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Karlsruhe Karlsruhe lehnt Befreiung von Sexualkunde ab

Eltern dürfen ihren Kinder nicht per se aus religiösen Gründen die Teilnahme am Sexualkundeunterricht verbieten.

Vom Sexualkundeunterricht dürfen Schüler im Regelfall nicht unter Berufung auf Glaubensüberzeugungen fernbleiben, solange die Schule Neutralität und Toleranz gegenüber den erzieherischen Vorstellungen der Eltern wahrt. Auch die Konfrontation mit Traditionen der Mehrheitsgesellschaft wie Fastnacht ist religiösen Minderheiten zumutbar, heißt es in einem am Donnerstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss.

Damit wies das Gericht eine Verfassungsbeschwerde der dem baptistischen Glauben anhängenden Eltern zweier Schüler einer Grundschule aus Ostwestfalen ab. Wegen eines Theaterprojekts zum Thema «sexueller Missbrauch» sowie einer Karnevalsveranstaltung hatten sie ihre 1998 und 1999 geborenen Söhne einfach zu Hause gelassen - weswegen sie nun 80 Euro Bußgeld zahlen müssen. (Az: 1 BvR 1358/09 - Beschluss vom 21. Juli 2009)

Aus Sicht der Eltern beruhte das teilnahmepflichtige Projekt mit dem Titel «Mein Körper gehört mir» auf einer «absolut einseitigen emanzipatorischen Sexualerziehung». Den Kindern werde vermittelt, sie allein dürften über ihre Sexualität bestimmen und sich dabei einzig auf ihr Gefühl verlassen - womit Gottes gute Gebote aufgehoben würden. Auch von der Karnevalsveranstaltung hielten sie die Jungen unentschuldigt fern, weil Fastnacht in ihren Augen ein katholisches Fest ist - obwohl es während der Feier Turn- oder Schwimmunterricht als Alternativangebot gegeben hätte.

Nach den Worten einer Kammer des Ersten Senats darf der Staat zwar eigene Erziehungsziele verfolgen, dabei aber keine gezielte Beeinflussung in einer politischen, ideologischen oder weltanschaulichen Richtung betreiben. Schulischer Unterricht dürfe sich nicht mit einem bestimmten Glauben oder einer Weltanschauung identifizieren und dadurch den religiösen Frieden in der Gesellschaft gefährden. Diese Grenzen habe die Schule nicht überschritten.

Der Vorwurf, das Theaterprojekt erziehe zu freier Sexualität oder gar zu Pädophilie, ist aus Sicht der Richter haltlos. Zur Karnevalsfeier merkte das Gericht an, Fastnacht sei kein katholisches Kirchenfest. Die Religionsfreiheit und ihr Erziehungsrecht geben den Eltern danach keine Handhabe, ihren Kindern die Auseinandersetzung damit völlig zu ersparen. «Denn solche mit dem Schulbesuch verbundenen Spannungen zwischen der religiösen Überzeugung einer Minderheit und einer damit in Widerspruch stehenden Tradition einer anders geprägten Mehrheit sind grundsätzlich zumutbar», heißt es in der Entscheidung.

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  •   merquez
    (338 Beiträge)

    08.08.2009 19:06 Uhr
    @daisy
    Liegt es vielleicht daran dass ein paar Stunden Sexualkunde mit einer/einem frustrierten Lehrer(in) kein Gegengewicht zu einem katastrophalen Elternhaus und einem sexuellen Overflow bieten kann?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (947 Beiträge)

    08.08.2009 16:36 Uhr
    @merquez
    Zitat:
    "".....sondern welche Risiken es gibt, wie man verhütet und dass Liebe machen und den Partner lieben zusammengehört....und dass Sex nicht nur billig konsumiert werden soll.""

    So sollte es sein/so ist's gedacht aber das Ergebnis zeigt genau das Gegenteil! Wie das?

    Ach "mick"!
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  •   merquez
    (338 Beiträge)

    08.08.2009 15:48 Uhr
    @daisy
    Ich bezweifle daß die Aufklärungswellen, der Sexualkundeunterricht und junge Mütter etwas miteinander zu tun haben. Vielmehr war es so daß es parallel zum Beginn der Aufklärung in den 60igern zu einer sexuellen Liberalisierung kam. Vor und kurz nach dem Krieg warst Du noch eine ******** wenn Du vor der Ehe Sex hattest.

    Gerade aus dem Grund halte ich es für wichtig dass man junge Menschen, die dank Internet, Handy und Medien immer früher mit Sexualität in Berührung kommen, im Sexualkundeunterricht aufklärt.

    Dort wird nicht gezeigt wie man Liebe macht, sondern welche Risiken es gibt, wie man verhütet und dass Liebe machen und den Partner lieben zusammengehört....und dass Sex nicht nur billig konsumiert werden soll.
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    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    08.08.2009 15:25 Uhr
    @Daisy
    Umgekehrt, gäbe es keine Aufklärung wären es noch mehr Schwangerschaften bei jungen Mädchen. "Alles ist erlaubt" hat mit Sexualkundeunterricht nichts zu tun. Das was du meinst ist das Dr. Sommer Team aus der Bravo.
    Was freiwilligen Unterricht betrifft, stimme ich dir bei sogenannten Neigungsfächern zu, Sexualkunde gehört da definitiv nicht dazu.
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    unbekannt
    (947 Beiträge)

    08.08.2009 15:14 Uhr
    Als erstes mal
    .... ich bin vollkommen schockiert in welche Richtung hier versucht wird über einen Kommentar eines vermutlich durchgeknallten strenggläubigen Menschen zu urteilen. Und das von Leuten, die sich als offen und als ach so tolerant ausgeben! Ich selbst bin kein Kirchengänger, verstehe/akzeptiere (weil tolerant) solche Gläubige jedoch sehr gut.
    Genauso gut könnte man diesen Sexualkunde-Unterricht als freiwilligen Unterricht anbieten und allen Glaubensrichtungen wäre geholfen. Es glaubt doch hier nicht wirklich einer, daß es durch diesen Unterricht weniger Kindermütter geben wird/gibt? Ist es nicht umgekehrt? Seit wir diese grossen "Aufklärungswellen" haben, "alles ist erlaubt".... haben wir doch gerade diese vielen Schwangerschaften bei jungen Mädchen.
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    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    08.08.2009 13:50 Uhr
    In Zeiten
    wie diesen, wo sich m.E. die Eltern immer mehr aus der Verantwortung ziehen, und die Schule/Lehrer/Staat alles richten sollen, sollte auch der Lehrplan denselbigen vorbehalten sein.
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    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    08.08.2009 13:21 Uhr
    Tztztz
    Natürlich..was soll die "nur Theorie" im Unterricht... da muss auch die Praxis vermittelt werden. grinsen


    Ich hatte das Thema auch in den 80zigern..war eher amüsant als lehrreich - Lehrerin mit dauerhochrotem Kopf, 2 Mitschülerinnen dürften nicht teilnehmen, die Bravo unterm Tisch, um zu sehen, dass uns die Alte keinen Scheiss erzählt grinsen
    Überlebt haben das definitiv alle.
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    unbekannt
    (8066 Beiträge)

    08.08.2009 11:42 Uhr
    @merquez
    Chapeau! Mit wenigen Worten alles gesagt.
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  •   merquez
    (338 Beiträge)

    08.08.2009 10:48 Uhr
    @andrea
    Die Möglichkeit einer freien Meinungsäußerung entbindet nicht von gewissen Umgangsformen und Ausdrucksweisen. Und da ist es mir ziemlich egal ob der Schreiber links- oder rechtslastig ist.
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  •   merquez
    (338 Beiträge)

    08.08.2009 10:45 Uhr
    Die Wertevorstellung zu haben...
    ist die eine Sache...und völlig legitim...Sie aber mit Ausdrücken wie 68er-Abschaum, 68er Scheißideologie, erzwungenen Gruppenfickmentalität, roten Wixern zu umschreiben, und dann noch für die Umsetzung einer Bluttat zu beten zeugt nicht unbedingt von klarem Verstand...der Verfasser ist wohl eher zerfressen vom Hass!
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