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Karlsruhe Generationenwechsel bei Karlsruher Straßenbahnen oder: Darum sollten Sie lieber einen Doppelsitz wählen

Über 20 Jahre Altersunterschied trennen die alten von den neuen Bahnen im Karlsruher Netz. Was sich in dieser Zeit in Sachen Fahrkomfort verändert hat und welche Bahngeneration mehr Beinfreiheit bietet: ka-news.de hat nachgemessen.

ET 2010 und NET 2012: Diese Namen klingen, als wären sie einem Science Fiction-Film entsprungen. Doch dahinter verbergen sich keine Roboter oder Raumschiffe, sondern zwei Bahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Es sind die beiden neuesten Modelle.

Die Bahn NET 2012 ist seit rund zwei Jahren auf der Strecke nach Bad Herrenalb unterwegs. Die ebenerdigen Fahrzeuge fahren im Moment noch parallel zu ihren Vorgängern. Der richtige Zeitpunkt, die Vor- und Nachteile der beiden Bahnmodelle gegenüber zu stellen. Wie haben sich die Bahnen über die Generation verändert und bieten die neuen Modelle tatsächlich mehr Fahrkomfort?

Um das zu vergleichen stellen wir zwei Bahnen der Linien S1/S11 gegenüber: Die neue NET 2012 und die ältere GT8-80C. Während Erstere erst seit zwei Jahren auf den Karlsruher Schienen unterwegs ist, hat ihre Vorgängerin schon über zwei Dekaden "Dienstzeit" hinter sich. 

1. Die Eckdaten der Bahnen

Alt versus neu: Über 20 Jahre "Altersunterschied" liegen zwischen den beiden Modellen. Obwohl die Bahnen gleich lang sind, finden im neueren Modell 20 Fahrgäste mehr Platz. Das ist möglich, weil sich das Verhältnis von Sitz- und Stehplätzen verändert hat. Sind die Klappsitze unbenutzt, können bis zu 166 Personen in der neuen Bahn stehen, während es bei der älteren nur 133 sind.

 

 

2. Der Einstieg: Ist er bei den neuen Bahnen leichter?

Ein großer Vorteil der neuen NET 2012 ist, dass die Fahrgäste nicht mehr in die Höhe steigen müssen, wenn sie einsteigen möchten. Denn das ist bei den alten Bahnen der Fall. Die hohen Stufen sind nicht nur für Kinderwägen und Fahrradfahrer, sondern auch für ältere Menschen oftmals eine Herausforderung.

Mehrere Stufen müssen bei den alten Bahnen beim Einstieg überwunden werden. | Bild: Thomas Riedel

Dieses Problem gibt es bei den neuen Bahnen nicht mehr: Selbst mit großen Kinderwägen ist der ebenerdige Einstieg leicht. Und auch im Inneren der Bahn ist genug Platz, denn ein weiterer Vorteil ist: Direkt hinter der Türe befindet sich das Multifunktionsabteil und die Fahrgäste müssen sich nicht mit schwerem Gepäck oder sperrigen Rädern zwischen den Sitzen hindurchdrängen.

3. Bieten die neuen Bahnen mehr Beinfreiheit?

Nicht nur von außen unterscheiden sich die neuen Bahnen stark von ihren Vorgängern. Auch im Innenraum hat sich einiges verändert. Wer viel Beinfreiheit möchte, sollte seinen Sitzplatz bewusst wählen. Denn: "Die Abstände zum Vor- und Nebenmann sind nicht für alle Sitzkonstellationen gleich", teilt die AVG auf Nachfrage von ka-news.de mit.

 


Beinfreiheit bei den neuen Bahnen "NET 2012":


 

Genau 40 Zentimeter – so breit sind die Sitze. Hinzu kommen rund sechs Zentimeter Platz, bis die Sitzfläche des Nebenmanns beginnt. Interessant wird es bei den Sitzabständen, denn hier gibt es Unterschiede. Wo haben die Fahrgäste mehr Beinfreiheit, in einer 4er-Sitzgruppe oder doch bei einem Doppelsitz?

36 Zentimeter Platz bieten die neuen Bahnen bis zur Rückenlehne des Vordersitzes. | Bild: Kube

Sind die Sitze in einer Reihe angeordnet, misst der Raum von der Kante des Sitzes bis zur Rückenlehne des Vordersitzes 36 Zentimeter. Diesen Platz hat der Fahrgast über die Sitzfläche hinaus also "exklusiv" für seine Beine.

In der 4er-Sitzgruppe ist zwischen den gegenüberliegenden Sitzen nur 58 Zentimeter Raum. Diesen Beinraum teilen sich zwei Personen. Das bedeutet pro Fahrgast sind es lediglich 29 Zentimeter. In einer vollen Bahn ist also die klare Empfehlung: Lieber einen Doppelsitz wählen.

 


Beinfreiheit bei den Vorgängermodellen


 

Hier den richtigen Vergleich zu ziehen ist allerdings nicht so leicht, denn: Die älteren, hohen Bahnen sehen von außen zwar alle ähnlich aus, dennoch sind hier verschiedene Modelle auf der Strecke S1/S11 unterwegs. In einer der Bahnen sind die Sitze beispielsweise ausschließlich in 4er-Gruppen angeordnet.

Ebenfalls rund 58 Zentimeter Platz ist in den 4er-Sitzgruppen der älteren Bahnen. | Bild: Kube

Im Vergleich zu den neuen Bahnen ist hier weder mehr, noch weniger Platz für die Beine. Denn auch bei den älteren Modelle teilen sich die beiden gegenübersitzenden Fahrgäste genau 58 Zentimeter Zwischenraum. Die Sitzfläche an sich ist dagegen ein kleines bisschen breiter. Rund zwei Zentimeter mehr Sitzfläche steht den Fahrgäste den alten Bahnen zur Verfügung.

4. Ob Fahrrad oder Kinderwagen: die Mehrzweckabteile

"Die Raumgliederung ist immer ein Abwägen zwischen Sitzplätzen, Stehplätzen und Multifunktionsabteilen", lässt die Produktbroschüre der neuen Niederflurbahn wissen. Doch die Frage ist: Für welches Verhältnis hat man sich gemeinsam mit dem Hersteller Vossloh bei den neuen Bahnen entschieden?

Insgesamt fünf Multifunktionsabteile zählt jede Bahn. Dort ist Platz für Fahrräder, Rollatoren, und sogar große Kinderwägen finden dort genügend freie Fläche. Und falls der Raum nicht anderweitig gebraucht wird, können die insgesamt 24 Klappsitze an den Seiten zum Einsatz kommen.

Rollator, Fahrrad, Rollstuhl - und nun auch Krippenwagen finden auf der Multifuktionsfläche in den NEt2012-Bahnen einen Platz.
Rollator, Fahrrad, Rollstuhl finden auf der Multifuktionsfläche in den NEt2012-Bahnen Platz. | Bild: Florian Kaute

Auch im Vorgängermodell finden sich einige Mehrzweckbereiche. Bei den mittleren Türen, direkt hinter der Fahrerkabine oder ganz hinten. Dort kommen ebenfalls Klappsitze zum Einsatz, um den Platz bedarfsgerecht nutzen zu können. Für beispielsweise Kinderwägen kommt allerdings in den Meisten fällen nur die vordere und hintere Tür in Frage. Das Problem ist: Bei den mittleren Einstiegen versperrt ein Haltegriff mittig der Treppe den Platz, um mit großem Gepäck einzusteigen. 

ka-news.de Hintergrund: Wer legt die Mindestmaße der Sitze fest?

Seit 1993 sind sogenannte ÖPNV-Aufgabenträger für den Schienenverkehr zuständig. In Baden-Württemberg ist dieser Aufgabenträger das Ministerium für Verkehr. Das Ministerium muss sicherstellen, dass im Sinne der Grundversorgung ein ausreichender Personennahverkehr vorhanden ist.

Um dieser Aufgabe nachzukommen, werden Verträge mit Verkehrsunternehmen geschlossen. Diese Verkehrsverträge legen auch fest, welche Qualität der Personennahverkehr haben sollte. Sprich: In diesen Verträgen finden sich beispielsweise die Mindestabstände der Bahnsitze und die Anforderungen an den Fahrgastkomfort.

"Die Gestaltung des Fahrgastraumes und somit auch die Anordnung der Sitze mit den entsprechenden Sitzabständen muss sich an diesem Vertrag orientieren", teilt der Karlsruher Verkehrsverbund auf Nachfrage von ka-news.de mit.

Einen Blick in die Verträge zu werfen, ist allerdings nicht so leicht. "Die einzelnen Verträge werden aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht", so die Auskunft des Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg.

 

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