11  

Karlsruhe Nachhaltige Schlosslichtspiele in Karlsruhe: Wie viel Müll bleibt täglich vor dem Schloss zurück und wie sinnvoll sind Öko-Becher?

Es ist die größte Kinoleinwand in Karlsruhe: Abend für Abend tummeln sich bei den Schlosslichtspielen zahlreiche Menschen auf der Wiese vor dem Schloss. Eine Kleinigkeit zu essen oder zu trinken, das gehört für viele zu einem gelungenen Abend dazu, doch das geschieht nicht selten zu Lasten der Umwelt. Wie viel Müll dort täglich zurückbleibt und was die Schlosslichtspiele für den Umweltschutz tun – ka-news.de hat bei der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME) nachgefragt.

Noch rund zwei Wochen, bis zum 15. September, erstrahlt die Fassade des Karlsruher Schlosses jeden Abend in allen denkbaren Farben. Die jährlichen Schlosslichtspiele gehören mitttlerweile zum Sommer in der Fächerstadt einfach dazu.

In den Abendstunden ist vor dem Schloss immer viel los. Dass nach der Vorstellung dort kein Müll zurückbleibt und die Anlage am nächsten Morgen genauso aussieht wie zuvor, kommt nicht von ungefähr. Denn: Die Macher der Schlosslichtspiele haben sich im Vorfeld viele Gedanken zum Thema Umweltschutz gemacht.

Auch wenn der Platz nicht sonderlich groß ist, finden sich dort für die Dauer der Spielzeit rund 40 zusätzliche Mülltonnen. Jeden Abend am Ende der Shows werden die Gäste auf die Tonnen hingewiesen – mit Erfolg: "Für die Besucherzahl, die allabendlich auf dem Schlossvorplatz ist, bleibt sehr wenig Müll in den Grünflächen zurück", sagt Markus Wiersch, stellvertretender Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), die das Lichtspektakel veranstaltet.

Besonders viel Müll bei Foodtruck Convention erwartet

Abend für Abend sind zwei Reinigungskräfte unterwegs, die schon während der einzelnen Shows dafür sorgen, dass der Platz sauber bleibt. Tage, an denen besonders viele Abfälle anfallen werden, sind wohl die der Foodtruck Convention. Denn: Am vorletzten Wochenende der Schlosslichtspiele gibt es vor der Kulisse des Schlosses viele Gerichte zu probieren. Dadurch wird deutlich mehr Müll anfallen. "Während der Convention werden wir hier das Reinigungspersonal deshalb auf acht erhöhen", so Wiersch auf Nachfrage von ka-news.de.

 

Das Fest - Pressekonferenz
Markus Wiersch, stellv. Geschäftsführer Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), im Gespräch mit ka-news.de | Bild: Paul Needham

Wer bei den Schlossichtspielen Durst bekommt, wird sein Getränk in einem Plastikbecher überreicht bekommen. "Plastikbecher? das kann ja gar nicht umweltfreundlich sein!", könnten Kritiker nun sagen. Doch der Schein trügt. Die Becher sind aus dem Kunststoff PLA, einem Biokunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Es handelt sich um Mehrwegbecher, denn Einweggeschirr ist bei Straßenfesten in Karlsruhe schon seit dem Jahr 1990 verboten. 

"Bio-Becher" können nicht immer kompostiert werden

Was passiert mit den Bio-Bechern, wenn sie nicht mehr wiederverwendet werden können? "Kompostierbares Einweggeschirr, welches beispielsweise aus PLA besteht, ist als Nebenbestandteil gemäß der Düngemittelverordnung nur in unvermeidlichen Anteilen bei einer Kompostierung zulässig", teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit.

LUBW in Karlsruhe
Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe. | Bild: Florian Kaute

Das bedeutet: Die Becher werden – genauso wie andere Plastikbecher – sehr wahrscheinlich verbrannt. "Biologisch abbaubares Einweggeschirr sollte, solange es nicht recycelt und damit sinnvoll stofflich verwertet werden kann, einer energetischen Verwertung wie dem Verbrennen in einem Müllheizkraftwerk zugeführt werden", so die LUBW auf Nachfrage von ka-news.de weiter.

Laut LUBW bringen diese "ökologischen Kunststoffe" sowohl Vor- als auch und Nachteile mit sich. "Ein vermehrter Einsatz von biobasierten Materialien aus dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen kann zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft führen", lautet das Urteil. Das könne wiederum zu einem verstärkten Bedarf an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln führen. "Positiv ist dagegen zu bewerten, dass die Kunststoffe durch die CO2-Aufnahme der Pflanze während der Wachstumsphase zu einer Reduzierung von Treibhausgasen beitragen." 

Die Becher, die bei den Schlosslichspielen ausgegeben werden, sind wie bei Das Fest aus einem biobasierten Kunststoff. | Bild: Reiff

Ein anderer Punkt, der in Sachen Umweltschutz besonders stark ins Gewicht fällt, ist die Anfahrt. Auch hier möchten die Veranstalter der Schlosslichtspiele die Besucher für das Thema sensibilisieren. "Grundsätzlich empfehlen wir bei Veranstaltungen in der Innenstadt die Anreise mit dem ÖPNV oder Fahrrad", so Markus Wiersch. Auf dem Schlossplatz werden dafür extra Fahrradparkplätze bereitgestellt.

Parkplätze sollen für die sein, die sie dringend brauchen

Es gibt noch einen weiteren Grund, aus dem die Besucher – wenn möglich – auf das Auto verzichten sollten: Damit mobilitätseingeschränkte Personen, die auf die Anreise mit dem Auto angewiesen sind, ausreichende und nahgelegene Parkmöglichkeiten finden, so die Veranstalter.

Premiere der Schlosslichtspiele 2019
Erstaunlich wenig Müll bleibt hier laut den Veranstaltern Abend für Abend zurück. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Zu guter Letzt wird das Programmheft unter die Lupe genommen. Auch das kann sich sehen lassen: "Die Hefte werden auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt", sagt Markus Wiersch. Überwiegend werde das Programm online kommuniziert, auf gedruckte Hefte dennoch nicht komplett verzichtet.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit:

Sind Umweltschutz und Festival ein Widerspruch? Das Fest in Karlsruhe versucht ihn zu lösen - mithilfe der Besucher

Für Umweltschutz: 11 Spargelbauern verzichten auf Folientunnel und Heizsysteme

Stadt Karlsruhe stellt neues Klimakonzept vor: "Wir müssen sehr schnell mehr tun als bisher"

Mehr zum Thema
Schlosslichtspiele Karlsruhe: Die Schlosslichtspiele finden seit 2015 vor dem Schloss Karlsruhe statt. In diesem Jahr präsentieren die Künstler ihre eigens für die Schlossfassade kreierten Shows vom 8. August bis 15. September 2019.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (11)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Rundbau-Gespenst
    (11479 Beiträge)

    02.09.2019 17:57 Uhr
    was, auch noch nachhaltig?
    das ist ja richtiges Gänsehautfeeling, womit man/frau sich da belohnen kann!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6846 Beiträge)

    02.09.2019 07:22 Uhr
    Also
    Bio Becher können nur bedingt umweltfreundlich recycelt werden, die Herstellung erfordert einen vermehrten Anbau bestimmter Pflanzen. Da nur noch Bio Becher auf den Markt kommen sollen, reicht die Menge rein Bio angebauter nachhaltiger Rohstoffe nicht aus, also muss auch auf konventionellen Anbau zurückgegriffen werden. Den Schädlingen ist es übrigens völlig egal, ob sie auf einem Bio Acker die Pflanzen anknabbern. Im Gegenteil für die ist es allemal gesünder. grinsen Und ein bissle spritzen, sicher mit weniger aggressiven Mittel muss man auch auf dem Bio Acker, sonst wächst da nicht viel, zumindest um auch noch was davon zu verkaufen.
    Wo waren wir, ach ja bei den Bio Bechern. Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, egal wie wir die Welt retten wollen, so ganz Bio nach Art der Grünen geht es auch nicht. Am besten wir schaffen uns ganz ab, natürlich streng biologisch ökologisch einwandfrei. Dann geht es unserer Welt wieder richtig gut. 😉
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DangerMouse
    (199 Beiträge)

    02.09.2019 14:27 Uhr
    Also
    Hi Alfpfin,

    Hast du eine gute Quelle zu dem Thema? Es darf ruhig wissenschaftlich anspruchsvoll sein.

    Für mich sind solche Artikel immer eine Gelegenheit mal ein bischen zu recherchieren um eine differenziertes Bild zu bekommen, als es der "Click-Bait" der "Krawallpresse" präsentiert.

    Mal abgesehen davon, dass der Inhalt oft Größenordnungen schlimmer sind als der Becher selbst, habe ich zwei Biokunststoffe gefunden PLA und CA. Letztens hatte ich sogar öfters mal Strohhalme aus Papier (ich wollte keinen, aber meistens kriegt man trotzdem einen) und es war natürlich nicht so beque wie ein Plastikstrohhalm, aber ich fands eigentlich OK.

    Wäre ein Biopappbecher nicht trotzdem zum grössten Teil aus Papier, bloss die dünne Innenbeschichtung aus z.B. PLA?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6846 Beiträge)

    02.09.2019 18:19 Uhr
    @DangerMouse
    hier einige Infos zu "reinen" biologischen Anbau. Bitte einkopieren, habe vom Handy aus recherchiert, das schwächelt ein bisschen. grinsen

    https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/darum-nutzen-auch-biobauern-pestizide/

    https://www.oekolandbau.de/landwirtschaft/pflanze/grundlagen-pflanzenbau/pflanzenschutz/pflanzenschutzmittel/kupfer-im-oekolandbau/

    https://www.oekolandbau.de › pflanzenschutz › pflanzenschutzmittel › ku...

    https://www.bmel.de
    (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) Artikel Bioökonomie, interessesant

    https://schillipaeppa.net/2018/02/20/auch-bio-bauern-spritzen-pestizide/

    www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=1981
    Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart
    Hier den Bericht lesen:
    Irreführung: Vermeintlich ökologisches Geschirr aus Bambus besteht zu einem großen Teil aus synthetischem Kunststoff
    (ob das die Grünen auch schon gelesen haben, die uns die Bio Becher so sehr empfehlen).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DangerMouse
    (199 Beiträge)

    03.09.2019 13:10 Uhr
    @ALFPFIN
    Ich danke dir! Alles sehr interessante Artikel. Das Kupfer sogar in der Bio Landwirtschaft eingesetzt wird ist echt krass. Der Artikel vom CVUA ist am ehesten was ich gesucht hatte. Aber das sieht eigentlich erstmal einfach nach Betrug am Verbraucher aus.

    Die Frage bleibt, ob es generell unmöglich ist Produkte wie Verpackungen oder Einweggeschirr umweltfreundlich hinzubekommen, oder ob da Hoffnung besteht. Bei Einweggeschirr oder gewissen obszönen Verpackungen kann man sich natürlich streiten ob das notwendig ist und man muss mal gegenrechnen, was das Spülen von Bierflaschen z.B. so ausmacht. Stärke für Pommesschalen habe ich schon sehr of gesehen auch auf dem KA Weihnachtsmarkt. Allerdings wurden die oft nicht mitgegessen, sondern weggeschmissen...

    Es scheint mir m.W.n. doch plausibel zu sein umweltverträgliche Materialien aus dem Anbau zu nutzen, wenn man es richtig macht und die Übertreibung bei Verpackungen in den Griff bekommt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6846 Beiträge)

    02.09.2019 18:35 Uhr
    Bio-Becher
    Bio-Becher komplett aus nachhaltigem Material herzustellen, zum Beispiel aus Maisstärke, dürfte wohl nicht gelingen. Schließlich muss das Material auch heiße und "aggressive" Flüssigkeiten, wie Alkohol usw. aushalten. Die bei uns angebaute Menge an Bio-Lebensmittel reichen nicht aus, um unseren den Bedarf zu decken. Also wird "Bio" eingekauft, auch um Bio Geschirr herzustellen. Da habe ich vor einiger Zeit eine gute Reportage gehört von "Bio" Exporten aus Italien. Nun ja, die Bauern können nichts dafür. Aber da gibt es ja noch die sogenannten ehrenwerten Familien.
    Ja und da wären wir wieder beim ordnungsgemäßen Recyceln, nach Bio und sonst was. 😒
    Natürlich gibt es auch sonst wo schwarze Schafe. Egal wie streng die EU Vorschriften sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5599 Beiträge)

    02.09.2019 14:43 Uhr
    Früher waren die Strohhalme....
    … aus Stroh, daher der Name. Was jeder aber leicht machen kann, mit dem Öffi dahin fahren. Vom Marktplatz aus ein Katzensprung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DangerMouse
    (199 Beiträge)

    03.09.2019 13:16 Uhr
    Früher waren die Strohhalme....
    Strohhalme selber machen ist auch leicht (für den, der es braucht):

    https://praxistipps.chip.de/trinkhalme-aus-stroh-selber-machen-so-gehts_111478
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Berty87
    (653 Beiträge)

    02.09.2019 17:25 Uhr
    Klar
    Bei denn Bhanpreisen fahre Ich lieber Auto und ich komme auch noch pünktlich hin und werde von irgendeiner Bevölkerungsgruppe die Ich nicht nenne möchte aber jeder weiß wer gemeint ist doof angemacht oder ausgeraubt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   melotronix
    (2919 Beiträge)

    02.09.2019 12:10 Uhr
    wenn es der Welt zu bunt wird...
    ...wird sie sich des Menschen entledigen. Dann gibts ein paar Wimpernschläge später (ein paar Millionen Jahre) wieder eine neue Spezies. Und diese hat hoffentlich mehr Grips im Hirn als die hiesige.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.