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Karlsruhe Ende der Skatenite: "Es geht auch ohne Polizei!"

Mit dem Aus der Skatenite gibt es in Karlsruhe ein Kult-Event weniger: Über die Gründe wird derweil fleißig spekuliert, in Foren und sozialen Netzwerken wird der Polizei der schwarze Peter zugeschoben. Die weist die Vorwürfe zurück und sagt: Die Skatenite könnte noch stattfinden.

In der vergangenen Woche wurde das Aus der Karlsruher Skatenite bekannt. Der Veranstalter, der Stadtjugendauschuss Karlsruhe, meldet sich bislang nicht offiziell zu Wort. Fest steht: Die Polizei wird die Inliner-Outdoor-Veranstaltung personell nicht länger unterstützen können: Das Innenministerium habe alle Dienststellen aufgefordert, ob und welche Maßnahmen bei Veranstaltungen noch von der Polizei durchgeführt werden müssen, heißt es im Gespräch mit ka-news. Dabei geht es ausschließlich um Maßnahmen zur Verkehrssicherungen bei planbaren Veranstaltungen - sprich Absperrungen von Straßen.

Diese gehören nicht zu den polizeilichen Aufgabenfeldern, müssen also nicht von der Polizei durchgeführt werden. Aufgrund zunehmender Überstunden und Arbeitsbelastung analysiere man genau, in welchen Bereichen die Polizei eingesetzt wird, wo sie laut Gesetz nicht zuständig sei. "Für die Verkehrssicherung ist der Veranstalter zuständig", sagt Joachim Zwirner. Er ist zuständiger Leiter des Referats Verkehr im Polizeipräsidium Karlsruhe. Und weiter: "Die Absperrungen, die bisher von der Polizei bisher geleistet wurden, können auch durch die Stadt Karlsruhe oder den Veranstalter durchgeführt werden."

"Polizei muss mehr sein als Straßensperre"

Die Polizei habe sich in den vergangenen Jahren bereits schrittweise aus der Verkehrssicherung der Skatenite zurückgezogen, so Zwirner. "Die Erprobung der letzten Skatenites haben gezeigt, dass es auch ohne Polizei geht", sagt Zwirner gegenüber ka-news, " natürlich müssen die Kräfte, die die Polizei bisher gestellt hat, jetzt woanders herkommen."

Bei Streckenführung und Platzierung der Ordner stehe die Polizei den Veranstaltern weiterhin beratend zur Seite, nur als Absperrkegel werde man nicht mehr fungieren, so Zwirner. Die Fokussierung auf polizeiliche Aufgaben sei auch den Erwartungen der Bevölkerung geschuldet: "Angesichts des Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung muss die Polizei mehr sein als nur Straßensperre", sagt Zwirner.

Veranstalter müssen mehr investieren

Die Skatenite führte in den vergangenen Jahren auch durch die Karlsruher Innenstadt. Damit die mehreren hundert Teilnehmer auf ihren Inline-Skates sicher rollen konnten, wurden entsprechende Straßenabschnitte während der Veranstaltung für den Autoverkehr gesperrt. Zeitweise geschah die Absperrung durch Polizeibeamte auf dem Motorrad, wurde jedoch zunehmend durch Ordner oder Absperrelemente wie Leitkegel oder rotweiße, leicht transportable Schrankenelemente ersetzt. "Diese bieten auch eine höhere Sicherheit", so Zwirner, "die Hemmschwelle der Autofahrer eine solche Sperre zu durchfahren, ist höher."

Die Skatenite ist nicht die einzige Veranstaltung, welche künftig nicht mehr von der Polizei verkehrlich gesichert werden: Auch anstehende Lauf-Events wie beispielsweise der Baden-Marathon im September werden verstärkt in zusätzliche Ordner oder Verkehrssicherungsmaßnahmen investieren müssen.

Dass es auch ohne Polizei klappen kann, zeigte das Fahrradfestival am vergangenen Wochenende: Die Fahrten der historischen Räder durch Karlsruhe wurden vom Veranstalter selbst gesichert. "Aus unserer Sicht kann die Skatenite stattfinden", stellt Zwirner klar. Lediglich die Ressourcen für die Verkehrssicherung müssen vom Veranstalter oder der Stadt Karlsruhe bereitgestellt werden.

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  •   peddersenn
    (986 Beiträge)

    30.05.2017 10:07 Uhr
    Die Fokussierung auf polizeiliche Aufgaben ....
    ...sieht man an jedem Bundesligaspieltag. Dagegen ist das bisschen Skatenight wohl Pillepalle - und weitaus unterstützenswerter. Schließlich gehts da auch ein wenig um Bewegung und um Gesundheit der "gemeinen Masse" grinsen

    Was wird denn, wenn sich die Tour de France , der Baden Marathon und andere Veranstaltungen wieder ansagen?
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  •   bingobongo
    (279 Beiträge)

    30.05.2017 15:19 Uhr
    Private Sicherheitsdienste können das auch machen
    Man sieht es immer wieder, da wird die Polizei für Privatevents mißbraucht, andererseits wird auch mal eben die Feuerwehr für irgendwelchen Scheiß herangezogen, einfach "weil sie da sind".

    Da kommen auch die Ordnungsämter auf den Dörfern schnell auf die Idee, ordnen wir doch am Wochenende einen Feuerwehreinsatz an, die sind doch dann eh daheim udn kosten nix. Aber unter der Woche tagsüber würde das dann wieder niemandem einfallen, weil da kosten die ja Arbeitsausfall bei ihrem Arbeitgebern....

    Siehe Iron Man Kraichgau. Straßensperren machen die unterstützenden Kommunen. Mit ihren Feuerwehren. Die kriegen dann ein T-Shirt und ein paar Euro für Verpflegung und das wars. Und die Veranstalter sahnen kräftig ab.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    30.05.2017 13:47 Uhr
    Also zumindest
    die Tour ist schon was Besonderes für das die Polizei mit Sicherheit Zeit hätte.

    Das Problem ist eben, dass sich bei der Skatenite ein ziemlicher Lindwurm mit teils hoher Geschwindigkeit auf einem Terrain bewegt wo er nicht hingehört. Wenn hier von privater Seite Strassen gesperrt und überwacht wird könnte das sehr schnell ein Haftungsproblem geben wenn was passiert.
    Desweiteren sind ja solche Strassensperren, auch wenn sie vergleichsweise kurz sind, von Autofahrern nicht gerne gesehen und für mich macht es natürlich schon einen Unterschied ob die Polizei zu mir sagt 'Du darfst jetzt hier nicht durch' oder ob da irgendein Hansel steht der mir im öffentlichen Raumüberhaupt nichts zu sagen hat. Also da ist der Stress vorprogrammiert.
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  •   peddersenn
    (986 Beiträge)

    30.05.2017 15:23 Uhr
    nun...
    ...wenn mir bei ner Veranstaltung irgendjemand bedeutet, daß man da nicht durch darf o.ä. dann folge ich dem. Egal, ob das ein Poizist oder ein Zivilist ist. Weil man manche Dinge eben auch einsieht im menschlichen Miteinander.

    Wenn ich beim Standaufbau einem Passanten "Achtung, mal zurückbleiben" zurufe, weil ich jetzt die große Stange rumschwenke, erwarte ich keine Diskussion, ob ich dazu befugt bin. Und es gibt auch keine.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    31.05.2017 02:35 Uhr
    Hier gebe
    ich dir durchaus auch recht. Ist halt alles eine Frage der Abwägung.

    Ich habe übrigens heute zwei Radfahrer und einen Fussgänger durchgewunken, das ist gut fürs Karma. Prompt hat mich ein anderer Autofahrer angeblitzt ich solle durchfahren, obwohl nicht vorfahrtberechtigt und auch nicht hindernd. So funktionierts. grinsen

    Und natürlich kann mich auch der private Sicherheitsdienst stoppen, das ist dann eben so. Aber das sieht eben nicht jeder so locker. Wenn du da an den Falschen kommst gibts Stress. Mit mir gibts keinen Stress wegen solchen Petitessen. Also da müsste ich schon wahnsinnig eilig irgendwo hinkommen wollen, aber wann ist das ernsthaft der Fall?
    Da müsste ich schon die Nachricht bekommen haben, dass meine Frau nach einem schweren Unfall ins Krankenhaus gekommen ist oder mein Vater im Sterben liegt. Und dann hält mich auch die Polizei nicht auf.

    Quintentenz(wie mein Hausverwalter immer sagt): Leben und leben lassen.
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  •   Route66
    (1765 Beiträge)

    30.05.2017 13:41 Uhr
    Sport ist Sport oder?
    Für KSC ist immer genügend Personal da. Oder für die Randale die jetzt am Samstag in Durlach ansteht.
    Grundsätzlich sollten sich die Veranstalter an den Kosten beteiligen. Punkt.
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  •   lynx1984
    (3175 Beiträge)

    30.05.2017 09:46 Uhr
    Ehrenamt!
    Die SkateNight fußt auf dem Ehrenamt.
    Da ist ein Chris Marmann, Angestelter beim Jubez mit im Organisationsteam der SkateNight. Alle anderen sind im Ehrenamt für die SkateNight "tätig". Gleiches gilt für die Ordner. Die Absperrungen durch die Organisatoren bringen zusätzliche Kosten mit sich, denn im Gegensatz zu einer regulären Veranstaltung ist die SkateNight nun mal im rasenden Tempo durch Karlsruhe unterwegs. Also wie bei einem 08/15 Straßenfest Schilder bei der Stadt holen, absperren und nach 2 Tagen wieder die Absperrung zurück bauen ist einfach nicht. Es braucht also mindestens 2 Begleitfahrzeugen nur für die Sperrung mit mindestens 6 Personen darin; realistisich dürften es aber eher noch mehr Personen sein. Das alleine ist für die SkateNight Organisatoren schon kaum machbar. Weil Eintritt wird niemand für das Event zahlen wollen...
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  •   andip
    (9772 Beiträge)

    30.05.2017 15:29 Uhr
    In der heutigen BNN steht dazu
    dass der Veranstalter bereit war, solche kurzfristigen temporären Sperrungen des fliessenden Verkehrs mit eigenen Leuten durchzuführen.
    Aber der KOD war dagegen, der verlangte, dass die gesamte Strecke lange im Voraus zu sperren sei. Und das ist unzumutbar, insbesondere für den normalen Verkehr.
    Allerdings versucht der Veranstalter noch, trotzdem das Recht auf solche kurzfristigen Sperrungen zu bekommen.
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  •   ralf
    (3666 Beiträge)

    30.05.2017 13:37 Uhr
    Eintritt wird Niemand zahlen wollen?
    Aus meiner Sicht gäbe es doch gegenüber der Alternative mit der Fahrt nach Ludwigshafen oder Mannheim viel Spielraum für einen Eintrittspreis. Ich finde zwar eine soziale Lösung, an der Alle teilnehmen können, besser. Aber bevor ich mich ins Auto setze und die Region verlasse, zahle ich doch lieber für ein Teilnahmebändchen.
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  •   ka-lex
    (1642 Beiträge)

    30.05.2017 08:57 Uhr
    Wenn man seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann/will/darf
    sollte man das auch so sagen, und nicht um den heißen Brei rumreden!
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