"Gemessen am heutigen Erhaltungszustand ist die Brunnenanlage einmalig in Deutschland", sagt Michael Hörrmann am Freitag, als er den Sensationsfund im Kakteenhaus präsentiert. Die Brunnenanlage kam zu Vorschein, als bei den derzeitigen Arbeiten ein bepflanzter Hügel entfernt wurde. "Dabei stieß der Bagger auf den Tuffstein", erzählt Geschäftsführer Michael Hörrmann von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Vier Wochen dauerte die Freilegung der über zwei Meter hohen Anlage.

Brunnen soll wieder instand gesetzt werden

Dabei handelt es sich um eine felsige Wand, in die zwei Bassins eingelassen sind. Über die Felsen floss das Wasser vom oberen in das untere Auffangbecken. Ein Wasserfall ganz der Gartenmode der damaligen Zeit entsprechend: Stimmungsvoll und romantisierend. "Das musste gar nicht natürlich wirken", erläutert Hartmut Troll. Er ist als Konservator zuständig für die historischen Gartenanlagen des Landes Baden-Württemberg. "Man suchte sogar ein bisschen Showeffekt."

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Wann die Brunnenanlage genau unter dem Erdhügel verschüttet wurde, lässt sich noch nicht genau feststellen - vermutlich beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Schwierig ist auch der Zeitpunkt der Entstehung festzulegen - ursprünglich stammen die Gewächshäuser im Botanischen Garten vom badischen Hofbaumeister Heinrich Hübsch. Er ließ die Gebäude ab 1853 errichten. Nach seinem Tod wurde die Anlage jedoch mehrfach verändert: Zunächst durch nachfolgende Bauverantwortliche, dann durch den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Gänzlich unbekannt ist bislang der Architekt der Anlage.

Fachleute mutmaßen, dass der Wasserfall für die "Pflanzen- und Blumenausstellung" 1862 angelegt und nach dessen Ende dauerhaft im Glashaus des Botanischen Gartens installiert worden ist. Jetzt will man die Anlage der Stadt zum Geburtstagsgeschenk machen: "Diese Anlage werden wir erhalten und wieder in Betrieb nehmen", so Hörrmann. Man habe dafür alle Pläne für die Sanierung des Schauhauses umstellen müssen. "Aber das ist es natürlich wert, wenn wir dadurch den originalen Tuffsteinbrunnen des Historismus wieder präsentieren können." Im Mai soll die Sanierung des Glashauses abgeschlossen und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

ka-news-Hintergrund:

Alle drei Glashäuser des Botanischen Gartens werden saniert. Konkret in Arbeit ist derzeit der erste Bauabschnitt, der bis Mai fertig werden soll. Die Bauarbeiten betreffen das als Kakteenhaus bekannte Gebäude, das im 19. Jahrhundert das Schauhaus für Kamelien und Sukkulenten war - diese sollen nach den Sanierungsarbeiten auch wieder ins Glashaus einziehen. Danach werden das Palmenhaus sowie das Tropenhaus renoviert werden.