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Karlsruhe 10 Jahre war Uwe Konrath der Chef der Kombilösung: "Endlich habe ich Zeit für die Familie und Hobbys"

2009 kam er zur Kombilösung, seit 2012 war er der Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), der Bauherrin des Jahrhundertprojekts. Zum 31. März 2019 hat Uwe Konrath nun seinen Schreibtisch geräumt und ist in den Ruhestand gegangen. Im Gespräch mit ka-news.de-Redakteurin Anya Barros blickt der gebürtige Trierer in seine Zukunft nach der Rente.

Es war der 1. April 2009, als Uwe Konrath bei der Kasig anfing. Nun, zehn Jahre später, geht dieses Kapitel zu Ende - und ein neues beginnt. Die Rente, die Pension, der (Un-)Ruhestand. "Im zarten Alter von 55 Jahren habe ich bei der Kasig angefangen", sagt Uwe Konrath mit einem ansteckenden Lachen. Seit wenigen Wochen ist das Abenteuer Kombilösung für den 65-Jährigen Geschichte.

Zehn Jahre leitete Uwe Konrath die Geschicke der Kombilösung. | Bild: Gustav Holzwarth

"Ich habe der Rente gelassen entgegengesehen"

"Ich hatte mich bis Ende 2018 gar nicht mit dem Thema beschäftigt, aber wenn die ersten Formulare eintrudeln für den Rentenantrag, dann muss man sich damit befassen", sagt er. "Aber ich habe der Sache gelassen entgegengesehen. Immerhin beginnt eine neue Episode!" 

Bei der offiziellen Verabschiedung gab es eine feste Umarmung von Oberbürgermeister Frank Mentrup und immer wieder ein großes Danke. | Bild: Thomas Riedel

Denn trotz seines Rentenalters, komplett wird er sich vorerst nicht aus der Kasig zurückziehen. "Ich werde noch in beratender Funktion tätig sein, etwa einen Tag in der Woche, möglicherweise bis Ende des Jahres", erzählt Konrath im Gespräch mit ka-news.de. Einen "gleitenden Übergang" nennt er es. Abgesehen davon, habe er außerdem genug zu tun. 

Keine Pläne, mehr Rennrad fahren und vielleicht ein Studium

Vor allem eines habe er sich vorgenommen: "Ich möchte nicht allzu viel planen, denn ich habe im Grunde genommen den größten Teil meines Berufslebens zwischen Spatenstich und Inbetriebnahme verbracht, hatte immer Termindruck, das möchte ich nicht mehr", sagt er entschieden.

Was er sonst mit seiner neu gewonnenen Freizeit machen möchte, weiß er schon. "Ich möchte ein bisschen mehr mein Hobby verfolgen, also mit dem Rennrad unterwegs sein - auch mal länger als die üblichen zwei Wochen im Jahr!" Auch der Literatur möchte er sich wieder verstärkt widmen. "Das möchte ich auch machen, ganz einfach lesen!"

ka-news.de-Redakteurin Anya Barros beim Interview mit dem ehemaligen Kasig-Chef Uwe Konrath. | Bild: Gustav Holzwarth

Der Ingenieur aus Trier kann sich außerdem auch noch ein weiteres Studium vorstellen, auch im Rentenalter. "Ich hatte vor ein paar Jahren mal im Sinn, vielleicht noch ein Fernstudium zu beginnen, eventuell in der Königsdisziplin, der Mathematik", verrät Uwe Konrath. "Aber ich fürchte, dass ich meine Fähigkeiten in solch einem abstrakten Fach nicht mehr auf dem Laufenden sind", scherzt er. 

"Ich bin badisch infiziert"

Seit über 30 Jahren lebt Uwe Konrath mit seiner Familie in der Nähe der Fächerstadt, hier möchte er auch bleiben. Eine Rückkehr nach Trier? Unwahrscheinlich. "Ich bin seit 1981 hier, unsere Kinder sind hier geboren, mein Sohn beispielsweise wohnt in Muggensturm - wir sind also hier sehr verwurzelt", sagt der 65-Jährige im Gespräch mit ka-news.de. "Ich möchte fast sagen 'badisch infiziert'", lacht er.

Für den Familienbesuch - sein Bruder lebt noch in der alten Heimat - geht es trotzdem ein paar Mal im Jahr nach Trier. "Ich muss ja nachschauen, ob die Porta Nigra noch steht und der Dom noch da ist!" 

Frank Mentrup (l.) und Uwe Konrath bei der offiziellen Verabschiedung als Kasig-Chef. | Bild: Thomas Riedel

Wenn auch mit Verspätung, seit wenigen Wochen kann Uwe Konrath also die Kombilösung aus einer anderen Distanz betrachten - dabei sollte er, das war der Plan, das Karlsruher Jahrhundertprojekt bis zum Ende managen. Das verpasst er nun, hat sich noch vor Bauzeitende in den Ruhestand verabschiedet.

"Ich höre ja nicht früher auf, sondern ich bin ja schon länger geblieben", sagt der Kasig-Chef. "Als ich das Projekt übernommen habe, war der Zeitplan noch bei einer Eröffnung des Stadtbahntunnels Ende 2016 und daran habe ich mich ausgerichtet!"

"Irgendwann reicht es, ich möchte gehen, solange ich fit bin"

Weil er auf seinen Nachfolger Frank Nenninger voll vertrauen kann, weiß er die Kombilösung in guten Händen. "Wir haben neun Jahre zusammengearbeitet. Wenn ich diese Gewissheit nicht hätte, dann hätte ich mir das nochmal überlegt", erklärt Uwe Konrath im Gespräch mit ka-news.de. "Es reicht jetzt aber auch. Man muss mich hier nirgendwo raustragen, sondern ich möchte gehen, wenn ich noch halbwegs fit bin", so Konrath schmunzelnd, der im Sommer 66 Jahre alt wird. 

Uwe Konrath (l.) bei einem Tunnelrundgang mit ka-news.de-Redakteurin Anya Barros. | Bild: Gustav Holzwarth

Ob die Rente allerdings so eine gute Idee ist, vor allem für seine Familie? "Das ist eine angespannte Freude bei meiner Frau", sagt Uwe Konrath und lacht. Er vergleicht seinen Ruhestand mit einem Urlaub: "Die ersten zwei oder drei Tage mit dieser 24 Stunden-Konfrontation, die waren nie einfach. Aber da ich ja auch einen Tag in der Woche bei der Kasig bin, wird sich das entspannen. Ich bin ja auch älter geworden und das Ganze geht nun alles gelassener und ruhiger vonstatten!" 

Für die Zukunft wünscht sich Uwe Konrath vor allem Zeit für Freunde und Familie. "Und dass meine Mitmenschen gut mit mir auskommen, denn das ist manchmal gar nicht so leicht", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Sonst ist das ganz einfach: Dass ich halbwegs gesund bleibe, dass es unserem Land gut geht und nicht allzu viele Verrückte unterwegs sind, um unseren Planeten zu zerstören - mehr wünsche ich mir eigentlich nicht!" 

Uwe Konrath und ka-news.de-Redakteurin Anya Barros haben sich für ihr Interview, wie sollte es auch anders sein, im Stadtbahntunnel getroffen. | Bild: Gustav Holzwarth
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