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Karlsruhe Sascha Toni Oehme: Spaßkandidaten sind eher die Anderen!

Einen Interviewtermin mit Sascha Toni Oehme zu bekommen, ist nicht leicht. Kurz vor der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe hat der 40-Jährige Kandidat nämlich noch ganz andere Sorgen: die Prüfung zum Logistikmeister stand an. Dass er Prüfung und Wahlkampf unter einen Hut kriegen muss, sieht Oehme allerdings nicht als Nachteil. Anders als mancher Berufspolitiker stehe er als Kandidat stellvertretend für den ganz normalen Bürger - und sehe sich selbst keineswegs als "Spaßkandidat".

Herr Oehme, Sie wurden im Rahmen des OB-Wahlkampfes schon mehrfach als "Spaßkandidat" bezeichnet. Zu Recht?
Wenn ich mir die Politiklandschaft in Karlsruhe angucke, habe ich eher das Gefühl, dass die anderen Kandidaten Spaßkandidaten sind. Alle erzählen dasselbe und keiner wagt es, den anderen auch mal anzugreifen. Davon habe ich genug. Ich möchte die Menschen wachrütteln. Ich meine das ernst. Ein Spaßkandidat bin ich jedenfalls nicht.

Warum möchten Sie denn Oberbürgermeister von Karlsruhe werden?
Ich will die Vetternwirtschaft hier beenden. Die anderen Kandidaten arbeiten zum größten Teil schon seit Jahren im Gemeinderat zusammen. Ich komme von außen und habe mit dem Ganzen nichts zu tun. Als Oberbürgermeister könnte ich vieles umsetzen.

In Ihrem Wahlprogramm nennen Sie da allerdings nur drei Dinge: freier Eintritt zum Fest, Abschaffung der Hundesteuer und freies W-LAN in Karlsruhe...
...Nicht frei - kostenlos. Man müsste sich dennoch registrieren. Das ist wichtig, damit niemand das kostenlose W-LAN für kriminelle Zwecke missbrauchen kann.

OK, kostenloses W-LAN. Im Vergleich zu den anderen Kandidaten ist Ihr Wahlprogramm mit nur drei Punkten trotzdem eher dünn. Warum?
Natürlich sind noch mehr Dinge wichtig. Sozialer Wohnungsbau zum Beispiel. Als Oberbürgermeister hätte ich aber den großen Vorteil, dass vier andere Kandidaten mit mir ihm Gemeinderat sitzen, die ja genau das fordern. Warum soll ich das dann noch in mein Wahlprogramm reinschreiben?

Vor allem aber möchte ich die Menschen nicht anlügen. Natürlich kann ich alles mögliche in mein Wahlprogramm reinschreiben. Ich habe mich aber für die drei Punkte entschieden, die ein Oberbürgermeister auch tatsächlich umsetzen kann. Außerdem sind es Dinge, die ich für die Bevölkerung machen möchte, nicht für mich. Ich bin weder Hundehalter noch bin ich Internet-Provider.

Wenn man sich Ihr Plakat anschaut, könnte man trotzdem den Eindruck bekommen, dass die Kandidatur für Sie eher ein Spaß ist. Der verwischte Finger, das Grinsen - welche Chancen rechnen Sie sich denn für den 2. Dezember aus?
Das ist ein erhobener Zeigefinger an die Politik! Mein Ziel ist es, die Wahlbeteiligung über 50 Prozent zu bekommen. Ich werte es schon als Erfolg, wenn die Leute das Plakat sehen und nur zur Wahl gehen, um gegen mich zu stimmen. Ich halte dabei mein Gesicht stellvertretend für den Bürger hin. Das Plakat sagt, jeder Bürger kann Oberbürgermeister sein. Ich bin der Kandidat, von dem sich jeder angesprochen fühlen kann.

Sie kandidieren aus reiner Selbstlosigkeit, um die Bürger wach zu rütteln?
Nein, ein zweistelliges Ergebnis traue ich mir schon zu. Wenn ich die Welle der Nichtwähler lostrete, ist es auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass ich Oberbürgermeister werde...

Dass bei der ersten Wahl am 2. Dezember keiner der Kandidaten die nötige absolute Mehrheit bekommt, scheint derzeit sehr wahrscheinlich. Treten Sie auch bei einer zweiten Wahl am 16. Dezember wieder an?
Definitiv, sonst bräuchte ich schon beim ersten Mal gar nicht antreten. Außerdem hat die letzte OB-Wahl 2006 ja bewiesen, dass man schon mit 30.000 Stimmen, 15 Prozent aller Wahlberechtigten Oberbürgermeister werden kann. (Anmerkung der Redaktion: Heinz Fenrich wurde am 2. Juli 2006 mit 34.558 Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Wahlberechtigt waren 207.111 Menschen.)

Was wäre denn Ihre erste Amtshandlung als Oberbürgermeister?
Als aller erstes würde ich mir einen Überblick verschaffen. Es gibt zu viele Dinge, von denen offenbar niemand genaues weiß, wie etwa bei den Verträgen zur Kombilösung. Als Logistiker weiß ich, dass es wichtig ist, erstmal einen Überblick über die Lage zu bekommen. Außerdem weiß ich, wie man mit wenig viel erreicht. Wer in der Logistikbranche arbeitet, steht oft erstmal vor einem Scherbenhaufen.

Karlsruhe ist in Ihren Augen ein Scherbenhaufen?
Es gibt jedenfalls genug, was erstmal aufgeräumt werden muss. Nehmen Sie nur mal das Thema Sicherheit und Ordnung, was jetzt im Wahlkampf auf einmal wieder diskutiert wird. Keiner der OB-Kandidaten geht nachts raus oder fährt mal nachts mit der Bahn durch die Stadt. Dann wüssten sie nämlich zum Beispiel, dass in der Nacht von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag alles zugemüllt wird. Ich würde zum Beispiel dafür sorgen, dass hier zwischendurch sauber gemacht wird. Ich bin außerdem ein Mensch, der weiß, dass man auch selbst etwas tun muss. Wenn ich Oberbürgermeister bin, kann es daher durchaus passieren, dass ich auch mal selbst mit dem Besen vorm Rathaus stehe. Als OB muss man eben auch mal anpacken können.

Im Gegensatz zu den übrigen Kandidaten wohnen Sie nicht in Karlsruhe, sondern in Bretten. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Zunächst mal bedeutet es, dass ich jede Stimme, die ich bekomme, ehrlich verdient habe. Ich habe nämlich keine Familie in Karlsruhe, die schon mal auf jeden Fall für mich stimmen wird. Trotzdem würde ich naürlich nach Karsruhe ziehen - wenn jemand ein WG-Zimmer weiß, bitte Bescheid sagen.

Fragen: Felix Neubüser

Weitere Infos unter www.sascha-oehme.de

Immer noch unsicher, wen Sie am 2. Dezember wählen möchten? Hier geht es zu unserer Themenwoche zur OB-Wahl in Karlsruhe. Wie sich die Kandidaten beim ka-news Schlagabtausch in der Stadthalle geschlagen haben, können Sie hier nachlesen und im Video noch einmal nacherleben.

Die Interviews mit den anderen Oberbürgermeisterkandidaten und die gesamte Berichterstattung zur Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe haben wir hier für Sie zusammengefasst.

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Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe: Ergebnisse und Infos zur OB-Wahl 2020 in Karlsruhe. Außerdem: Umfragen und alles zu den Oberbürgermeisterkandidaten. Im Dossier erklären wir zudem das Wahlverfahren und den Ablauf der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe am 6. Dezember 2020. Am Wahltag werden hier außerdem die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe veröffentlicht.
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Kommentare (26)
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  •   Joker1894
    (3060 Beiträge)

    30.11.2012 16:07 Uhr
    Für den KSC verplempern?
    Für mich sind Gelder für Opern, Staatstheater, Messen, Kitas etc. auch Verschwendung...
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  • unbekannt
    (45 Beiträge)

    29.11.2012 00:46 Uhr
    Am besten...
    ...finde ich ja diese ganzen Oberätzer, Besserwisser und Ablästerer die sich hier rumdrücken, die ihren Ars.. nicht hochkriegen und noch nie hochgekriegt haben, sich aber lustig machen. Und dann die nächsten Jahre über den OB abstänkern. Meinen Respekt hat der Oehme jedenfalls.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    28.11.2012 22:12 Uhr
    Mal so sagen
    er sagt explizit, dass es sein Ziel ist, die Leute dazu zur bringen zur Wahl zu gehen, um gegen ihn zu stimmen. Dann kann er hinterher sagen, dass sämtliche Nichtwähler auch mit ihm als OB einverstanden gewesen wären.

    Ist doch eine nette persönliche Bestätigung.
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  • unbekannt
    (45 Beiträge)

    28.11.2012 19:38 Uhr
    Ich denke...
    ...der Oehme ist eine interessante Alternative zum konservativen Schlipsträgerestablishment. Ich mein': der Welle will unser Geld fürn KSC verplempern, Mentrup hat 12 Punkte die inhaltsleerer nicht sein könnten. Den Oehme find' ich wenigstens authentisch, und ich hab' nicht das Gefühl dass er die Leute anlügt.
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  •   HerrDoktor
    (122 Beiträge)

    28.11.2012 17:25 Uhr
    Ich finde ihn zumindest besser als...
    ...diesen bornierten Hutgimpel Lügo Cramer.
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  • unbekannt
    (195 Beiträge)

    28.11.2012 14:02 Uhr
    Am Wahltag....
    wird er seinen Erfolg für die Themen und seinen Wahlkampf einfahren! Es liegt am Wähler ob er sich damit identifizieren kann oder nicht. Grundsätzlich finde ich es gut wenn sich ein Bürger ohne Partei und sonstige Lobby einer solchen Herausforderung stellt. Ob es allerdings Sinn macht ihn aus reinem Protest zu wählen mag ich zu bezweifeln.
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    28.11.2012 14:23 Uhr
    Sollte(!) es mit ihm klappen,
    will's im Nachhinein dann wieder keiner gewesen sein, der ihn gewählt hat zwinkern
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  •   Wattendatten
    (62 Beiträge)

    28.11.2012 13:05 Uhr
    Locker bleiben
    Gelebte Demokratie hält das locker aus. Freuen wir uns, dass wir mehrere Kandidaten haben und jeder sucht sich den seinen.
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    28.11.2012 13:18 Uhr
    Ich würde gerne...
    eine hübsche junge Frau wählen. Wie?
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  •   Waterman
    (6452 Beiträge)

    28.11.2012 13:57 Uhr
    Kein Problem
    suche Dir eine aus!
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