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Karlsruhe Sexarbeit in Karlsruhe: Was bringt das neue Prostituierten-Schutzgesetz?

Es tut sich was im Rotlichtmilieu: Am 23. März hat die Bundesregierung den Gesetzesentwurf zum Prostituiertenschutzgesetz beschlossen. Ab 2017 wird es für Bordellbetreiber und Prostituierte dann ernst: Sie benötigen dann eine staatliche Genehmigung. Das sagt ein Karlsruher Bordellbetreiber zu den neuen Auflagen.

Mit den Gesetz will die Bundesregierung verhindern, dass beispielsweise ein vorbestrafter Menschenhändler ein Bordell führt. Wenn die Betreiber gegen ihre gesetzlichen Auflagen verstoßen, soll dies mit einer empfindlichen Strafe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Auch Freier, die wissentlich und willentlich die Zwangslage der Opfer von Menschenhandel oder Zwangsprostitution ausnutzen, machen sich künftig strafbar. Des Weiteren sieht das neue Gesetz eine Kondompflicht vor.

Lob für die neuen Auflagen kommt vor allem von Frauenverbänden. "Durch das Prostituiertenschutzgesetz kommt künftig mehr Transparenz und damit mehr Licht ins Dunkel des Prostitutionsmilieus. Vor allem werden die Frauen besser geschützt", so die Landtagsabgeordnete Bettina Meier-Augenstein in einer Pressemitteilung der Frauen Union Karlsruhe.

"Wir wollen ein sauberes Geschäft"

Von den dunklen Zuschreibungen und düsteren Verhältnissen will der Karlsruher Bordellbetreiber Thomas Schmidt* (Name von der Redaktion geändert) in seinen Häusern nichts wissen. "Wir wollen selbst ein sauberes Geschäft führen", stellt er im Gespräch mit ka-news klar, "kein Betreiber ist kann langfristig daran interessiert sein, seine Mädchen zu schlagen, sie ohne Kondom arbeiten zu lassen oder illegale Geschäft zu betreiben. Das fliegt einem irgendwann früher oder später um die Ohren."

Schmidt fühlt sich von der Presse und der Gesellschaft oft ungerecht behandelt. "Es handelt sich um ein vielschichtiges Gewerbe, das viel zu oft als illegal verklärt wird. Dabei zahlen wir Steuern, sind im Unternehmerverbund und arbeiten eng mit der Polizei zusammen", erklärt der Betreiber von fünf Bordellen, zwei davon in Karlsruhe.

Als Betreiber begrüßt er das Prostituiertenschutzgesetz. "Grundsätzlich ist es gut, dass es eine Art Konzession für Betreiber gibt", so der Bordellbetreiber. Die Umsetzung sieht Schmidt allerdings kritisch. "Es wird einfach noch mehr im Dunkeln passieren, nicht bei den seriösen Etablissements", so seine Befürchtung. Er mahnt, dass die Frauen dann auf den Straßenstrich oder in Wälder ausweichen müssen - "da, wo sie noch weniger geschützt sind."

Als negatives Beispiel nennt er die Vereinigten Staaten, wo die Prostitution zwar in fast allen Staaten verboten sei. Das bedeute allerdings nicht, dass sie nicht betrieben werde. "Ich denke, man sollte vermehrt den Straßenstrich in den Griff bekommen, denn hier werden oft Frauen aus Rumänien gezwungen, für wenig Geld und unter hygienisch unmöglichen Bedingungen zu arbeiten", meint Schmidt.

Gleichstellungsbeauftragte sieht neues Gesetz kritisch

Auch Annette Niesyto, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe, betrachtet den Gesetzesentwurf grundsätzlich als begrüßenswert. Allerdings kritisiert sie "eine fehlende Unterscheidung zwischen Großbordellen und beispielsweise einer von zwei Frauen gemeinsam betriebenen Terminwohnung". Der Gesetzentwurf nehme diese Unterscheidung nicht vor, so Annette Niesyto.

Somit sei zu befürchten, dass dies mittelfristig zur einer weiteren Veränderung führe - und zwar zu einer Dominanz der Großbordelle zu Lasten der kleinen, von Frauen selbst betriebenen Terminwohnungen. Auch die vorgesehene Anmeldepflicht für Prostituierte sieht die Gleichstellungsbeauftragte kritisch. "Dem erklärten Ziel, Prostituierte vor Ausbeutung und Gewalt zu schützen, wird die Anmeldepflicht nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht gerecht."

"Viele sorgen sich vor einem Zwangsouting"

Mit dieser Meinung steht die Karlsruher Gleichstellungsbeauftragte nicht allein da. Auch Hanna Lindenfelser von der Beratungsstelle für Prostituierte in Karlsruhe sieht den neuen Gesetzesentwurf kritisch. "Das Gesetz beinhaltet einige Regelungen zur Überwachung und Kontrolle von Prostituierten. Das eigentliche Ziel der Stärkung der Rechte von Sexarbeiterinnen wird verfehlt", so ihre Einschätzung. Gerade für Personen, die die Tätigkeit nicht offen leben, sei das Gesetz eine Herausforderung.

"Viele sorgen sich vor einem Zwangsouting", schildert sie auf Anfrage von ka-news. Vielen Frauen sei unklar, wie die Abläufe in Karlsruhe sein werden, deshalb würden sie eine eher abwartende Haltung einnehmen. Außerdem belieben laut Lindenfelser viele Fragen offen: "Was, wenn ein Termin bei der Gesundheitsberatung oder der Folgeanmeldung verpasst wurde? Was wenn der Ausweis von jemand gefunden wird, der nicht wissen soll in welchem Bereich man arbeitet?" Die Beraterin ist sich sicher: "Es würde helfen die Rechte der Frauen zu wahren und durchzusetzen, aber ihre eigenen Lebensentscheidungen zu akzeptieren."

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  •   ka-lex
    (1684 Beiträge)

    06.05.2016 18:40 Uhr
    Herr Bordellbetreiber (das "Sehr geehrter" spar ich mir)
    Soll ich Ihnen mal sagen, was ich von Ihnen halte?
    Ich finde, Sie sind +++ ++++++ +++++++++!

    Wenn Sie ein seriöses Geschäft wollen, dann arbeiten Sie was anstatt Menschen auszubeuten!
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  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    06.05.2016 10:12 Uhr
    Nachdem die Schröder-SPD mit den Grünen
    durch die Legalisierung der Prostitution Deutschland zum größten Puff Europas gemacht hat, ist das nun mehr als überfällig. Selten haben die Ideologen von SPD und Grünen so daneben gelegen wie damals. Tenor: Prostituierte sein ist genauso ein Job wie Angestellte beim Finanzamt. Und da Angestellte beim Finanzamt in die Rentenversicherung einzahlen, sollten das auch die Prostituierten machen. In zehn Jahren wurde das von genau 68 Prostituierten praktiziert. Dann wurden die regelmäßigen Kontrollen beim Gesundheitsamt abgeschafft. Tenor: Die Angestellte vom Finanzamt muss auch nicht alle zwei Wochen zum Gesundheitsamt. Ins Fäustchen gelacht haben sich vor allem die Zuhälter aus Osteuropa, da gleichzeitig noch die Grenzkontrollen aufgehoben wurden. Da ging der Frauenhandel erst richtig los. Und da tun Grüne und SPD heute so, als ob sie sich für diese Frauen einsetzen. Verlogener geht es kaum!
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  •   Almuth_Wessel
    (1 Beiträge)

    06.05.2016 11:34 Uhr
    Größtes Bordell Europas....NA UND?
    Ich kann es bald nicht mehr hören... dauend werden von allen möglichen mehr oder minder arglosen ZeitgenossInnen die Phrasen vom "größten Bordell Europas " wiedergekäut - vollkommen unreflektiert und frei von jeglicher Sachkenntnis. Zunächst einmal: es gibt keine validen Zahlen. Sexarbeiter*Innen sind sichtbarer als früher und werden subjektiv verstärkt wahrgenommen - aber das ist auch alles. Es wird auch permanent mit denselben Phantomzahlen operiert: die angeblich 400.000 Sexsklavinen in Deutschland haben sich schon längst als Phantom entpuppt.Und dieselben Leute, die sich echauffieren über das angeblich in Deutschland blühende Bordellwesen, verlieren keine Silbe über den Waffenhandel mit Saudi-Arabien und über die perfide Art und Weise, wie Deutschland mit Griechenland verfahren ist. Deutschland - der Waffenschieber Europas - stimmt . Deutschland- der Zuchtmeister Europas - stimmt auch. Deutschland, der Puff Europas? - Quatsch mit Soße!
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  •   Handelsreisender
    (1444 Beiträge)

    06.05.2016 10:57 Uhr
    Gebe Ihnen vollkommen recht:
    Auch Steuerfachangestellte sollten alle zwei Wochen zum Gesundheitsamt, denn durch deren (Un-)Tätigkeit entsteht in D ein wesentlich größerer volkswirtschaftlicher Schaden als durch alle Formen der Prostitution.

    Allerdings: Wenn tatsächlich 68 Prostituierte freiwillig in die gesetzliche RV eingezahlt haben - und darum geht es ja wohl - liegt der Hurenstand im guten Mittel anderer "alterer Gewerbe" dieser Welt: Ärzte, Anwälte, Politiker, ...

    Und natürlich ist an allem die SPD schuld! Gäääähn...
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  •   Borg
    (85 Beiträge)

    06.05.2016 16:41 Uhr
    Selten so einen dümmlichen, menschenverachtentenden Kommentar
    gelesen, Hut ab Herr Handelsreisender.
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