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Karlsruhe Abmahnwelle: Darf ich noch Pornos im Internet gucken, Herr Krohlas?

Eine Anwaltskanzlei hat kürzlich tausendfach Abmahnungen an Internetnutzer rausgeschickt. Der Vorwurf: Sie hätten urheberrechtlich geschützte Pornos des Streamingdienstes Redtube im Internet aufgerufen. Doch ist das wirklich illegal? Und wie kam die Kanzlei überhaupt an die Kontaktdaten? Blüht jetzt auch Usern eine Abmahnung, die Videos ohne pornografischen Inhalt im Netz aufrufen? ka-news hat das Sven Krohlas, Sicherheitsberater bei Greyhat Security Consulting aus Dettenheim, gefragt.

Herr Krohlas, zehntausende Internetnutzer haben von einer Kanzlei eine Abmahnung bekommen, weil sie urheberrechtlich geschützte Pornos des Streamingdienstes Redtube im Internet aufgerufen haben sollen. Wie kommt diese Kanzlei denn überhaupt an die Daten der Nutzer?

Aus technischer Sicht sind eine Vielzahl von Angriffswegen denkbar, um an diese Daten zu gelangen. Doch die meisten davon sind nur schwer umsetzbar oder schlichtweg illegal. Dazu gehören beispielsweise die Manipulation der Nutzerrechner über Schadsoftware oder das Abgreifen der Daten auf dem Transportweg. Die wahrscheinlichsten Quellen für die Daten sind Mitarbeiter bei Redtube, die ohne Erlaubnis Zugriffsinformationen weitergegeben haben, die Verbreitung entsprechend manipulierter Links durch Urheber oder die Kanzlei selbst und die gezielte Schaltung von Werbeanzeigen, die entsprechende Informationen an den Anzeigenschalter zurückgeben können. Auch wenn wir aus den öffentlich verfügbaren Informationen kein Szenario mit absoluter Sicherheit ausschließen können, können wir doch sagen, dass das letzte Szenario am ehesten umsetzbar ist und zu den bisher bekannten Details des Falles passen würde.

Über diese Wege erhalten die Kanzleien die IP-Adresse des Nutzers und den Zugriffszeitpunkt. Damit kann anschließend ein Auskunftsersuchen nach Name und postalischer Adresse bei den Providern gestellt werden. Dies geschieht üblicherweise automatisiert. Es sind Fälle von Massenabmahnungen bekannt, bei denen sich hierbei eine Fehlerquote von 90 Prozent falscher Adressdaten ergeben haben. Der Kanzlei fehlt jedoch noch immer die Information, ob das Video auch tatsächlich angesehen oder die Seite einfach nur aufgerufen wurde. Dies ist nicht ohne Weiteres ermittelbar. Entweder wurden hierfür illegalerweise Sicherheitsvorkehrungen umgangen oder die Abmahnungen einfach "auf gut Glück" dennoch versendet.

Wurden die Sexfilme denn wirklich illegal heruntergeladen?

Nein. Redtube ist kein Downloadaportal und auch keine Tauschbörse. Es ist ein reines Streamingangebot wie YouTube, das heißt, die Filme werden nur zum Anschauen aus rein technischen Gründen üblicherweise teilweise und nur während der Darstellung zwischengespeichert. Ein dauerhafter Download ist nicht vorgesehen, wenn auch mit gewissen Tricks möglich. Es ist auch mindestens zweifelhaft, ob Redtube eine "offensichtlich illegale Quelle" darstellt. Die meisten Clips auf derartigen Seiten sind inzwischen Amateueraufnahmen oder zu Werbezwecken hochgeladene gekürzte Versionen kommerziell verbreiteter Werke. Deren Verbreitung ist also eindeutig von den Rechteinhabern gewollt.

Was kann ein Betroffener nun tun?

Wir als Informatiker können und dürfen selbstverständlich den Fall nur aus technischer Sicht beleuchten. Betroffene sollten sich daher an einen entsprechenden Fachanwalt wenden, wo sie eine Rechtsberatung erhalten. Eine Abmahnung zu ignorieren, wäre leichtsinnig. Da immer mehr Zweifel sowohl am technischen als auch am rechtlichen Vorgehen der Kanzlei aufkommen und inzwischen bereits Anzeige gegen diese erhoben wurde, stehen die Chancen gut hier mit einem "blauen Auge" davonzukommen.

Falls ein Betroffener eine Abmahnung ausschließlich per E-Mail erhalten haben sollte, hat er Glück gehabt. Echte Abmahnungen werden immer postalisch zugestellt. Bei den Emails handelt es sich um Trittbrettfahrer, die auf diesen Weg versuchen -  auf klar illegale Weise -  Geld zu erbeuten oder Rechner zu übernehmen. Solche Mails sollten ungelesen gelöscht werden.

Kann sowas eigentlich auch bei anderen Videos im Netz passieren?

Die Kanzlei hat bereits angekündigt, dass sie auch Nutzer anderer Seiten abmahnen werden. Theoretisch könnte dies auch bei YouTube oder anderen - nicht pornografischen - Angeboten geschehen. Auch hier verwenden viele Videos Material, das nicht zuvor von den Rechteinhabern lizenziert wurde.

Was können Internetnutzer denn tun, um sich zu schützen?

In diesem speziellen Fall hätte, sofern unsere Schlussfolgerungen korrekt sind, bereits ein Werbeblocker im Webbrowser wahrscheinlich das Tracking der Aufrufer verhindert. Dies ist sicher keine gern gehörte Nachricht für Onlinemedien. Viele Werbeblocker blenden jedoch nur besonders aggressive Werbeformen aus. Hier sollte zur Sicherheit aller Internetnutzer ein Umdenken in der Werbeindustrie einsetzen.

Generell gelten natürlich die üblichen Sicherheitstipps. Jede Software kann ein Einfallstor für Schädlinge sein und muss aktuell gehalten werden: auch und insbesondere das Betriebssystem selbst, Virenscanner, Firewall und Webbrowser. Noch immer wird oft die Aktualisierung von Browserplugins vergessen, die Erinnerung einfach weggeklickt oder auf absurd hohe Update-Suchintervalle gestellt. Dabei stellen Flash, Java, manipulierte PDFs oder Multimediadateien einen beliebten Angriffsvektor dar.

Wir empfehlen die Verwendung eines freien Webbrowsers wie beispielsweise Firefox, zusammen mit diversen Add-Ons zur Verbesserung der Sicherheit. Bei mir laufen beispielsweise Adblock, Ghostery, HTTPS Everywhere und NoScript, das jedoch nur für erfahrene Nutzer leicht bedienbar ist, beim täglichen Surfen. Mit Ausnahme von HTTPS Everywhere finden sich diese alle im Add-On-Manager von Firefox. Plugins lassen sich über den Plugincheck leicht aktualisieren. Für besondere Anwendungen wie Onlinebanking empfiehlt sich ein zweiter, ebenso abgesicherter Browser, beispielsweise Chromium, der auch nur ausschließlich hierfür genutzt wird.

Sollte man jetzt besser gar keine Pornos mehr im Internet anschauen?

Aus technischer Sicht spricht nichts dagegen. Über andere Sichtweisen dürfen die Kommentatoren auf ka-news gerne unter dem Artikel heiß diskutieren. ;-) Das sollte wirklich jeder für sich entscheiden.

Fragen: Moritz Damm

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Kommentare (72)
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  •   juanzorro
    (889 Beiträge)

    14.12.2013 10:13 Uhr
    der Artikel
    ist schon 3,5 Jahre alt wenn ich es richtig sehe???

    Haste nix aktuelleres?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    14.12.2013 10:22 Uhr
    Such doch selbst, juanzorro!
    hab nicht die Zeit Dir die Häppchen vorzulegen bis sie Dir genehm sind.
    Glaube aber kaum, dass darüber noch geschrieben werden darf -kultursensible Berichterstattung und so zwinkern
    Ausserdem, hätte sich an der Tatsache was geändert, hätte man sicherlich darüber lesen können. Aber wie bereits gesagt: kultursensibel...
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  •   juanzorro
    (889 Beiträge)

    14.12.2013 10:32 Uhr
    ach
    du Hetzerin...

    kannst halt nicht anders, gell grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    14.12.2013 13:23 Uhr
    juanzorro,
    findest das jetzt nicht ziemlich kleingeistig, Du kannst keinen gegenteiligen Beweis dagegenhalten und schon bezeichnest andere User als Hetzer, nur weil die auf einen Artikel der SZ hinweisen.
    Bring Du doch mal Belege, dass sich das seither geändert hat! Alla hopp, jetzt bist Du dran!
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  •   TeddyAfro
    (1406 Beiträge)

    14.12.2013 11:47 Uhr
    Also
    bei der Produktion, Verbreitung und Nutzung von Pornos und auch Kinderpornos sind die westlichen Länder ganz weit vorne, die USA allen voran.
    Keine Ahnung wie man darauf kommt dass Irak oder Saudia Arabien ect. Porno Weltmeister sind oder Türkei eine Kinderpornohochburg ist.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    14.12.2013 13:29 Uhr
    Achso, sehe grad
    //Keine Ahnung wie man darauf kommt dass Irak oder Saudia Arabien ect. Porno Weltmeister sind oder Türkei eine Kinderpornohochburg ist.//
    Meinst jetzt aber nicht wirklich, oder?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    14.12.2013 13:27 Uhr
    Belege bitte, Teddyafro ;-)
    Aber jetzt nicht extra wegen mir suchen, achwo! zwinkern
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  •   andip
    (10785 Beiträge)

    13.12.2013 15:20 Uhr
    Also
    m.W. wurde ganz offiziell über ein Gericht beantragt,dass die IP-Adressen rausgerückt werden müssen,es war kein irgendwie illegales oder heimliches Abgreifen von denen.
    Allerdings wurde das Gericht wohl auch getäuscht darüber,worum es wirklich ging.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    13.12.2013 20:20 Uhr
    Ja klar, andip
    ging das alles über ein Gericht in Köln. Leider hatten die Richter dies alles nur durchgewunken anstatt genauer hinzusehen -könnte ja Arbeit machen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (64 Beiträge)

    13.12.2013 16:00 Uhr
    Post Addresse
    Bei einem Gericht kann man nur beantragen, dass dieses einen Provider (in diesem Fall die Dt. Telekom) dazu verpflichtet, die Namen und Addressen für von ihm vergebene IP-Addressen herauszugeben. Der Abmahner geht also zum Gericht mit einer Sammlung von IP-Addressen von denen er weiß (!), dass sie seine Urheberrechte verletzt haben.

    D.h. also, dass der Abmahner diese IP-Addressen irgendwie sammeln muß. Und wie genau das in diesem Fall passiert ist, ist hier hier die Frage.
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