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Karlsruhe Schlosslichtspiele 2017: Künstler Lynn schickt Karlsruhe in die Wüste

In diesem Sommer gehen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe in die dritte Runde. Aber wer sind die Menschen, die die Schlossfassade einen Sommer lang verwandeln? ka-news blickt hinter die Kulissen und spricht mit den Künstlern. Heute: Der international renommierte Architekt Greg Lynn kombiniert das Karlsruher Schloss mit 360-Grad Aufnahmen aus San Francisco, Los Angeles und die Arizona-Wüste.

Der amerikanische Architekt und Goldener-Löwe-Preisträger Greg Lynn ist einer der Schlosslichtspiele-Künstler, welcher die Fassade zum Leuchten bringt. Seine Show trägt den Titel "rolling eye". Hierfür verwendet der Künstler den Lasten- und Transportroboter Gita von Piaggio Fast Forward.

Auf dem Roboter ist das Jump-Kamera-Rig von Google montiert. Das bedeutet, dass 16 kreisförmig angeordnete Videokameras nahtlose 360-Grad-Aufnahmen ermöglichen. Der Roboter begleitet Max Hollein, Aaron Betsky und Frank Gehry durch San Francisco, Los Angeles und die Arizona-Wüste.

Die dann daraus resultierenden Bilder, welche aus den 360-Grad-Panoramen und den Bewegungen des Roboters bestehen, werden auf die 170 Meter lange Schlossfassade projiziert. ka-news hat mit dem Künstler gesprochen.

Herr Lynn, wie haben Sie von den Karlsruher Schlosslichtspielen erfahren?

Ich kenne Peter Weibel seit vielen Jahren, insgesamt sogar knapp drei Jahrzehnte. Er war zentral in der Verbindung von Architektur und Medienkunst und er ist immer auf der Suche nach kreativen und kulturellen Kreuzungen rund um unsere gemeinsamen Technologien und Ansätze. Ich bin seit fast zwanzig Jahren Professor an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und so habe ich auch die Gelegenheit, zu verfolgen, was Peter macht.

Warum wollten Sie daran teilnehmen?

Ich würde immer "Ja" sagen zu einem Projekt, das Peter vorstellt. Als ich hörte, dass Architekten in diesem Jahr die Teilnehmer sein würden, machte es das noch attraktiver für mich. Ich bin auf professioneller und persönlicher Ebene Patrik, Zaha, Hani und Lise Anne äußerst zugetan und sehr erfreut, mit ihnen gemeinsam teilzunehmen. Wir sind alle Kollegen, deren Interessen eng mit der digitalen Technologie verbunden sind und den Möglichkeiten, die sie der Architektur und Kultur räumlich, visuell und technisch bietet.

Was gab Ihnen die Inspiration für Ihre Art der Projektion?

Vor einigen Jahren habe ich das Modell eines Hauses entworfen und gebaut, das auf der Basis eines Roboters herumgerollt werden konnte, um so seinen Innenraum zu verändern. Es war ein Experiment für dynamische Möbel und Innenräume, genauso wie unser erstes Mal, als wir unsere eigene Software und Motorsteuerung entwickeln mussten.

Wir nutzen Gita, unser erstes Produkt, um unterschiedlichen Menschen durch diverse Umgebungen in Boston, Los Angeles und San Francisco zu folgen. Wir bringen die Perspektive von Menschen, die des Roboters und eines dritten Betrachters in die Interaktionen ein. Wir nutzten eine Vielfalt an Kameras, von ganz normalen Videokameras bis hin zu der Google Odyssey-Kamera, welche 360 Grad-Ansichten einfängt.

Wie haben Sie es geschafft, die Organisatoren von Ihrem Projekt zu überzeugen?

Die Organisatoren zu überzeugen war einfach. Dies ist ein Projekt, bei dem man sich statt mit Skepsis und Vorsicht mit konstruktiver Kritik und Forderungen nach mehr Originalität konfrontiert sieht.

Wie kompliziert war es, Ihr Projekt an die Fassade des Karlsruher Schlosses anzupassen?

Wir denken immer an die Fassade - vom ersten Augenblick an. Die Standorte, die wir für die Navigation mit den Leuten ausgewählt haben, gefolgt von den Robotern, basierten darauf, wie das Material mit der Fassade interagieren könnte. Wir bearbeiten und kombinieren die Aufnahmen von Panoramablicken, die die gesamte Fassade in geschnittene Vignetten verpacken, welche wiederum die verschiedenen Flächen und Fassadenfiguren ausnutzen.

Was technisch am kompliziertesten ist, ist die schiere Größe der digitalen Dateien. Die OdysseyArray-Aufnahmen dauern drei Stunden für jede Minute Filmmaterial und die Dateien können mehrere hundert Gigabyte groß sein, so dass das Hochladen und Herunterladen der Daten kontinuierlich den gesamten letzten Monat durchgeführt wurde. Das Rohmaterial benötigte einen eigenen Server, da das 360-Grad-Videomaterial ganze Terabytes an Daten erzeugt.

Was würden Sie als Hauptthema Ihrer Show ansehen?

Das Erleben der Interaktion zwischen autonomen Robotern und Menschen in Städten, Büros, Parks, dem Campus, Klassenzimmer und Museen. Aus der Sicht der sich bewegenden Menschen, des rollenden Roboters und dem Bürger als Beobachter.

Die Fragen stellte Vivien Andrée.

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Schlosslichtspiele Karlsruhe: Die Schlosslichtspiele finden seit 2015 vor dem Schloss Karlsruhe statt. In diesem Jahr präsentieren die Künstler ihre eigens für die Schlossfassade kreierten Shows vom 28. Juli bis 9. September 2018.
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    (3128 Beiträge)

    03.09.2017 21:25 Uhr
    In die Wüste...
    ...da werden wir auch bald sein...
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  •   haku
    (3974 Beiträge)

    03.09.2017 17:38 Uhr
    Sehr anstrengend...
    ...empfand ich die Projektion. Vielleicht ist es von weit hinten besser, aber auf dem Schlossvorplatz "schlägt" die Schlossfassade zu sehr durch, auf die die Videoaufnahmen ja nicht wirklich abgestimmt sind. Das Schloss ist einfach nur Projektionsfläche und dafür doch zu sehr strukturiert. In mir ist es ständig hin- und hergewackelt zwischen Video sehen und Fassade sehen.
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