22  

Karlsruhe Mentrup vereidigt: "Ich weiß nicht alles - und schon gar nicht alles besser"

Zuhören, verbinden, gestalten - Frank Mentrups Wahlkampfmotto war das wohl am häufigsten zitierte Mantra an diesem Freitagnachmittag. Im Rahmen einer Gemeinderatssitzung wurde der 48-Jährige als Oberbürgermeister von Karlsruhe vereidigt - und auch gleich mit den ersten Erwartungen des Karlsruher Gemeinderats konfrontiert.

Ein neuer Oberbürgermeister muss sich an vieles gewöhnen - auch an die Amtskette. Die saß bei Frank Mentrup rein dem Augenschein nach zwar perfekt, war für das neue Stadtoberhaupt Karlsruhes aber wohl doch noch etwas ungewohnt. Mehrmals fingerte er unauffällig daran herum, schob sie mal ein Stück nach links, dann wieder ein Stück nach rechts, während er den Reden der acht Stadträte der unterschiedlichen Fraktionen und Gruppen im Karlsruher Gemeinderat lauschte. Die waren zwar freundlich - kaum ein Redner vergaß das Wort "konstruktive Zusammenarbeit" unterzubringen - aber auch fordernd.

CDU-Fraktion schenkt zweite Rheinbrücke als Modell

"Sie übernehmen heute einen gut aufgestellten Konzern", rief Gabriele Luczak-Schwarz von der CDU-Fraktion dem frisch vereidigten neuen OB zu. "Machen Sie sich als Brückenbauer verdient." Dass diese Aussage durchaus zweideutig gemeint war, unterstrich die CDU-Fraktion mit einem besonderen Geschenk: Ein Modell einer zweiten Rheinbrücke. Die solle den neuen Oberbürgermeister immer daran erinnern, wie wichtig diese wichtige Brücke für Karlsruhe sei.

Bettina Lisbach von den Grünen erinnerte an das Wahlkampfmotto, "zuhören, verbinden, gestalten" - und forderte Frank Mentrup auf, an das "Grün-Rote Projekt im Land anzuknüpfen und auch hier zum Erfolgsprojekt zu machen." Zumindest in den ersten 100 Tagen werde man kein Wunder erwarten, wohl aber sichtbare Zeichen der Veränderung.  

Doris Baitinger von der SPD als Fee-Ersatz

Als selbst ernannter Ersatz für eine gute Fee trat Doris Baitinger von der SPD auf. Das Wahlergebnis vom 2. Dezember 2012 sei vielen in seiner Deutlichkeit vorgekommen wie ein Märchen - "und im Märchen müsste spätestens jetzt eine gute Fee auftauchen und Ihnen drei Wünsche freistellen". Da dies aber kein Märchen sei, würde nun eben Sie, die SPD-Fraktionsvorsitzende die drei Wünsche ihrer Fraktion benennen: eine glückliche Hand, gute Zusammenarbeit und das Beste für Karlsruhe und seine Bürger. "Ich bin sicher, die besten Tage liegen noch vor der Stadt!"

"Heute ist ein großer Tag für die Stadt Karlsruhe", leitete Rita Fromm von der FDP ihre Rede ein. "Die FDP-Fraktion bietet Ihnen als eigenständige Kraft, die sich keinem Lagerdenken verpflichtet fühlt, eine faire, offene, verlässliche Zusammenarbeit an." Zugleich erwarte man aber auch, dass der neue OB Karlsruhe nicht nur in Sachen Bildung zur innovativsten Großstadt in Baden-Württemberg entwickele. 

"Lassen Sie sich nicht an die Kette legen"

"Lassen Sie sich nicht an die Kette legen", empfahl Lüppo Cramer von der KAL dem neuen OB Frank Mentrup als Anspielung auf die Amtskette. "Aber lassen Sie auch den Gemeinderat an der langen Leine zum Wohle der Bürger arbeiten." Dass ein neuer Oberbürgermeister direkt in seiner ersten Sitzung mit den Beratungen für den Haushalt zu tun bekäme, sei ein Novum - aber eben auch eine gute Möglichkeit, einander kennenzulernen. Hier ginge es schließlich richtig zur Sache.

"Unser Ziel muss die Chancengleichheit sein", mahnte Eduardo Mossuto von den Freien Wählern und erinnerte Frank Mentrup zugleich an Heinz Fenrichs Worte, die dieser am Vortag im ka-news-Interview gesagt hatte: "Das Parteibuch zählt dabei weniger als Werte wie Charakterstärke, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit."


"Ein neues Fußballstadion muss der KSC nun selbst bauen."

Niko Fostiropoulos von Die Linke erinnerte in seiner Rede zunächst an einige alte Streitthemen: Eine Messe sei schon gebaut, Frank Mentrup blieben nur die Verluste. Eine U-Bahn werde schon gebaut, damit müsse der neue OB nun Leben. "Und ein neues Fußballstadion muss der KSC nun selbst bauen." Allerdings seien da noch einige "Prestige-Projekte", die bisher noch von niemandem angegangen sein würden - kostenfreie Kindertagesstätten etwa, bezahlbarer Wohnraum und ein Klinikum, das als Gesundheitszentrum für die ganze Region diene. "Den Status Quo erhalten ist langweilig, ergreifen Sie die Initiative, dann ist Ihnen unsere Unterstützung sicher!"

Einzelstadtrat Friedemann Kalmbach von Gemeinsam für Karlsruhe wünschte Frank Mentrup vor allem drei Dinge: "Kübelweise Weisheit", Mut und Freude. "Weisheit ist dabei nicht gleich Wissen", so Kalmbach. Nur mit Wissen käme man nicht weiter, das habe schließlich der Faktencheck für die zweite Rheinbrücke bewiesen. 

Mentrup: "Das Beständige an Karlsruhe ist der Wechsel"

Frank Mentrup selbst, der zu seiner Vereidigung mit einer historischen Straßenbahn angereist war - eine Initiative des Vereins Treffpunkt Schienennahverkehr Karlsruhe e.V. - gab sich gelassen und bescheiden. "Ich weiß nicht alles - und schon gar nicht alles besser", so Mentrup in seiner ersten Rede als neuer Karlsruher Oberbürgermeister. Aber er wolle lernen - und das vor allem von den Bürgern.

Die Stadt sei geprägt durch eine hohe Fluktuation - allerdings bringe jeder Neuankömmling etwas mit und jeder, der gehe, lasse etwas da. Die daraus resultierende Vielfalt sei Karlsruhes Stärke. "Das Beständige an Karlsruhe ist der Wechsel, ist der Wandel", erklärte Mentrup. Statt sich auf eine Stärke zu konzentrieren, setze Karlsruhe auf "die Spitze in der Breite".

Als Oberbürgermeister wolle er tatsächlich und ganz getreu seinem Wahlkampfmotto zuhören, verbinden und gestalten. Verbinden wolle er unter anderem den Gemeinderat und die Verwaltung, aber auch die Stadt mit der Region und das alles mit den Menschen. "Das Misstrauen gegenüber öffentlichen Institutionen ist groß", konstatierte Mentrup. Karlsruhes Zukunft zu gestalten sei aber eine Aufgabe aller. Das Angebot der Zusammenarbeit der Stadträte nehme er gerne an, das sei aber dann auch eine Zusammenarbeit, "die ich dann bitteschön auch erwarte."

"Danke, dass Sie mir Ihre Lieblingsmarke Erdnüsse verraten haben."

Zum Ende der Rede hin griff Mentrup schließlich das Motiv der Erdnüsse auf, mit dem sein Vorgänger im Oberbürgermeisteramt Politik noch am Vorabend bei seiner Verabschiedung verglichen hatte.

An Fenrich direkt gewandt sagte er: "Danke, dass Sie mir Ihre Lieblingsmarke Erdnüsse verraten haben." Zumindest an die Amtskette hat sich Frank Mentrup zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits gewöhnt. Kein Mal fasste er sie während seiner Einstandsrede vor dem Karlsruher Gemeinderat an. Wie schnell er sich an das Amt selbst gewöhnt, wird sich nun zeigen.

Seine erste reguläre Gemeinderatssitzung wird Frank Mentrup am 19. und 20. März leiten. In einer zweitägigen Sitzung berät der Gemeinderat über den Doppelhaushalt 2013/14. ka-news wird an diesen Tagen wie gewohnt aus dem Bürgersaal Rathaus berichten.

Mehr zum Thema Amtseinführung Frank Mentrup:

ka-news-Interview mit Frank Mentrup: "Wellenreuther hat mir seine Unterstützung angeboten"

Rückblick auf die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe

Abschied von Heinz Fenrich als Oberbürgermeister

Bilder von der Amtseinführung unter anderem mit dem ehemaligem OB Heinz Fenrich, Landes-Wirtschaftsminister Nils Schmid und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn

Mehr zum Thema
Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe: Ergebnisse und Infos zur OB-Wahl 2020 in Karlsruhe. Außerdem: Umfragen und alles zu den Oberbürgermeisterkandidaten. Im Dossier erklären wir zudem das Wahlverfahren und den Ablauf der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe am 6. Dezember 2020. Am Wahltag werden hier außerdem die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe veröffentlicht.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (22)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    02.03.2013 09:30 Uhr
    ...und mitreissend
    soll sie auch nicht gewesen sein, heisst es in den BNN. Na ja, wenigstens hatte er ein weisses Hemd und 'ne Krawatte an grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29 Beiträge)

    02.03.2013 12:29 Uhr
    Naja
    wenn man nich da war und es in der BNN gelesen hat, dann ist man natürlich Fachmann
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    02.03.2013 13:22 Uhr
    Geehrter alterHase
    Ich weiss nicht womit ich mich als Fachmann ausgegeben haben könnte. Nochmals, weil Sie es sind zwinkern:
    //...und mitreissend
    soll sie auch nicht gewesen sein, heisst es in den BNN.
    //
    Ich hab mich ganz klar ausgedrückt: "soll"
    und irgendjemand, denke ich doch, wird von den BNN wohl schon dabei gewesen sein.
    Kann es sein, dass Sie mit dem Verstehen geschriebener Texte Schwierigkeiten haben? Oder lag's am Namen daisyy? Oder störten Sie sich am "weissen Hemd und Krawatte? grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10153 Beiträge)

    02.03.2013 14:41 Uhr
    Er hat eben Karlsruhe beschrieben. grinsen Und in den BNN wurde dann beschrieben, wie man Karlsruhe beschreibt. zwinkern

    Am Anfang wurde noch kurz auf die Gedanken des Stadtgründers eingegangen. Das war der Teil bei dem er abgelesen hat und es fahrig wirkte.
    Danach hat er fast nur noch frei gesprochen und auch jeden der Vorredner mit in seine Worte einbezogen. Da wusste ich dann, warum er sich zuvor Notizen bei diesen Vorträgen gemacht hatte.
    Das ist eben ein Redner, der nicht gerne einen Text abliest.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gequo
    (324 Beiträge)

    02.03.2013 03:54 Uhr
    .
    auf besseres gelingen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Fragensteller
    (730 Beiträge)

    01.03.2013 22:03 Uhr
    Der Linke
    "Den Status Quo erhalten ist langweilig, ergreifen Sie die Initiative, dann ist Ihnen unsere Unterstützung sicher!" als Fazit, davor nur Dinge die den Status Quo verändern (Messe, Stadion, Kombi etc.) aufgegriffen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3304 Beiträge)

    01.03.2013 21:33 Uhr
    .
    "Ich weiß nicht alles - und schon gar nicht alles besser"

    Alles ist besser als das Fenrich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Bennobaumstark
    (176 Beiträge)

    01.03.2013 21:12 Uhr
    Viel Rauch um nix
    Vereidigungen und Amtseinführung hat es schon immer gegeben, warum wird über diese berichtet, als ob es das erste mal wäre ? So was wäre früher keine drei Zeilen wert gewesen. Aber heute wird ja alles hundertmal gekocht und fünfzigmal serviert.
    Hauptsache berichtet und die Nachrichten vollgemacht, als ob es nix wichtigeres gäbe ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (5704 Beiträge)

    02.03.2013 14:17 Uhr
    Wenn es seinerzeit.....
    ...schon ka-news gegeben hätte, wäre über den Abschied von Prof. Seiler genauso berichtet worden. Die damalig Verabschiedung war nicht weniger als die von Herrn Fenrich. Übrigens war auch die Verabschiedung von Herrn Dullenkopf seinerzeit auch nicht kleiner.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   vonderVogelweide
    (2791 Beiträge)

    01.03.2013 20:42 Uhr
    Cha­rak­ter­stär­ke
    Frau Mergen und der Alt-OB wie sie den Frank Mentrup herzen und anstrahlen, sie verstehen sich das ist ein Bild für Götter grinsen
    P.S. hat irgend jemand den, wie hieß der nochmal, ach so ja ingo gesehen, ist der verschollen? zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.