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Karlsruhe Sex sells in Karlsruhe? - "Wenn die Qualität fehlt, hilft auch Sex nicht weiter"

Wenn Sex und nackte Haut im Spiel sind, verkaufen sich Produkte wie von selbst - so das gängige Klischee. Doch ganz so einfach ist es nach Meinung zahlreicher Marketing-Experten nicht. Das Motto "Sex sells" ist nicht die Wunderwaffe der Werbebranche schlechthin. "Das kann auch ganz schnell nach hinten losgehen", warnt Ralf Schneider vom Institut für Philosophie am KIT. Und eigentlich helfe auch Werbung nicht viel, wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt.

Der Mensch guckt gern. Und bei nackter Haut wird er besonders aufmerksam. Das machen sich die Medien schon längst zu Nutzen. Auf Kinoleinwänden und Werbeplakaten prangt quadratmeterweise Haut unterschiedlicher Körperregionen. Das macht aufmerksam und  Zuschauer sowie Passant gucken.

"Plump auf nackte Haut zeigen funktioniert nicht"

Doch das Einkaufsverhalten könne man dadurch nicht beeinflussen, findet Ralf Schneider, Wissenschaftler beim Institut für Philosophie am KIT. "Die meisten Menschen sind gegenüber solcher Bilder doch eher abgestumpft." Zwar werfe man durchaus einen Blick darauf, doch viele seien eben übersättigt und mit nackter Haut kaum noch zu beeindrucken.

"Nur plump auf nackte Haut zu zeigen, das funktioniert für die Werbung nicht", ist Schneider überzeugt. So bräuchten zum Beispiel Werbespots einen eindeutigen Spannungsbogen, der geheimnisvoll oder auch humoristisch gestaltet sein kann. Jedenfalls müsse das Interesse am Produkt geweckt werden. Per se könne man nicht sagen, was stattdessen funktioniere.

"Sex sells" ist wie eine Bauernregel - sie stimmt oder stimmt nicht

Werbekampagnen müssen stets auf das Zielpublikum des Produkts ausgerichtet sein. Sonst könne man sich Werbung sparen. Wenn Bilder oder Motive darin nicht zum Klientel passten, blieben Produkte eher negativ in Erinnerung, erläutert der Wissenschaftler. Werde ein Produkt für Männer von Frauen negativ aufgenommen, hüteten sich Männer eher davor, das Produkt zu nutzen, um nicht mit dem schlechten (Werbe-)Ruf in Verbindung gebracht zu werden. "Da kann sich die Werbeabsicht schnell ins Gegenteil umdrehen."

Grundsätzlich sei Werbung nicht unbedingt verantwortlich für die Produkteinnahmen. "Werbung hat nicht zwangsweise mit dem Umsatz zu tun, sondern damit, die Marke zu platzieren", glaubt Schneider. "Es gebe bislang keine wissenschaftlichen Beweise, dass Werbung durch sexuelle Inhalte wirklich unmittelbar den Umsatz beeinflusse." Vielmehr gehe es grundsätzlich um den Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen, um dadurch im Gedächtnis der Verbraucher zu bleiben.

Internet als Werbeplattform

Werbestrategien funktionierten außerdem immer nur für einen bestimmten Zeitraum und für ein bestimmtes Klientel. Deshalb ändern sich solche Strategien auch häufig. Viele richteten sich an junge Leute, bei denen das Geld scheinbar noch locker sitze und damit die kaufkräftigste Kundschaft darstellten. So gebe es sehr viel Werbung für diese Gruppe, aber größtenteils ohne sexuelle Anspielungen. Das sei unangebracht.

Statt auf bewusste sexuelle Anspielungen in großangelegten Werbekampagnen zu setzen, entdeckten Werbestrategen schon seit Jahren die Möglichkeiten des Internets. "Dort ist Werbung nicht auf den ersten Blick zu erkennen und wird nicht gleich weggeklickt", erklärt Ralf Schneider. Vor allem in sozialen Netzwerken tummele sich vor allem das junge kaufkräftige Klientel.

Werbung um in den Köpfen der Konsumenten präsent zu bleiben

Ein weiterer Online-Trend im Internet sei Laienwerbung. Dieser traue man eher als Hochglanzwerbung, sei die Erkenntnis der Werbefachleute. Zahlreiche Firmen setzten aus diesem Grund verstärkt auf das sogenannte "hauling": Firmen schickten Normalbürgern ihre Produkte zu, diese probieren sie aus und posten ihre Erfahrungen dann in sozialen Netzwerken.

Wenn Werbung so wenig Einfluss auf den Umsatz habe, stellt sich die Frage, warum es sie überhaupt noch gibt. "Werbung ist man gewohnt. Keine Firma wird komplett darauf verzichten", ist Schneider überzeugt - schon allein, weil man in den Köpfen der Konsumenten präsent bleiben möchte. Deshalb habe Werbung auch nicht immer mit dem Produkt als solches zu tun, sondern stelle oftmals nur die übergeordnete Marke in den Vordergrund. Ob Werbung nun den Umsatz beeinflusst oder nicht, eines ist für Ralf Schneider jedenfalls sicher: "Werbung bringt nicht viel, wenn dem Produkt die Substanz - also die Qualität - fehlt. Da hilft auch Sex nicht weiter."

Geschichten aus dem Arbeitsleben einer Sexshop-Verkäuferin, Fesselspielchen für den Hausgebrauch und welche Bezeichnungen für den menschlichen Beischlaf die deutsche Sprache bietet - unter dem Motto "Let's talk about Sex - in Karlsruhe" berichten wir in loser Folge über diese und weitere Themen.

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Let's talk about Sex - in Karlsruhe: Sex, Sexualität und Erotik in Karlsruhe und der Region: angefangen von Themen wie der Erotikmesse Karlsruhe, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, dem Geschäft mit dem Sex bis hin zu Themen wie Pornos - ist die Jugend over-sexed und der Frage: wie wird man heutzutage eigentlich aufgeklärt?
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Kommentare (27)
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  •   Neutrino
    (766 Beiträge)

    13.04.2012 12:10 Uhr
    Philosophie und Technik
    Hier wurde die Frage aufgeworfen nach der Existenzberechtigung von Philosophie in einem technischen Umfeld. Dazu 3 Zitate:

    'Handeln sollte dem Denken folgen - nicht umgekehrt'
    (Hermann Hesse)

    'Der Mensch hat die Atombombe gebaut. Keine Maus wäre auf die Idee gekommen, eine Mausefalle zu bauen'

    'Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher'

    (jeweils Albert Einstein)
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  •   Neutrino
    (766 Beiträge)

    13.04.2012 12:25 Uhr
    Geistige Bulldozer...
    und Alles-Plattmacher hier im Forum: Ich bin weder Philosoph noch Techniker und auch nirgendwo immatrikuliert. Kettenfahrzeuge also bitte über die Werke von Hesse und Einstein rollen lassen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (4000 Beiträge)

    13.04.2012 12:44 Uhr
    Hauptsach du bist wieder da!!!
    *freu* grinsen
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  •   Neutrino
    (766 Beiträge)

    13.04.2012 18:19 Uhr
    Danke, DreiFragezeichen,
    für den freundlichen Empfang. Bin leider immer nur sporadisch in Europa.In meiner Wahlheimat ist Strom ein Luxus und das Internet liefert stolze 2K/sec.- wenn überhaupt. So verabschiedet der Server meistens ka-news.de noch bevor es auf dem Display erscheint - und wenn die Startseite doch mal auftaucht, fällt wieder der Strom aus. Da macht surfen richtig Spass - auf dem Wasser. In Deutschland freut mich alljährlich die zuverlässige Stromversorgung, die Diskussion über Banalitäten sowie das Jammern auf hohem Niveau. Deshalb liebe ich dieses Forum.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (22 Beiträge)

    13.04.2012 10:35 Uhr
    Werbung
    kann nervig sein oder witzig. Das beeinflußt aber nicht mein Kaufverhalten. Ich bin höchstens mal neugierig und schau mir das Produkt an. Aber im Endeffekt entscheidet immer noch die Notwendigkeit und der Preis.
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  •   creasy
    (529 Beiträge)

    13.04.2012 12:22 Uhr
    hmm,
    also wenn man die Leute fragt, ob sie sich von Werbung beeinflussen lassen, sagen viele "Nein, ich nicht", aber in Wirklichkeit ist es schon so, dass Werbung beeinflussend wirkt. Wenn auch nur im Unterbewusstsein. Über die Wirkungsrichtung möchte ich nichts sagen, das hängt dann wohl wirklich stark von der Werbung ab.
    Ich persönlich finde humorvolle Werbung immer ganz angenehm, selbst wenn sie von nem Bestattungsunternehmen käme. Was gar nicht geht sind gestellte Szenen wie bei Knoppers oder beim "Alpecin-Doktor". Zieht da am Monitor den Haarwuchsverlauf lang... soll mich das wirklich davon überzeugen, dass das Gebräu wirkt? :-D Naja, immerhin bleibts im Kopf hängen. :-P
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  •   Kanalpirogel
    (321 Beiträge)

    13.04.2012 16:18 Uhr
    Hahaha
    Ohja, der Alpecin-Doc ist echt der Gipfel der Lächerlichkeit. Zu diesem Spot gibt es auf Youtube übrigens ein paar nette Parodien.

    Aber zu dem Zitat von Ralf Schneider: "Deshalb habe Werbung auch nicht immer mit dem Produkt als solches zu tun, sondern stelle oftmals nur die übergeordnete Marke in den Vordergrund."

    Meiner Meinung nach sollte aber die Werbung zumindest irgendwo einen erkennbaren Zusammenhang mit der beworbenen Marke aufweisen. Da gibt es z.B. diese Telekomwerbung, wo ein Mann am Imbisswagen eine Currywurst bestellen will und - schwupp - macht der Wagen dicht und fährt weg. Wenn ich da nicht letztens mit nem Freund vor der Glotze gesessen wäre und ganz gezielt drauf geachtet hätte, wofür da eigtl. geworben wird, wäre mir bis heute nur die lustige Werbung im Kopf geblieben. Dass das nun für das Unternehmen in Magenta sein soll, wüsste ich nicht mehr.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (270 Beiträge)

    13.04.2012 10:52 Uhr
    Immerhin...
    ... hat Dich die Werebung dazu gebracht, das Beworbene _anzuschauen_. Damit hat die Werbung schon ihr Ziel erreicht. Das Teil bleibt, wenn auch vielleicht ganz hinten, in deinem Gedächtnis. Und beim nächsten Mal, wenn Du so etwas benötigst, fällt Dir wieder ein: Hatte ich doch schon mal gesehen. Damit hat der Hersteller schon die halbe Miete.

    Und wie schnell dann das Teil an der Kasse steht und Geld kostet, weißt Du bestimmt aus langjähriger Erfahrung grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5582 Beiträge)

    13.04.2012 09:53 Uhr
    drauf geschis...
    was in dem artikel steht! LANG LEBE DAS PROFILBILD!!!!!!!!!
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  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    13.04.2012 11:16 Uhr
    Du meinst das Bild zum Artikel hier.
    Vermute ich stark grinsen
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