Karlsruhe Zwischen Terror und Taschendieben: So sicher ist der Karlsruher Christkindlesmarkt

Terror, Diebstahl, Wetter - drei Faktoren, die die Sicherheit auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt massiv beeinträchtigen können. Einiges können Veranstalter und Polizei nicht beeinflussen, anderes schon. Was unternehmen die Verantwortlichen, um den Karlsruher Weihnachtsmarkt möglichst sicher für die Besucher zu gestalten? Wie stellt sich Karlsruhe in diesem Jahr in Sachen Sicherheit auf?

Ein Gefühl von Unsicherheit: Das mag bei einigen Menschen aufkommen, wenn sie sich auf Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt aufhalten. Nach den Vorfällen in Halle ist die Angst vor Anschlägen wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch in Karlsruhe hat es einen konkreten Vorfall gegeben: 2017, als die Eislaufbahn vor dem Karlsruher Schloss evakuiert wurde - ein vermeintlicher Anschlag konnte damals vereitelt werden.  Wie stellt sich Karlsruhe in diesem Jahr in Sachen Sicherheit auf?

Tannenbäume aus Beton als Schutz - auch in Karlsruhe?

Einige Städte versuchen das Thema etwas weniger aggressiv anzugehen und werden kreativ, wenn es um die Gestaltung der Schutzvorrichtungen geht. So versperren in Essen Betonklötze in Form von Tannenbäumen die Zufahrten, in Rottweil sorgen - wie könnte es anders sein - Beton-Rottweiler für die Terrorabwehr

Eine Rottweilerfigur aus Beton steht neben anderen Pflanzenkübeln.
Rottweilerfiguren aus Beton sollen in der Stadt Rottweil für Sicherheit sorgen. | Bild: Jürgen Knubben/Privat/dpa/Archivbild

Die Stadt Karlsruhe greift hingegen auf bewährte Methoden zurück: Auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt gibt es keine Zufahrtssperren in Weihnachts- oder gar Tieroptik. Dafür gibt es Poller: "Wir setzten auf Behältnisse aus Beton", so Armin Baumbusch, Leiter des Marktamts, im Gespräch mit ka-news.de Anfang Dezember. 

Sicherheitskonzept bleibt verborgen

Wie genau das Sicherheitskonzept funktioniert, das soll nicht im Detail an die Öffentlichkeit gelangen. Denn dann könnte es umgangen werden. Und so entfaltet es seine Wirkung am Besten, wenn es für die Besucher - zum größten Teil - unsichtbar bleibt. Da sind sich die Experten von Polizei und Marktamt einig.

Armin Baumbusch, Leiter des Marktamts Karlsruhe.
Armin Baumbusch, Leiter des Marktamts Karlsruhe. | Bild: Paul Needham

Dabei gehe es nicht nur darum, dass die Informationen in falsche Hände geraten könnten, sondern auch darum, die Angst der Besucher nicht zusätzlich zu schüren. "Wir unternehmen alles menschenmögliche, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten", so Baumbusch. "Doch man muss vorsichtig sein, wie viel man preisgibt."

Polizei spricht von "anhaltender Gefährdungslage"

Selbiges bestätigt das Polizeipräsidium Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de. Aus taktischen Gründen werden keine genauen Angaben getätigt, wie viele Polizisten auf dem Christkindlesmarkt im Einsatz sind. Fest steht: Rund um den Friedrichsplatz ist man am häufigsten unterwegs.

Auch wenn die Veranstalter keinen Fokus auf das Thema legen wollen, die Polizei will ausdrücklich sichtbar sein. "Durch das erhöhte Besucheraufkommen und der anhaltenden Gefährdungslage bezüglich des Islamistischen Terrorismus ist erneut mit einer starken Polizeipräsenz zu rechnen", heißt es Anfang Dezember.

Die Polizei möchte auf dem Christkindlesmarkt eine hohe Präsenz zeigen. | Bild: Thomas Riedel

Die Beamten patrouillieren nicht nur zur akuten Gefahrenabwehr: Die Besucher sollen sich dadurch sicherer fühlen, so die Polizei, ihr sogenanntes "subjektives Sicherheitsempfinden" soll steigen. Die erhöhte Polizeipräsenz hat eine präventive Wirkung und soll Straftaten schon verhindern, bevor sie passieren.

Diebstähle um mehr als die Hälfte reduziert

Die verstärkte Patrouille der Beamten zeigt Wirkung: Wurden zur Zeit des Weihnachtmarktes, im Monat Dezember, im letzten Jahr nur 65 Diebstähle verzeichnet, waren es vor fünf Jahren noch mehr als doppelt so viele. Laut der Polizei zeigt die Anzahl der Diebstahldelikte diesen Effekt am besten - denn sie haben von allen Straftaten am ehesten den direkten Bezug zum Weihnachtsmarkt. 

Wir können sich die Besucher des Christkindlesmarktes vor Taschendieben schützen? Ein Tipp der Polizei ist: "Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen immer mit der Verschlussseite zum Körper." Darüber hinaus wird geraten, nur so viel Bargeld mitzunehmen, wie tatsächlich benötigt wird. Gerade im Gedrängel sei es für Diebe leicht, in einem unbemerkten Moment Handy oder Geldbeutel zu entwenden.

Beim Thema Sicherheit spielt auch ein weiterer Faktor eine Rolle, der sich nicht beeinflussen lässt: das Wetter. Kündigt sich beispielsweise ein Unwetter an, ist der Ablauf klar: Die Veranstalter informieren sich regelmäßig über die Wetterlage, ab einer gewissen Windstärke wird lose Ware abgehängt; nehmen die Böen weiter zu, wird der Betrieb geschlossen. Auch vorbereitete Lautsprecherdurchsagen liegen parat.

2011 musste der Weihnachtsmarkt geschlossen werden

Dieses Szenario ist schon einmal eingetreten. Am 16. Dezember 2011 zog Sturm Joachim über Süddeutschland hinweg, Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke machten auch vor dem Karlsruher Weihnachtsmarkt nicht Halt. Um kein Sicherheitsrisiko in Kauf zu nehmen, wurde der Markt damals für einen halben Tag geschlossen. 

Der Christkindlesmarkt in Karlsruhe. | Bild: Hammer Photographie

Es wurden auch in diesem Jahr zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um den Weihnachtsmarkt möglicht sicher zu gestalten.  Alle beteiligten Akteure wie Polizei, Ordnungsamt und Branddirektion haben zusammen gearbeitet - und im Vorfeld gemeinsam verschieden Gefahrenszenarien geprobt. 

Doch: Eigentlich sollte in der Vorweihnachtszeit nicht die Angst, sondern gebrannte Mandeln, heißer Glühwein und bunte Lichterketten im Mittelpunkt stehen.  "Wir sollten einfach ein paar schöne Stunden verbringen", sagt Armin Baumbusch vom Marktamt abschließend. "Angst zu haben wäre ein ganz schlechter Ratgeber und ist genau das, was bestimmte Kreise erreichen möchten." 

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