Die Stadtbahn, die vor rund zwei Wochen mit einem Lastwagen am Entenfang zusammenstieß, wird wohl nicht mehr auf die Schienen zurückkehren. "An der Bahn ist ein sehr großer Schaden entstanden", bestätigt Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der zuständigen Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) im Gespräch mit ka-news. Dies ist allerdings ein Sonderfall: Allgemein werden Bahnen selten so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr fahren können.

Warum wird die Unfall-Bahn nicht mehr repariert? Das liegt unter anderem daran, dass es sich bei dem Fahrzeug um ein älteres Modell handelt. Im Zuge der der Modernisierung wäre die Bahn in den kommenden Jahren auch ohne Unfall außer Dienst gestellt worden. Aber das wäre erst in einem Zeitraum von rund fünf Jahren geschehen, erklärt Lutterbach weiter.

Unfälle sorgen für Fahrausfälle

Derzeit wird durch einen Gutachter die genaue Schadenssumme ermittelt. Aber das wird am Schicksal der Bahn wohl nichts mehr ändern: "Wir gehen derzeit davon aus, dass eine Reparatur der Bahn mit großer Wahrscheinlichkeit versicherungstechnisch als unwirtschaftlich eingestuft wird", so Lutterbach.

Gerade für den Betriebsablauf ist dieser Ausfall nicht so leicht zu verkraften: "Auch wenn die Bahn in absehbarer Zeit ausgemustert worden wäre, es ist ein Fahrzeug, was jetzt nicht mehr zur Verfügung steht", so Lutterbach. Für die Einsatzplaner bedeutet dies nun: Umplanen. Fahrzeuge, die nicht mehr für den Betrieb zur Verfügung stehen, müssen durch andere Bahnen ersetzt werden. Im schlimmsten Fall entfallen Fahrten - bis wieder ein Fahrzeug zur Verfügung steht.

"Manchmal gibt es Unfallspitzen, dann haben wir schon ein paar Engpässe im Fuhrpark", gibt Lutterbach weiter an. Auch derzeit häufen sich die Unfälle in Karlsruhe: Nur eine Tag nach dem schweren Zusammenstoß am Entenfang, gab es einen Unfall in Dammerstock, bei dem auch eine Bahn beschädigt wurde. Aber, betont Lutterbach, momentan gibt es aufgrund der Unfälle keine Schwierigkeiten, den Fahrbetrieb am Laufen zu halten.

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Kaum eine Bahn wird ausgemustert

Viele Schäden können in der hauseigenen Werkstatt der Karlsruher Verkehrsbetriebe wieder gerichtet werden, in Ausnahmen muss die kaputte Bahn "außer Haus": So besteht auch die Möglichkeit, die Bahn zur Reparatur zum Hersteller zu schicken. Oder wenn eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten ist,  wird auf eine Instandsetzung verzichtet, wie es bei der kaputten Entenfang-Bahn der Fall sein kann.

Grundsätzlich werde eine Bahn selten komplett aus dem Betrieb genommen: Konkrete Zahlen, wie viele Bahnen bislang verschrottet worden sind, will AVG-Pressesprecher Lutterbach auf ka-news-Anfrage nicht nennen. Er betont aber, dass "keines unserer Neufahrzeuge bislang entsorgt oder verschrottet haben." Gleiches gelte für die Niederflurbahnen, die die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und AVG betreiben.

Bahnunfälle in Karlsruhe

Auf die Frage wie viele Fahrzeuge von AVG, VBK und KVV nach Unfällen nicht mehr auf die Schienen zurückkehrten, darüber geben die Verkehrsbetriebe keine Auskunft. Genaue Zahlen, welche Bahnen verschrottet worden sind, existieren nicht. Die Antwort: Verschrottet worden seien nur Bahnen, die zu alt für den Betrieb waren (beispielsweise die "Holzklasse") oder die Schäden an der Fahrzeugtechnik hatten. Fest steht, zumindest eine Bahn hat es außerhalb dieser Kategorien nicht mehr in den Fahrbetrieb zurück geschafft: Die Bahn, welche 2007 beim Brand in der Wagenhalle in Ittersbach zerstört worden ist.

 
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