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Karlsruhe ka-news erklärt: Vögeln, Ficken, Bumsen - woher kommt das eigentlich?

"Hallo Herr Fischer, ich möchte ihre Tochter zum Fischen abholen." "Sie irren sich, ich heiße doch Vogel." "Das weiß ich, aber ich wollte nicht zu direkt sein." - Dieser Witz macht deutlich, welchen eindeutigen Sinn das Wort "Vögeln" hat. Aber die Frage ist eigentlich, woher kommt diese Bedeutung? ka-news hat nachgeforscht, was Worte wie "Vögeln", "Ficken" und "Bumsen" eigentlich bedeuten. Lassen Sie sich aufklären!

Deutschland ist bekannt als das Land der Dichter und Denker. Ein Image, das man gerne auch nach außen transportiert. Doch haben die großen Literaten immer die große Kunst zu Papier gebracht? Oder hatten die Menschen auch schon vor Jahrhunderten ein schmutziges Mundwerk?

Schon zu Johann Wolfgang von Goethes Zeiten gab es vulgäre und obszöne Ausdrücke. Bestes Beispiel: Im Goethes Stück "Götz von Berlichingen mit der eisernen Faust" taucht das Sprichwort "im Arsche lecken" auf. Man nahm also schon damals kein Blatt vor den Mund. Auch in Sachen Sex war Goethe recht unverblümt, um nicht zu sagen direkt.

Schon zu Goethes Zeiten benutzte man das Wort "Vögeln"

Der große Literat Goethe erfand das Wort zwar nicht, benutzte es aber wie unsereins heutzutage: Vögeln. Der Hautcharakter Hanswurst in Goethes Satire "Hanswursts Hochzeit - oder Der Lauf der Welt" will nur aus einem Grund die Ehe mit Ursel Blandine schließen: Er möchte möglichst viel einfachen und legitimen Sex haben können. So dichtet Goethe Hanswurst die Worte in den Mund: "und hinten drein komm ich bey nacht und vögle sie, das alles kracht."

"Das Wort 'vögeln' ist schon sehr lange im Gebrauch", erzählt Christian Götz, Germanist und Mediävist an der Karlsruher Hochschule für Technik (KIT). Götz erforscht unter anderem die Geschichte und die Etymologie (Wortherkunft) der Sprache. Er kennt sich also in der deutschen Sprache aus und weiß, wieso sich unsere Sprache so entwickelt hat, wie sie es getan hat. "Schon im Mittelhochdeutschen würde das Wort benutzt", sagt er weiter, "Das Wort 'Vögeln' ist keine blumige Umschreibung für Geschlechtsverkehr - weder damals noch heute."

Vielmehr sei es eine Übertragung gewesen. Man hätte früher mit dem Begriff "vogelin" die Begattung der Hühner bezeichnet. Später hätte man den Begriff dann auch auf den menschlichen Fortpflanzungsakt angewandt. "Mehr steckt eigentlich nicht dahinter", so der Experte.

Im Mittelalter "vögeln" adelige Damen

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, wie das Wort "Vögeln" entstanden ist: Im Mittelalter stellten gut betuchte adelige Damen den Käfig mit ihrem Singvogel auf die Fensterbank, um ihren Liebhabern zu signalisieren, dass sie jetzt zum Stelldichein kommen könnten. Nun wusste der Liebhaber, dass er "zu den Vögeln gehen" sollte, musste oder durfte. Daraus entwickelt sich dann das geflügelte Wort "Vögeln". 

"Das ist keinesfalls belegt und ich halte das eher für ein Gerücht", sagt der Sprachexperte. Man wisse zu wenig über die mittelalterlichen Gepflogenheiten, wenn es um heimlichen Geschlechtsverkehr ginge. "Unmöglich ist es aber nicht", gibt Götz zu. Denn das Federvieh ist ein symbolträchtiges Tier: "Der Vogel ist ein viel benutztes Symbol in der Literatur. Er steht für Freiheit, Hoffnung und Zuversicht, kann aber auch den Geschlechtsakt zweier Liebenden andeuten. Dafür gibt es viele Belege in der Literatur", meint Götz und bezieht sich damit zum Beispiel auf deutschsprachige Lyriker wie Walther von der Vogelweide (*1170 bis 1230), der in seinen Liebesgedichten die Vögel über den Verliebten zwitschern lässt.

"Ficken" ist eigentlich nicht vulgär

Nicht immer hatte das Wort "Ficken" einen so vulgären Sinn. Im 12. Jahrhundert, im Althochdeutschen, hatte es lediglich die Bedeutung sich hin- und her zu bewegen beziehungsweise ein schnelles Reiben. "Die Menschen haben lediglich die Bewegung auf den Geschlechtsakt übertragen. Ursprünglich handelte es sich dabei um kein vulgäres Wort", so Götz. Zugleich bedeutet "Ficke" auch "Tasche". Teilweise benutzt man das Wort noch in einigen deutschen Dialekten, es ist aber, auf Grund der obszönen Bedeutung für Geschlechtsverkehr, zunehmend aus dem täglichen Sprachgebrauch verbannt worden.

Einige Wörter haben im Laufe ihrer Zeit neue Bedeutungen dazu bekommen oder haben sich ganz in ihrem Sinn gewandelt. Auch bei der mittelalterlichen "Minne" (Liebe) hat sich die Bedeutung nach und nach verschoben. "Zunächst war damit ein ehrenvolles Andenken gemeint, vor allem die Liebe zu Gott. Erst durch die Jahre hinweg hat sich aus der Liebe zu Gott eine Liebe zwischen Menschen entwickelt", erklärt der Sprachexperte.

 

Beim Sex knallt, bumst und rumst es

"Die Wörter 'Rumsen'  und 'Bumsen' sind neuere Wörter", erklärt Götz. Auffällig ist bei diesen Begriffen  vor allem, dass sie eine lautmalerische Funktion haben. Das sei bei vielen Wörtern für Sex so, erklärt er. Ob nun "Knattern", "Nageln", "Knick Knack" oder "Knallen" - alle Umschreibungen simulieren lautmalerisch Sexgeräusche beziehungsweise suggerieren zugleich eine Bewegung. "Man sagt ja heute schließlich noch: Das war aber ein lauter Bums, Knall oder Rums. Damit beschreibt man eigentlich nur ein Geräusch, welches lautmalerisch nur den Geschlechtsverkehr andeutet", meint Götz.

In den 1930er Jahren wurde das Wort "Rumsen" für Sex benutzt. In den 1960er Jahren wurde es dann von "Bumsen" abgelöst und in den 1990er wurde "Poppen" richtig populär. Dieses stammt übrigens wahrscheinlich aus dem Ruhrdeutschen und hat eigentlich die Bedeutung "Stopfen". Daraus entwickelte sich wohl dann ein Synonym für "miteinander schlafen" ab, welches seit den 1990er Jahren geläufig ist.

Auch das Wort "Pimpern" stammt eigentlich aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet "Klappern". Es handelt sich also dabei um keine moderne Jugendsprache oder um Worte, die durch amerikanische Rapper oder MTV-Shows bekannt wurden. Im Englischen heißt "to pimp" eigentlich "aufdonnern" und "aufmotzen". Dagegen ist im Englischen "pimp" als Substantiv zu übersetzen mit Zuhälter. Also ist auch dort diese Verbindung heraus zu lesen. Jede Generation scheint ihr Modewort für Sex zu haben. Aber es gibt eben auch Evergreens, die nie aus der "Sexmode" kommen.

Sorgen Internet-Pornos für eine Krise bei den Karlsruher Sexshops, wie wehrt man sich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, und warum gibt es für kaum etwas so viele unterschiedliche Bezeichnungen wie für den menschlichen Beischlaf? Unter dem Motto "Let's talk about Sex - in Karlsruhe" werden wir in den kommenden Wochen in loser Folge über diese und weitere Themen berichten. Einen ersten Überblick zu dem Thema gibt es in unserem Dossier.

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Kommentare (19)
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  •   Hexenbesen
    (1545 Beiträge)

    10.07.2012 10:31 Uhr
    Wieso
    erscheint dieser Artikel vom 12.02.2012 heute plötzlich wieder?
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  • unbekannt
    (99 Beiträge)

    06.07.2012 14:31 Uhr
    rumrumsen
    das find ich gut...
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  •   mkalle
    (79 Beiträge)

    12.02.2012 19:14 Uhr
    Find ich gut
    Endlich mal Klartext. Guter Artikel.
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  •   Amiria
    (176 Beiträge)

    12.02.2012 18:26 Uhr
    You Made My Day!
    Danke, liebe Redaktion, das ist mal ein erfrischender Sonntagsbericht grinsen
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  •   ALFPFIN
    (6736 Beiträge)

    12.02.2012 16:45 Uhr
    So ratlos
    wie der Vogel oben guckt, weiß der das auch nicht, wo das alles
    herkommt. Da muss man ganz andere Vögel fragen.
    grinsen

    Nun ja, ka-news recheriert ja schon.
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    12.02.2012 17:38 Uhr
    Vielleicht war ja...
    die Expertin Anna L. artikelbegelitend tätig. zwinkern
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  • unbekannt
    (21 Beiträge)

    13.02.2012 09:32 Uhr
    Unsere liebe Anna L. :D
    "Rumsen" find ich übrigends ziemlich nice zwinkern
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    13.02.2012 09:52 Uhr
    Jetzt wissen wir auch...
    wo er... sagen wir mal.... "herkommt". zwinkern
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    12.02.2012 17:52 Uhr
    Die hat
    bestimmt immer 'Gleitzeit'.
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  • unbekannt
    (588 Beiträge)

    12.02.2012 15:00 Uhr
    so,so ...
    Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
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