Die Wahlergebnisse sind eindeutig. In Karlsruhe und Baden-Württemberg konnten die Grünen ihr Ergebnis von 2016 bestätigen und ihren Vorsprung gegenüber den anderen Parteien sogar ausbauen. Die Freunde darüber ist im Lager des amtierenden Ministerpräsidenten groß, bei den vielen anderen Parteien herrscht dagegen Katerstimmung. 

Grüne

Die Grünen in Karlsruhe sind mit dem Ergebnis der Wahl sehr zufrieden. Für Ute Leidig und Alexander Salomon stehen nun Sondierungsgespräche in Stuttgart auf dem Programm. Es soll ein Partner gefunden werden mit dem die Partei die "meisten Schnittmengen hat und ein klimaneutrales, modernes und gerechtes Baden-Württemberg" umgesetzt werden kann.

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Wir freuen uns natürlich sehr über das Ergebnis. Es ist in dieser Klarheit sehr erfreulich und zeigt den Rückhalt für grüne Politik in der Bevölkerung. Den Wählerauftrag, das Land weiter zu regieren, werden wir gerne annehmen, mit Winfried Kretschmann als Ministerpräsidenten an der Spitze. Für das gute Wahlergebnis im Land hat natürlich die allgemeine politische Stimmung eine Rolle gespielt – Winfried Kretschmann erfreut sich als Ministerpräsident großer Beliebtheit. Die guten Ergebnisse für Ute Leidig und Alexan-der Salomon sind auch das Resultat der jahrelangen engagierten Arbeit der beiden in Stuttgart und hier in den Wahlkreisen sowie der Verdienst eines sehr engagierten Wahlkampfs mit großer Unterstützung der Grünen hier vor Ort.
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Unter grüner Regierung hat sich Baden-Württemberg in den letzten zehn Jahren sehr gut entwickelt. Wir Grüne haben gezeigt, dass wir über hohe Kompetenzen in allen wichtigen Bereichen verfügen, sei es Klima- und Naturschutz, Wirtschaft oder Soziales. Die Menschen in Baden-Württemberg sind zufrieden mit der grün-geführten Regierung und haben uns entsprechend ihr Vertrauen für die nächsten Jahre ausgesprochen. Wir stehen vor großen Herausforderungen beim Klima- und Naturschutz, beim Wandel der Wirtschaft wie auch beim Zusammenhalt in der Gesellschaft. Mit unserem ambitio-nierten Wahlprogramm haben wir konkrete Maßnahmen aufgezeigt, wie wir diesen Herausforderungen begegnen und die Innovationskraft des Landes nutzen und stärken wer-den. Das hat die Wähler überzeugt. Gleichzeitig sind die super Ergebnisse für Ute Leidig und Alexander Salomon auch das Resultat der jahrelangen engagierten Arbeit der beiden sowie der Verdienst einer sehr engagierten Wahlkampfkommission und unseren Mitgliedern. Wir haben es geschafft, für diesen Wahlkampf sehr viele Mitglieder zu mobilisieren. Dies ist uns gelungen, indem wir in den Weihnachtsferien jedes Mitglied einzeln angerufen und um ihre Unterstützung gebeten haben.
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Unsere beiden Kandidaten Ute Leidig und Alexander Salomon werden sich nun in die Koalitionsverhandlungen einbringen und ihre Arbeit im Landtag für Karlsruhe und Baden-Württemberg mit vollem Elan fortsetzen.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Auf jeden Fall eine grün-geführte Landesregierung. Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend, um das wichtige 1,5-Grad-Klimaziel noch erreichen zu können. Das Thema ist viel zu wichtig und zu dringend, um sich jetzt von einem weniger entschlossenen Koalitionspartner ausbremsen zu lassen. Gleichzeitig gilt es, die Innovationskraft im Land zu nutzen, um den Wandel der Wirtschaft zu gestalten. Glücklicherweise können die Grünen durch das gute Wahlergebnis selbstbewusst in die Koalitionsverhandlungen gehen. Wir werden nun in den kommenden Wochen sondieren, mit welchem Koalitionspartner wir die meisten Schnittmengen haben und wir ein klimaneutrales, modernes und gerechtes Baden-Württemberg umsetzen können.
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Wir sind sehr dankbar für das Vertrauen, das die Wähler uns gegeben haben. Wir sehen es als klaren Auftrag und Verpflichtung, in den kommenden fünf Jahren nun unsere Themen, insbesondere den Klimaschutz, weiter umzusetzen.

CDU

Die CDU ist mit den Ergebnissen in Karlsruhe und Baden-Württemberg "sehr unzufrieden." Ein Grund für das Ergebnis ist für die Karlsruher CDU die hohe Beliebtheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Die CDU wünscht sich ein Fortsetzung der bisherigen Koalition mit den Grünen. 

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Sehr unzufrieden. Das Wahlergebnis in Baden-Württemberg ist aus Sicht der CDU sehr enttäuschend. Ebenso in Karlsruhe, wo unsere beiden sympathischen, kompetenten und fleißigen Kandidatinnen keine Chance hatten bei diesem Landestrend.
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Winfried Kretschmann hat alles überstrahlt. Seine Beliebtheitswerte waren viel höher als die von Susanne Eisenmann. Die Unzufriedenheit mit den Corona-Regelungen wurde vor allem der CDU angelastet. Hinzu kam das unsägliche Verhalten einiger weniger Unionsabgeordneter.
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Unsere Kandidatinnen bleiben weiter in der CDU Karlsruhe engagiert.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Die Bürger wünschen sich mehrheitlich eine grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg. Die Zusammenarbeit war vertrauensvoll und besser als oft medial berichtet. Insoweit würden wir Kontinuität begrüßen. Jetzt liegt der Ball jedoch zunächst bei den Grünen und es sind die Sondierungs- und Koalitionsgespräche abzuwarten.
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Wir akzeptieren das Wahlergebnis mit Haltung und verstehen es als Aufforderung, unsere Ideen und Visionen für eine zukunftsorientierte, generationengerechte und nachhaltige Politik – insbesondere in wichtigen Bereichen wie Wirtschaft, Innovation sowie Umwelt- und Klimaschutz – zu formulieren und noch besser zu vermitteln.

SPD

Die Karlsruher SPD hätte sich gerne ein besseres Ergebnis gewünscht, freut sich aber wieder die drittstärkste Kraft in Baden-Württemberg zu sein. Meri Uhlig und Anton Huber bleibe weiter in Karlsruhe aktiv, in Sachen Regierungsbildung wünscht sich die Partei die "Ampel."

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Natürlich hätten wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht. Unser Ziel war es, im Land stärker zu werden gegenüber dem Ergebnis von 2016. Das ist leider nicht gelungen. Positiv ist festzustellen, dass die SPD wieder die drittstärkste Fraktion im Landtag stellt, vor der AfD.
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Wir haben einen starken Grünen Ministerpräsidenten, der über den Parteien steht und auch bei unserer Wählerschaft sehr beliebt ist - ähnlich der Wirkung von Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz. Das hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass wir nicht zulegen konnten.
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Meri Uhlig bleibt Integrationsbeauftragte der Stadt Karlsruhe und aktives Mitglied im SPD-Landesvorstand. Dr. Anton Huber wird seine engagierte Arbeit im Stadtrat und als Ortsvorsteher weitermachen und bleibt der Landesebene als stellvertretender SGK (Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik) Landesvorsitzender erhalten.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Eine progressive Regierung in Form der Ampel-Koalition.
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Wir danken unseren Wählern für Ihr Vertrauen. Jetzt geht es darum, dass die SPD Verantwortung im Land übertragen bekommt, um unsere Ziele für Bildung, Nahverkehr und die Gestaltung der Arbeitswelt durchzusetzen.

AfD

Für die AfD ist ihr Abschneiden bei der Wahl in Karlsruhe und im Land ernüchternd. Der Wunsch nach zwölf Prozent in Baden-Württemberg hat sich nicht erfüllt, jetzt geht es für die beiden Kandidaten Paul Schmidt und Rouven Stolz zurück "in die Normalität." Für die Landesregierung bringt die AfD eine Regierungsbildung aus CDU, FDP und SPD ins Gespräch.

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Wir hatten auf ein ähnlich gutes Ergebnis wie die 15,1 Prozent aus dem Jahr 2016 gehofft, nach den letzten Umfragen aber mit zirka zwölf Prozent gerechnet und sind daher mit dem landesweiten Ergebnis von 9,7 Prozent nicht zufrieden. In Karlsruhe haben wir besonders viele Wähler an neu angetretene Parteien verloren, die alle unter fünf Prozent geblieben sind. Im Ergebnis ist dies nicht nur für uns als Kandidaten bitter, sondern auch für die betroffenen Wähler.
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Es gab viele Akteure, die der AfD vor dieser Landtagswahl mit medienwirksamen Falschaussagen gezielt geschadet haben, sodass die eher unentschlossenen davon abgebracht wurden, uns zu wählen. Als Beispiele sind das absichtliche Durchstechen bestimmter Verfassungsschutz-Internas an die Presse, das es bis dahin noch nie gegeben hatte, sowie der aus vielen falschen Darstellungen bestehende Bildzeitungs-Artikel vom Freitag, 12. März, zu nennen.
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Für unsere Kandidaten geht es nun zurück zur "Normalität." Ein anstrengender Wahlkampf liegt hinter uns und nun heißt es wieder, alle Kraft für die kommunalpolitische Arbeit zu sammeln und sich weiterhin für unser Karlsruhe einzusetzen. Rouven Stolz wird weiter wie bisher die Interessen der Bürger im Ortschaftsrat Neureut vertreten und genauso Dr. Paul Schmidt im Karlsruher Gemeinderat und im Regionalverband mittlerer Oberrhein.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Da wir auch weiterhin einer links-grünen Politik kritisch gegenüber stehen, wäre für uns die beste Lösung eine Koalition der konservativen Mitte aus CDU, AFD und FDP; vermutlich wird die Anzahl der jeweiligen Sitze dafür aber nicht reichen. Weil wir sehen, welch katastrophale Folgen die Politik der Grünen für unser Bundesland hat - Verlust der Strom-Versorgungssicherheit, Abwandern der Automobilindustrie usw. - wünschen wir uns nun als zweitbeste Lösung eine Regierungskoalition aus CDU, FDP und SPD, die im Landtag eine Mehrheit von 79 zu 75 Sitzen haben wird und damit regierungsfähig ist.
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Liebe Wähler, für Ihre Stimme bei der Landtagswahl möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Für uns alle war das Ergebnis (6,7 Prozent in KA-Ost und 7,5 Prozent in KA-West) nicht zufriedenstellend. Mit den Corona-Bedingungen im Wahlkampf hatte jede Partei zu kämpfen; daneben wird es andere Gründe geben, unter anderem auch die deutlich niedrigere Wahlbeteiligung (ca. 65 Prozent im Vergleich zu 70,4 Prozent 2016). Wir werden uns in den nächsten Wochen in aller Ruhe zusammen setzen und unseren Wahlkampf analysieren, auf dass wir konsequent und mit klarer Kante in den Bundestagswahlkampf starten können. Nochmals vielen Dank! - Ihre Alternative für Deutschland in Karlsruhe

FDP

Auch wenn die Kandidaten der Karlsruher FDP den Sprung in den Landtag verpasst haben, herrscht Zufriedenheit bei den Freien Demokraten. Das Zulegen der Grünen und der FDP ist "ein schöner Erfolg", in Karlsruhe sei aber noch Luft nach oben. 

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Die Grünen und die FDP haben im Landtag zugelegt und das ist ein schöner Erfolg. In Karlsruhe konnten wir unsere Ergebnisse verbessern. Hier sehen wir aber noch Luft nach oben.
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Der klare Kurs in der Pandemie-Bewältigung sowie das klare Bekenntnis, Verantwortung übernehmen zu wollen, zeigen sich in den Ergebnissen. Zusätzlich haben wir ein deutliches Programm für Innovation, Technologie und Forschung angeboten und damit Zukunftsthemen besetzt.
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Unsere Kandidaten haben den Sprung in den Landtag verpasst. Beide bleiben wichtige Mitglieder der Kreispartei und werden sich in der Bundestagswahl für den Wahlkreiskandidaten Michael Theurer einsetzen, um auf das Ergebnis aufzubauen.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Die FDP wird mit allen Parteien des demokratischen Verfassungsbogens Gespräche führen. Eine grüne Ampel ist möglich.
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Vielen Dank für 9.757 absolute Stimmen für unsere Kandidaten und die FDP. Wir sehen diese als Auftrag, liberale Sachpolitik auch für Karlsruhe wieder sichtbarer zu machen.

Freie Wähler

Die Freien Wähler blicken nach Rheinland-Pfalz. Dort schafften sie es in den Landtag, in Baden-Württemberg bleibt dies aber verwehrt. Für das Land bringen die Freien Wähler eine Jamaika-Koalition ins Gespräch. 

  • Wie zufrieden/unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis ihrer Partei in Karlsruhe und in Baden-Württemberg?
    Wir Freie Wähler Karlsruhe, sind ja ein Verein und keine Partei! Deshalb sind wir nur indirekt an der Landtagswahl über unsere stellvertretende Vereinsvorsitzende Rena Thormann, beteiligt gewesen. Als parteilose Kandidatin für die beiden Karlsruher Wahlkreise trat sie für die Partei der Freien Wähler an. Sicherlich hätte sie sich ein Ergebnis wie in Rheinland-Pfalz gewünscht, wo es die Freien Wähler in den Landtag geschafft haben!
  • Was glauben Sie sind die Gründe für das Abschneiden Ihrer Partei?
    Anders wie in anderen Bundesländern können in Baden-Württemberg nur Parteien bei der Landtagswahl antreten! Daher hat es die Partei der Freien Wähler hier besonders schwer, weil ja in Baden-Württemberg meist die Mitglieder der Kreistage, Gemeinde- und Ortschaftsräte der parteiunabhängigen, ausschließlich nur kommunalpolitisch aktiven Freien Wähler bekannt sind!
  • Wie geht es nun persönlich für Ihren Kandidaten weiter?
    Wir Karlsruher Freie Wähler sind froh, dass die Partei der Freien Wähler mit unserer stellvertretenden Vorsitzenden eine Kandidatin für Karlsruhe nominiert hatten, die seit Jahren mit der Arbeit unseres Vereins und unserer kommunalpolitischen Arbeit im Gemeinde- und Ortschaftsrat vertraut ist und auch hoffentlich in Zukunft aktiv bleibt.
  • Welche Landesregierung wünschen Sie sich für Baden-Württemberg?
    Da die Wahl nun entschieden ist, bleibt mein Wunsch von vor der Wahl unerfüllt! Und da es rechnerisch ohne die Grünen nicht geht, würde ich für eine Jamaika-Koalition – schwarz-gelb-grün – plädieren!
  • Welche Sätze wollen Sie jetzt im Nachgang an die Wähler richten?
    Ihr seid der Souverän – ihr habt entschieden!

Eine Anfrage an die Partei "Die Linke" wurde bis Redaktionsschluss nicht beantwortet. Sollte noch eine Antwort an die Redaktion erfolgen, wird diese nachgereicht. 

 
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