115  

Karlsruhe Karlsruher stöhnen über Straßenstrich: 55 Prostituierte bieten sich an

Der Straßenstrich in Karlsruhe ist in den letzten Jahren aufgeblüht. Etwa 55 Prostituierte bieten derzeit an 16 verschiedenen Orten ihre Dienste an - und das ganz legal. Außerhalb des Sperrbezirks dürfen sie beinahe uneingeschränkt ihrem Geschäft nachgehen - auch wenn sich Anwohner daran stören. Ein ka-Reporter will sich damit nicht abfinden.

In der Karlsruher Südstadt herrscht nach Feierabend reges Treiben an der Ecke Fautenbruch-/Rüppurrer Straße: Hier stehen Prostituierte und bieten Vorbeifahrenden ihre Dienste an. Das sieht nicht jeder gerne.

Prostituierte stehen bei Südstadt-Zugang zum Oberwald

Ein ka-Reporter schreibt an die Redaktion: "Durch die anhaltenden Freier kommt es immer wieder zu gefährlichen Überholmanövern - außerdem verwechseln sie öfter mal Joggerinnen mit Prostituierten." Abgesehen davon, dass dies den Verkehr behindere, scheuten sich seine Frau und seine 16-jährige Tochter, dort nach 18 Uhr entlang zu laufen. Selbst ein Einkauf zu Fuß zum benachbarten Raiffeisenmarkt stehe nicht mehr auf dem Plan.

"Das ist außerdem der direkte und einzige Zugang zu unserem Naherholungsgebiet Oberwald - dort sollte doch eigentlich Raum zum Erholen und Abschalten sein", findet er.

 

Doch die Prostituierten stehen dort legal. Zum einen ist Prostitution in Deutschland ein anerkanntes Gewerbe, zum anderen stehen sie dort - genau wie an den 15 anderen Orten in Karlsruhe - außerhalb des Sperrbezirks. Dieser wird derzeit von folgenden Straßen begrenzt: Mendelssohnplatz, Ludwig-Erhard-Allee, Wolfartsweierer Straße, Gottesauer Platz, Georg-Friedrich-Straße, Karl-Wilhelm-Platz, Durlacher-Tor, Kaiserstraße, Waldhornstraße, Zirkel, Herrenstraße, Karlstor, Kriegsstraße, Ettlinger-Tor-Platz, Ettlinger Straße, Rüppurrer Straße, Stuttgarter Straße, Sybelstraße, Luisenstraße, Morgenstraße, Wielandstraße und Rüppurrer Straße. Erst im April 2011 war der Bezirk per Gemeinderatsbeschluss leicht erweitert worden.

Außerhalb dieser Zone ist alles erlaubt, selbst wenn es sich um reine Wohngebiete handelt: Prostitution in Wohnungen, Wohnwagen oder auch auf der Straße. "Es hat in letzter Zeit eine deutliche Zunahme gegeben", sagt Björn Weiße, Leiter des Ordnungsamtes. Wie er auf ka-news-Anfrage erläutert, sind dem Ordnungsamt bei Anwohnerbeschwerden jedoch die Hände gebunden. "Natürlich schauen wir nach dem Rechten, etwa ob durch den Straßenstrich der Straßenverkehr behindert wird. Ansonsten können wir auch nicht mehr tun, als das Gespräch zu suchen", sagt er. Allerdings gebe es ja in der Regel auch Gründe, warum die Damen sich für ein bestimmtes Gebiet entscheiden. Bringe man sie dazu, woanders zu stehen, verlagere man das Problem lediglich.

75 bis 80 Prozent ausländischer Herkunft

Die Ursache für die Zunahme in letzter Zeit sei ohnehin politischer Natur, so Weiße. Die Osterweiterung der Europäischen Union ermögliche es Arbeitskräften aus Osteuropa in Deutschland legal zu arbeiten - eine Gelegenheit, die vermehrt auch Frauen wahrnehmen würden - unter anderem eben als Prostituierte.

Das bestätigt auch die Polizei Karlsruhe. "Früher hat unsere AG Rotlicht 15 Personen an zwei Orten beobachtet - heute sind es 55 an 16 Orten", so ein Sprecher. Etwa 75 bis 80 Prozent davon seien ausländischer Herkunft - davon komme wiederum die Hälfte aus Osteuropa.

Drei Beamte seien deshalb ständig für die AG Rotlicht im Einsatz, kontrollierten Personalien und behielten die Entwicklung im Blick. Angenommen, jemand stünde in einem Wohngebiet, in dem ständig Kinder auf der Straße spielten, würde die Polizei einen Platzverweis aussprechen. "Wir haben damit aber bisher keine Probleme", erläutert der Sprecher. Die Prostituierten wollten selbst eher in Ruhe gelassen werden und provozierten keinen Ärger. Ebenso suchten sie mit ihren Freiern keine Orte auf, an denen jemand Anstoß nehme.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe gibt es insgesamt etwa 380 Prostituierte. Da im Gewerbe ein starker Wechsel stattfindet, sind dies übers Jahr verteilt rund 800 Personen. Sie arbeiten in zehn Bordellen, 82 Wohnungen sowie SM-Studios und Saunaclubs. In Gemeinden mit weniger als 35.000 Einwohnern besteht die Möglichkeit, Prostitution zu untersagen.

Pforzheim und Bruchsal kämpfen gegen Straßenstrich

Stein des Anstoßes ist der Straßenstrich auch in Pforzheim oder Bruchsal. Anfang Juli teilte die Polizei Pforzheim mit, dass man versuche die Ansiedlung eines Straßenstrichs in der Kanzlerstraße zu verhindern. Dort habe man Frauen angetroffen, die zuvor in Karlsruhe Geldbußen bezahlt hatten und so verdrängt worden waren. Sie haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland. "Eine der Frauen musste eine Sicherheitsleistung in Höhe von 500 Euro bezahlen. Diese Vorgehensweise zeigt mehr Erfolg als das bloße Erteilen eines Platzverweises", heißt es von Seiten der Pforzheimer Polizei.

In Bruchsal hat sich Ende Juni der Gemeinderat mit den leichtbekleideten Damen am Straßenrand beschäftigt. Diese hatten für Unmut in der Bevölkerung gesorgt - doch auch dort konnte die Polizei lediglich betonen, dass die Prostituierten legal ihrem Geschäft nachgingen. Mehr als 20 Personenkontrollen seien tadellos verlaufen. Eindämmen könne man die Sache auch nur mehr oder minder mit Platzverweisen. Zum Beispiel dort, wo langsam fahrende Autos den Verkehr behinderten. Bruchsal will nun beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen Sperrbezirk beantragen, innerhalb dessen man zumindest ein generelles Verbot aussprechen könne.

Die Serie ka-Mittwochs-Reporter erscheint immer Mittwochs und greift Leservorschläge zur Berichterstattung auf. Sie haben etwas Lustiges, Ärgerliches oder Außergewöhnliches gesehen oder haben etwas auf dem Herzen und möchten uns das mitteilen? Einfach das ka-Reporter-Formular nutzen!

Mehr zum Thema Prostitution in Karlsruhe:

Gemeinderat: Kein Runder Tisch "Prostitution" für Karlsruhe

Missglückter Raub an einer Prostituierten: 28-Jähriger festgenommen

Überfall im Rotlichtmilieu: Prostituierte 300 Meter von Auto mitgeschleift

Mehr zum Thema
Let's talk about Sex - in Karlsruhe: Sex, Sexualität und Erotik in Karlsruhe und der Region: angefangen von Themen wie der Erotikmesse Karlsruhe, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, dem Geschäft mit dem Sex bis hin zu Themen wie Pornos - ist die Jugend over-sexed und der Frage: wie wird man heutzutage eigentlich aufgeklärt?
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (115)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Laetschebachschorsch
    (3177 Beiträge)

    18.01.2014 18:34 Uhr
    Das habt ihr davon
    Unsere Landesregierung hat euere Klagen erhört - und sofort die Zuschüsse für kommunale Staßenprojekte gekürzt. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    03.12.2013 19:38 Uhr
    Wenn jemand
    auf dem Strassenstrich stöhnt, kann das ja auch eine Erfolgsmeldung sein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   spital8katz
    (1178 Beiträge)

    01.12.2013 13:43 Uhr
    Die Globalisierung,
    besser Balkanisierung des Gewerbes ist unverkennbar.

    Wir brauchen aber jede Fachkraft!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5863 Beiträge)

    03.12.2013 17:29 Uhr
    hübsche...
    ... Frauen endlich mal auf den Strassen! Das ist das einzig Positive, dass die Grünen mit den Blassroten zu Stande gebracht haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    13.09.2013 22:21 Uhr
    nette Nutten :)
    Ich fahre des Öfteren, zu unterschiedlichen Zeiten die Fautenbruchstraße entlang. Die Damen dort sind immer gut gekleidet und winken nett.nein im Ernst.Die Mädels dort habe ich noch nie als unangenehm empfunden.Man muss sich vorstellen, was für einen harten Job diese dort machen. Stehen leicht bekleidet bei Wind u Wetter dort. Das würde keiner von euch freiwillig machen!11
    Auch wenn ich mich ebenfalls schon über langsam fahrende Autos geärgert habe, bin ich froh, dass sie an einer doch gut befahrenen Straße stehen u sich nicht in dunklen Ecken herumtreiben müssen.Und wenn eine Joggerin für eine Prostituierte gehalten wird, dann sollte diese Lauftempo, sowie Kleidung überdenken!?Sie winken wirklich, auch wenn sie sehen, dass ich eine Frau bin u nur jemanden abgeholt habe, verstehen sich gut untereinander u versuchen sich das iwie angenehm zu gestalten. Sie wirken nicht wie abgefuckte drogenabhängige Nutten, sondern wie junge Frauen, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    28.07.2013 12:44 Uhr
    Ein "anerkanntes" Gewerbe ????
    SPD und Grüne haben beschlossen, dass es das ist. Anschließend haben sich die Zuhälter in Osteuropa ins Fäustchen gelacht und die Frauen Kastenwagenweise nach Deutschland gekarrt. Zusätzlich haben SPD und Grüne auch noch die regelmäßigen medizinischen Kontrollen gestrichen - parallel dazu mussten die Damen aus dem Osten auch Zungenküsse ins Programm nehmen, was es vor der Legalisierung des Gewerbes durch Rot-Grün gar nicht gab. Und wer glaubt, dass die da freiwillig stehen, der muss in der Tat Tomaten auf den Augen haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1211 Beiträge)

    21.07.2013 18:16 Uhr
    Ist allen eigentlich klar
    was es heisst, dass die Freier Joggerinnen mit Nutten verwechseln? HmmH?? Geht mal heutzutage abends in die Stadt oder tagsüber zum einkaufen und schaut euch die Frauen an und dann vergleicht das mal mit eurer Vorstellung von Nutten
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   womenzel
    (137 Beiträge)

    21.07.2013 09:44 Uhr
    Danke für diesen Leserservice...
    find ich spitze, jetzt weiß jeder wo es den Straßenstrich gibt. Ich wußte es bisher nicht, vielleicht weil ich kein Auto habe?

    @ Howard: Einerseits gebe ich dir recht. Anderseits, sein wir froh das es Prostituierte gibt. Ohne sie würde es vielleicht mehr Sexualstraftaten geben...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (46 Beiträge)

    20.07.2013 19:41 Uhr
    Die Frau soll dem Manne Acker sein, in deren Furche
    er den Samen hinterlässt. Aber diese Weiber sind so unverschämt und haben auch noch Ansprüche. Und wollen auch noch vorher reden und so was... gut dass es da Nutten gibt...

    da kommt MANN dann zu seinem RECHT... und da es so viele auf dem Strich gibt und die Konkurrenz und die Not so groß ist, machen sie es für 30 bucks sogar blank...

    Und auf montage muss es ja wenigstens mal möglich sein fremd zu ... nein da ist keine Zeit für .. nein gleich zum Ziel... ich habe meine Bedürfnisse .. und die müssen erfüllt werden.. koste es was es wolle..

    und dann noch diese fiesen Moralapostel, die ein generelles Verbot fordern.. was müssen wir ordentlichen Männer eigentlich noch alles ertragen... ohne unsere Triebhaftigkeit wäre die Menschheit ausgestorben.. und genau diese ist auch unbedingt mit der erniedringung von frauen verbunden... sonst wird sie nicht schwanger...

    SO NICHT!!!! Abschaffung von Prostitution? Am Ende wollen die auch noch das Frauen gleichberechtigt sind...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    21.07.2013 18:49 Uhr
    Du kannst Prostitution nicht abschaffen.
    Verbieten vielleicht, aber nicht abschaffen. Also finde dich mit der Natur der Dinge ab oder gehe ins Kloster.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 .... 11 12 (12 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.