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Karlsruhe Brücke oder doch Unterführung? So könnte die Südumfahrung Hagsfeld künftig aussehen

Hagsfeld und Rintheim ächzen unter der Verkehrsbelastung. Schon seit Jahren sollen die Karlsruher Stadtteile vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Nun hat die Stadt den Bürgern erste Entwürfe vorgestellt. Ob dort eine Brücke entstehen wird, Schallschutzwände aufgestellt werden und letztendlich wirklich weniger Autos durch die Hagsfelder Straßen fahren werden, steht allerdings noch nicht endgültig fest.

Wo soll die Umfahrung gebaut werden?

Wer von der A5 am Autobahnanschluss Karlsruhe Nord abfährt, landet derzeit auf der Elfmorgenbruchstraße. Das Problem: Die Straße hat keine überörtliche Funktion. Um von dort die umliegenden Karlsruher Stadtteile zu erreichen, müssen Autofahrer auf die L560, die Haid-und Neu-Straße, gelangen. Erst von dort aus "verteilt" sich dann der der Verkehr in die die Stadt und in die Stadtteile. 

 

 

Und genau diese direkte Zufahrt zur Haid-und-Neu-Straße soll in Zukunft möglich sein, denn über Ackerflächen und die Schienen der Deutschen Bahn hinweg soll die "Südumfahrung Hagsfeld" - die gleichzeitig eine Nordumfahrung Rintheims ist - entstehen. Der Plan: Sie soll auf der Grünfläche zwischen den beiden Stadtteilen gebaut werden und den Hauptverkehr von der Autobahn direkt auf die L560 leiten.

Ein weiteres Ziel, das mit dem Bau der neuen Straße verfolgt wird: Sie soll zudem als Zufahrt für das Gewerbegebiet Technologiepark dienen, das künftig nach Norden hin erweitert wird. Derzeit sind dort rund 70 Unternehmen ansässig.

Oberirdische Brücke oder unterirdischer Trog? 

Sowohl an der Kreuzung zur Elfmorgenbruchstraße, als auch an der Haid-und-Neu Straße, sind Ampeln geplant. Dazwischen überquert die Umfahrung Gleise der Bahn. Die Planungsgemeinschaft Mailänder Consult und Schüssler Plan, die mit den Vorplanungen beauftragt wurde, hat für die Querung der Schienen zwei Varianten entworfen: Entweder eine Brücke oder ein Trog - ein nach oben offener Tunnel. Bei beiden Varianten ist je ein Fahrstreifen je Richtung geplant.

Visualisierung der Troglösung. | Bild: Mailänder Consult GmbH

Bei der Troglösung wird die Straße rund sieben Meter abgesenkt und taucht unter den Gleisen der Bahn hindurch. Diese Lösung wär mit rund 70 Millionen Euro die teurere Variante. "Die Kosten beziehen sich auf die gesamte Maßnahme inklusive der Anbindung des Technologieparks Karlsruhe", teilt die Stadt Karlsruhe mit. Differenzierte Kosten würden erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Visualisierung der Brückenlösung. | Bild: Mailänder Consult GmbH

Dagegen ist die zweite Variante, die die Stadt vorschlägt, mit rund 55 Millionen Euro ein gutes Stück günstiger. "Die Brücke ist mit einer Lärmschutzwand etwa 13 Meter hoch. Die Fahrbahn liegt dort, wo die Brücke die Schienen quert, zehn Meter über dem Gelände im Umfeld", sagt Christian Müller vom Planungsbüro Mailänder Consult. Das Bauwerk misst eine Gesamtlänge von stolzen 430 Metern. Dies sei laut Müller notwendig, um den Höhenunterschied zu bewältigen.

Weniger Autos in Hagsfeld oder mehr Folgeverkehr?

Eine Verkehrsprognose der Stadt Karlsruhe stellt dar, wie sich der Verkehr nach dem Bau der Umfahrung verteilen könnte. Darauf zu sehen ist zum einen in blau die momentane Verkehrsbelastung, zum anderen in rot und grün die Zu- oder Abnahme des Verkehrs mit der Südumfahrung Hagsfeld. 

Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld.
Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld. | Bild: Stadt Karlsruhe

Laut der Verkehrsprognose würden täglich rund 23.200 Fahrzeuge den neu gebauten Abschnitt der Umfahrung nutzen. Die größte Verkehrsentlastung wäre wohl mit rund 6.000 Fahrzeugen weniger pro Tag am Ostring zu verzeichnen.

Wie hoch ist die Lärmbelastung?

Sowohl bei der Trog- als auch bei der Brückenlösung sind Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Denn in beiden Fällen wird der Immissionsgrenzwert von 59 Dezibel nicht eingehalten. Dieser Lärm wird allerdings nicht alleine durch die geplante Umfahrung, sondern im Zusammenspiel mit Bahn und umliegendem Verkehr erreicht.

Stand der Planungen: Die bürokratischen Mühlen

Im Moment steht die Umsetzung und Ausgestaltung der Umfahrung noch auf dem Prüfstand: Im Januar 2016 einigten sich die Stadträte darauf, ein förmliches Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich ein Genehmigungsverfahren, das der Stadt Rechtssicherheit bietet.

Für diesen Weg hat sich die Stadt nicht ohne Grund entschieden. Denn im Jahr 2014 musste alles zurück auf Anfang. Obwohl der Gemeinderat damals für eine Umfahrung südlich von Hagsfeld gestimmt hatte, stellte sich heraus: Die damals beschlossene Variante war nicht mit dem Bebauungsplan vereinbar.

Oberbürgermeister Frank Mentrup erklärt den Stand der Planungen zur Südumfahrung Hagsfeld. | Bild: Thomas Riedel

Bevor die Umfahrung Hagsfeld nun einen erneuten Anlauf nehmen kann, ist zuerst wieder der Gemeinderat am Zug. Im Herbst dieses Jahres sollen die Stadträte über eine Variante abstimmen, für die dann das Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird. "Wir haben im Moment den klaren Auftrag, für die Südumfahrung eine Mehrheit im Gemeinderat zu gewinnen", so Oberbürgermeister Frank Mentrup.

Sollte dort nicht einst die Nordtangente beginnen?

Ihren Ursprung hat die Südumfahrung Hagsfeld in den Plänen der Nordtangente. Die Schnellstraße sollte nördlich der Fächerstadt den Hardtwald von Ost nach West durchschneiden. Doch letztendlich wurde nur kleines Stück Nordtangente Realität: von der Autobahn A5 bis zur Elfmorgenbruchstraße.

Bürgerinfo zur Südumfahrung Hagsfeld. | Bild: Thomas Riedel

Dann war erst einmal Schluss: Der Gemeinderat entschied im Jahr 2009, die Nordtangente doch nicht zu bauen. Und somit lag der weitere Ausbau der Strecke ab der Elfmorgenbruchstraße auf Eis, denn damit fiel das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan heraus. Auch wenn die Stadt der Nordtangente den Rücken gekehrt hat - ein Stück soll trotz allem noch hinzukommen: eben jener Abschnitt bis zur  L560. Dieses Projekt ist die Südumfahrung Hagsfeld. 

Wann beginnen die Bauarbeiten?

Bis zum endgültigen Baubeginn wird es wohl noch mehrere Jahr dauern. Die erste Hürde könnte der Gemeinderat im Herbst nehmen: Indem er sich für eine der Varianten entscheidet, wäre der Weg frei, um das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. 

Da die Unterlagen daraufhin vorbereitet werden müssen, wird es dann noch einmal rund ein Jahr andauern, bis das Verfahren beginnt, teilt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de mit. Im Regelfall würde ein solches Verfahren rund fünf Jahre in Anspruch nehmen. Als Baubeginn kommt damit in etwa das Jahr 2025 in Frage.

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