In Karlsruhe wird es immer heißer. Wie gut, dass es die schattenspendenden Platanen in der Kaiserstraße gibt. Doch im Rahmen der Neugestaltung der Kaiserstraße sollen 48 Platanen gefällt werden, um 86 Zürgelbäumen Platz zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Zürgelbäume seien laut der Stadtverwaltung für das wärmer werdende Klima und für die Innenstadt besser geeignet. Außerdem seien die Platanen schief gewachsen, würden zu nah an den Hausfassaden stehen, das Wurzelwerk sei für die Lage nicht geeignet und die Bäume hätten teilweise sogar Pilzbefall.

Doch das Vorhaben erhält enormen Gegenwind. Zuletzt hatte Klimabündnis-Mitglied Jürgen Scherle in einem Gutachten dargelegt, wie die Bäume womöglich erhalten werden könnten. Am Dienstag, den 6. Dezember, starten im Hauptausschuss die Vorberatungen. Die endgültige Entscheidung zum Erhalt der Bäume fällt erst kurz vor Weihnachten.

Fraktionen reichen weitere Anträge ein

Die Linke: Diskussionsrunde mit Experten

Doch nicht nur das Klimabündnis, auch einige Fraktionen sind über die Fällung der Bäume nicht begeistert. Besonders die vergangenen heißen Sommermonate sehen die Fraktionen zum Anlass, die Bäume zumindest stehen zu lassen, bis die Zürgelbäume groß genug sind, um den notwendigen Schatten zu spenden

Um wieder auf eine insgesamt ausreichende Anzahl an Bäumen in der Kaiserstraße zu kommen, halten wir eine Nachbepflanzung durch Zürgel- oder andere Bäume bei Erhalt der Platanen für sinnvoll", schreibt die Linke in ihrem Antrag.  Darüber hinaus schlagen die Linken eine Reihe von Experten vor, deren Meinungen eine öffentliche Diskussion einfließen sollen.

Diese Experten wollen die Linke gerne miteinbeziehen:

  • Prof. Dr. Mürb – Ehemals Leiter GBA Karlsruhe / Professur für Landschaftsgestaltung an TU Darmstadt
  • Dr. Scholler – Mitarbeiter Naturkundemuseum Karlsruhe (Mykologe)
  • Prof. Dr. Eckhart – Hochschule Karlsruhe – Lehrstuhl für Verkehrsökologie Forschungsthema 
  • Dr. Saha – ITAS / KIT – Projektleiter Projekt "Grüne Lunge“ Forschungsthema - Stärkung der Resilienz innerstädtischer Bäume in der Stadt. 
Das könnte Sie auch interessieren

Oberbürgermeister Frank Mentrup hatte bereits während der Gemeinderatssitzung vom 15. November zugesagt, die Expertise von Externen in die Beratung im Hauptausschuss einzubinden. Ob es tatsächlich zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zwischen der Stadt und den Experten kommt, bleibt abzuwarten.

AfD: Zürgelbäume eignen sich nicht als Ersatz

Unterstützung erhält die Linke von der AfD, die ebenfalls einen Antrag einreicht. Die Fraktion stört sich an dem Argument der Stadt, dass der Schiefwuchs der Bäume eine Fällung bekräftigt. "In anderen Städten ebenfalls Platanen an Straßen im Innenstadtbereich, die höher gewachsen sind, noch viel näher an den Gebäuden stehen und seit vielen Jahren noch schiefer stehen als die Platanen in der Kaiserstraße", so die AfD.

Ein Blick in die Kaiserstraße (Archivbild von 2020) | Bild: Thomas Riedel

Außerdem seien Zürgelbäume nicht als Platanen-Ersatz geeignet. Zum einen, da die Kronen weniger ausgeprägt seien und damit weniger Schatten spenden zum anderen, da die herabfallenden Früchte des Baumes weitere Arbeit bedeuten. Ebenso sei die "invasive" Verbreitung der Bäume ihrer Ansicht nach ein Problem. 

Die Stadt argumentiert hingegen, dass Zürgelbäume eine ausreichende Größe erreichen und dem Gartenbauamt nicht als "invasiv" bekannt sei. Hinzu weist die Stadt darauf hin, dass bei den geplanten Baumaßnahmen eine Erhaltung der Platanen nicht möglich sei.

FW/Für Karlsruhe: Zürgelbäume am Marktplatz?

In einem Ergänzungsantrag der Fraktion Freie Wähler / Für Karlsruhe wird indessen der Karlsruher Marktplatz in den Fokus genommen. Die Überlegung: Fünf Zürgelbäume in die Hochbeete des Marktplatzes zu pflanzen.

"In Anbetracht der klimatischen Veränderungen, der fehlenden Beschattung und den Mehrwert von Bäumen für das Mikroklima, sind Bäume auch für den Marktplatz unerlässlich und längst kein Tabuthema mehr", heißt es im Antrag. Bereits im Jahr 2019 war das Thema bereits im Gemeinderat zwar behandelt, aber dann abgelehnt worden. 

Marktplatzeröffnung und Stadtfest
Der Karlsruher Marktplatz: Stehen hier bald Zürgelbäume? | Bild: Betsch/Weber

Das Blatt hat sich nun aber gewendet. In einer Stellungnahme gibt die Stadt zu Protokoll, dass das Gartenbauamt nun prüfen werde, inwieweit eine Pflanzung von Bäumen in Hochbeeten mit der Nutzung des Marktplatzes als Veranstaltungsfläche vereinbar sei. Die Ergebnisse sollen dann während des Hauptausschusses vorgestellt werden.

Kal/Die Partei: Mobile Schattenspender als Übergangslösung?

Auch die Fraktion der Karlsruher Liste/ die Partei reicht einen Antrag ein, der sich mit den Platanen befasst. Allerdings stimmen Sie der Stadtverwaltung zu, dass es "eine Reihe, nicht von der Hand zu weisender, vernünftiger Gründe gibt, die Bäume während der Umgestaltung der Kaiserstraße durch die sogenannten 'Zukunftsbäume', also Zürgelbäume, zu ersetzen."

Um die Zeit zu überbrücken, bis die Zürgelbäume groß genug sind, könnten "mobile Schattenspender" und "mobiles Grün" für den nötigen Schatten in der Innenstadt sorgen. Was genau sich die Fraktion darunter vorstellt, wird in dem Antrag allerdings nicht weiter vertieft. Eine Stellungnahme der Stadt steht bislang noch aus.