Karlsruhe Sexuelle Belästigung in Karlsruhe: Blondinenwitz - schon eine Straftat?

Ob #aufschrei oder das Belästigungsvideo der amerikanischen Schauspielerin Shoshana Roberts - immer wieder kocht das Thema sexuelle Belästigung hoch. Meist herrscht in vielen grundlegenden Fragen Uneinigkeit. Aber wann wird eine plumpe Anmache zum strafbaren Eingriff in die Intimsphäre? Und wie kann man sich als Betroffener wehren? ka-news hat bei einer Expertin nachgefragt.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz definiert sexuelle Belästigung als "unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten". Hierzu zählen auch unerwünschte sexuelle Handlungen, Aufforderung zu diesen, bestimmte körperliche Berührungen oder Bemerkungen sexuellen Inhalts.

Ob nun ein eindeutiger Blick in den Ausschnitt, eine Berührung oder ein anzüglicher Witz - grundsätzlich gilt: "Entscheidend für eine Belästigung ist, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird",  erklärt Iris Tischler, Diplompsychologin beim Karlsruher Wildwasser Frauennotruf. 

Auch Männer kämpfen mit Belästigung im Alltag

Und genau hier liegt das Problem: "Wo sexuelle Belästigung im Alltag beginnt, ist nicht immer eindeutig, denn jeder setzt seine persönlichen Grenzen anders", so Tischler. So werde beispielsweise körperliche Nähe unterschiedlich wahrgenommen. Ähnlich verhalte es sich beim Streitthema "Frauenwitze": "Manche Frauen können hier mitscherzen oder kontra geben, andere hingegen können mit sowas weniger gut umgehen", meint die Expertin. Etwas zu sagen wäre allerdings nicht immer leicht: "Viele haben Angst, 'prüde', 'Zicke' oder 'Emanze' genannt zu werden." 

Doch auch Männer hätten im Alltag mit Belästigung zu kämpfen. "In den meisten Fällen sind Frauen Opfer von sexueller Belästigung. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass auch Männer betroffen sind", erinnert die Psychologin. Tatsächlich würden auch Männer Belästigungen, vor allem am Arbeitsplatz, häufig erleben. Gleichzeitig werde dies nicht immer wahrgenommen. "Von Männern wird erwartet, dass sie mit solchen Dingen umgehen können", erzählt Tischler. Viele Betroffene, egal ob männlich oder weiblich, würden dann defensive Strategien nutzen, indem sie die Belästigung verharmlosen, ignorieren oder die betreffenden Personen meiden. 

Klare Ansagen gegen Leidensdruck

Dabei kann sexuelle Belästigung langfristige Folgen haben. "Grundsätzlich leidet bei Belästigungen am Arbeitsplatz immer die Arbeitsfähigkeit des Betroffenen", so die Diplompsychologin "je nach Intensität sind aber auch gesundheitliche Probleme möglich. Ich habe sogar schon erlebt, dass manche sogar ihren Beruf deswegen aufgegeben haben."

Aber was hilft gegen unerwünschte Berührungen oder Sprüche? Der Rat der Expertin: "Man sollte seine persönlichen Grenzen klar und deutlich aufzeigen - und das am besten von Anfangen an." Sollte das nicht helfen, rät sie Betroffenen dazu, Details und mögliche Zeugen in einem Tagebuch festzuhalten. Ebenfalls hilfreich sei es, vertraute Personen anzusprechen und gegebenenfalls Erfahrungen auszutauschen. 

Versetzung, Abmahnung und Kündigung möglich

Außerdem: "Der Arbeitgeber hat nach dem Gleichbehandlungsgesetz die Pflicht, erforderliche Maßnahmen zum Schutz vor Belästigungen oder Benachteiligungen zu treffen", meint Tischler. So müsse es beispielsweise Ansprechpartner in den Betrieben geben. Geht eine Beschwerde ein, liegt die Beweislast laut Gesetz dabei beim Beschuldigten. "Im schlimmsten Fall können dann Versetzung, Kündigung oder Abmahnung drohen", 

Prüft der Arbeitgeber eine Beschwerde allerdings nicht oder ergreift ungeeignete Maßnahmen, sei es dem belästigten Mitarbeiter sogar erlaubt, die Arbeit niederzulegen - "das nennt man dann Leistungsverweigerungsrecht", erklärt die Psychologin, "im Einzelfall hat der Betroffene dann sogar Anspruch auf Schadensersatz." 

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