Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren ist nicht immer leicht. Wenn man sich neben dem eigenen Job noch um die Pflege eines Angehörigen kümmern muss, kann das schnell zum kräftezehrenden Balanceakt werden. Wer sich gegen ein Heim entscheidet steht dann vor der Frage: Kann ich Oma oder Opa, Mutter oder Vater, allein lassen? Was könnte passieren?

Wie funktioniert "Kiss and Go"?

Um Berufstätigen beim Spagat zwischen Job und Pflege zu unterstützen, plant der Caritas-Verband ein für Karlsruhe neues Projekt: "Kiss and Go" nennt sich das Konzept - und funktioniert ganz ähnlich wie eine Kita. Die Idee: Pflegebedürftige Angehörige können auf dem Weg zur Arbeit in der Tagespflege St. Franziskus vorbeigebracht und nach der Arbeit wieder abgeholt werden. Das Projekt soll im Oktober an den Start gehen.

14 Plätze sind bislang für das Projekt geplant, was allerdings nicht automatisch bedeutet, dass nur 14 Personen aufgenommen werden können. "Wie lange ein Angehöriger dort bleibt, hängt ganz von dem Tagesablauf des Berufstätigen ab", erklärt Hans-Gerd Köhler, erster Vorstand des Caritas-Verbands Karlsruhe. So gebe es drei verschiedene Module für die Vormittags-, Mittags- und Nachmittagszeit mit unterschiedlichen Angeboten.

"Theoretisch kann ein Angehöriger für ein Modul oder für alle angemeldet werden", so der Caritas-Vorstand, "geplant sind Öffnungszeiten bis 18 oder 19 Uhr, bei großen Bedarf könnte aber auch eine Betreuung bis 20 Uhr möglich sein." Ebenso wie die Öffnungszeiten wolle man auch die Anzahl der Pflegekräfte an den Bedarf anpassen. Finanzieren könnte man es über Gebühren oder die Pflegekassen.

Tagesstätte erstmal nur in der Südweststadt

Das Projekt "Kiss and Go" ist Teil zahlreicher Änderungen, die die Caritas in Sachen Altenpflege in den kommenden Jahren geplant hat. Neben der Umstellung auf Einzelzimmer und Neubauten müsste sich aber auch in konzeptioneller Hinsicht etwas tun. "Der Trend geht weg von der reinen Betreuung, stattdessen brauchen wir mehr Leistungsangebot, damit die Betroffenen im gewohnten Umfeld bleiben können", erklärt der zweite Vorsitzende Christian Pflaum, "den Menschen soll es ermöglicht werden, solange wie möglich zu Hause zu wohnen."

Die Caritas wolle daher vor Ort unterstützen - auch mit neuen Konzepten. Die Wahl, den Standort in die Südweststadt zu verlegen, war laut Köhler nur logisch: "In diesem Stadtteil befinden sich sehr viele Dienstleister", erklärt er im Gespräch mit ka-news. Der Bedarf für ein solches Projekt sei hier gegeben.

Nicht vereinsamen

Diese Lösung bietet für beide Seiten Vorteile, davon ist auch Caritas-Vorstand Köhler überzeugt. "Für die Angehörigen bedeutet eine solche Betreuung natürlich Entlastung", meint er. So könnte der "Tagesgast" weiter in seiner gewohnten Umgebung wohnen bleiben ohne zu vereinsamen. Auch für die Berufstätigen sieht er einige Vorteile.

"Wenn man berufstätig ist, dann kann man sich nicht immer so kümmern, wie man das gerne möchte", erklärt Köhler, "diese Unruhe überträgt sich dann auch auf meinen Arbeitsalltag, denn mit meiner Aufmerksamkeit bin ich dann nie zu 100 Prozent auch am Arbeitsplatz." Ein Angebot wie "Kiss and Go" hätte daher auch Vorteile für den Arbeitgeber. "Der Arbeitnehmer kann sich besser auf seine Arbeit konzentrieren, da er weiß, dass für den Angehörigen gesorgt wird."

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