46  

Karlsruhe Sexgewerbe in Karlsruhe: Ein normales Leben ist für eine Prostituierte kaum möglich!

Nachdem die Stadt Karlsruhe sich Mitte Oktober zufrieden mit der seit rund einem Jahr geltenden Sperrbezirksverordnung gezeigt hat, äußert das Diakonische Werk Karlsruhe im Gespräch mit ka-news auch Kritik. Aus Sicht der Anwohner seien vielleicht einige Probleme geklärt, aber die Situation der Prostituierten sei noch verbesserungswürdig. Ein normales Leben sei mit ihren Arbeitsumständen kaum möglich.

Die Geschäfte der Prostituierten haben vor etwa zwei Jahren für viel Aufregung in der Fächerstadt gesorgt.Grund hierfür waren unter anderem die Hinterlassenschaften, wie Kondome in der Hecke, zerknüllte Tücher auf dem Spielplatz, aber auch aufgebrochene Hütten in der näheren Umgebung. Aber auch die Ausübung ihrer Tätigkeit in Sichtnähe von Kindergärten oder Schulen.

Eine neue Sperrbezirksverordnung soll seit 2015 dafür sorgen, dass die Geschäfte der Damen in geregelten Bahnen verlaufen. Unter anderem wurden die Zeiten und das Gebiet, in dem sie ihren Dienst auf der Straße anbieten dürfen, genau festgelegt. Nach über einem Jahr zeigt sich die Stadt zufrieden mit dem Ergebnis der Verordnung.

Diakonisches Werk ist nicht ganz zufrieden

Doch nach der Berichterstattung meldet sich nun Hanna Lindenfelser vom Diakonische Werk Karlsruhe zu Wort. Sie ist dort in der Beratungsstelle für Prostituierte tätig. Und aus ihrer Sicht läuft es auf dem Straßenstrich nicht wirklich rund. Eine Besserung für die Prostituierten ist durch die neue Sperrbezirksverordnung nur teilweise eingetreten.

"Durch die Einschränkung der Zeiten in denen Straßenprostitution erlaubt ist, kommt es unserer Einschätzung nach nicht mehr zu Verwechslungen von Sexarbeiterinnen und Passantinnen oder Mitarbeiterinnen angrenzender Geschäfte. Die Beschwerden, die bei der Stadt eingehen, sind deutlich zurück gegangen", fasst Lindenfelser zusammen.

In Bezug auf die Vermüllung hingegen, sei keine zunächst keine Besserung eingetreten. Auch, weil keine Möglichkeit zur Entsorgung, wie durch das Aufstellen von zusätzlichen Mülleimern, geschaffen wurde. "Manche sammeln den Müll jetzt selbst", so die Beraterin weiter.

Der Lebensumstand für die Frauen ist schwierig

Für die Frauen hätten sich die Arbeitsbedingungen laut Lindenfelser sogar erschwert: "Insgesamt sind weniger Kunden unterwegs, da Kunden nach Feierabend auf dem Heimweg nicht vorbei gehen können. Durch die Einschränkung der Zeit muss in weniger Stunden das Geld für den Lebensunterhalt erwirtschaftet werden."

Die Einschränkung, dass die Frauen nur noch nach 22 Uhr ihre Dienste anbieten dürfen, hätten zu einer Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus geführt. "Das ist für den Körper belastend und macht eine gesellschaftliche Teilhabe und Integration schwer realisierbar", so Lindenfelser weiter. Und zum anderen würde die Möglichkeit in brenzligen Situationen Passant um Hilfe abzusprechen.

Die Lebenslagen der Frauen, die im Sexgewerbe tätig sind, seien sehr verschieden. Es gebe Frauen, die keine Unterstützung benötigen, aber auch Frauen, die sich in einer prekären Situation befänden: "Ohne eigenen Wohnraum, Schwangerschaften ohne einen Vater benennen zu können und ohne Krankenversicherung sowie Familien, die versorgt werden wollen und nicht wissen was die Mutter arbeitet und nicht verstehen, wenn die Mutter kein Geld schicken kann", fasst die Beraterin beim Diakonischen Werk zusammen.

Menschenhandel auch in Karlsruhe ein Thema

Oftmals gibt es den Wunsch, eine andere Tätigkeit auszuüben, die aber dann an der Sprache oder an fehlenden Papieren scheitere. "Ein großes Problem besteht unserer Ansicht nach darin, dass Sexarbeiter häufig negative Erfahrungen machen, wenn sie sich outen. Verächtliche Kommentare, Freundschaften, die abgebrochen werden, Familienmitglieder, die sich abwenden, Unverständnis und Abwertungen", weiß Lindenfelser.

Genaue Zahlen, wie viele Frauen diesem Beruf nachgehen, gebe es bislang nicht. Auf dem Straßenstrich treffen die Berater zwischen 20 und 25 Frauen an, was auch der offiziellen Zahl der Stadt Karlsruhe entspricht. Die Polizei schätzt, dass parallel rund 250 Menschen der Sexarbeit nachgehen.

Die Gründe für die Arbeit als Prostituierte gebe es nach Auskunft der Beratungsstelle unterschiedliche Gründe: "Beraten und begleitet haben wir bisher sowohl Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen, die über einen Zuhälter oder Menschenhändler zur Prostitution kamen, viele Frauen, die sich aus wirtschaftlichen Zwängen prostituieren, sowie auch Frauen, die es als ihren Beruf oder eine gute Möglichkeit des Zuverdienstes ansehen", gibt Lindenfelser im Gespräch mit ka-news an.

Um eine Verbesserung der Situation für die Frauen zu erreichen, hofft Hanna Lindenfelser auf Hilfe von der Regierung und aus der Gesellschaft: "Wünschenswert wäre eine deutschlandweit einheitliche Regelung der Besteuerung und Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigkeiten. Und eine Gesellschaft, die Sexarbeiter wertfrei als Teil von sich versteht und dadurch Stigmatisierung abbaut."

Mehr zum Thema
Let's talk about Sex - in Karlsruhe: Sex, Sexualität und Erotik in Karlsruhe und der Region: angefangen von Themen wie der Erotikmesse Karlsruhe, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, dem Geschäft mit dem Sex bis hin zu Themen wie Pornos - ist die Jugend over-sexed und der Frage: wie wird man heutzutage eigentlich aufgeklärt?
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (46)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Befreier_0815
    (249 Beiträge)

    25.10.2016 18:24 Uhr
    Wer hier weiterredet entscheiden zum Glück nicht die Intolleranten!
    Habe doch klargemacht, dass ich auch innerhalb der Familie, jeden freiwilligen ausgeübten legalen Beruf akzeptiere!
    Die Betonung liegt auf freiwillig! Durch ein Verbot macht man auch die Freiwilligen arbeitslos oder drängt sie in die Illegalität ab.

    Es spricht schon für ihr hohes Maß an Toleranz, dass Sie Dinge die in ihrem Lebensmodell nicht vorgesehen sind, anderen verbieten wollen.

    Wichtiger wäre doch, Zwangsprostituierten eine Anlaufstelle zu schaffen, die Ihnen hilft und evtl. ein Recht auf Asyl für Nicht-EU-Bürger/-innen gesetzlich verankert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2715 Beiträge)

    26.10.2016 06:49 Uhr
    egal wie
    sachlich der vortrag erscheint - der Anteil "Freiwiliger" wird immer unterschlagen. Ich kannte früher übrigens "Freiwillige", weil ich ja immer wieder Prostituierte als Taxifahrer gefahren habe. Und ihre Kunden.
    Es war in den Jahren eine Frau dabei, die wie oben beschrieben, das völlig freiwillig getan hat. Ansonsten waren es immer Frauen, die irgendwie "mussten", in einem Fall Mutter und Tochter, die vom Vater auf den Strich geschickt wurden.
    Es gibt kein Recht auf Sex mit einer Frau oder einem Mann. Menschenhandel, Zwangsprostitution und Gewalt sind ausreichende Gründe, das zu verbieten. So naiv anzunehmen, dass sie dann ganz verschwinden würde, bin aber noch nicht einmal ich.
    Aber die Frauen nicht belangen und die Freier bestrafen - das ist genau der richige Weg.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Befreier_0815
    (249 Beiträge)

    26.10.2016 18:11 Uhr
    Also, Herr Rupp!
    Dann bin ich wohl auch ein Zwangsarbeiter! Ich bin gezwungen, da ich das Geld brauche.
    Wer würde noch arbeiten gehen, wenn man auch ohne gut leben könnte?
    Freiwilligkeit ist immer relativ....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betonmischer
    (262 Beiträge)

    25.10.2016 18:37 Uhr
    Treffer,
    versenkt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   orakelka
    (1914 Beiträge)

    25.10.2016 15:41 Uhr
    Prostitution ist schon
    Lange als Beruf anerkannt. Was die Stadt hier treibt entspricht einem Berufsverbot.
    Wie mich diese bigotten Heuchler ankotzen, kann sich niemand vorstellen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Suedweschter
    (441 Beiträge)

    25.10.2016 16:08 Uhr
    sicherlich hättest du auch nix dagegen wenn deine Mutter oder Schwester auch mal so oralkelka oder...
    Stimmt's?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Befreier_0815
    (249 Beiträge)

    25.10.2016 17:49 Uhr
    Wenn die freiwillig und leidenschaftlich...
    diesem Beruf nachgehen, passt es doch!
    Wichtig ist die Freiwilligkeit.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betonmischer
    (262 Beiträge)

    25.10.2016 16:14 Uhr
    Mit diesem
    Kommentar hast du den obenstehenden unglaubwürdig gemacht. So kanns gehen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Darth_Vader
    (779 Beiträge)

    25.10.2016 19:06 Uhr
    Sarkasmuskurs Grundstufe bei der VHS.
    Koscht ned viel grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Suedweschter
    (441 Beiträge)

    25.10.2016 16:14 Uhr
    ist doch en anerkannter Beruf!
    !
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.