächen brauche - ein Zielkonflikt.

"Als Lösung schlagen wir Karlsruhe deshalb qualitatives statt quantitatives Wachstum vor", erklärt Benjamin Wille von der Machtleidt GmbH. Potential für Aufwertungen gebe es insbesondere in den Freiräumen der nördlich und südlich Randgebiete, die sich wie zwei Bänder um die Kernstadt legen. "Auch wir würden zum Beispiel das monotone Gewerbegebiet an der Südtangente umwandeln", so Wille.

Als besonders spektakulärer Vorschlag soll Karlsruhes berüchtigste Straße hier auf Höhe der Günther-Klotz-Anlage wie mit einer Landschaftsbrücke überbaut werden, der "Albtraum" damit endlich zum Albraum werden. Der Hardtwald könnte mehr Lichtungen erhalten und dafür mit einem durchgehenden Waldpark in Ost-West-Richtung kombiniert werden. Platz für neue Wohn- und Arbeitsplätze wären laut Team nördlich des Rheinhafens möglich.

Auch "Nahverdichtung" - also mehr Wohnraum auf der gleichen Fläche - hält Wille prinzipiell für eine Lösung, "aber dann muss die Stadt als Ausgleich auch mehr in die öffentlichen Räume investieren." Das Beratergremium lobte die Teamarbeit für die "Formulierung einer tragfähigen Auslegeordnung für die Bewältigung des möglichen Wachstums durch Transformation."

Mehr Verkehrsanbindungen

Den Blick von ganz weit draußen lieferte das dritte Team mit den Büros "West 8" aus Rotterdam und "verkehrplus" aus Graz. So attestierte es Karlsruhe etwa hervorragende regionale und internationale Verkehrsanbindungen, aus denen aber auch noch mehr gemacht werden könne. "Uns ist außerdem aufgefallen, dass die Stadt zahlreiche Themen bereits gut angegangen ist, aber die stehen alle noch nebeneinander", sagt Christoph Elsässer von West 8.

Jetzt müsse man sich für bestimmte Wege entscheiden und darauf konzentrieren. Das Team selbst konzentrierte sich bei seiner Arbeit auf Mobilität als ein Schlüssel für die Entwicklung Stadt. Nicht zuletzt im Hinblick auf den Klimawandel solle Karlsruhe hier an Pionierleistungen aus der Vergangenheit anknüpfen.

Ist Karlsruhe zu autofreundlich?

"Man sollte den 'Zweiklang' aus ÖPNV und Fahrrad noch eindeutiger bevorzugen und nicht mehr alles für alle machen wollen", so Martin Frewein von verkehrplus. Er plädiert für "Kostenwahrheit" in der Innenstadt, wo parkende Autos sehr viel Fläche verbrauchten. "Schauen Sie in die Straßen - da stehen überall Autos", so Frewein.

Er kenne sonst keine Stadt in der Größe von Karlsruhe, die noch keine Kurzzeitparkplätze eingeführt habe. Mehr Bäume und Radwege auf Kosten von Platz für Autos sind nach Ansicht der Gruppe eine wichtige Infrastrukturmaßnahme, um etwa die Aufheizung in der Innenstadt zu verringern. Das Begleitgremium würdigte unter anderem das Aufzeigen der besonderen Stärken Karlsruhes und die Konsequenzen der Klimaanpassung.

"Gleichwohl wird etwa die Infrastruktur nur schwer in den Griff zu kriegen sein", meint Markus Neppl, Vorsitzender des Gremiums. Um welche Flächen es bei der künftigen Gestaltung der Stadt insbesondere gehen könnte, lasse sich anhand von Überschneidungen aller drei Teams bereits gut erkennen. Freiräume seien ein insgesamt starkes Thema gewesen, so sein Resumee weiter.

Leitbildentwurf soll bis 2015 vorliegen

In der nächsten Projektphase will die Stadt aus dem Input der Planungswerkstatt nun mithilfe ihrer eigenen Berater bestimmte Ideen herauskristallisieren und weiterverfolgen, die Bürger sollen daran nach wie vor beteiligt werden. Bis zum Stadtgeburtstag 2015 soll dann ein Leitbildentwurf vorliegen.

"Ich plädiere dabei zum Einsatz sowohl von Logik als auch Bauchgefühl", so Mentrup. Heimatgefühl sei ebenso wichtig wie die Offenheit für Veränderungen. Die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten aller drei Teams werden vom 24. bis 28. Juni im Architekturschaufenster, Waldstraße 8, ausgestellt, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten zum "Räumlichen Leitbild Karlsruhe 2015" gibt es im Internet unter www.karlsruhe.de/raeumlichesleitbild2015.

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    unbekannt
    (103 Beiträge)

    10.06.2014 09:31 Uhr
    Straßenrückbau
    Ich finde sowieso, dass wir die Südtangente einspurig zurückbauen sollten. Mit Fahrradstreifen versteht sich. Oder wir stellen ein paar Bäume drauf. Dann taugt sie doch als wunderbarer Kurzzeitparkplatz. Aus der Günther-Klotz-Anlage machen wir eine riesige Fahrradvermietstation. So muss man mit dem Auto gar nicht mehr nach Karlsruhe reinfahren, sondern kann direkt sein Auto statt im Stau im Schatten stehen lassen und mit dem Rad oder der Gondoletta auf der Alb durch Karlsruhe seine Runden ziehen. Straßen in Karlsruhe reissen wir alle auf und lassen Gras drüber wachsen. Wahnsinnsidee, oder?! Und dafür brauchen die ne Ideenwerkstatt. Hätten se mal mich gefragt... xD
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  •   de.schwule.sascha
    (197 Beiträge)

    09.06.2014 15:48 Uhr
    Wie löst man in Karlsuhe Probleme?
    Antwort:
    HA WAS ISCH LOS
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (325 Beiträge)

    09.06.2014 13:34 Uhr
    was für e gschwalle
    Des isch doch net zu ertraage.. solle liewer mol was arbeite gehe statt do irgenden Käs zu fabriziere.. unn e gscheide Nordtangente muß au her, am beschde von Eggene durch de Hardtwald, an de Waldstadt vorbei uffd A5! Unn uff de anner Seit über de Rhein.. des wär mol was.. unn die schwalle do von Kurzzeitparkplätz.. a meinsch, ich fahr wege 10 Minute in'd Stadt? Do kennt ma sich doch grad widda uffreege
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  •   rheiniheini
    (1455 Beiträge)

    09.06.2014 13:51 Uhr
    Eggeschtoi
    mittlerweile muss sich jeda entschuldige, der mitm Auto fahre tut. HAsch des noch net kapiert? Des isch BÖSE!
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    unbekannt
    (325 Beiträge)

    09.06.2014 14:01 Uhr
    okay
    ich entschuldig mich hiermit, daß ich die Kallsruher mit Abgase belaschde tu.. aba würds ich net mache, würds en annerer mache.. außerdem hätte ma koi so scheens Wetter heit, würd jeder mitm Fahrrad fahre..
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  •   brendawalsh
    (14 Beiträge)

    09.06.2014 13:49 Uhr
    Am beschde wärs ...
    Du dädsch in Eggstoi bleibe. Dann dädsch unser Stadt ned mit deim Audo belaschde.
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    unbekannt
    (325 Beiträge)

    09.06.2014 13:58 Uhr
    was regsch dich uff?
    soll koiner mehr in de Stadt oikaufe gehe? Aba dann mache die fünf normale Läde au noch zu, des weisch?
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  •   silberahorn
    (11034 Beiträge)

    09.06.2014 09:48 Uhr
    Räume sind spannend
    Karlsruhe hat viel zu bieten, wenn man sich mit Perspektiven beschäftigt. grinsen


    = Gauselmanns Leidbild
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    09.06.2014 08:13 Uhr
    CONCEPT-LESS
    Karlsruhe hat aus dem Wegzug von L'Oreal nach Düsseldorf und dem Wegzug von Pfizer nach Düdo nichts gelernt. Man siedelt prekäre Branchen wie Möbel und Logistik an, obwohl man eigentlich keine Flächen hat. Das mit den Autos wurde richtig erkennt, der Karlsruher hat seine bekackte Straba, fährt aber trotzdem mit dem Auto überall hin. Die Bimmeln sind mit wenigen Ausnahmen ja auch stetig leer. Warum? Weil das Netz Scheisse ist und man 70 mal umsteigen muss. Nach Heilbronn braucht so ein Blechkasten 90 Minuten, das ist traurig. Das Ghetto City Park sieht bereits nach einem Jahr aus wie ein türkischer Autohandel. Und das lässt sich die Stadt nicht mal gescheit bezahlen...
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    unbekannt
    (325 Beiträge)

    09.06.2014 13:39 Uhr
    weil..
    ich für so e Ticket mit Hin- unn Rückweg um die 7 Euro bleche müßt? Unn nomol 4 Euro für de Hund? Des wäre 11 Euro.. unn wenn i noch mei Frau mitnemm, simmer bei knapp 20 Euro..

    Do müßt ich doch blemm blemm sei, um mich fir des Geld in so e schtinkige Blechbüchs zu hocke, mit 200 Stinker drumrum wo sich'd hälft net wascht, wo Bierflasche vom Vorabend uffm Sitz liege..

    Do steig i in mei Kaare, die steht uffm Privatparkplatz, fahr los, mach Klimaanlaag an unn wenn i Pech hab steh i halt e halbe Stunde im Stau.. do her i dann mei oigne Musik im Auto unn net "bumm bumm balla balla bumm" von so e paar gschdörte uff de oine Seit unn von de anner Seit "ey hasch e Problem, willsch uffd Fress, alta!".. vorher zahl i 50 Euro Parkgebühr bvor isch ma des aantu..
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