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Karlsruhe Nach fast 30 Jahren in der Politik genießt Michael Obert den Ruhestand: "Es ist ein Segen, dass ich nicht mehr jeden Tag ins Rathaus muss"

Seit Ende September 2018 ist Michael Obert raus, raus aus dem Rathaus, raus aus der Stadtpolitik. Nach fast 30 Jahren, in denen er sich politisch engagierte, nun also der Schlussstrich. Es gibt Dinge, die der gebürtige Karlsruher vermissen wird, andere auf die er sich sehr gefreut hat. ka-news.de-Redakteurin Anya Barros hat das "Kind der Oststadt" zum Interview eingeladen.

Zehn Jahre war Michael Obert Bürgermeister der Stadt Karlsruhe, seit 1999 war er in der Stadtpolitik aktiv, zuerst als Gemeinderat bevor er auf die Bürgermeisterbank wechselte. Zehn Jahre also der täglich Gang ins Rathaus. Eines der wenigen Dinge, die Obert nicht vermisst. "Ich habe noch nie zu denen gehört, die gerne früh aufstehen - gut, so früh war das jetzt auch nicht", sagt er schmunzelnd.

Michael Obert, ehemaliger Bürgermeister, im Gespräch mit ka-news-Redakteurin Anya Barros. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

"Aber es ist schon ein Segen, dass ich das nicht mehr jeden Tag ins Rathaus muss!" Doch seine Kollegen, die vermisst der Mann aus der Oststadt. "Ich bin ja auch aus dem politischen Leben ausgeschieden, denn wenn jemand mal Bürgermeister war und sich dann in den Gemeinderat wählen lässt, das macht man nicht! Daher ist meine politische Ära beendet!" 

Obert hat viele Projekte beeinflussen können

Doch unter seiner Federführung sind gerade im Baudezernat viele Meilensteine entstanden, einer davon ist der Citypark und die Südstadt-Ost. "Ich muss aber zugeben, dass ich nicht mehr am Bebauungsplan der Kriegsstraße Ost eingreifen konnte, aber ich habe andere Dinge angegangen, bei denen ich noch etwas beeinflussen konnte", so Ober gegenüber ka-news.de. Etwa ein Architekturwettbewerb für die Südstadt-Ost sagt er bei einem Spaziergang durch einen der jüngsten Stadtteile der Fächerstadt. "Man kann den Unterschied sehen und das die Qualität angestiegen ist. Dabei habe ich mitgewirkt!" 

Michael Obert ist auf vieles stolz, was er erreicht hat. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Sonst war das Quartier in der Südstadt-Ost abgeschlossen, die Planungen waren schon lange durch den Gemeinderat. "Da bin ich auch sehr traurig drum, aber da war ich noch sehr weit weg von meinem Amt. Die Stadt hätte das Areal ja kaufen können, denn wenn dir etwas gehört, hast du auch mehr Einfluss. Jetzt haben sich andere eine goldene Nase verdient", sagt er kopfschüttelnd.  

"Stadtbild soll schöner werden"

Auch wenn das Viertel schon lange fertig ist, so richtig zur Ruhe kommt es nicht, immer wieder ist der City Park in aller Munde, vor allem der See. "Der ist nicht auf meinem Mist gewachsen!", sagt Michael Obert mit Blick auf das innerstädtische Gewässer. "Ich kann die Kritik aber auch nicht nachvollziehen. Zu denken, dass man in dem See schwimmen darf, und mit Gewalt die Verankerungen der Fontänen raus reißt, das geht so nicht. Wer im Sommer nur seine Füße ins Wasser hält, dagegen hat die Stadt ja nichts!" 

Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Einige Dinge hätte Michael Obert, das "Kind der Oststadt", jedoch gerne anders gemacht, anders entschieden. "Ich würde die Messe nicht mehr nach Rheinstetten verlegen. Nicht, weil es der falsche Ort ist, aber es ist keine gute Lösung, dass sie nicht auf Karlsruher Gemarkung ist", weiß Obert. "Ich bin auch nicht zufrieden, wie der Zustand unserer Innenstadt ist, aber das ist den Verzögerungen der Kombilösung geschuldet. Da müssen wir auch über das ein oder andere neu nachdenken, das habe ich schon in meiner Amtszeit noch gesagt. Die Stadtgestalt muss besser werden!" 

"Böser Bürgermeister"? Von wegen!

So ist aus Sicht des ehemaligen Baubürgermeisters Michael Obert die Stadt viel zu viel zugemüllt. "Vieles ist auch beklebt und verschmiert, da muss man ran. Vielleicht hätte ich da mehr insistieren müssen", gibt er zu bedenken. "Aber zu sagen, dieses und jenes war ein absoluter Fehler oder das würde ich anders machen - schwer zu sagen. Es kann aber auch keiner sagen, dass man in zehn oder 20 Jahren im Amt alles richtig macht!" 

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Julia Wessinger

Das Amt des Bürgermeisters hat aber auch Schattenseiten, das weiß Michael Obert aus eigener Erfahrung. "Da waren die weniger schönen Entscheidungen, das sind die, wo wir es mit baurechtlichen Eingriffen zu tun hatten. Es ist ja nicht so, dass ich dasaß und mit dem Daumen nach oben oder unten gezeigt habe. Aber die Leute denken, der böse Baubürgermeister macht das und es schadet dem einen und nützt dem anderen!"

"Am meisten Spaß hat mir die Arbeit mit dem Zoo gemacht"

Auch wenn vielleicht nicht immer alles zu 100 Prozent rund gelaufen ist in seiner politischen Karriere, auf manche Entscheidungen und Beschlüsse blickt Michael Obert voller Stolz zurück. "Was am meisten Spaß gemacht hat, das war alles rund um den Zoo", sagt Obert voller Freude. "Weniger schön war natürlich der Brand damals. Aber er hatte auch etwas Gutes, denn so ist die Idee einer Altersresidenz für Elefanten entstanden", erklärt der ehemalige Baubürgermeister.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Das war eine Idee von mir persönlich! Und dass wir den Zoo überhaupt wieder auf Spur gebracht haben, dazu habe ich entschieden beigetragen und da bin ich rückblickend sehr stolz drauf", erklärt der Zoo-Freund gegenüber ka-news.de. 

"Ich war schon immer Lokalpatriot, deswegen bin ich in der Lokalpolitik geblieben"

In fast 20 Jahren in der Karlsruher Stadtpolitik konnte Michael Obert, der im Juni seinen 66. Geburtstag feiert, viel bewegen, entwickeln und aufbauen. Der Lokalpolitik ist er immer treu geblieben. "Ich habe zwei mal für den Landtag kandidiert und bin froh, dass ich nicht gewählt wurde", sagt er.

Michael Obert wurde 1953 in Karlsruhe geboren, ist ein "Kind der Oststadt". | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

"Kommunalpolitik ist am nächsten dran, die Menschen haben auf das, was geschieht, den direktesten Einfluss - daher wundere ich mich auch immer über die niedrige Wahlbeteiligung!" Die Fächerstadt war dem gebürtigen Karlsruhe immer wichtig. Mit ein Grund, warum er bis heute in der Oststadt lebt - und bis auf die Studienzeit seiner Heimat immer tief verbunden geblieben ist. 

Michael Obert und ka-news-Redakteurin Anya Barros bei einem Spaziergang durch den City Park in der Südstadt-Ost. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

"Ich war schon immer in Lokalpatriot", sagt Michael Obert im Gespräch mit ka-news.de. "Daher wünsche ich mir für die Zukunft der Stadt dass sie weiterhin wächst und gedeiht - aber nicht um jeden Preis!" Und sonst, wie sieht Michael Obert seine Zukunft? "Was sich alle wünschen, ein gesundes und langes Leben und dass ich geistig fit bleibe. Ich habe kein Problem mit meiner Pensionierung oder dem Alter - aber je älter man wird, desto kürzer wird die Perspektive. Es ist nun mal so dass Gesundheit die Voraussetzung ist, dass man die Dinge weitermachen kann, die man gerne macht!"

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