112  

Karlsruhe Seit einer Woche wird Gehwegparken geahndet: Einige sprechen von "unfairen Kontrollen", Stadt sieht erste Erfolge - "Beschwerden nur zum Teil beleidigend"

Auf den Karlsruher Gehwegen soll Platz zum Gehen sein. Dafür setzt sich die Stadt seit einiger Zeit ein, seit Montag wird aber durchgegriffen. Nun verteilen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes an Falschparker kostenpflichtige Verwarnungen. Damit hat das lange geduldete Gehwegparken in Karlsruhe ein Ende, was nicht alle Anwohner erfreut.

Am vergangenen Montag mussten sich einige Karlsruher endgültig von einer lieb gewonnenen Tradition verabschieden: Seit sieben Tagen nun wird das Parken auf dem Gehweg geahndet. Das ist insofern erwähenswert, weil diese Art des Parkens jahrzehntelang in Karlsruhe geduldet wurde. Doch damit ist nun Schluss.

Im Rahmen des Projekts "Faires Parken" wurden alle Stadtteile untersucht. Nur dort, wo Markierungen am Boden oder Schilder das Parken auf dem Gehweg erlauben, ist es weiterhin geduldet. Ansonsten heißt es nun überall: runter auf die Straße. Auf diese Weise soll an den meisten Stellen in der Stadt mindestens 1,60 Meter für die Fußgänger auf dem Gehsteig freigehalten werden.

Gehwegparken wird nun geahndet

Nachdem die Markierungen angebracht waren, wurden die Falschparker mit Hinweiszetteln auf ihr falsches Verhalten hingewiesen. Seit Montag, 14. Januar, klemmt nun kein Hinweiszettel mehr hinter dem Scheibenwischer, sondern gleich ein Knöllchen. Allein am vergangenen Montag verteilte das Ordnungsamt bereits 720 Verwarnungen wegen illegalem Gehwegparkens.

Bild: Thomas Riedel

Eine Tatsache, die bei Helmut Rempp und Bernhard Löhlein für Kopfschütteln sorgt. Rempp ist Vorsitzender im Bürgerverein Rintheim, Löhlein ist ein Rintheimer Anwohner. Am ersten Tag der neuen Regelung zeige das Ordnungsamt auch in ihrem Viertel Härte. In der Forststraße beispielsweise hatten sich zwei Autofahrer nicht an die Regeln gehalten und bereits einen weißen Zettel mit einer Zahlungsaufforderung hinter dem Scheibenwischer klemmen.

Nicht überall passende Alternative gefunden?

"Die Kontrollen sind einfach unfair", findet Rempp. Ihm gegenüber habe der Leiter des Ordnungsamtes, Björn Weiße, zugesagt, dass die Kontrollen in den Stadtteilen beginnen, in welchen die neuen Park-Markierungen bereits länger angebracht sind. In der Forststraße wurden erst Mitte Dezember die weißen Linien aufgebracht. In Rintheim sei den Autofahrern weniger Eingewöhnungszeit zugestanden als in anderen Teilen der Fächerstadt. Zum Teil sind die Markierungen schon vor vielen  Monaten vorgenommen worden.

ka-news Redakteur Florian Kaute mit Helmut Rempp (r.) und Bernhard Löhlein (Mitte). | Bild: Thomas Riedel

Grundsätzlich habe er nichts gegen die neuen Regeln zum "Fairen Parken" - doch aus Sicht von Rempp und Löhnlein sei gerade die Forststraße ein Beispiel für eine weniger gelungene Umsetzung. Früher wurde hier auf beiden Seiten auf dem Gehweg geparkt, heute stehen die Autos nur noch auf einer Seite und auf der Straße. "Da sind natürlich jetzt einige Parkplätze weggefallen ", stellt Bernhard Löhlein fest. Dessen Sohn Matthias habe bei einer Abendlichen Gassi-Runde mit dem Familienhund ganze 68 Autos in der Forststraße und den angrenzenden Straßen gezählt, die schlicht aus Mangel an Alternativen auf den Gehsteig parken mussten.

Parkende Autos dienen nicht mehr als "Schutzschild"

"In der Forststraße wäre eine andere Markierung möglich gewesen", sagen sie. Mit einem Maßband begründen die beiden ihren Vorschlag, den sie auch an die Stadt gegeben haben - wo er dann allerdings abgelehnt wurde. "Der Abstand von Hauswand zu Hauswand beträgt knapp unter zehn Metern", so Rempp. Wenn auf einer Seite der Gehweg aufgegeben wird, sprich nur etwa 80 Zentimeter bis ein Meter für die Fußgänger übrig bleiben und Autos die restliche Fläche zum Parken nutzen dürfen, könne auf der anderen Straßenseite ein 1,60 Meter breiter Gehweg bereitgestellt werden. Hier könnten die Autos vollständig auf der Straße parken. Übrig bleiben laut der Berechnung von Rempp noch rund 3,5 Meter Fahrbahn - mehr als vorgeschrieben.

Bild: Thomas Riedel

Die Ablehnung dieses Vorschlags habe nun aber nicht nur einen erhöhten Parkdruck zur Folge: "Mit der Schule am Weinweg haben wir in der Straße oft behinderte Kinder, die auf ihrem Schulweg von der Haltestelle Forststraße sind", so Löhnlein. Früher seien die parkenden Autos für die sehbehinderten eine Art Orientierung und vor allem Schutzschild gewesen. "Mittlerweile weichen täglich mehrere Autos auf den Gehweg aus, wenn Gegenverkehr kommt", erzählt Löhnlein weiter. "Eine Gefahr für die Kinder!"

Immer wieder wichen Autos in der Vergangenheit auf den Gehweg aus, um dem Gegenverkehr Platz zu machen. | Bild: ka-Reporter Bernhard Löhlein

Fast ganz Karlsruhe wird kontrolliert

Doch auch in der Forststraße hat die Stadt Karlsruhe nur die geltende Straßenverkehrsordnung angesetzt, die besagt, dass auf dem Gehweg mindestens 1,60 Meter Raum sein müssen. Die früher in Karlsruhe tolerierte Praxis sollte und musste weg. Einzig in Durlach und Durlach-Aue sind die Markierungen noch nicht abgeschlossen, weshalb hier noch nicht kontrolliert wird.

Zwischen 17 und 20 Überwachungskräfte waren in der vergangenen Woche unterwegs, um die Einhaltung der Regeln in Karlsruhe zu überwachen. "Die Verstöße gegen das Gehwegparken wurde nicht explizit kontrolliert, das wurde bei den Routine-Kontrollen jetzt einfach mit überwacht", so Helga Riedel vom Presse- und Informatiosamt der Stadt Karlsruhe. Weiter: "Die Verwarngelder sind in den ersten Tagen deutlich zurückgegangen", zieht sie ein erstes Fazit.

Zahl der Verstöße geht seit Montag zurück

Während am Montag noch 720 Verwarnungen wegen Gehwegparken (1.496 Verwarnungen am Tag insgesamt) ausgesprochen wurden, waren es am Dienstag 528 (1.289), Mittwoch waren es 463 (1.085) und am Donnerstag dann bereits 367 (1.275). Laut Riedel war das Echo der Kontrolleure, dass die Zahl der Verstöße nicht so gravierend war, wie es zuvor befürchtet wurde. "Verbal beleidigt wurden unsere Überwachungskräfte nur vereinzelt", berichtet Helga Riedel. "Beschwerdeanrufe waren nur teilweise aggressiv, uneinsichtig und beleidigend!"

Darüber hinaus sei eine gewisse Verunsicherung bei den Karlsruhern spürbar: "Es wurden häufig die Fragen gestellt: Was ist jetzt erlaubt und was nicht? Wohin soll ich jetzt mit meinem Motorrad oder Roller? Darf ich vor meiner eigenen Grundstückseinfahrt parken auch wenn nicht markiert wurde?", so Riedel weiter. Darüber hinaus gebe es auch viele positive Rückmeldungen. Oft zu hören seien Aussagen wie "Endlich freie Gehwege für Fußgänger" und "Jetzt gibt es endlich Transparenz und eindeutige Regeln."

"Dauerhafte Lösung" für Rintheim?

Auch in der Forststraße hat man von Seiten der Stadt inzwischen versucht mit einer temporären Maßnahme das Problem zu beheben: Entlang des Gehwegs wurden mobile Begrenzungspfosten aufgestellt, die ein Fahren auf dem Gehweg unmöglich machen.

Für Bernhard Löhlein ein erster Schritt, "nichtsdestotrotz brauchen wir eine dauerhafte Lösung." Gleichzeitig beruft er sich wieder auf die Idee des doppelseitigen Parkens. Es scheint also so, als müssten noch einige Wogen geglättet und Unsicherheiten beseitigt werden, bis das "Faire Parken" in Karlsruhe richtig gelebt werden kann.

Mittlerweile verhindern Warnbarken, dass Autos auf dem Gehweg fahren. | Bild: ka-Reporter Bernhard Löhlein

 

Mehr zum Thema
Parken in Karlsruhe | ka-news.de: Parkstreifen oder Parkhaus? Wo ist Parken noch erlaubt und wo wird es verboten? Ab 2018 ist das Gehwegparken in Karlsruhe Vergangenheit. Alle aktuellen Infos rund um das Thema Parkraum und -regeln in Karlsruhe gibt es hier in unserem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (112)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   patrickkk
    (1194 Beiträge)

    21.01.2019 08:28 Uhr
    Hmm
    Das Ordnungsamt macht in Karlsruhe eh nur was sich lohnt. Perfekte Sache für die, jetzt haben sie neben den Anwohnerausweisen noch eine zweite Einnahmequelle.

    Und unser OB kann die extra Kohle sicher auch irgendwo medienwirksam verbuddeln. Win - Win.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maehdrescher
    (1002 Beiträge)

    21.01.2019 09:14 Uhr
    Bei den letzten Haushaltsberatungen
    wurde der Sozialhaushalt aufgebläht. Da wird das Geld dann verbraten. Und die Steuerzahler, die den ganzen Tag geschuftet haben, um das Geld zu erwirtschaften, dürfen jetzt noch eine halbe Stunde länger nach einem Parkplatz suchen und weitere Wege zurücklegen.

    Ganz toll. Ich weiß, wo ich im Mai bei der Kommunslwahl mein Kreuz garantiert NICHT mache.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (1356 Beiträge)

    21.01.2019 13:03 Uhr
    Tip
    Wie wäre es, einen Parkplatz zu mieten? Dann entfällt schon mal die Suche grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2151 Beiträge)

    21.01.2019 08:24 Uhr
    Eingewöhnungszeit?
    Wofür braucht man da eine lange Eingewöhnungszeit? Die StVO hat man in der Fahrschule gelernt und so kompliziert ist die Regel "nur dort auf dem Gehweg parken, wo es eine Markierung gibt" nun wirklich nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (238 Beiträge)

    21.01.2019 20:02 Uhr
    Ich hätte es gut gefunden
    ... Wenn sie kurz vorher, Zettel unter dem Falschparkern verteilt hätten. Denn für viele ist es neu, das sich hier in Karlsruhe was ändert. Bei uns sieht es noch so aus wie immer.

    Die Killisfeldstrasse ecke durlacher Allee, ist aber auch dank Parkverbotschilder(Hinweis) wieder nutzbar selbst mit Einkauftüten oder Kinderwägen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2151 Beiträge)

    22.01.2019 07:20 Uhr
    Antwort auf "Ich hätte es gut gefunden"
    Hat man doch in den letzten Wochen gemacht. Es gab für Falschparker Hinweise, aber noch keine Strafen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (238 Beiträge)

    22.01.2019 07:30 Uhr
    Jein
    Ich komme bei meinen Arbeitsweg an vielen Stellen vorbei an denen doch sehr wild geparkt wird, und es gibt auch einige Autos die sich scheinbar selten bewegen und ich hab keinen Zettel gesehen. Es gab immerhin ein Infoblatt in Briefkasten, aber bei der Aufmachung war es eher zufall das dies nicht sofort ins Altpapier ist bei mir. Bei so einer Umstellung, würde ich es gut finden wenn die typischen Strecken 2* abgelaufen werden und Zettel verteilt werden, ich denke dafür brauch man dann auch keine groß geschulten "Jobber". Im Idealfall würde man danach auch verstärkt Kontrollieren, damit die Leute nicht einfach weiter machen und es so aussieht ob Fußwegehauptsächlich zum Parken da sind. Bei letzteren vermute ich aber, dass man nicht so einfach temporär aufstocken kann.
    Sonst kommt in der Übergangsphase niemand, und wenn dann einer Abends durchgeht hat er auf einen Kilometer 300 Falschparker. Die auch nach der alten Regelung deutlich falsch gestanden hätten, aber die wurde nicht ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Elim_Garak
    (313 Beiträge)

    21.01.2019 08:17 Uhr
    Karlsruhe weiterhin fußgängerfeindlich
    Warum nur 1,60m Platz? Das ist knapp über den Mindestmaßen aus dem letzten Jahrtausend und deutlich unter den Mindestmaßen seit 2002 (http://geh-recht.de/63-baustellen/171-bau-vorgaben-und-kriterien-fuer-die-einrichtung.html). Ich hoffe mal irgendwer wird dagegen klagen und Karlsruhe zur Vernunft bringen. Kann nicht sein, dass die immer so autofahrerfreundlich sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   santana
    (1061 Beiträge)

    21.01.2019 13:26 Uhr
    @Elim_Garak
    Wenn es darum geht, "dagegen zu klagen", hätte ich einen heißen Tipp für Sie: Wenden Sie sich doch einfach an den Herrn Resch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der hat ein großes Erfahrungspotenzial im Klagen. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Berty87
    (474 Beiträge)

    21.01.2019 07:11 Uhr
    Platz
    Ist zwar jetzt da um auf dem Gehweg zu laufen. Jedoch bei Platz mehr auf der Straße wenn Bus und Rettungskräfte wie Feuerwehr durch muss. Sauber Karlsruhe. Hier hat man an die Bürger gedacht die nun super zu Fuß oder mit Kinderwagen und Co. Auf dem Gehweg durchkommen. Aber nicht an die Bürger die mit ihrem Fahrrad auf der Straße fahren müssen die dann zu eng wird da die Autos auf der Straße parken und dann fast überfahren wird. Die Busse kommen kaum durch. Die Rettungskräfte schon erst gar nicht. Mal abwarten wenn Wasser wieder über die Gullis hochgesteckt wird und man diese nicht reinigen kann weill das Auto drüber steht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 .... 8 9 10 11 12 (12 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: